mini|(um 1865) Frederick C. („Onkel Freddy“) Coombs (* 1803 in London; † 9. April 1874 in New York)Death of an Eccentric Character. In: The New York Times v. 11. April 1874 (PDF).Peter E. Palmquist, Thomas R. Kailbourn: Pioneer Photographers of the Far West. A Biographical Dictionary, 1840–1865. Stanford CA 2000, S. 181–183; Dies.: Pioneer Photographers From The Mississippi To The Continental Divide. A Biographical Dictionary, 1839–1865. Stanford CA 2005, S. 176–178. des San Francisco Museum of Modern Art. war ein amerikanischer Exzentriker. Zunächst Erfinder, Phrenologe, Fotograf und Autor, hielt er sich ab den 1860er-Jahren für die Reinkarnation von George Washington und war deshalb auch als George Washington II. und George Washington Coombs bekannt. Nach einer längeren Auseinandersetzung mit dem selbsternannten „Kaiser der Vereinigten Staaten“ Joshua Norton, einem weiteren in San Francisco bekannten Exzentriker, verließ Coombs Kalifornien und kehrte an die amerikanische Ostküste zurück. Dort starb Coombs, der sein Vermögen durch „Wohltätigkeit“ als „Der große Eheförderer der Union“ verloren haben will, völlig mittellos.
Leben Herkunft Das Meiste, was über Coombs’ frühe Jahre bekannt ist, stammt aus seinen eigenen schriftlichen autobiografischen Angaben, die allerdings zu einem Zeitpunkt verfasst wurden, als er schon deutliche Zeichen von geistiger Verwirrung zeigte. Diesen Angaben nach wurde der in England geborene Coombs, dessen Eltern früh verstarben, von Verwandten aufgezogen. Schon als junger Mann will er zahlreiche Auslandsreisen unternommen haben. So besuchte er seinen Erinnerungen nach 1823 Kalkutta und wurde auf der Insel St. Helena verhaftet, als er an Napoleons Grab einen Weidenzweig abriss.
1832 ist er in den USA nachweisbar, wo er am 20. September in Albany seine britische Staatsbürgerschaft aufgab. Erst 17 Jahre später, am 13. November 1849 wurde er in New York schließlich amerikanischer Staatsangehöriger.
Als Erfinder mini|Coombs mit elektrischer Lokomotive und Telegraf (Zeichnung um 1866) 1838 präsentierte Coombs einen von ihm entwickelten Prototyp einer etwa 30 Kilogramm schweren Elektrolokomotive vor der von Jacob Perkins gegründeten „Royal Gallery of Practical Science“ in London, wo das Gerät großes Interesse in Wissenschaftskreisen erregte.Electricity in Daily Life. New York 1890, S. 38. Im Jahr 1839 zeigte er den Zug im New Yorker American Museum sowie in Peales Museum („Municipal Museum of Baltimore“) in Philadelphia. Auf der 12. Jahresmesse des American Institute 1839 erhielt er für diese Entwicklungsarbeit ein Diplom.
1840 stellte er in Washington, D.C. seinen Zug erneut aus sowie einen von ihm entwickelten Telegrafen, der seinen Angaben nach aus seinen Experimenten mit batteriegetriebenen Zügen stammte.Journal of the American Institute 4 (1840), S. 669; Death of Frederick Coombs. In: Journal of the Telegraph 7 (1874), S. 120. Jahrzehnte später erklärte Coombs, das nicht Samuel Morse, sondern er selbst der Erfinder des Telegrafen gewesen sei.Frederick Coombs: Popular phrenology. New York 1848, S. 125. Ebenso habe er die Camera obscura entwickelt.
Coombs’ Entwicklungen brachten keinen innovativen technischen Durchbruch im Eisenbahnbau und Telegrafenwesen. Sie stehen aber durchaus gleichberechtigt neben den zahlreichen anderen Entwicklungen und Erfindungen der damaligen Zeit und wurden von Coombs’ Zeitgenossen sowie späteren Technikhistorikern anerkannt.
