Kloster Hardehausen () ist eine ehemalige Zisterzienserabtei im Westen des Stadtgebietes von Warburg, etwa 15 km von der Kernstadt Warburg entfernt, im Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen. Hardehausen war im Jahr 1140 die erste Zisterze in Westfalen. Seit 1945 ist in den ehemaligen Klostergebäuden das Jugendhaus des Erzbistums Paderborn und seit 1949 zusätzlich die Katholische Landvolkshochschule „Anton Heinen“ beheimatet.
Geschichte Vorgeschichte Im Jahre 1009 errichtete Bischof Meinwerk von Paderborn in der Siedlung „Herswithehusen“ ein Bischofsgut. Am 25. Mai 1036 überschrieb er in der Busdorf-Urkunde dem Stift Busdorf in Paderborn zu dessen Ausstattung unter anderem Ländereien mit drei Vorwerken in „Hiriswithuson“ (Hardehausen).Vita Meinwerci, S. 129–130 in der Textausgabe von Franz Tenckhoff: Das Leben des Bischofs Meinwerk von Paderborn. Hannover 1921. Digitalisat: Seiten 129 und 130
Gründung Das Kloster wurde zu Pfingsten, am 28. Mai 1140, durch den Paderborner Bischof Bernhard I. von Oesede gegründet; es war ein Tochterkloster (Filiation) des Klosters Kamp am Niederrhein. Der Name z. Z. der Gründung war Hardenhusium. Das Gebiet befand sich in einem Waldtal, umgeben von Sumpflandschaften; die Tallage ist typisch für die Ansiedlung von zisterziensischen Klöstern. Der erste Abt Daniel kam mit 12 Mönchen aus Kamp. Der Gründungsvertrag wurde am 15. Mai 1155 unterzeichnet, nachdem der Landerwerb mit dem Kloster Corvey, Herzog Heinrich dem Löwen sowie den Grafen von Everstein und von Schoneburg geregelt war, erste Gebäude fertiggestellt und die Ländereien kultiviert wurden.
Mit der Einweihung der Kirche 1165 durch Bischof Evergis wurde der Bau der Klosteranlage abgeschlossen. Gleichzeitig wurde das Kloster zur Abtei erhoben. Die Äbte hatten Sitz und Stimme auf der Prälatenbank des Heiligen Römischen Reiches.
Bischof Hermann II. von Münster reiste im Sommer 1184 nach einem Aufenthalt in Süddeutschland über Paderborn und lernte so das Kloster Hardehausen kennen, aus dem dann die ersten Mönche nach Marienfeld entsandt wurden. Hermann machte auf seinem Rückweg nach Münster Station in der Bauerschaft Wadenhart, wo das Kloster Marienfeld gebaut wurde.Wilhelm Kohl: Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Band 7: Das Bistum Münster. Die Diözese. Teilband 1. (= Germania Sacra. NF, Band 37,1). de Gruyter, Berlin 1999, S. 111 (Digitalisat) Bischof Everhard von Münster forderte im Jahre 1285 zur Unterstützung der Bauten des Klosters Hardehausen auf und erteilte Wohltätern den Erlass („Ablass“) einer Karene, d. h. des vierzigtägigen strengen Fastens als Teil der Kirchenbuße.Westfälisches Urkundenbuch. Band 4, S. 859, Nr. 1862.
In der Klosterkirche wurden sowohl Bischof Bernhard, der Mitgründer des Klosters, als auch Bischof Siegfried, ein Freund der Zisterzienser, auf eigenen Wunsch beigesetzt.
In das Kloster Hardehausen traten vor allem Söhne nichtadeliger Familien ein, die aus dem Paderborner Hochstiftgebiet und teilweise auch den umliegenden Diözesen (Köln, Mainz) stammten, während sich der Konvent im Kloster Corvey hauptsächlich aus Söhnen adliger Familien zusammensetzte.
