Aschendorf ist ein Stadtteil der emsländischen Stadt Papenburg und einer der ältesten Orte Niedersachsens. In dem etwa 32 km² großen und an der Ems gelegenen Ortschaft leben über 8000 Einwohner.
Von 1952 bis einschließlich 1972 besaß Aschendorf das Stadtrecht und war Kreisstadt im Landkreis Aschendorf-Hümmling (1932 bis 1977; Kfz-Kennzeichen ASD) sowie Sitz der Samtgemeinde Aschendorf (1965–1972). Bereits vor 1952 wurde der Landkreis von der namensgebenden Gemeinde aus verwaltet, ebenso wie der vorangegangene Landkreis Aschendorf (1867 bis 1932).
Geschichte Mittelalter Der im nördlichen Emsland liegende Ort wurde erstmals in der Mitte des 8. Jahrhunderts als Ascanthorp in der Vita Liudgeri erwähnt, spätere Werke erwähnen Asikinthorpe. Ob das Wort „Thorp“, altfriesisch für Dorf, auf eine friesische Gründung schließen lässt, ist nicht abschließend geklärt. Aschendorf gilt damit als einer der ältesten Orte in Niedersachsen. Im 9. Jahrhundert wurde eine erste Holzkirche errichtet. Die Pfarrei Aschendorf unterstand anfangs dem Kloster Corvey.Gerd Steinwascher: Klöster im Emsland vom Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. In: Annuntiata Bays, M. Gerharda Rekers, Franz Solan Nüßlein, Karl Schulte-Wess, Gerd Steinwascher: Von Klöstern und Klosterleuten. Orden wirken im Emsland. Emsländischer Heimatbund, Sögel 1999, ISBN 3-88077-082-4, S. 4–39, hier S. 6. Bis zum 13. Jahrhundert entstanden insgesamt fünf Kirchenbauten, allesamt Holzkirchen, wobei jeder Neubau die Überreste seiner Vorgänger teilweise zerstörte.Fabian Robben: Die frühmittelalterlichen Säuglingsbestattungen unter der St.-Amandus-Kirche in Aschendorf. In: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie der Mittelalters und der Neuzeit, Jg. 23 (2011), S. 125–136 (online im Zeitschriftenportal der Universitätsbibliothek Heidelberg, abgerufen am 19. Januar 2026). Um 1250 wurde dann die erste Steinkirche im romanischen Baustil gebaut. 1498 wurde sie zu einer dreischiffigen Hallenkirche mit spätgotischem Chor umgebaut.
Aschendorfs Zehntherrschaft war zunächst zwischen dem Kloster Corvey und der Osnabrücker Kirche umstritten, wurde dann aber 1077 durch König Heinrich IV. endgültig der Osnabrücker Kirche übertragen. Im Jahre 1252 kam Aschendorf politisch an das Niederstift Münster, blieb aber kirchlich beim Bistum Osnabrück.
Angesichts mehrerer Versuche, sich von der münsterschen Herrschaft zu befreien, ließ der neue Landesherr zur Festigung seines Herrschaftsanspruches ab dem Jahre 1266 südlich von Aschendorf eine Burg errichten. Diese zunächst Fredoburg genannte Anlage wurde bei Aschendorfer Versuchen, sich des Landesherrn zu entledigen, mehrfach beschädigt oder zerstört. Nach einem Wiederaufbau im Jahre 1340 entstand an gleicher Stelle die Burg Nienhaus, die nunmehr auch Sitz des münsterschen Drosten wurde. Die Erhebungen der Aschendorfer gegen den münsterschen Landesherrn dauerte dennoch bis zum Jahre 1449 fort, wobei auch die Burg Nienhaus mehrfach Mittelpunkt zerstörerischer Angriffe war. Sie diente bei Besuchen der Landesherrschaft auch immer wieder als Herberge für verschiedene fürstbischöfliche Honoratioren.
1394 wurde Aschendorf erstmals urkundlich als Gerichtsort erwähnt, nachdem es schon früher Sitz eines Freigerichts gewesen war. Von 1322 bis 1736 war es auch immer wieder Verhandlungsort zur Beilegung von Territorialstreitigkeiten zwischen den Fürstbischöfen von Münster und den ostfriesischen Häuptlingen und später Grafen.
Neuzeit Unter dem ersten evangelischen Pastor Johannes Hermanni wurde 1538 die Reformation in Aschendorf eingeführt. Der letzte lutherische Pastor Heinrich Bothe wurde 1614 abgesetzt. Anschließend folgte die Rekatholisierung.
Die Burg Nienhaus war während des Dreißigjährigen Krieges mehrmals umkämpft und wurde gegen Ende des Krieges völlig zerstört. Als Bürgerwehr in Kriegszeiten wurde 1632 die Schützenbruderschaft gegründet, aus der der noch heute bestehende Schützenverein hervorging.
