mini|Fassade mit Eingangsportal mini|Luftaufnahme aus Osten im Winter Schloss Eggenberg in Graz ist die größte und bedeutendste barocke Schlossanlage der Steiermark. Es zählt mit seiner erhaltenen originalen Ausstattung, dem weitläufigen Landschaftsgarten sowie mit den im Schloss untergebrachten Sammlungen des Universalmuseums Joanneum zu den wertvollsten Kulturgütern Österreichs. Als Stammsitz des Adelsgeschlechts Eggenberg zeigt es mit seiner Bau- und Ausstattungsgeschichte den Wandel und das Mäzenatentum des einst mächtigsten Geschlechtes der Steiermark. 2010 wurde das Schloss in einer Erweiterung dem bestehenden UNESCO-Welterbe Stadt Graz – Historisches Zentrum hinzugefügt.
Das Schloss befindet sich im Westen der Landeshauptstadt Graz am Fuß des Bergs Plabutsch. Neben der historischen Gartenanlage und den Prunkräumen des Schlosses bietet Eggenberg auch die Möglichkeit des Besuches mehrerer Sammlungen: Im Norden des Schlossparkes befinden sich der Planetengarten und das daran anschließende Archäologiemuseum. Die numismatische Sammlung sowie die Alte Galerie sind im Schloss selbst untergebracht.
Schloss Baugeschichte Schloss Eggenberg präsentiert sich heute auf den ersten Blick als einheitlicher Bau des 17. Jahrhunderts. Große Teile des Baukerns stammen jedoch aus dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit.
Balthasar Eggenberger kaufte zwischen 1460 und 1463 den Orthof auf den Algersdorfer Feldern. Dieser befestigte Edelsitz erhielt den Namen der Familie und wurde in den folgenden Jahren erweitert und umgestaltet. Noch vor 1470 wurde in dem freistehenden Turm ein quadratischer Kapellenraum eingerichtet. Von dieser Kapelle existiert ein römischer Kardinalsablass, datiert mit dem 30. Mai 1470, der der capella Beate Marie Virginis sita in Castro Eckenperg gewisse Privilegien verleiht. Dieses Dokument liefert den terminus ante quem für die Fertigstellung der Kapelle. Balthasar stiftete für diesen Kapellenraum einen prächtigen Flügelaltar, dessen Tafeln sich heute wieder hier am ursprünglichen Aufstellungsort befinden.
Im 16. Jahrhundert wurde dieses, wahrscheinlich L-förmige, spätmittelalterliche einturmige Schloss der sozialen Stellung der Familie angepasst und mehrfach erweitert. Merkmale am Gebäude, die Teile dieser Bauphasen noch heute zeigen, sind Fenstergewände, die Aufschluss über die ehemaligen Geschoßhöhen geben, Eckquaderungen und akanthusumrahmte Biforienfenster und malerische Ausstattungen einzelner Räume. Als dieses Gebäude den Ansprüchen der neuen fürstlichen Familie nicht mehr gerecht wurde, begann man 1625 mit einem grundlegenden Umbau. Die bestehenden, älteren Bauteile wurden dabei geschickt in den Neubau integriert: einerseits wahrscheinlich wegen der Kostbarkeit von Baumaterial, andererseits aber von dem offensichtlichen Willen getragen, das Stammhaus der Familie nicht vollkommen zu zerstören. Die gotische Marienkapelle wurde erstmals 1667 vom Maurermeister Johann Baptist Pozzo renoviert und wurde als Tauf- und Familienkapelle zum Mittelpunkt der neuen Anlage.
mini|Idealperspektivische Ansicht Eggenbergs. Kupferstich von Andreas Trost, vor 1700
Fürst Hans Ulrich beauftragte 1625 den Hofarchitekten Giovanni Pietro de Pomis mit der Planung seines neuen Schlosses.Giovanni Pietro de Pomis. 1974, S. 48. Der aus Lodi bei Mailand stammende de Pomis wurde als Architekt, Maler und Medailleur zum wichtigsten Künstler am Grazer Hof. Gemeinsam mit Hans Ulrich begleitete er Erzherzog Ferdinand auf den Hofreisen nach Italien und Spanien. Diese Reisen haben die architektonische Formensprache de Pomis’ wahrscheinlich geprägt. Sein Stil beruht auf der oberitalienisch-manieristischen Architektur der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, vor allen anderen die Bauten Palladios und der charakteristisch schmucklose Herrera-Stil. Die Anlage des Grundrisses von Schloss Eggenberg zitiert fast wörtlich den des Palazzo Thiene, während das äußere Erscheinungsbild trotz der enormen Unterschiede in der Dimension verblüffend stark an das Schloss und Kloster El Escorial bei Madrid erinnert. Weitere Parallelen lassen sich auch in den stilistischen Ähnlichkeiten, wie der Schmucklosigkeit und betonten Horizontalität der Fassaden, die an den Ecken turmartig erhöht sind, sowie der Gegenüberstellung von Festsaal und Kirchenraum erkennen. Die bedeutendste Gemeinsamkeit dieser beiden Gebäude liegt jedoch in der Zeichenhaftigkeit der Architektur, die die Vorstellungen der jeweiligen Bauherren von der Natur des Universums zu einem umfassenden, intellektuellen, symbolischen Konzept formuliert.
