mini|George H. W. Bush (1989) rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von George H. W. Bush George Herbert Walker Bush, meist einfach George Bush oder George Bush senior (* 12. Juni 1924 in Milton, Massachusetts; † 30. November 2018 in Houston, Texas), war ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei. Von 1989 bis 1993 war er der 41. Präsident der Vereinigten Staaten. Zwei seiner vier Söhne sind der 43. US-Präsident George W. Bush und der ehemalige Gouverneur von Florida, Jeb Bush.
Bush vertrat von 1967 bis 1971 den 7. Kongressbezirk von Texas im US-Repräsentantenhaus. Von 1971 bis 1973 war er Botschafter der USA bei den Vereinten Nationen. Von 1974 bis 1975 war er unter Präsident Gerald Ford Leiter des Verbindungsbüros der USA in der Volksrepublik China sowie von 1976 bis 1977 Direktor der CIA.
Nachdem er sich 1980 vergeblich um die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei bemüht hatte, war er von 1981 bis 1989 unter Ronald Reagan dessen Vizepräsident. Die Präsidentschaftswahl 1988 gewann er und wurde damit Reagans Nachfolger im Weißen Haus. Vier Jahre später musste er sich bei der Präsidentschaftswahl 1992 dem Demokraten Bill Clinton geschlagen geben, womit er 1993 nach einer Amtsperiode abgelöst wurde.
Leben
Frühe Jahre Der Name George Herbert Walker Bush ist eine Reminiszenz an den Großvater mütterlicherseits, George Herbert Walker. George Bush war der zweitälteste Sohn von Prescott Sheldon Bush (1895–1972), einem Senator von Connecticut, und Dorothy Walker Bush (1901–1992). Sein älterer Bruder war Prescott Bush Jr. (1922–2010), außerdem hat er drei jüngere Geschwister: Nancy Walker Bush Ellis (1926–2021), Jonathan James Bush (1931–2021) und William Henry Trotter Bush (1938–2018). Bush wuchs in Greenwich auf und besuchte die Phillips Academy in Andover, Massachusetts, wo er Kapitän des Baseball-Teams war.
Einsatz während des Zweiten Weltkriegs mini|hochkant|George Bush (1943) Im Juni 1942 machte er seinen Abschluss. Motiviert durch den Angriff Japans auf Pearl Harbor im Dezember 1941, entschloss er sich, in die US Navy einzutreten. Kurz vor seinem 19. Geburtstag legte er den Eid ab, der ihn zum damals jüngsten Piloten der Navy machte. Im September 1943 wurde Bush als Teil einer Grumman-TBF-Staffel auf die San Jacinto versetzt. Dort war er als Fotografie-Offizier eingesetzt und machte Aufklärungsflüge über feindlichem Gebiet; dabei wurde er auch in Luftkämpfe verwickelt. Er musste am 19. Juni 1944 notwassern und wurde von der Besatzung der Clarence K. Bronson gerettet.
Am 1. August wurde er zum Lieutenant Junior Grade befördert. Am 2. September war er am Luftkampf über den japanischen Bonininseln beteiligt und der einzige von neun abgeschossenen Piloten, der den Krieg überlebte. Im Gegensatz zu den anderen acht geriet er nicht in Kriegsgefangenschaft, sondern wurde von einem amerikanischen U-Boot aufgenommen. Das rettete ihm das Leben, da die anderen beim Chichi-jima-Vorfall ermordet wurden.13 erstaunliche historische Fakten, von denen du (vielleicht) noch nie gehört hast. watson.ch, 11. Oktober 2020: 9. US-Präsident George H. W. Bush fiel fast Kannibalen zum Opfer. Für diesen Einsatz erhielt er das Distinguished Flying Cross.
Bush erhielt außerdem drei Air Medals und die Presidential Unit Citation. Er flog noch einige Einsätze an verschiedenen Orten, bevor er Anfang 1945 an die Naval Station Norfolk in Norfolk, Virginia versetzt wurde. Nach der Kapitulation Japans wurde er im September 1945 ehrenhaft aus der Navy entlassen.