Klostergebäude Kirche mini|Säulenbasen, Kopie eines Kapitells und Mauerrest der 1812 abgerissenen Klosterkirche vor der heutigen mini|links|hochkant|Oktogonale Totenkapelle, auch Beinhaus, Anfang 13. Jh. mini|Ehemaliger Grundriss von Kirche und Konventgebäuden Die Klosterkirche war innerhalb der zisterziensischen Ordensbaukunst die einzige Kirche vollkommener hirsauischer Planbildung. Die kreuzförmige und zumindest im Mittelschiff flachgedeckte Säulenbasilika besaß einen dreifachen apsidialen Schluss sowie zwei Nebenapsiden am Querhaus. Vier Basen der attischen Form sowie ein korinthisches Kapitell sind erhalten. Die Katharinenkapelle ante portas (1261) ließ der Abt 1764 niederreißen. Der Hochaltar ist St. Maria Virgo Gloriosa (1160/1650) und die Nebenaltäre sind St. Peter und Paul (1185/1665), Johannes Baptist (1356/1656), St. Nikolaus (1656), der Dreifaltigkeit (1656) und den Heiligen Agnes und Lucia (1659) geweiht. Die Hauptkirche hatte nur einen Dachreiter und keinen Kirchturm. Die Kirche zählte zu den bedeutendsten Baudenkmälern der Weserromanik. Ein vollständig erhaltenes Palmettenringband-Kapitell der ehemaligen Säulenbasilika wird im Dehio-Handbuch Nordwestdeutschland von 1912 als vollendet schöne Arbeit hervorgehoben.Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Band 5: Nordwestdeutschland. Berlin 1912, S. 177. (digi.ub.uni-heidelberg.de) Die Stefanuskapelle im Ostflügel war die Spiegel’sche Familiengruft. Im Nordchor wurden die oben genannten Paderborner Bischöfe beigesetzt. Das älteste erhaltene Gebäude des Klosters ist die oktogonale Totenkapelle, wohl auch Ossuarium (Beinhaus), ein frühgotischer Bau vom Anfang des 13. Jahrhunderts.Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Band: Nordrhein-Westfalen II – Westfalen. 2016, ISBN 978-3-422-03114-2, S. 1130ff. und die Marienkapelle im Hospital. Die Kirche wurde 1812 abgerissen. Der westliche Teil ihres Langhauses ist mit der heutigen Kirche überbaut. Vier Säulenbasen und Reste der Außenmauern von Chor und Querhaus wurden in die Gestaltung des Vorplatzes nordöstlich der Klausur einbezogen. Ein Gewölbeabschlussstein im östlichen Kreuzgang stellt das Drei-Hasen-Symbol dar.Erhard Ueckermann: Das Hasensymbol am Dom zu Paderborn, im Kloster Hardehausen, in der Kathedralkirche St. Paulus in Münster und der Klosterkirche Haina. In: Zeitschrift für Jagdwissenschaft. Band 41, 1995, S. 285–291.
Konventgebäude mini|Kornspeicher Das ehemalige Konventgebäude lag in einem Klosterbezirk mit einer Fläche von 72 Morgen, welcher von einer Ringmauer umschlossen war. Das Gebäude bildete ein zweigeschossiges Quadrum mit östlich verlängertem Südflügel, welchen der Abt mit gotischen Bauteilen erneuern ließ. Im Westflügel war der Konversenbau. Dieser wurde später ebenso wie das Refektorium abgebrochen. Im nördlichen, teils zweischiffigen Kreuzgang befinden sich reich profilierte Sockel aus der Gründungsphase. Die Wirtschaftsgebäude gruppieren sich um einen axial von Süd-Ost nach Nord-West gerichteten Hof mit Kornspeicher (1723), Scheune (1740), Klosterkrug (18. Jh.) und weitere Scheunen sowie den barocken Prälatengarten mit Orangerie (heute Prälaten- bzw. Gartenhaus genannt).
Klosterleben Geistliches Leben Am zweiten Bitttag vor Christi Himmelfahrt kamen die Gläubigen zur großen Prozession des Warburger Landes zum Kloster. Die Bewohner der Klosterdörfer (Scherfede, Rimbeck, Bonenburg und Nörde, die sogenannten Amtsdörfer des Klosters) wallfahrten am Sonntag nach Maria Heimsuchung mit dem Abt und Konvent nach Kleinenberg. Die Mönche zelebrierten die große Vinzenz-Wallfahrt in Scherfede. Mönche aus Hardehausen feierten die Messen in den Klosterdörfern und stellten die Pröpste in benachbarten Frauenklöstern.1734 vereinbarte Abt Vinzenz Spancken die Gebetsverbrüderung mit dem Abdinghofkloster in Paderborn und mit der Abtei Marienmünster.Vinzenz Spancken, Abt des Klosters Hardehausen 1730–1736, in: Zisterzienserlexikon, abgerufen am 16. Mai 2026.
Arbeit, Landwirtschaft und Grunderwerb mini|Ehemalige Ölmühle mini|Hardehausener Hof in Paderborn Der Haupteinnahmequelle des Klosters war anfänglich die Arbeit in der Landwirtschaft und die Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten. Ab dem 14. Jahrhundert wurden Teile der Ländereien verpachtet, da nicht ausreichend Arbeitskräfte dem Kloster zur Verfügung standen.
Der Ländereibesitz erstreckte sich von Salzkotten bis Kassel (Ost-West-Richtung) und von Brakel bis Fritzlar (Nord-Süd-Richtung). Hinzu kamen zeitweilig das Weingut Kessenich (bei Bonn) sowie Amt und Pfarrei Lüchtigen (bei Osnabrück).
