mini|hochkant|Friedrich Stoltze mini|hochkant|Bild mit Signatur im Band 1 der Gedichte, 1865, Folgeauflage Friedrich Stoltze (* 21. November 1816 in Frankfurt am Main; † 28. März 1891 ebenda) war ein deutscher Dichter und Schriftsteller. Er war Journalist und Verleger in Frankfurt am Main und setzte sich zeit seines Lebens publizistisch für die nationale Einigung Deutschlands sowie für ein demokratisches und republikanisches Staatswesen ein. Obwohl der größte Teil seines Werkes aus politischen Schriften besteht, ist er in der Öffentlichkeit seiner Heimatstadt vor allem durch seine Gedichte in Frankfurter Mundart in Erinnerung. Stoltzes Hauptwerk ist die satirische Wochenzeitschrift Frankfurter Latern, die er von 1860 bis zu seinem Tod herausgab.
Leben und Wirken Elternhaus mini|hochkant|Das Geburtshaus von Friedrich Stoltze, Im Rebstock 4, um 1897(Fotografie von Carl Friedrich Fay) mini|Gedenktafel in der Braubachstraße Stoltzes Vater war der Gastwirt Friedrich Christian Stoltze (1783–1833). Er stammte aus Hörle im Fürstentum Waldeck und kam 1800 nach Frankfurt am Main, wo er zunächst als Kellner im Württemberger Hof arbeitete. Im März 1808 erwarb er das Frankfurter Bürgerrecht und heiratete im Juni desselben Jahres die Bürgerstochter Anna Maria Rottmann (1789–1868). Seine Großeltern väterlicherseits stammten aus Welda. Zunächst noch im Geschäft seines Schwiegervaters tätig, der das Gasthaus Zur goldenen Spitze in der Mausgasse führte, wurde er 1813 Pächter des Gasthofs Zum Rebstock zu Füßen des Domturms. Es galt als Treffpunkt liberal gesinnter Bürger.
Im nordöstlichen der insgesamt elf eigenständigen Häuser der Hofanlage am Südende der Kruggasse, dem Haus Im Rebstock 4, erblickte Friedrich Stoltze 1816 als das siebte Kind seiner Eltern das Licht der Welt. An den Abbruch seines Geburtshauses 1904 zugunsten des Baus der Braubachstraße erinnert seit 1934 eine Gedenktafel am ehemaligen Hauptzollamt und heutigen Haus am Dom.Das Schild ist dahingehend ungenau, als es eines Hauses mit der alten Litera-Bezeichnung L87 gedenkt, das es so nicht gab. Tatsächlich gab es nur die Häuser L87a und L87b, entsprechend Im Rebstock 4 und (dem diagonal gegenüberliegenden) Im Rebstock 5; vgl. hierzu: Friedrich Krug: Die Hausnummern zu Frankfurt am Main, in einer vergleichenden Uebersicht der neuen mit den alten, und umgekehrt, zusammgestellt. Georg Friedrich Krug's Verlags-Buchhandlung, Frankfurt am Main 1850, S. 135.
Von Friedrichs älteren Geschwistern starben vier Brüder bereits kurz nach der Geburt, seine Schwester Sabine 1819 mit neun Jahren. Zu seiner älteren Schwester Annett (1813–1840) entwickelte er eine innige Beziehung. Besonders prägte ihn sein Großvater Friedrich Rottmann, der aus NeckarbischofsheimHessische Familienkunde, Band 25, Heft 6, Sp. 379. Nach Proelß stammte Rottmann aus Neckarsteinach, nach Grebenstein aus Neckargemünd. nach Frankfurt gekommen war und sich dort zu einem Frankfurter Patrioten entwickelt hatte. In seiner Erzählung Von Frankfurts Macht und Größe setzte Friedrich Stoltze ihm ein literarisches Denkmal: „Wenn aaner die größte Sticker uff sei Vatterstadt gehalte hat, so ist des mei Großvatter gewese … Un von all dene Geschichte un weise Lehre kimmt's aach her, daß ich so e gelunge Frankforter Kind warn bin un Leib un Lewe uff mei Vatterstadt halt.“Friedrich Stoltze, Werke in Frankfurter Mundart. Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1961.
Stoltze erhielt eine gute Erziehung, unter anderem durch seinen Privatlehrer Friedrich Karl Ludwig Textor, einen Cousin Johann Wolfgang Goethes. Dessen 1794 entstandenes Lustspiel Der Prorector gilt als frühestes erhaltenes Theaterstück in Frankfurter Mundart. Später schrieb Stoltze, dass er sich in der Familie zur mundartsprechenden Frankfurter Fraktion rechnete, bestehend aus seiner Mutter und ihm, während die Waldecker Fraktion, sein Vater und seine Schwester, Hochdeutsch sprachen.