Heirat und Familie mini|hochkant|George und Barbara Pierce Bush mit ihrem ersten Sohn George W. (1947) Am 6. Januar 1945 heiratete Bush die ein Jahr jüngere Barbara Pierce (1925–2018). Die beiden bekamen sechs Kinder: George Walker, geboren am 6. Juli 1946 in New Haven, CT (1995 bis 2000 Gouverneur von Texas, Präsident der Vereinigten Staaten von 2001 bis 2009) Pauline „Robin“ Robinson, geboren am 20. Dezember 1949 in Compton, CA, gestorben am 11. Oktober 1953 an Leukämie John „Jeb“ Ellis, geboren am 11. Februar 1953 in Midland, TX (1999 bis 2007 Gouverneur von Florida) Neil Mallon, geboren am 22. Januar 1955 in Midland, TX Marvin Pierce, geboren am 22. Oktober 1956 in Midland, TX Dorothy Bush Koch, geboren am 18. August 1959 in Houston, TX Barbara Bush starb am 17. April 2018 nach 73 Ehejahren. Nach der Ehe Jimmy Carters war dies die längste Ehe in der Geschichte der amerikanischen Präsidenten.
Studienzeit Nach seinem Einsatz während des Zweiten Weltkriegs besuchte Bush die Yale University und wurde Mitglied der Honor Society Phi Beta Kappa. Bereits vor seinem Kriegseinsatz wurde er an der Universität akzeptiert. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg und seiner Heirat trat er sein Studium in Yale an. Dort wurde er Mitglied in der Fraternity Delta Kappa Epsilon und der Studentenverbindung Skull and Bones. Er schrieb sich in ein spezielles Programm ein, das ihm erlaubte, sein Studium in zweieinhalb statt vier Jahren zu absolvieren. Bush wurde Kapitän der Yale-Baseball-Mannschaft. 1948 verließ er Yale mit einem Bachelor of Arts in Wirtschaftswissenschaften.
Tätigkeiten in Wirtschaft und Politik mini|hochkant|George H. W. Bush (1969) Bushs Vater Prescott Bush war Senator, er selbst Präsident und Vize-Präsident, sein Sohn George W. Präsident und Gouverneur von Texas und Sohn Jeb Gouverneur von Florida. Bush war der zweite Präsident nach John Adams, dessen Sohn ebenfalls Präsident wurde.
Bush war erfolgreich im Ölgeschäft in Texas, 1953 gründete er die Firma Zapata Oil.
Seine politische Karriere begann 1962 als Vorsitzender der Republikanischen Partei im texanischen Harris County. 1964 kandidierte er für den Senat und verlor gegen seinen demokratischen Konkurrenten Ralph Yarborough knapp. 1966 wurde Bush als Abgeordneter eines Bezirks in Houston in das US-Repräsentantenhaus gewählt und 1968 wiedergewählt. 1970, mit Unterstützung Nixons, unternahm er einen erneuten Versuch, zum Senator gewählt zu werden. Er scheiterte gegen Lloyd Bentsen, der das Amt bis 1993 innehatte.
mini|Bush als CIA-Direktor In den 1970er Jahren bekleidete er zahlreiche wichtige Ämter: Von 1971 bis 1973 war er US-Botschafter bei den Vereinten Nationen für Präsident Nixon und 1973/74 Vorsitzender des Republican National Committee, 1974/75 Leiter des amerikanischen Verbindungsbüros in Peking für Präsident Ford und damit diplomatischer Vertreter der USA in der Volksrepublik China sowie in den Jahren 1976 und 1977 Direktor des Geheimdienstes CIA. Während seiner Zeit als Chef der CIA soll Bush für die Operation Condor zur Ermordung linker Politiker in Lateinamerika verantwortlich gewesen sein und sich mit dem Drogenhändler Manuel Noriega aus Panama getroffen haben. Er soll auch das Geheimnetzwerk aufgebaut haben, welches später für die Iran-Contra-Affäre verantwortlich war. Zum Drogenschmuggler und CIA-Kontaktmann Barry Seal soll Bush persönliche Kontakte unterhalten haben. Als dieser 1986 ermordet wurde, bevor er vor einer Grand Jury Aussagen konnte, fand man Bushs private Telefonnummer in seiner Brieftasche.
Von 1977 bis 1979 war Bush einer der Direktoren des Council on Foreign Relations, eines der einflussreichsten privaten Think Tanks der USA.
1980 bewarb sich Bush um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Ronald Reagan errang die höchste Anzahl von Bundesstaaten in den Primaries, Bush die zweithöchste. Reagan bot ihm an, an seiner Seite als Running Mate zu kandidieren. Zusammen gewannen sie die Wahl gegen den amtierenden Präsidenten Jimmy Carter und dessen Vizepräsidenten Walter Mondale.
