mini|hochkant=1.5|Newski-Prospekt in der Dämmerung Der Newski-Prospekt () ist eine 4,5 Kilometer lange Straße im historischen Zentrum Sankt Petersburgs und eine der berühmtesten Straßen Russlands. Die Straße wurde zwischen 1711 und 1721 als Verbindung zwischen der Admiralität im Westen und dem Alexander-Newski-Kloster im Osten der Stadt angelegt. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich daraus zunehmend eine Prachtstraße, als die zahlreichen ansässigen Aristokraten hier ihre Residenzen errichten ließen.

Auf dem Newski-Prospekt finden sich bis heute historische Palais, die große lutherische St.-Petri-Kirche, eine römisch-katholische Kirche, die russisch-orthodoxe Kasaner Kathedrale, zahlreiche Cafés, Museen und Kinos, ebenso das 1785 entstandene Gebäude des Kaufhauses Gostiny Dwor sowie der Jugendstilbau des Feinkostladens Jelissejew. Das luxuriöse Grand Hotel Europe befindet sich ebenfalls am Newski-Prospekt.

Geografie Lage Der Newski-Prospekt verläuft durch den am linken Ufer des Flusses Newa gelegenen Teil der Petersburger Innenstadt und stellt dort nicht nur eine repräsentative historische Straße dar, sondern auch eine wichtige Verkehrsader. Den Anfang des Prospekts im Westen bildet die Kreuzung des Admiralitäts-Prospekts mit dem Palastplatz. Von der gleichen Kreuzung zweigt in nordwestliche Richtung die Zufahrt zur wenige hundert Meter entfernten Palastbrücke über die Newa ab, links von dieser Brücke steht das monumentale Gebäude der Admiralität, das bereits bei der Anlage des Newski-Prospekts als dessen westlicher Endpunkt vorgesehen war.

Ab dem Palastplatz verläuft der Prospekt weitgehend geradlinig in südöstliche Richtung und überquert auf diesem Verlauf drei kleinere Gewässer: Den Fluss Moika über die Grüne Brücke, den Gribojedow-Kanal über die Kasaner Brücke sowie den Fluss Fontanka über die Anitschkow-Brücke. Nach rund drei Kilometern wird der Newski-Prospekt vom Ligowski-Prospekt, einem Teil der alten Straße nach Nowgorod, gekreuzt und bildet in diesem Bereich den Platz des Aufstandes. Östlich dieses Platzes fängt der alte Teil des Prospektes an, dessen Bau Anfang des 18. Jahrhunderts unter Federführung des Alexander-Newski-Klosters erfolgte. Auch heute noch ist dieser Abschnitt zwischen dem Platz des Aufstandes und dem Kloster gemeinhin als Alter Newski-Prospekt (russisch ) bekannt. Nachdem die Straße kurz nach dem Platz des Aufstands einen Knick in Richtung Süden macht, verläuft der Prospekt wieder gerade, bis er nach etwas über einem Kilometer an der Einmündung in den Alexander-Newski-Platz endet. Unmittelbar östlich dieses Platzes beginnt die Zufahrt zur Alexander-Newski-Brücke über die Newa.

Verkehr mini|Ein O-Bus auf dem Newski-Prospekt mini|links|U-Bahnhof Ploschtschad Wosstanija

Neben seiner Funktion als Autostraße, die zusammen mit den beiden Newa-Brücken an ihren Enden eine durchgehende Verbindung zwischen der Wassiljewski-Insel bzw. der Petrograder Insel im Westen und den ausgedehnten Industrie- und Wohngebieten am rechten Newa-Ufer im Osten bietet, ist der Newski-Prospekt auch ein wichtiger Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs. Bereits im Jahr 1847 befuhren die ersten Pferdeomnibusse den Prospekt, 1862 wurden sie durch eine Linie der Pferdebahn ergänzt, deren Gleise ab 1881 auf einigen Abschnitten testweise von Dampfstraßenbahnen befahren wurden.Mitrofanov 2010, S. 23 ff. Auch die 1907 in Betrieb genommene erste Linie der elektrischen Straßenbahn Sankt Petersburg verlief hier, ebenso wie eine Linie der im gleichen Jahr in Sankt Petersburg eingeführten motorisierten Omnibusse. Seit 1936 fahren außerdem Oberleitungsbusse auf dem Prospekt. Zu Gunsten des O-Bus-Betriebs, der von seiner Einführung an auf dem gesamten Prospekt zwischen der Admiralität und dem Alexander-Newski-Platz bestand, wurden Straßenbahngleise auf dem Newski-Prospekt zwischen 1950 und 1952 außer Betrieb genommen und zurückgebaut. Schließlich wurde 1955 unter dem Platz des Aufstands der damalige nördliche Endpunkt der ersten U-Bahn-Linie der Stadt – die Metrostation Ploschtschad Wosstanija – fertiggestellt.

