Michelin (franz. [], vollständiger Name: Manufacture Française des Pneumatiques Michelin, in Deutschland offiziell [mɪçəˈlin]) ist ein französischer Reifenhersteller mit Sitz im mittelfranzösischen Clermont-Ferrand. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 122.600 Mitarbeiter, besitzt Vertriebsorganisationen in 170 Ländern und unterhält 123 Produktionsstandorte in 26 Ländern. Zudem besitzt Michelin weltweit 9 Forschungs- und Entwicklungszentren. Das Unternehmen ist gemessen am Umsatz der größte Reifenhersteller der Welt vor Bridgestone.

Neben Reifen vertreibt Michelin Straßenkarten, den Restaurant- und Reiseführer Guide Michelin sowie Navigationsgeräte (Via Michelin).

Geschichte mini|Länder mit Michelin-Werken 1889–1900 Am 28. Mai 1889 übernahmen die Brüder André und Édouard Michelin eine kautschukverarbeitende Produktionsstätte in der Nähe des Place des Carmes, Clermont-Ferrand, und gaben ihr den Namen Michelin & Compagnie. Sie bauten sie aus und produzierten dort mit anfangs 52 Mitarbeitern Industrieabdichtungen, Gummibälle für Kinder sowie Bremsklötze für Kutschen – das erste Produkt der Gebrüder Michelin im Transportbereich. Noch heute befindet sich der Unternehmenssitz am selben Ort. Zwei Jahre später hatte Edouard Michelin bei der Reparatur eines Fahrradreifens die Idee für einen auswechselbaren Luftreifen. Er ließ die Idee patentieren und legte damit den Grundstein für die weitere Entwicklung des Unternehmens. Im selben Jahr gewann der französische Radprofi Charles Terront die erste Auflage des Radrennens Paris–Brest–Paris auf Michelin-Reifen. 1895 nahm dann der Michelin L’Éclair (der Blitz) als erstes Auto auf Luftreifen an dem Autorennen Paris–Bordeaux–Paris teil. Der Wagen – eine Eigenkonstruktion auf Peugeot-Basis und angetrieben von einem 4-PS-Daimler-Motor – erreichte innerhalb des Zeitlimits das Ziel. Die Fahrer wechselten unterwegs die Reifen und wurden deshalb disqualifiziert – trotzdem war die Alltagstauglichkeit der Erfindung von Édouard Michelin erwiesen.

1900–1930 1900, ein Jahr nach der ersten Tour de France für Automobile und zur Pariser Weltausstellung, erschien der erste Michelin-Führer (Guide Michelin) in einer Auflage von 35.000 Stück. Die Exemplare wurden kostenlos an Autofahrer verteilt. Der Guide war damals noch kein Reiseführer, sondern ein Werkstattführer mit wichtigen Informationen rund um das Auto und die Reifen.

1906 gewann Ferenc Szisz im Renault den ersten Grand Prix der Welt. Ein Einflussfaktor für den Rennausgang war die technische Innovation der abnehmbaren Radfelgen von Michelin. Während andere Rennfahrer vor dem Reifenwechsel die Gummireste von den Felgen entfernen mussten, tauschten Szisz und sein Beifahrer die hölzernen Kompletträder innerhalb von vier Minuten aus. Neben den Erfolgen im Rennsport erweiterten die Gebrüder Michelin ihr Stammwerk, sodass 1906 bereits 4000 Mitarbeiter beschäftigt wurden. Zur gleichen Zeit gründeten sie in London die Michelin Tyre Co. Ltd. und in Frankfurt am Main die Deutsche Michelin Pneumatik AG. In Turin entstand das erste Werk im europäischen Ausland. Ein Jahr später folgte in Milltown das erste Werk in Nordamerika. 1908 eröffnete André Michelin schließlich sein Pariser „Routenplanungsbüro“ – hier konnten sich Reiselustige kostenlos über Routen in verschiedenen Ländern informieren. Im Jahr 1910 veröffentlichte Michelin die erste Straßenkarte. Zu dieser Zeit entstand auch die Idee, die beliebtesten Reiserouten Frankreichs in Reiseführern zu dokumentieren. Die zunächst für die Regionen Frankreichs herausgegebenen Führer bildeten die Grundlage für den späteren Grünen Reiseführer, der erstmals 1926 erschien. Während des Ersten Weltkriegs war Michelin auch im Flugzeugbau tätig, konzentrierte sich jedoch nach Kriegsende wieder auf die Reifenherstellung. Ab 1928 begann Michelin mit der Herstellung der aus Stahlbeton gefertigten Michelin-Verkehrszeichen als weiteren Produktionszweig.