Als Phrenologe mini|hochkant|Coomb's Popular Phrenoloy (1841) Bei der Phrenologie handelt es sich um eine Randwissenschaft, bei der versucht wird, Charakter und Fähigkeiten eines Menschen aus der Kopfform zu deuten. Bereits 1837 bezeichnete sich Coombs bei einem Aufenthalt in New York als „Phrenologe aus London“. In den darauffolgenden Jahren reiste er als eine Art „Wanderphrenologe“ durch die USA und Kanada und begutachtete Köpfe. Um die Attraktion seiner Darbietung zu erhöhen, begleiteten ihn dabei der „Kentucky Giant“, ein weit über zwei Meter großer „Riese“,Den Namen trugen mehrere Hochwüchsige; es handelte sich wahrscheinlich um den 2,33 m großen Jim Porter (1810–1859). und ein Kleinwüchsiger. Eine phrenologische Fachzeitschrift fühlte sich daraufhin bemüßigt, in einer Notiz vor Coombs als „Quacksalber“ zu warnen.George Combe: Notes on the United States of North America during a phrenological visit in 1838-39-40. Bd. 2. Edinburgh 1841, S. 296 f.; The Phrenological Journal and Miscellany 11 (1838), S. 221; Evangelical Magazine and Gospel Advocate 8 (1837), S. 318.
1841 veröffentlichte Coombs, der damals in Boston praktizierte,Boston Medical and Surgical Journal 24 (1841), S. 130. sein Buch Popular Phrenology, das bis 1865 in zahlreichen Auflagen erschien und maßgeblich zur Popularisierung der Phrenologie in Amerika beigetragen hat.
1842 wurde er in Montreal bei seiner Vortragsreise inhaftiert, seinen eigenen späteren Angaben nach wegen „Aufruhr“. Auch später war Coombs noch gelegentlich phrenologisch tätig. In den 1860er-Jahren untersuchte er sogar den Schädel des skeptischen Mark Twain.Sarah E. Chinn: Technology and the Logic of American Racism. London 2000, S. 183. Und auf dem kalifornischen Parteikongress der Demokratischen Partei in Sacramento stellte Coombs im März 1860 den Antrag, jeden Abend die Köpfe der Teilnehmer untersuchen zu dürfen. Nach einer als „humorvoll“ beschriebenen Debatte wurde der Antrag zurückgestellt.Thirty Years Ago: The Lively Democratic State Convention in 1860. In: Sacramento Daily Union, 9. März 1890. 1861 schließlich lud er alle Kandidaten für den US-Senat ein, mit ihm ihre Qualifikation für dieses Amt „zu diskutieren“.Daily Alta California, 15. März 1861; s. a. Sacramento Daily Union, 1. April 1861. Ob einer der Politiker dieses Angebot annahm, ist nicht überliefert.
In den 1860er-Jahren bezeichnete Coombs sich außerdem als Pionier des Mesmerismus, der Lehre vom tierischen Heilmagnetismus, den er 1842 in Amerika eingeführt haben will.Visitenkarte „The Union matrimonial promoter“ (1866) im Bestand der „Library of Congress Prints and Photographs Division“ Washington, D.C.
Als Daguerreotypist mini|hochkant|links|Coombs: Männerbild (um 1850) mini|Coombs: Montgomery Street (1850) Irgendwann zwischen 1841 und 1845 begann Coombs sich mit der Daguerreotypie zu beschäftigen. Seine erste nachweisbare Arbeit wurde 1845 in Springfield (Illinois) aufgenommen. Dort bot er im September 1845 „nur für kurze Zeit“ seine Dienste als Fotograf und Phrenologe an.Register (Springfield) v. 19. September 1845.
Um 1846 betrieb er ein Studio in Alton (Illinois), in dem er zahlreiche Freiwillige des Mexikanisch-Amerikanischen Kriegs aufnahm. Damals hielt er sich als Maskottchen eine „Arkansas-Wildkatze“. Zwischen 1846 und 1848 betrieb er ein „Daguerreotypie-Institut“ in St. Louis (Missouri). 1848 verlegte er sein Geschäft nach Chicago.
Auf dem Höhepunkt des Kalifornischen Goldrausches reiste Coombs im November 1849 per Schiff und über die Landenge von Panama nach San Francisco. Dort eröffnete er im April 1850 eine Daguerreotypie-Galerie am Portsmouth Square. Die Galerie brannte aber bereits am 5. Mai 1850 ab und Coombs musste umziehen. Aber auch sein neuer Laden wurde am 14. Juni ein Raub der Flammen. Am 4. Oktober 1850 eröffnete der unermüdliche Coombs sein Geschäft neu an der Ecke Clay und Montgomery Street, jedoch am 4. Mai 1851 brannte der Laden erneut aus. Coombs fühlte sich vom „Feuerteufel“ verfolgt, aber arbeitete an provisorischen Standorten in der Nähe weiter. Im Oktober 1851 eröffnete er erneut eine Galerie,Daily Alta California v. 26. Juli 1850, 3. Oktober 1850 & 14. Mai 1851; Morning Post (San Francisco) v. 14. Juli 1851 & 1. Oktober 1851. versuchte sie aber bereits Anfang 1852 zu verkaufen, da er sich „anderen Interessen“ widmen wollte.