Einen großen Einfluss übte auf Stoltze der aufgeklärte Pfarrer und Schulreformer Anton Kirchner aus, der ihn in der Katharinenkirche getauft hatte und ihn 1830 als Konfirmanden unterrichtete. In jenem Jahr entstanden Stoltzes Geistliche Gedichte und die ersten Naturgedichte, die unter dem Einfluss der Jugendpoesie Goethes standen.
Weniger gut verstand er sich mit dem streng pietistischen Rektor Johann Theodor Vömel, der zu dieser Zeit das Städtische Gymnasium leitete, welches Stoltze laut den Schülerverzeichnissen 1828 bis 1831 besuchte. Seine Naturgedichte tat Vömel als „Abscheuliche Spinozerei“ ab, woraufhin sein Vater ihm alle weiteren poetischen Versuche untersagte.
Schon früh lernte Stoltze die liberalen und demokratischen Bewegungen des Vormärz kennen. Der Rebstock wurde um 1830 zur Zuflucht für Exilpolen. Miterlebte Hausdurchsuchungen und Verhaftungen prägten den jungen Friedrich Stoltze. Später schrieb er dazu: „Das Gasthaus zum Rewestock stand in kääner ganz besonnere Gnad bei unsere allerhöchste republikanische Herrschafte un meim Vatter sei Name stand mit rother Dinte un hinne un vorne e blau Notabene im schwarze Bollizeibuch. Des Gasthaus zum Rewestock war nämlich ää von de Hauptkneipe der damalige Frankfurter Demagoge.“Friedrich Stoltze, Der rothe Schornsteinfeger Sein Vater nahm ihn 1832 zum Hambacher Fest mit, wo er Ludwig Börne hörte und ihm persönlich begegnete. Dessen liberale Gedanken beeinflussten ihn dauerhaft. Stoltzes Schwester Annett wurde nach dem Frankfurter Wachensturm vom 3. April 1833 wegen der Teilnahme am Begräbnis eines gefallenen Aufständischen und demagogischer Umtriebe zu einer Geldbuße und wegen versuchter Gefangenenbefreiung des inhaftierten Burschenschafters Heinrich Eimer zu einer vierwöchigen Haftstrafe verurteilt, die sie jedoch erst nach der Entbindung von ihrem unehelichen Sohn Friedrich Philipp am 12. Dezember 1834 antreten musste.
Dichter und Schriftsteller mini|Das Stoltze-Denkmal steht seit 2018 wieder auf seinem angestammten Platz am Hühnermarkt in der Neuen Altstadt. Stoltze sollte zunächst einen kaufmännischen Beruf lernen und war 1831 zu dem Frankfurter Kaufmann Georg Conrad Melchin in die Lehre gekommen, der sein Kontor im Haus zum rothen Männchen in der Mainzergasse führte. Im selben Haus wohnte Marianne von Willemer, die sein poetisches Talent förderte und ihn bewegen wollte, die ungeliebte Lehre aufzugeben. Nach dem Tod seines Vaters im November 1833 wurde Stoltze zwar frei in seinen Entscheidungen, allerdings verschlechterten sich die finanziellen Verhältnisse der Familie. Seine Mutter konnte die Gastwirtschaft und den damit verbundenen Mineralwasserhandel nur noch kurze Zeit halten. 1834 verpachtete sie den Rebstock und zog Anfang 1837 mit ihren Kindern zunächst in die Schnurgasse, später nach Bornheim.
Friedrich setzte seine unterbrochene Kaufmannsausbildung von 1838 bis 1840 in Paris und Lyon fort. Sein 1838 in Lyon entstandenes Bundeslied der Deutschen in Lyon wurde von Felix Mendelssohn Bartholdy vertont. Nach seiner Rückkehr nach Frankfurt 1841 erschien sein erster Gedichtband. Unterstützung fand Stoltze beim Frankfurter Kaufmann Marquard Georg Seufferheld, der ihm nicht nur den Frankreichaufenthalt, sondern auch die Buchveröffentlichung ermöglichte und ihn zeitweise als Privatsekretär und Hauslehrer seiner Enkel beschäftigte. Seufferheld wollte das pädagogische Konzept des Kindergartens in Frankfurt einführen und schickte Stoltze deshalb im Januar 1843 für zwei Jahre zum Studium zu Friedrich Fröbel nach Bad Blankenburg und Keilhau. Allen Beteiligten wurde schnell klar, dass sich der angehende Literat Friedrich Stoltze nicht zum Erzieher eignete. Das beabsichtigte Studium in Jena nahm er nicht auf.