1930–1980 mini|Michelin-X-Reifen

1931 gründete Michelin in Karlsruhe das erste Werk in Deutschland. Außerdem legte das Unternehmen noch im selben Jahr die erste firmeneigene Kautschukplantage im damaligen Indochina an. 1935 übernahm Michelin als größter Gläubiger den in Konkurs gegangenen Fahrzeughersteller Citroën, sodass das bereits fast fertig entwickelte neue Modell des Traction Avant auf den Markt gebracht werden konnte. André Citroën starb im selben Jahr im Alter von nur 57 Jahren und erlebte den Erfolg des Traction Avant nicht mehr.

Eine bedeutende Entwicklung war der ab 1949 vertriebene Radialreifen Michelin X, der es dem Unternehmen ermöglichte, in neue Märkte einzutreten. Michelin verkaufte seine Produkte Anfang der 1950er-Jahre bereits in 140 Ländern. 1969 beschäftigte der Reifenhersteller weltweit 81.000 Mitarbeiter, 43.000 davon außerhalb Frankreichs. 1974 stand Citroën erneut vor dem Konkurs. Michelin verkaufte die Nutzfahrzeugsparte an Renault und die zwischenzeitlich durch Citroën übernommene Maserati an de Tomaso. 1975 übernahm Peugeot den Konkurrenten Citroën als Tochtergesellschaft.

Der von Michelin erfundene Radialreifen kam 1978 auch in der Formel 1 zum Einsatz. Im folgenden Jahr gewann Ferrari mit Jody Scheckter auf Michelin-Reifen die Formel-1-Weltmeisterschaft.

1981–1999 1981 wurde Michelin Mehrheitsaktionär von Kléber-Reifen. Das Unternehmen rüstete erstmals ein Flugzeug mit Radialreifen aus – eine Mirage III E der französischen Luftwaffe. 1988 erwarb man den US-amerikanischen Konkurrenten Uniroyal Goodrich. Boeing entschied sich 1994 dazu, die 777 ab Werk mit Michelin-Flugzeugreifen auszustatten. Die amerikanischen Raumfähren landeten ebenfalls auf Reifen von Michelin. Im Zuge eines aufkommenden Umweltbewusstseins setzte Michelin bei der Bereifung von Pkw verstärkt auf Energiesparmaßnahmen und führte 1992 kraftstoffsparende Reifen ein. 1998 veranstaltete Michelin zum ersten Mal die Michelin Challenge Bibendum in Clermont-Ferrand, ein Forum für nachhaltige Mobilität im Straßenverkehr, das seitdem meistens regelmäßig auf wechselnden Kontinenten stattfindet.

2000 bis heute Mit dem Tochterunternehmen Euromaster etablierte Michelin einen eigenen Reifenhandel in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

2005 und 2006 war Michelin letztmalig Reifenpartner in der Formel-1-Weltmeisterschaft, unter anderem für den Weltmeister Fernando Alonso. Aufgrund einer Regeländerung, die für die Formel-1-Weltmeisterschaft 2007 Einheitsreifen von einem einzigen Hersteller vorschrieb, zog sich Michelin 2006 aus der Formel 1 zurück.

Am 26. Mai 2006 starb Édouard Michelin, Nachfahre des gleichnamigen Firmengründers und Geschäftsführer des Unternehmens, bei einem Bootsunglück nahe der Île de Sein. Sein Partner in der Geschäftsführung, Michel Rollier, leitete ab diesem Zeitpunkt das Unternehmen. 2011 wurde Jean-Dominique Senard zu Rolliers Nachfolger berufen. abrufbar und geprüft am 16. November 2019. Senard trat am 10. Mai 2012 als erster Manager ohne familiäre Bindung zur Gründerfamilie seine Position an. Seit der Aktionärsversammlung im Mai 2019 führt Florent Menegaux, bisheriger Vorstand, das Unternehmen.

