Placebo Effect ist eine deutsche Band, die 1989 in DuderstadtMartin von Arndt: Placebo Effect - Kurzporträt, Sub Line Musikmagazin, Ausgabe 7/8/92, S. 22, Juli/August 1992 gegründet wurde. Ihr kommt, neben Bands wie yelworC und Trial, eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung des Dark Electro in Deutschland zu. Bekannt wurde die Gruppe insbesondere durch die Hits Move und Slashed Open, sowie das Stück Gallery of Pain, das mit einem Sample aus Bernard Herrmanns Psycho-Soundtrack eingeleitet wird.Dirk Hoffmann: Placebo Effect – Bandporträt, Zillo Musikmagazin, Ausgabe 5/92, S. 32, Mai 1992
Geschichte 1989–1991: Gründung und erste Erfolge Placebo Effect wurde am 29. März 1989MCMLXXXIX–MCMXCV Past...Present (1989-1995): Multimedia-Biografie, 1996 von Axel Machens, Christoph Kunze und Achim Windel gegründet. Alle drei Mitglieder brachten unterschiedliche Einflüsse in die Band. So zeigte sich Axel Machens durch Gruppen wie Skinny Puppy,Danse Macabre Musikmagazin: Interview mit Placebo Effect, Februar/März 1991, S. 4Diethard Tauschel: Interview mit Placebo Effect, Glasnost Musikmagazin, Ausgabe 29/91, S. 7, September/Oktober 1991 The KlinikDirk Hoffmann: Placebo Effect – Bandporträt, Zillo Musikmagazin, Ausgabe 10/90, S. 6, Oktober 1990, Cabaret Voltaire,Maik Euscher: Interview mit Placebo Effect, New Life Soundmagazine, Ausgabe 6/94, S. 23, Juni 1994 Front Line Assembly, Front 242, Portion Control und SPKUdo Thiel: Interview mit Placebo Effect, Vertigo Musikmagazin, Ausgabe 8/94, S. 23, Herbst/Winter 1994 sowie zeitgenössische Filmmusik aus Horrorfilmen inspiriert. Christoph Kunze zählte seinerzeit Synthie-Pop-Künstler wie Depeche Mode, Fad Gadget und Gary Numan oder Avantgarde-Musiker wie Coil zu seinen Favoriten,Séba Dolimont: Interview mit Placebo Effect, Side-Line Musikmagazin, Ausgabe 7/93, S. 15, Juli 1993 während Achim Windel vor allem Hardcore Punk, aber auch Post-Punk zwischen Joy Division und The Cure, bevorzugte und Anfang der 1980er selbst als Gitarrist in einer Punk-Band aktiv war (u. a. in der Gruppe Void, die im Vorprogramm von Rotzkotz spielte).Diethard Tauschel: Interview mit Placebo Effect, Glasnost Musikmagazin, Ausgabe 29/91, S. 6, September/Oktober 1991 Eng damit verknüpft war die Wahl des Bandnamens, den Windel einer seiner früheren Gruppen entlieh und der dem gleichnamigen Song von Siouxsie and the Banshees entstammt.Revotnik Musikmagazin: Interview mit Placebo Effect, Ausgabe 3/94, S. 37, Sommer 1994 Trotz dieser Einflüsse blieb die Musik frei von Gitarreneinsatz und orientierte sich überwiegend am Klangbild der kanadischen Electro-Szene (Skinny Puppy, Front Line Assembly, Numb usw.). Ecki Stieg bemerkte später, das Anliegen der Band sei nicht gewesen, „die Sounds der Vorbilder billig zu kopieren, sondern vielmehr deren Methodik zu studieren“.Ecki Stieg: Interview mit Breathe, Zillo Musikmagazin, Ausgabe 11/99, S. 23, November 1999
Das erste Demo „First Tape“ erschien im April 1990. Am 6. Mai 1990 gaben Placebo Effect ihren ersten Live-Auftritt im Göttinger Ballhaus. Bedingt durch die Teilnahme an der im Juni 1990 gestarteten Zillo-Nachwuchsförderaktion erhielt die Band die Möglichkeit, das zweite Demo „Gargoyles“ in den Bayreuther Danse Macabre Studios aufzunehmen. Die Kassette wurde in der Oktoberausgabe des Zillo vorgestellt.