Später beschuldigte der schon unter geistigen Störungen leidende Coombs, ohne über tragfähige Beweise zu verfügen, seinen Fotografenkollegen James W. Johnston, er habe zusammen mit Coombs’ Vermieter seine Vertreibung aus Kalifornien betrieben. Noch 1866 versuchte er mit einem Schreiben an den Senator Edwin D. Morgan eine Entschädigung für den entstandenen Schaden zu erhalten und 1871 veröffentlichte er ein kurzes Buch über die Brände, um seine Ansprüche zu untermauern.Frederick Coombs: Letter to Senator Edwin D. Morgan 1866 May 22. Yale University, Sterling Memorial Library, OCLC-Nr. 122542119; Ders.: Part 1, Love, love, love. The great champagne runner arrived. o. O. 1871.
Coombs gilt heute als einer der Pioniere der Fotografie in den Vereinigten Staaten. Von seinen Bildern sind jedoch nur einige wenige Exemplare erhalten.
Reisender in Sachen Kalifornien mini|hochkant|The Spirit of Love (ca. 1866) Anfang der 1850er-Jahre begann Coombs erste Anzeichen von auffälligem Verhalten zu zeigen, so die Fotografiehistoriker Palmquist und Kailbourn in ihrer kurzen Coombs-Biografie. Möglicherweise waren für den Ausbruch dieser Störungen seine Branderlebnisse ausschlaggebend.
Coombs sah nun als seine neue Aufgabe, als eine Art nationaler Heiratsvermittler aufzutreten und damit auch den Frauenmangel in Kalifornien zu beheben. Doch zunächst beglückte er 1852 in Kalifornien die Farmer des Napa Valley mit seiner neuesten Erfindung, einem Grabenbagger, und ernannte sich selbst zum „Freien Baggerer von Napa“ („Free Ditcher of Napa“). Die Maschine ging 1853 zu Bruch.
Im selben Jahr bereiste er mit einer Sammlung von 150 Daguerreotypie-Aufnahmen mit Motiven kalifornischer Kuriositäten und einem kleinen Zoo mit verschiedenen Tieren, darunter einem mühsam beschafften kalifornischen Puma-Pärchen,Peter E. Palmquist, Thomas R. Kailbourn: Pioneer Photographers of the Far West. A Biographical Dictionary, 1840–1865. Stanford CA 2000, S. 376. die Staaten der amerikanischen Ostküste, um Frauen zur Übersiedlung nach Kalifornien und zur Eheschließung zu bewegen. Coombs’ späteren Angaben zufolge finanzierte er dabei als selbsternannter „Matrimonial Promoter“ aus eigenen Mitteln zahlreichen Frauen die Heirat. Auch in den folgenden Jahren stellte er seine Kuriositätensammlung öffentlich aus, unter anderem in New York, Saratoga, Utica, Detroit, Cleveland, Milwaukee und Chicago. Ferner war er der Initiator des 1853 gegründeten „California Museum“ in New York.
Coombs’ Aktivitäten in den nächsten Jahren sind unklar. Möglicherweise arbeitete er von 1856 bis 1857 mit den Fotografen Corey und Pickerill in Dubuque (Iowa).Peter E. Palmquist, Thomas R. Kailbourn: Pioneer Photographers From The Mississippi To The Continental Divide. A Biographical Dictionary, 1839–1865. Stanford CA 2005, S. 669. Seinen eigenen späteren Angaben nach hatte er 1857 einen Stand auf der Messe des Mechanics' Institute in San Francisco, wo er phrenologische und astrologische Beratungen anbot.
Australisches Zwischenspiel 1858 tauchte Coombs in Australien auf, wo er in Melbourne eine Fotogalerie eröffnete. Im Februar 1858 meldete er dort ein Patent für ein von ihm entwickeltes neues Stereoskop an, das sogenannte „3D“-Aufnahmen ermöglichte.The Dictionary of Australian Artists Online; Victoria Government Gazette 27 (1858), S. 371. Aber noch im selben Jahr wurde er verhaftet und des Landes verwiesen, da er angeblich eine verbotene Lotterie von Kunstwerken vorbereitet hatte. Coombs selber erklärte später etwas kryptisch, er sei das „Opfer einer barbarischen Räuberei“ geworden.
George Washington II. mini|San Francisco-„Originale“, darunter Coombs, Norton I., Bummer und Lazarus mini|hochkant|Coombs (um 1866)