Aus seinem 1837 begonnenen Liebesverhältnis mit der Frankfurter Bürgerstochter Maria Christina Retting (1816–1843) entstammte sein 1842 in Mainz unehelich geborener Sohn Carl Adolph Retting. Das Kind wurde heimlich geboren und wuchs bei Pflegeeltern in Enkheim auf, weil Christinas Vater die Verbindung mit dem demokratisch gesinnten Dichter strikt ablehnte. Maria Christina Retting, die er schwärmerisch Lyda nannte, starb am 21. August 1843 in Frankfurt, während Stoltze in Blankenburg war. „Wie bleich sind nun die Sterne, Wie meine Augen trüb'! Es ist in weiter Ferne Gestorben mir mein Lieb“, schrieb Stoltze. Nach dem Tod seiner Mutter kam Carl Adolph zu seiner Großmutter Anna Maria in Pflege. Erst 1864 konnte Adolf, wie er genannt wurde, mit Zustimmung seines Vaters den Nachnamen Stoltze annehmen. Unter diesem Namen wurde er ein bekannter Theaterdichter.
Nach seiner Rückkehr nach Frankfurt 1845 wurde Stoltze zeitweise Sekretär des Frankfurter Bankiers Amschel Mayer von Rothschild. In Gedichten und Texten hat Stoltze später die Großzügigkeit und Wohltätigkeit des Bankiers für seine Heimatstadt gerühmt. Als Gelegenheitsdichter für die gehobene Frankfurter Gesellschaft hatte Stoltze Zugang zu einflussreichen Kreisen, die ihn in der Öffentlichkeit bekannt machten und ihm Einnahmen verschafften, unter anderem als Theaterlibrettist. 1845 lernte er im Katholischen Montagskränzchen, einem deutschkatholischen Zirkel, die Steindeckertochter Marie Messenzehl (* 23. Juni 1826; † 4. August 1884) kennen, die er Mary nannte. Am 31. August 1846 wurde ihr unehelicher Sohn Friedrich Richard geboren, der allerdings noch im selben Jahr verstarb. Am 16. April 1848 kam der zweite Sohn Heinrich zur Welt. Am 15. November 1848 erwarb er das Frankfurter Bürgerrecht, das ein bestimmtes Vermögen voraussetzte.
Als das Paar am 10. April 1849 in der Katharinenkirche heiratete, war Mary zum dritten Mal schwanger. Die Trauung war die erste mit dem Segen der evangelischen Kirche geschlossene Mischehe in Frankfurt. Stoltze schrieb dazu später spöttisch: „Ein Pfarrer hat uns zwar getraut, Doch luth'risch-diabolisch, Und Gott war nicht davon erbaut, Denn Gott ist streng katholisch. Und was mich ganz besonders beugt, Denn es verdiente Hiebe: Die Kinder all, die wir erzeugt, Sind Kinder, ach, der Liebe!“ Bis 1861 bekam das Paar 11 Kinder, von denen vier als Kleinkinder starben.
An der Deutschen Revolution 1848 und der Frankfurter Nationalversammlung nahm er lebhaften Anteil. Am 18. September 1848 kam es zu den Septemberunruhen, bei denen die Abgeordneten Felix von Lichnowsky und Hans von Auerswald vor dem Friedberger Tor von Aufständischen ermordet wurden. Nach schweren Barrikadenkämpfen wurde der Ausnahmezustand verhängt. Einen Tag später verhaftete ein Wachposten an der Konstablerwache Stoltze und den ihn begleitenden Komponisten Heinrich Neeb. Die beiden hatten sich wegen ihrer Turnerhüte verdächtig gemacht. Erst nach einem polizeilichen Verhör kamen die beiden wieder auf freien Fuß.
Das Scheitern der Reichsverfassung und der Kaiserdeputation im April 1849 wurde für Stoltze zu einer schweren Enttäuschung. Nach dem Ausbruch des Aufstandes in der Pfalz folgte er seinem Freund und späteren Partner Ernst Schalck als Freischärler nach Kirchheimbolanden, um sich literarisch weiter für die Revolution einzusetzen. Ergebnisse des Freischärlerlebens waren ein im Selbstverlag erschienenes dünnes Heftchen mit Freiheitsliedern und die ebenfalls 1849 erschienenen Skizzen aus der Pfalz, für die Stoltze die Texte und Schalck die Illustrationen beigesteuert hatte.