Das heutige Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln auf dem Newski-Prospekt umfasst elf Buslinien und neun O-Bus-Linien sowie mittlerweile sechs U-Bahnhöfe – neben der 1955 eröffneten Station Ploschtschad Wosstanija der Metrolinie 1 sind es der ebenfalls den Platz des Aufstandes anbindende U-Bahnhof Majakowskaja der Linie 3, ferner die beiden U-Bahnhöfe unter dem Alexander-Newski-Platz (Ploschtschad Alexandra Newskowo-1 der Linie 3 und Ploschtschad Alexandra Newskowo-2 der Linie 4) sowie die Stationen Newski Prospekt der Linie 2 und Gostiny Dwor der Linie 3 auf dem Westabschnitt des Prospekts. In unmittelbarer Nähe des westlichen Endes des Prospektes befindet sich darüber hinaus der U-Bahnhof Admiralteiskaja der Linie 5.

Einer der wichtigsten Fernbahnhöfe der Stadt – der Moskauer Kopfbahnhof, von dem aus Züge nach Moskau und in zahlreiche andere südlich und südöstlich von Petersburg gelegene Orte abfahren – befindet sich auf der Südseite des Platzes des Aufstandes und damit ebenfalls auf dem Newski-Prospekt.

Geschichte Name Die heutige Bezeichnung der Straße geht unmittelbar aus der historischen Rolle des Prospekts als einer Verbindungsstraße vom und zum Alexander-Newski-Kloster hervor, das sich am östlichen Ende des Prospekts befindet. So hieß die Straße bei ihrer Verlegung in den 1710er-Jahren zunächst nur Weg zum Alexander-Newski-Kloster oder in offizieller Schreibweise auch (Große) Perspektivstraße zum Alexander-Newski-Kloster (). Letztere Bezeichnung wurde dann 1738 als (Große) Newski-Perspektive () abgekürzt, bis schließlich 1776 das Wort „Perspektive“ durch das gleichbedeutende, jedoch leichter auszusprechende „Prospekt“ ersetzt wurde.Kirikow et al. 2009, S. 3 Inzwischen bezeichnet man in Russland als Prospekt jede große und gerade verlaufende Hauptstraße einer Stadt (ein Beispiel ist der Kutusow-Prospekt in Moskau).

Im Oktober 1918, zum ersten Jahrestag der Oktoberrevolution, erhielt die Magistrale unter der neuen Sowjetmacht den Namen Prospekt des 25. Oktober (). Dieser Name hatte offiziell über zwanzig Jahre Bestand, konnte sich jedoch im allgemeinen Sprachgebrauch nicht durchsetzen. Infolgedessen wurde beschlossen, den alten Namen am 13. Januar 1944 wiedereinzuführen.Hellopiter.ru; überprüft am 15. März 2011

Entstehungsgeschichte mini|Die Newski-Perspektivstraße nahe der Admiralität, 1753

Kaiserin Anna verlegte das Stadtzentrum von der heute so genannten Petrograder Seite auf die Admiralitätsseite der Newa und legte dort in den 1710er-Jahren unter anderem den Newski-Prospekt an. Erst damit begann die relativ späte Nutzung der Territorien südöstlich des Newa-Deltas im Unterschied etwa zur Petrograder Insel und der Haseninsel, wo schon bei der Stadtgründung die Peter-und-Paul-Festung aufgebaut wurde.

Zu den ersten Petersburger Bauwerken links der Newa gehört das Alexander-Newski-Kloster, das im Juli 1710 auf Initiative des Stadtgründers Peter I. „des Großen“ gestiftet wurde. Die Standortwahl für das Kloster erklärt sich dadurch, dass genau an diesem Ort der als russischer Nationalheld verehrte Nowgoroder Fürst Alexander Newski 1240 die Schlacht an der Newa über die Schweden gewonnen haben soll. Entsprechend wurde auch das Kloster, das später dem Newski-Prospekt seinen Namen gab und 1797 als eines der bis heute sehr wenigen russisch-orthodoxen Klöster den Rang einer Lawra erhielt, dem heiliggesprochenen Fürsten geweiht.