Ab 1668 gehörte Aschendorf auch kirchenrechtlich zum Bistum Münster. Auf Geheiß des Fürstbischofs von Münster ließen sich im Jahre 1680 Franziskaner im Ort nieder.Gerd Steinwascher: Klöster im Emsland vom Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. In: Annuntiata Bays, M. Gerharda Rekers, Franz Solan Nüßlein, Karl Schulte-Wess, Gerd Steinwascher: Von Klöstern und Klosterleuten. Orden wirken im Emsland. Emsländischer Heimatbund, Sögel 1999, S. 4–39, hier S. 14. 1682 oder 1684 begonnen sie mit dem Bau des Klosters Aschendorf.Gerd Steinwascher: Klöster im Emsland vom Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. In: Annuntiata Bays, M. Gerharda Rekers, Franz Solan Nüßlein, Karl Schulte-Wess, Gerd Steinwascher: Von Klöstern und Klosterleuten. Orden wirken im Emsland. Emsländischer Heimatbund, Sögel 1999, S. 4–39, hier S. 15. Dabei wurde auch Baumaterialien der zerstörten Burg Nienhaus verwendet.
18. Jahrhundert Nach dem Erwerb des Altenkamps im Jahre 1723 durch den Fürstbischöflich-Münsterschen Drost des Emslandes, Freiherr Herrmann von Velen, ließ dieser bis zum Jahre 1729 das noch heute bestehende Herrenhaus errichten.
Im Jahre 1775 zerstörte eine große Feuersbrunst 54 Häuser und führte zu erheblichen Beschädigungen des Klosters.
Im Rahmen der Koalitionskriege gegen Napoleon nahmen im Jahre 1795 zunächst englische Truppen, später hessisch-hannoversche Truppen in Aschendorf Quartier. Haus Altenkamp beherbergte dadurch sowohl den späteren Herzog von Wellington, als auch den preußischen General Blücher.
19. Jahrhundert
Durch den Reichsdeputationshauptschluss (1803) wurde Aschendorf nach jahrhundertelanger Zugehörigkeit zum Hochstift Münster Teil des Herzogtums Arenberg-Meppen. Ab 1806 gehörte Aschendorf als Teil des Herzogtums Arenberg zum Rheinbund, der unter dem Protektorat Napoleons stand. Ab 1809 galt der Code civil. 1811 wurden die Hanseatischen Departements direkt dem französischen Kaiserreich unterstellt. Aschendorf lag nunmehr im Kanton Papenburg, welches wiederum zum Arrondissement Lingen des französischen Departements Ober-Ems gehörte. Die einhergehende Verwaltungsreform fand am 3. März 1811 ihren Abschluss. Das französische Steuerwesen galt ab dem 1. Juli 1811, die französische Verfassung ab dem 20. August desselben Jahres. Im Rahmen der napoleonischen Säkularisation wurde das Aschendorfer Franziskanerkloster 1812 nach 150-jährigem Bestehen geschlossen; die Brüder und Patres wurden vertrieben.Gerd Steinwascher: Klöster im Emsland vom Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. In: Annuntiata Bays, M. Gerharda Rekers, Franz Solan Nüßlein, Karl Schulte-Wess, Gerd Steinwascher: Von Klöstern und Klosterleuten. Orden wirken im Emsland. Emsländischer Heimatbund, Sögel 1999, S. 4–39, hier S. 19.
Nach der Niederlage Napoleons gegen die Verbündeten wurde Aschendorf 1813 preußisch. Eine Kommission mit Sitz in Meppen verwaltete nunmehr wieder die ehemaligen Arenbergischen Gebiete. Diese wurde wenig später jedoch aufgehoben und mit der Verwaltung des Kreises Lingen zusammengelegt, das bereits seit 1702 zu Preußen gehörte. Schon 1814 jedoch wurde Aschendorf auf Beschluss der Verbündeten dem Königreich Hannover zugeordnet, welches wiederum in Personalunion zu Großbritannien gehörte. Aufgrund der veränderten politischen Verhältnisse gehörte Aschendorf ab 1824 wiederum zum Bistum Osnabrück. 1826 wurden ausgewählte standesherrliche Rechte abermals dem Herzog von Arenberg übertragen, wodurch Aschendorf 1827 Sitz eines der vier herzoglich-arenbergischen Mediatämter wurde. In der Folge wurde bis 1836 in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Burg das Amtshaus Nienhaus errichtet.
Ausdruck der freiheitlichen und nationalen Bewegung in Aschendorf war die Gründung des Männergesangsvereins Liedertafel „Erholung“ im Jahre 1845. Haus Altenkamp war im Revolutionsjahr 1848 Ziel eines Demonstrationszuges der Papenburger Kaufleute.
1856 erhielt Aschendorf Anschluss an die Bahnstrecke Rheine–Emden Süd.