De Pomis leitete die Bauarbeiten bis zu seinem Tod 1631. Der Festungsbaumeister Laurenz van de Sype führte die Arbeiten für zwei Jahre weiter, bis das Gebäude schließlich unter den beiden Polieren de Pomis‘, Pietro Valnegro und Antonio Pozzo fertiggestellt wurde. 1635/36 dürfte der Rohbau beendet gewesen sein. Daran schlossen sich von 1641 bis 1646 die Ausgestaltungsarbeiten der Steinmetze und Zimmerer an. Zu diesem Zeitpunkt war das Schloss benutzbar und auch temporär von der Familie bewohnt. Mit dem überraschenden Tod des zweiten Fürsten, Johann Anton kamen die Ausgestaltungsarbeiten der noch fehlenden Beletage vorübergehend zum Stillstand.
mini|Festzug zur Vermählung Kaiser Leopolds mit Claudia Felizitas. Rechts oben Ansicht von Schloss Eggenberg, links oben Graz (1673)
Johann Seyfried von Eggenberg ließ ab 1666 das Schloss im Sinne barocker Prachtentfaltung fertigstellen. Unter ihm wurde in nur 7 Jahren der etwa 600 Gemälde umfassende Deckenzyklus der Räume des Prunkgeschoßes ausgeführt. Als sich 1673 Claudia Felizitas, die Braut Kaiser Leopolds I., als Gast ansagte, war das Haus offensichtlich fertiggestellt. Lediglich der Festsaal verfügte noch über keine malerische Dekoration. 1678 trat Hans Adam Weissenkircher in Graz seinen Dienst als fürstlich Eggenbergischer Hofmaler an.Hans Adam Weissenkircher. 1985, S. 21. Er stellte die Gemäldefolge des Festsaales, nunmehr Planetensaal genannt, bis 1684/85 fertig. Damit waren die Ausstattungsarbeiten dieser ersten Phase von Schloss Eggenberg abgeschlossen.
Nach dem Aussterben der Eggenberger im Mannesstamm zeigten sich die Prunkräume in einem halbgeleerten und vernachlässigten Zustand. Der Gemahl der letzten Eggenberger Prinzessin, Johann Leopold Graf Herberstein, gab eine umfassende Erneuerung der Anlage in Auftrag. Zwischen 1754 und 1762 erfuhren das Haus und die Gartenanlage eine zweite, große Ausstattungsphase, ganz im Geschmack des Rokoko. Vor allem die Einrichtung des Prunkgeschoßes wurde modernisiert. Der Planetensaal und der Zyklus der Deckengemälde blieben jedoch unverändert. Die Arbeiten beschränkten sich auf Wanddekorationen, Öfen und Möbel. Ganz im Geschmack der Zeit wurden drei ostasiatische Kabinette eingerichtet. Fünf Räume des Nordtrakts erhielten gemalte Wandbespannungen. Der wohl massivste Eingriff bestand im Abriss des Eggenberger Schlosstheaters, an dessen Stelle eine Schlosskirche errichtet wurde. Leiter dieser Arbeiten war Joseph Hueber, Schüler des Grazer Hofarchitekten Johann Lucas von Hildebrandt.
mini|Schloss Eggenberg um 1830, Lith. Anstalt J.F. Kaiser, Graz mini|hochkant|Blick in die Schlosskirche
Die dritte Phase der Veränderungen im 19. Jahrhundert beschränkte sich auf die Wohnräume im ersten Geschoß des Schlosses. Die Beletage blieb während des gesamten Jahrhunderts unberührt – und auch unbenutzt. Das Hauptaugenmerk dieser Zeit lag in der vollständigen Umgestaltung des barocken Formalgartens in einen romantischen Landschaftsgarten im englischen Stil.
Bis 1939 blieb die gesamte Anlage im Besitz der Familie Herberstein. Anfang Januar 1939 wurde Schloss Eggenberg samt Park vom Land Steiermark erworben. Nach Beschädigungen in der Kriegs- und Besatzungszeit wurde es dem damaligen Landesmuseum Joanneum eingegliedert und 1953 nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten dem Publikum geöffnet.