Der Aufbau des Klosters dauerte etwa ein Jahrzehnt lang. In dieser Zeit wurde auch eine durchgehende Straßenverbindung zwischen dem als Pilgerort zunehmend bekannt werdenden Kloster und dem weltlichen Mittelpunkt der neu gegründeten russischen Hauptstadt notwendig. Inzwischen war am linken Newa-Ufer, wenige Kilometer westlich des Klosters, mit der Admiralität eine neue architektonische Dominante der Hauptstadt entstanden. Auf dem Mittelweg dazwischen verlief noch lange vor der Stadtgründung die alte Handelsstraße nach Nowgorod, damals auch die einzige Verbindungsstraße zwischen Petersburg und dem Rest Russlands. Da sowohl das Kloster als auch das Zentrum Petersburgs eine Anbindung an diese Straße benötigt hatten, verfügte Peter I. kurz nach der Gründung des Klosters den Bau einer Großen Perspektivstraße am linken Newa-Ufer.

Bereits 1711 begann die Verlegung des Straßenabschnitts vom Alexander-Newski-Kloster bis zur künftigen Kreuzung mit der Nowgoroder Handelsstraße. Diesen kürzeren Abschnitt des heutigen Prospekts bauten die Mönche des Klosters, während die fast zeitgleich geschaffene Verbindung von der Admiralität zur Handelsstraße – einschließlich der Brücken über die beiden den Weg kreuzenden Flüsschen Moika und Fontanka – von Soldaten sowie schwedischen Kriegsgefangenen des Großen Nordischen Krieges verlegt wurde. Diese von zwei Seiten erfolgte Verlegung der Straße und ein sich wahrscheinlich dabei eingeschlichener Planungsfehler erklären auch den auf Stadtplänen deutlich sichtbaren Knick, den der ansonsten schnurgerade verlaufende Prospekt östlich des heutigen Platzes des Aufstandes macht. Zwar wurden die beiden Wege zum Kloster und zur Admiralität gegen Ende der 1710er-Jahre weitgehend fertiggestellt. Allerdings kreuzten sie die Nowgoroder Straße aufgrund dieses Fehlers ursprünglich an zwei geringfügig verschiedenen Orten, und erst in den 1760er-Jahren verband man die beiden Teilstrecken durchgehend.

mini|links|Ansichtskarte des Prospekts aus den 1890er-Jahren 1738 erhielt die inzwischen überaus intensiv befahrene Straße ihre erste offizielle Bezeichnung Newski-Perspektivstraße. Zu jener Zeit begann auch ihre Bebauung mit massiven steinernen Häusern. Dabei wurde der Abschnitt zwischen der Moika und der Fontanka als das dem Stadtkern am nächsten gelegene Straßenstück auch am ehesten besiedelt und bebaut – genau dort wurde beispielsweise in den 1740er-Jahren das Anitschkow-Palais, eines der ältesten erhaltenen Häuser auf dem Prospekt, errichtet. Da die Perspektivstraße im 18. Jahrhundert aber auch als wichtigste Stadteinfahrt galt, wurde sie als erste Straße der Hauptstadt befestigt und mit zwei entlang der Fahrbahn gepflanzten dekorativen Birkenreihen (die dem Newski-Prospekt noch bis etwa 1820, als sämtliche Bäume zwecks besserer Befahrbarkeit abgeholzt wurden, die Gestalt eines Boulevards nach dem Vorbild der Avenue des Champs-Élysées verliehen hatten) geschmückt.

1776 erhielt der Newski-Prospekt schließlich seinen heutigen Namen. Zu dieser Zeit stellte er bereits eine durchgehende Straßenverbindung zwischen der Admiralität bzw. dem 1762 erbauten Winterpalast einerseits und dem Alexander-Newski-Kloster andererseits dar, und auf dem am repräsentativsten geltenden Abschnitt zwischen der Admiralität und der Fontanka begann sich allmählich das heutige Ensemble aus kleinen Palästen des Hochadels sowie klassizistischen Wohn- und Handelsbauten zu bilden. Die bis heute weitgehend eingehaltene durchgehende Nummerierung der Liegenschaften und Häuser auf dem gesamten Verlauf des Prospekts wurde Mitte des 19. Jahrhunderts festgelegt.

Bebauung