Nach dem Krieg von 1866 gehörte Aschendorf nunmehr als Teil des Kreises Meppen zu Preußen. Durch die preußische Justizvereinfachung verlor Aschendorf seine Funktion als Gerichtsort, wurde aber durch die Verwaltungsreform im Jahre 1884 Sitz des neugebildeten Kreises Aschendorf.
Wenige Jahre später (1897) wurde die Rektoratschule, die spätere Mittelschule und heutige Realschule, gegründet.
20. Jahrhundert 100px|rechts|mini|Wappen der Samtgemeinde Die Landkreise Aschendorf und Hümmling wurden 1932 zum Landkreis Aschendorf-Hümmling zusammengeschlossen. Sitz der Kreisverwaltung war die Gemeinde Aschendorf.
Von 1935 bis 1945 befand sich südöstlich der zu Aschendorf gehörenden Ortschaft Aschendorfermoor das nationalsozialistische Strafgefangenenlager Emslandlager Aschendorfermoor.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Aschendorf Teil der polnischen Besatzungszone. In Aschendorf wurde während der Besatzungszeit auf dem Kirchplatz ein Plakat mit den Namen von 35 deutschen Frauen aufgehängt, die angeblich intime Beziehungen mit Polen unterhielten.
Am 7. September 1952 erhielt Aschendorf im Rahmen der 1200-Jahr-Feier das Stadtrecht und wurde Kreisstadt.
1965 wurde die Samtgemeinde Aschendorf aus den Gemeinden Stadt Aschendorf, Lehe, Neulehe, Nenndorf und Tunxdorf gebildet, die 1966 um Herbrum erweitert wurde.
1971 umfasste die Samtgemeinde Aschendorf eine Fläche von etwa 92 km² und hatte 8.001 Einwohner. Davon lebten in der Stadt Aschendorf 5.542 Einwohner. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt die Postleitzahl 4497 und sowohl die Schreibweise Aschendorf (Ems) als auch Aschendorf/Ems war gebräuchlich.
Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen wurden mit Wirkung zum 1. Januar 1973 Stadt und Samtgemeinde aufgelöst. Die Stadt Aschendorf sowie die Gemeinden Bokel, Herbrum, Nenndorf und Tunxdorf wurden in die Stadt Papenburg eingegliedert, nachdem es vorher eine jahrelange enge Zusammenarbeit zwischen Aschendorf, Bokel und Papenburg im kommunalen Zweckverband gegeben hatte. Die Gemeinden Lehe und Neulehe wurden der neuen Samtgemeinde Dörpen zugeordnet.
Der Niedersächsische Landtag beschloss am 28. März 1990 die Wiederherstellung der Stadt Aschendorf als Gemeinde und somit eine Ausgliederung aus der Stadt Papenburg, jedoch stoppte das Bundesverfassungsgericht die Umsetzung des Gesetzes 1992 endgültig.
Wappen und Flagge
120px Hissflagge: „Die Flagge ist zweimal geteilt von Gelb, Blau und Gelb im Verhältnis 1:5:1 mit dem Wappen in der Mitte.“
60px Banner: „Das Banner ist zweimal gespalten von Gelb, Blau und Gelb im Verhältnis 1:5:1 mit dem Wappen oberhalb der Mitte.“
Politik
Ortsrat Nach der Gemeindeneugliederung wurde ein Ortsrat mit 22 Sitzen eingerichtet, der für die örtlichen Belange zuständig ist. Die Aufgaben des Ortsrates sind im Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) geregelt. Die Anzahl der Mitglieder ergibt sich laut Hauptsatzung aus der Einwohnerzahl der Ortschaft und entspricht der für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 8001 und 9000 Einwohnern. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die allgemeine Wahlperiode beginnt am 1. November nach der letzten Wahl und endet nach fünf Jahren zum 31. Oktober. §47 NKomVG-Wahlperiode
Die vergangenen Ortsratswahlen ergaben folgende Sitzverteilungen:
Partei2026202120162011, abgerufen am 11. Dezember 2011.%Sitze%Sitze%Sitze%Sitze CDU 35,06 836,2838,38 38,7 8 FDP 21,43 528,5627,76 23,8 5 SPD 34,86 725,6626,06 20,9 5 Grüne 8,64 29,627,92 10,3 2 UWG - - - - - - 6,4 1
Ortsbürgermeisterin Die Ortsbürgermeisterin von Aschendorf ist Marion Terhalle (FDP).
Persönlichkeiten Johannes zum Sande (* 4. Januar 1802, Aschendorf; † 6. April 1878, Lingen) war ein deutscher Jurist und Politiker. Theodora Korte (Pseudonym: Theo von Nienhaus) (* 12. November 1872 in Aschendorf; † 31. August 1926 in Münster) war eine Dichterin und Schriftstellerin. Sie verfasste insbesondere religiös geprägte Schriften und war eine bekannte Autorin von Kinder- und Jugendliteratur.