Die 2010 gegründete Firma Symbio, die Brennstoffzellensysteme herstellt, war bis Februar 2019 Tochterfirma von Michelin und ging im März 2019 in das Joint Venture Faurecia Michelin Hydrogen Company über.springerprofessional.de vom 13. März 2019, Michelin und Faurecia kooperieren bei Brennstoffzellen-Technik, abgerufen am 28. September 2019. Ein weiteres Tochterunternehmen im Bereich nachhaltiger Mobilität ist IMECA.

Aussprache In Frankreich wird der Unternehmensname [] ausgesprochen. Aus Marketinggründen wird die offiziell vom Konzern verwendete Aussprache im Ausland an unterschiedliche Märkte angepasst. So wird in Deutschland [] verwendet. In den USA und Kanada firmiert man als []. In Österreich und der Schweiz blieb man bei der französischen Aussprache.Guide de marque, Compagnie Generale des Etablissements Michelin, 2010.

Michelin in Deutschland, Österreich und der Schweiz Michelin ist seit 1906 mit einer eigenen Vertriebsgesellschaft in Deutschland vertreten und produziert seit 1931 am Standort Karlsruhe, der auch den deutschen Stammsitz bildet. Dort befanden sich die Vertriebszentrale und zentrale Verwaltungsbereiche für Deutschland, Österreich und die Schweiz sowie ein Werk für Leicht-Lkw-Reifen. Seit 2019 ist die Verwaltung in Frankfurt am Main.

Karlsruhe ist Standort des Michelin Museums. 1966 eröffnete Michelin den Standort Bad Kreuznach, dem fünf Jahre später die Werke Bamberg, Homburg und Trier folgten. Das Werk in Bamberg wurde Ende 2020 geschlossen. Das Logistikzentrum für Deutschland befindet sich in Landau in der Pfalz. An den Standorten gibt es rund 5730 Arbeitsplätze in der Produktion, dem Vertrieb, der Verwaltung und der Logistik. Dazu kommen rund 2380 Mitarbeiter bei Tochterunternehmen wie dem Reifen-Händler Euromaster und rund 230 Mitarbeiter bei dem Runderneuerungsbetrieb Laurent Reifen. Im Mai 2006 wurde die Michelin Reifenwerke KGaA in Deutschland umfirmiert in Michelin Reifenwerke AG & Co. KGaA.

Im März 2024 wurde beschlossen, die Werke in Trier und Karlsruhe bis zum Jahr 2025 zu schließen. Die Produktion von Neureifen im Werk Homburg wird eingestellt, lediglich die Runderneuerung von Reifen bleibt erhalten.

In Österreich und der Schweiz existieren keine produzierenden Standorte, aber Vertriebslager.

Produkte von 1891 bis heute Michelin ist nicht nur in der Reifenherstellung tätig, sondern vertreibt auch Straßenkarten und Navigationsgeräte (ViaMichelin) sowie Hotel- und Reiseführer.

Reifen mini|Michelin-Reifen für einen Bugatti Chiron mini|Micheline in Madagaskar Michelin entwickelt und produziert Reifen für Fahrräder, Motorroller, Motorräder, Pkw, Transporter, Leicht-Lkw, Lkw und Busse für Nah- und Fernverkehr, Ackerschlepper, Landmaschinen, Erdbewegungsmaschinen, Sonderfahrzeuge, Stadt- und Fernbahnen wie zum Beispiel die Pariser Métro und die Micheline, Flugzeuge, Raumfähren, historische Fahrzeuge aller Art sowie Wettkampf- und Rennreifen für nahezu alle Motorsportklassen. Das Unternehmen unterhält in Ladoux ein großes Testgelände, wo es seine eigenen Produkte in Extremsituationen testet. Bekanntheit erlangte der Mille Pattes, ein fünfachsiges Sonderfahrzeug, das in den 1970er- und 1980er-Jahren für Reifentests eingesetzt wurde.