Am 2. November des Jahres trat die Band zusammen mit The Invincible Spirit und Project Pitchfork auf dem Hildesheimer „Techno-Festival“ in der Diskothek „Vier Linden“ auf. Weitere Auftritte, darunter am 14. Juni 1991 im Bochumer Zwischenfall, folgten. Der Erfolg von Stücken wie Move und Gallery of Pain verhalf der Band zu einem Vertrag mit Danse Macabre Records, den sie am 20. Juli 1991 unterschrieb. Mehrere exklusive Samplerbeiträge, u. a. Last Day, Sacrifice sowie die Originalversion von Devoid of Soul, erschienen auf den Kompilationen „Re/Beat“, „Danse Macabre Part I“ und „Electronic Techno Music“.
1992–1993: Kreativer Höhepunkt Am 4. Januar 1992 traten Placebo Effect zusammen mit Le Coup Sauvage, Relatives Menschsein, Operating Strategies und The Red Badge of Courage auf dem „I. Danse Macabre Festival“ im „CAT Café“ in Ulm auf.Hysterika Musikmagazin: Bericht zum ersten Danse-Macabre-Festival, Ausgabe 1/92, S. 31, Frühjahr 1992 Am 22. Februar 1992 fungierte die Band als Opener für die „II. Night of Darkness“ in der Kulturfabrik Krefeld. Weitere Mitwirkende des von Alfred Kaenders (Celtic Circle Concerts) veranstalteten Festivals waren X Marks the Pedwalk, Deine Lakaien, Sigillum S und Die Krupps.
Nach sechsmonatiger ProduktionszeitMartin von Arndt: Rezension zum Album „Galleries of Pain“, Sub Line Musikmagazin, Ausgabe 5/6/92, S. 42, Mai/Juni 1992 erschien im Mai 1992 das Debütalbum „Galleries of Pain“. Das Album wurde von Bruno Kramm (Das Ich) produziert und erhielt überwiegend positive Kritiken.Dirk Hoffmann: Rezension zum Album „Galleries of Pain“, Zillo Musikmagazin, Ausgabe 5/92, S. 54, Mai 1992Martin Irmscher: Rezension zum Album „Galleries of Pain“, Vertigo Musikmagazin, Ausgabe 4/93, S. 52, März/April/Mai 1993Glasnost Musikmagazin: Rezension zum Album „Galleries of Pain“, Ausgabe 34/92, S. 45, Juli/August 1992 Martin von Arndt, seinerzeit Mitarbeiter der Zeitschrift Sub Line, bezeichnete das Album als ein „exzellent produziertes Underground-Dance-Werk“ und vergab sieben von zehn möglichen Punkten. Das Glasnost Wave-Magazin äußerte, die „Vielfalt der Sounds“ sei „erstaunlich“. Schnell zeige sich, dass „in diesem Werk wesentlich mehr“ stecke und die Musik „kaum mehr als typische EBM vereinfacht werden“ könne. Placebo Effect bestächen „durch transparente Sphärik, die ein melodisches Gleichgewicht zu dem druckvollen Beat“ bilde.Glasnost Musikmagazin: Werbung zum Album „Galleries of Pain“, Ausgabe 34/92, S. 48, Juli/August 1992 „Sehr gekonnt und durchdacht“ mischten sich „in das Grundmuster elektronischer Rhythmen und Sequenzen Sounds aus ganz anderen Genres“. Dabei wurde u. a. auf einen Neoklassik-Einfluss verwiesen. Martin Irmscher vom Musikmagazin Vertigo schrieb, das Album enthalte „monumental-mystische Klanglandschaften, die sich mit tanzbaren Nummern“ abwechselten. Lieder wie „Move“ und „Agony of Mind“ seien „in etlichen Underground-Discos Pflichtstücke.“ „Galleries of Pain“ verkaufte sich in den nachfolgenden Jahren rund 10.000-mal.Martin Sprissler: Totgesagte leben länger – Interview mit Breathe, Gothic Musikmagazin, Ausgabe 28, S. 31, Frühling 1998 Ein Remix des Songs „Mystress“ erschien auf der Kompilation „Celtic Circle Sampler Part 1“.
Am 23. August 1992 traten Placebo Effect zusammen mit Project Pitchfork und Trial auf dem „Documenta Dance“-Festival im Rahmen der documenta IX in Kassel auf. Die eigens zu diesem Zweck ausgearbeitete Bühnenshow stieß auf scharfe Kritik und gipfelte in einer Diskussion über Gewaltverherrlichung. Neben Das Ich, Relatives Menschsein, Le Coup Sauvage und Printed at Bismarck’s Death nahm die Band am 31. Oktober 1992 am „II. Danse Macabre Festival“ im Werk II in Leipzig teil. Ein weiterer Auftritt auf dem „1. Voice of Time Festival“ im Chemnitzer Kraftwerk folgte am 20. Dezember 1992. Mitstreiter des Abends waren Dive und Think About Mutation.