Vizepräsident der USA (1981–1989) mini|hochkant|Offizielles Porträt von Präsident Reagan und Vizepräsident Bush 1981 Bush orientierte sich als Vizepräsident an der Amtszeit Richard Nixons, welcher von 1953 bis 1961 Dwight D. Eisenhowers Stellvertreter gewesen war. Das bedeutete, er wollte dem Präsidenten loyal und beratend zur Seite stehen und sich nicht auf dessen Kosten profilieren. Nach dem Attentat auf Ronald Reagan im März 1981, wenige Monate nach der Amtsübernahme, vertrat er den Präsidenten für einige Wochen informell. Allerdings lehnte Bush es ab, formale Befugnisse des Präsidenten wie die Ernennung von Beamten oder das Unterzeichnen von Gesetzen zu übernehmen. Seine Weigerung, Reagan vorübergehend für amtsunfähig erklären zu lassen, machte großen Eindruck auf den Präsidenten. Infolgedessen entwickelten beide Männer eine engere persönliche Beziehung, nachdem sie zuvor einen eher formalen Umgang gepflegt hatten. Fortan machte es sich Reagan zur Regel, einmal pro Woche mit seinem Vizepräsidenten im Oval Office zu Mittag zu essen. Im Februar 1984 nahm Bush im Kreml als Vertretung für Präsident Reagan an der Trauerfeier des verstorbenen sowjetischen KPdSU-Generalsekretärs Juri Andropow teil.
Bei der Präsidentschaftswahl im November 1984 wurden Reagan und Bush mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt.
Als Vertreter des Präsidenten reiste Bush im März 1985 erneut zu einer Trauerfeier nach Moskau. Beim Begräbnis des verstorbenen sowjetischen Generalsekretärs Konstantin Ustinowitsch Tschernenko traf er als erster ranghoher US-Vertreter den neuen Generalsekretär Michail Gorbatschow. Bush telegraphierte Reagan, um ihm mitzuteilen, dass es sich bei Gorbatschow um einen neuen Typ von sowjetischem Führer handelte.
mini|Bush im Wahlkampf, Oktober 1988 Während Reagan sich im Juli 1985 einer Krebsoperation unterzog, amtierte Bush als erster Vizepräsident in der Geschichte für einige Stunden als „Acting President“ gemäß dem 25. Zusatzartikel der US-Verfassung. 1988 – Reagan durfte kein drittes Mal kandidieren – bewarb sich Bush erneut um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner und gewann diese. Auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner machte er das Versprechen, als Präsident gegen Steuererhöhungen sein Veto einzulegen („Read my lips: no new taxes“ – Lest es von meinen Lippen: Keine neuen Steuern). Bei der Präsidentschaftswahl 1988 zog Bush mit dem Vize-Kandidaten Dan Quayle in seinen eigenen Wahlkampf, den er gegen die Demokraten Michael Dukakis und Lloyd Bentsen mit 426 gegen 111 Wahlmännerstimmen klar gewann. Bei den gleichzeitig stattfindenden Kongresswahlen behielten die Demokraten ihre Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses. Was folgte, war der Präsidentschaftsübergang.
Präsidentschaft (1989–1993) mini|Bush bei seiner Vereidigung als Präsident am 20. Januar 1989 Am 20. Januar 1989 wurde Bush als 41. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. In seiner Rede zur Amtseinführung bekundete er seinen Willen zur Überparteilichkeit und betonte die Notwendigkeit der Haushaltskonsolidierung. In Bezug auf die Weltpolitik sagte er, die „totalitäre Ära“ werde „wegfallen wie Blätter an einem leblosen Baum“.
Innenpolitik Bushs Innenpolitik war gekennzeichnet von innenpolitischen Kämpfen um die Reduzierung des Haushaltsdefizits der Vereinigten Staaten. Er wollte Kürzungen durchsetzen, während der von Demokraten dominierte Kongress Steuererhöhungen anstrebte. Im Oktober 1990 einigten sich Bush und der Kongress auf einen Kompromiss. Miller Center Bush stimmte nun doch Steuererhöhungen zu, womit er sein Wahlversprechen von 1988 brach. Hintergrund war ein drohender Government Shutdown, eine mögliche Zahlungsunfähigkeit der amerikanischen Bundesregierung, die ohne Einigung aufgrund eines früheren Haushaltsbegleitgesetzes aus der Reagan-Ära angeordnet war.Timothy Naftali: George H. W. Bush: The American Presidents Series: The 41st President, 1989–1993. Die Einigung mit dem Kongress stieß insbesondere bei konservativen und libertären Republikanern um den späteren Sprecher des Repräsentantenhauses Newt Gingrich auf Kritik. In der Umweltpolitik wurde während Bushs Amtszeit der Clean Air Act verabschiedet. 1990 unterzeichnete er den Americans with Disabilities Act, ein Bundesgesetz über das Verbot der Diskriminierung von Behinderten. Miller Center
Außenpolitik