Programm Der gedankliche Schöpfer der Schlossanlage, Fürst Hans Ulrich von Eggenberg, verwirklichte mit seiner neuen Residenz ein tief von der magischen Naturphilosophie und von der Vorstellung der Ordnung der Welt geprägtes, architektonisches Konzept. Vor allem Astronomie, Astrologie und Alchemie waren damals wichtige Bestandteile der Bildung eines weltgewandten Fürsten. All diese Aspekte flossen in das Konzept des Neubaus ein, mit dem man ein wohlgeordnetes, mathematisch logisches und erklärbares System errichten wollte. Es sollte das Universum repräsentieren.
Schloss Eggenberg wurde dreigeschoßig über einem rechteckigen Grundriss errichtet, dessen geometrisches Zentrum vom Turm mit der gotischen Kapelle gebildet wird. Alle vier Ecken des Schlosses sind turmartig um eineinhalb Stockwerke höher als das übrige Gebäude. Jeder dieser vier Türme ist in eine der vier Himmelsrichtungen ausgerichtet. Die Zahl 4 steht für die vier Jahreszeiten und die vier Elemente. Der Innenhof wird durch einen Verbindungstrakt sowie durch einen Querflügel in einen rechteckigen und zwei kleinere Höfe unterteilt. Er ist an drei Seiten von dreigeschoßigen Pfeilerarkaden umgeben. Um das Schloss ist ein breiter Trockengraben mit Steinbrücken angelegt.
Als eine weitere Grundlage für dieses „Universum Schloss Eggenberg“ gilt der Kalender. Das System der gregorianischen Kalenderreform stellte in der Zeit des Schlossbaues eine große Neuerung dar. Es ordnet den Schlossbau logisch und mathematisch und spiegelt zudem sämtliche Werte der Zeitrechnung wider. Schloss Eggenberg besitzt 365 Außenfenster, für jeden Tag eines Jahres. Im zweiten Stock, der Beletage, befinden sich 52 Außenfenster, für jede Woche eines Jahres. Jedes Stockwerk im Haus birgt 31 Räume für die maximale Anzahl der Tage eines Monats. Im zweiten Obergeschoß sind außen ringförmig 24 Prunkräume angeordnet, die die Stunden eines Tages symbolisieren. Der gesamte Bau ist symmetrisch angelegt. Dadurch ergeben sich im zweiten Obergeschoß zwei gleich große Hälften, zu denen je 12 Räume zählen, die für die Stunden von Tages- und Nachthälfte stehen.
Auch die Raumdisposition ist Teil des Programms. Das Gebäude folgt einer streng hierarchischen Ordnung. Im Erdgeschoß befanden sich ausschließlich Räume für wirtschaftliche Zwecke. Das erste Obergeschoß diente dem alltäglichen Leben. Dort befanden sich die Wohnräume der Familie, und genau in der Mittelachse über der Tordurchfahrt richtete Hans Ulrich seinen Audienzsaal ein. Das zweite Obergeschoß wurde als Prunkgeschoß, das gegebenenfalls in Appartements für Gäste unterteilt werden konnte, eingerichtet und birgt Repräsentations- und Festräume. Genau in der Mittelachse über der Tordurchfahrt und dem Audienzsaal befindet sich der Planetensaal als Höhepunkt des Programmes.
„Planetensaal“ mini|„Planetensaal“ Der Haupt- und Festsaal ist als Mittelpunkt des Programmes der Anfang und das Ende des Kranzes von 24 Prunkräumen. Der von Hans Adam Weissenkircher geschaffene Gemäldezyklus verknüpft das architektonische Programm mit dem Bildschmuck des Schlosses und errichtet damit eine gewaltige Allegorie des Goldenen Zeitalters, das unter der Regierung der Familie Eggenberg herrschte. An der als Spiegelgewölbe ausgeführten Decke des Saales befinden sich sieben gerahmte Ölgemälde, die die sieben klassischen Planeten und deren Eigenschaften repräsentieren. Die symbolische Aussagekraft gipfelt in diesen Gemälden, da sie gleichzeitig für die sieben alchemistischen Metalle, die sieben Wochentage, die sieben großen Besitzungen der Familie und die sieben wichtigsten Mitglieder der Familie stehen. In den Gewölbeecken werden die vier Elemente dargestellt. Die Wandflächen zwischen den Fenstern tragen großformatige Ölgemälde, die die 12 Tierkreiszeichen darstellen und damit die 12 Monate thematisieren.
Beletage