Am 23. April 1993 traten Placebo Effect zusammen mit Dive, Aurora und Armageddon Dildos auf dem „Electro Shock Festival“ in Hildesheim (Vier Linden) auf. Aufgrund vertraglicher Probleme und der Unzufriedenheit mit der Arbeitsweise Danse Macabres erfolgte noch im selben Jahr ein Wechsel zum Plattenlabel Ausfahrt Records.Séba Dolimont: Interview mit Placebo Effect, Side-Line Musikmagazin, Ausgabe 7/93, S. 14, Juli 1993Udo Thiel: Interview mit Placebo Effect, Vertigo Musikmagazin, Ausgabe 8/94, S. 22, Herbst/Winter 1994 Der Veröffentlichungstermin des bereits für April 1993 angekündigten Albums „Bad Dreams“ wurde zunächst aus zeit- und rechtlichen Gründen auf August und ein viertel Jahr danach auf den Spätherbst verlegtSub Line Musikmagazin: German Underground News, Ausgabe 7/8/93, S. 6, Juli/August 1993, anschließend jedoch ganz verworfen. Ebenso musste die anstehende Deutschland-Tour abgesagt sowie einzelne Auftritte auf den Herbst verschoben werden. Die Band wählte unterdessen sechs der besten Songs ihres Repertoires aus und veröffentlichte am 15. September 1993 das innerhalb von zwei Monaten im Out-O-Space Studio Göttingen selbstproduzierte und von Andreas Krüger (Eiskalte Gäste, Der Dritte Raum) koproduzierte Minialbum Slashed Open. Hierauf zeigten sich Placebo Effect deutlich atmosphärischer,Maik Euscher: Interview mit Placebo Effect, New Life Soundmagazine, Ausgabe 6/94, S. 22, Juni 1994 die Tanzbarkeit des Vorgängers trat zugunsten filmmusikalischer Elemente in den Hintergrund. Produktionstechnisch kehrte die Band zu ihren Wurzeln zurück, arbeitete verstärkt mit analogen Sounds und verzichtete weitgehend auf den Einsatz digitaler Synthesizer und Sampler.
Zugleich erfolgte die bis dahin stärkste Annäherung an kanadische Vorbilder wie Skinny Puppy.Sven Freuen: Rezension zum Minialbum „Slashed Open“, Zillo Musikmagazin, Ausgabe 11/93, S. 56, November 1993 Sven Freuen, Journalist des Musikmagazins Zillo, schrieb, die Gruppe knalle „ein perfekt durchstricktes Electro-Stück ans nächste, mal heroisch-herabziehend, mal kanadisch-treibend hart“. Er bezeichnete Slashed Open als „eine dynamische Reifeleistung, die zu den besseren Electro-Veröffentlichungen dieser Tage“ zähle. Stefan Herwig (Sub Line Musikmagazin; Kugelblitz, Off Beat, Dependent) hob die Melodiösität des Werks hervor, bemängelte allerdings die fehlende Clubtauglichkeit. Er vergab in seiner Rezension sechs Punkte.Stefan Herwig: Rezension zu „Slashed Open“, Sub Line Musikmagazin, Ausgabe 10/93, S. 63, Oktober 1993 Ein Videoclip zum Titelstück erschien 1994 auf der Videokompilation „Delta O“. Er thematisiert Gewalt als Teil des gesellschaftlichen Lebens und enthält Filmmaterial von Kriegs- und NS-Dokumentationen (Bombardements, Konzentrationslager), physischen Auseinandersetzungen in sozialen Brennpunkten, Tierversuchen (Vivisektion), Massentötungen (bspw. Robben, Haie), aber auch Szenen aus Horrorfilmen (z. B. aus Body Parts).Revotnik Musikmagazin: Interview mit Placebo Effect, Ausgabe 3/94, S. 39, Sommer 1994
Ab Oktober 1993 gaben Placebo Effect erstmals im Ausland Konzerte, darunter am 8. Oktober in Prag, am 9. Oktober in Bratislava sowie am 4. Dezember in Sint-Niklaas, Belgien.
1994–1999: Misserfolg und Auflösungsprozess Neben Dive und Insekt nahm die Band am 5. Februar 1994 am „4. Voice of Time Festival“ im Kraftwerk, Chemnitz, teil. Am 14. April 1994 trat sie zusammen mit Black Rose, Phallus Dei, Sixth Comm und Sielwolf auf dem „Dark Easter Festival“ im Anker, Leipzig, auf. Im Juni startete die 1994er Deutschland-Tour, die die Band durch Duderstadt, Berlin, Erfurt, Großörner, Würzburg und Bochum führte und auf der das zweite Vollzeitwerk „Manipulated Mind Control“ vorgestellt wurde.