Das Kloster wurde im Jahre 1140 mit dem bischöflichen Tafelbesitz ausgestattet. Im Jahr 1233 besaß das Kloster etwa 7,5 Hektar Land und eine Zehntscheune in Scherfede. Sukzessive wurden die Liegenschaften des Klosters erweitert. Der Besitz der Grafen Everstein fiel, nachdem deren Mannesstamm erlosch, teilweise an das Kloster. Der Landbesitz des Klosters wurde erheblich (der Gesamtbesitz umfasste 16.000 Morgen, allein der Waldbesitz umfasste 7500 Morgen) vergrößert durch Zukäufe und Schenkungen. Das Kloster war 200 Jahre nach der Gründung der größte geistliche Grundbesitzer im Fürstentum Paderborn. Es besaß Grundbesitz in den meisten benachbarten Ortschaften bzw. im Warburger Land und übte die Grundherrschaft und die Gerichtsbarkeit über mehrere Orte aus. Als Verwaltungseinrichtungen wurden eigens Ämter eingerichtet. Im Kloster lebten in der Blütezeit 450 Graue Mönche und Konversen. Die Mönche betrieben 9 Fischteiche und hatten Fischereirechte in der Diemel von Billinghausen bis Ossendorf. Ein wesentlicher Teil der Landwirtschaft machte der Gemüse- und Obstanbau aus. Die Apfelsorte der Hardehäuser Klosterapfel wurde dort gezüchtet. Fisch, Gemüse und Obst waren die Hauptspeisen der Mönche. Ferner betrieb man eine Schweinezucht und eine Schweinemast ebenso, wie eine umfangreiche Schafzucht zur Produktion von Wolle. Es gab auch eine Imkerei. Zudem baute das Kloster eine Grangie in Rozedehusen (heute eine Wüstung). Kloster Hardehausen war 200 Jahre nach seiner Gründung der größte landwirtschaftliche Betrieb und mit seinen handwerklichen Werkstätten eine Wirtschaftsmacht im Hochstift.
Das Kloster besaß zwischenzeitlich die Pfarrkirche und das Amt in Lüchtigen (im Hochstift Osnabrück), die im Jahre 855 vom Kloster Corvey inkorporiert und 1247 und 1251 an das Kloster Hardehausen ebenso wie das Weingut in Kessenich verkauft wurde. Mit dem Kauf half Hardehausen dem Kloster Corvey in einer finanziell schwierigen Zeit. Hardehausen übergab die Rechte am Amt und an der Pfarrkirche im Jahre 1275 im Tausch an den Bischof von Osnabrück.Germania Sacra, W. Kohl: Bistum Münster, 2, S. 306; Hrsg. MPI Göttingen
Das Kloster besaß Mönchshöfe bzw. Klosterhöfe (Stadthäuser) in Paderborn (ab 1160), Salzkotten (1160), Fritzlar (1207), Warburg (Mönchehof in der Sternstraße 27) (1258), Wolfhagen (1259), Hofgeismar (1287), Volkmarsen (1286), Brakel (1291), Kassel (1298), Blankenrode (1301), Marsberg (1302), Nieheim (1322), Hameln (1347), Höxter (1351), Grebenstein (1330/53), Borgentreich (1405), Peckelsheim (1408), Nieheim (1455) und Köln (?).Wilhelm Kuhne: Hardehausen. Pflanzt, wo die Wasser fließen. Paderborn 1989, ISBN 3-87088-607-2, S. 213. Die Jahreszahlen beziehen sich auf das Jahr der Gründung, bzw. des Erwerbs.
In Marienrode (Homburg) und Mönchehof bei Kassel wurden Hofverbände (Grangien) angelegt. In Hardehausen gab es eine Schuhmacherei, Weberei, Getreidemühle, Ölmühle, zudem besaß das Kloster mehrere Mühlen entlang der Diemel und in Fritzlar (1281) sowie in Borgentreich (1293).
Klosterkultur Für die Jahre 1180 bis 1182 ist wertvolle Schreibtätigkeit im Skriptorium nachgewiesen. Eine Handschrift, der Computus emendatus des Paderborner Magisters Reihner zur Kalenderberechnung, befand sich noch 1715 in der Klosterbibliothek. Abt Overgaer war ein guter Latinist und Pater Schwarte verfasste 1423 eine Chronik von Ottbergen. Auf dem Gebiet der Baukunst wurde auch Besonderes geleistet, s. Abschnitt Kirche. Der Abt Heinrich schenkte nach 1749 dem hessischen Landgrafen Friedrich II. anlässlich dessen Konversion zum katholischen Glauben das Hardehausener Evangeliar (um 1160–1170) aus dem Kloster Helmarshausen.
Die theologische und philosophische Ausbildung der Priestermönche erfolgte durch eigene Lektoren im Kloster und seit dem 15. Jahrhundert an Universitäten wie etwa an der Universität Erfurt. Ab 1642 studierten 50 Professen an der Universität Paderborn. Das Kloster sorgte auch für den Dienst und den Unterhalt des Lehrers und Organisten in Scherfede (1674).
Tochterklöster und Geistliche Aufsicht