mini|Hauptgebäude der Lomonossow-Universität auf den Sperlingsbergen

Die Staatliche Universität Moskau „M. W. Lomonossow“ (, abgekürzt /MGU), kurz Lomonossow-Universität Moskau, ist die größte Universität Russlands. Sie wurde 1755 als Kaiserliche Universität Moskau () gegründet. Seit 1940 trägt sie den Namen des russischen Gelehrten Michail Wassiljewitsch Lomonossow.

Geschichte Von der Gründung 1755 bis 1804 Im Sommer 1754 informierte Iwan Iwanowitsch Schuwalow den Wissenschaftler Michail Lomonossow, dass er beim Senat einen Vorschlag für die Gründung einer staatlichen Universität und zweier Gymnasien in Moskau eingereicht habe. Lomonossow antwortete umgehend mit genauen Vorschlägen für die Struktur der Universität: Drei Fakultäten (Jura, Medizin und Philosophie) mit mindestens zwölf Professoren; und unterstützte den Plan für ein Gymnasium, ohne das die Universität wie Ackerland ohne Saatgut ist. Der Senat genehmigte das Projekt am 19. Juli 1754 und Kaiserin Elisabeth unterzeichnete den Gründungserlass für die Kaiserliche Universität Moskau am . Schuwalow hatte den 12. Januar, den Tag der Heiligen Tatjana, gewählt, um seiner Mutter Tatjana ein Geschenk zu ihrem Namenstag zu machen. Seitdem gilt Tatjana in Russland als Patronin der Studenten. 1850 wurde dieser Tag zum Tag der Studenten erklärt und als Tatjanatag () prachtvoll gefeiert. Nach der Revolution von 1905 ging man zu stilleren Feiern über, und nach der Oktoberrevolution verschwand der Tatjanatag ganz aus dem öffentlichen Bewusstsein. Als 1995 die Universität Moskau die Kirche zu Ehren der Märtyrerin Tatjana wieder einweihte, wurde dieser Feiertag erneut lebendig. Da die Russisch-Orthodoxe Kirche noch den julianischen Kalender verwendet, entspricht der Festtag im 20. und 21. Jahrhundert dem gregorianischen 25. Januar. Ein Präsidial-Erlass erklärte 2005 den 25. Januar zum Tag der russischen Studentenschaft, der an allen Universitäten mit Konzerten, Ausstellungen und festlichen Ansprachen gefeiert wird.

Das kaiserliche Gründungsdekret wies der Universität das Haus der Moskauer Stadtverwaltung (), auch Apothekerhaus genannt, an der Nordseite des Roten Platzes zu. Die ersten Vorlesungen wurden am gehalten.

mini|Gebäude der Universität Moskau (1793/1819) auf der Mochowaja Uliza 11, heute Institut für Asien- und Afrikastudien Katharina die Große verlegte die Universität in ein Gebäude auf der Mochowaja Uliza, das zwischen 1782 und 1793 im neo-palladianischen Stil erbaut und nach der Zerstörung beim Brand von Moskau (1812) wieder aufgebaut wurde.

Wie von Lomonossow vorgeschlagen wurde die Universität mit den drei Fakultäten Philosophie, Medizin, Jura und einem angeschlossenen Gymnasium gegründet. Theologie war in Russland dem Heiligen Synod überlassen, der eigenen Ausbildungsstätten unterhielt. An der Universität studierten Adlige und RasnotschinzenRasnotschinzen waren Personen, die keiner der etablierten Klassen angehörten wie niedere Höflinge, Beamte und pensionierte Militärdiener und deren Nachkommen. zusammen. Neben den selbstzahlenden Studierenden führte die Universität die Kategorie der staatlichen Studierenden für Menschen aus den ärmsten Bevölkerungsschichten ein und gab ihnen damit die Möglichkeit einer Hochschulausbildung mit voller staatlicher Unterstützung. Der Universitätsverlag, der in den 1780er Jahren von Nikolai Nowikow geleitet wurde, veröffentlichte die beliebteste Zeitung im kaiserlichen Russland: „Moskauer Blätter“ ().

Universitätsstatut von 1804 Die Universität, die bisher dem Senat unterstand, wurde dem Bildungsministerium unterstellt. Gemäß der Charta der Kaiserlichen Universität Moskau von 1804 wird die Universität vom Universitätsrat geleitet, dem ordentliche und verdienstvolle Professoren unter der Leitung des Rektors angehören. Der Rektor wird jährlich von einer Professorenversammlung in geheimer Abstimmung gewählt und vom Kaiser bestätigt. Der Rat wählt jährlich die Dekane der Fakultäten, die vom Bildungsminister zu bestätigen sind. Der Rektor und die Dekane bildeten den Vorstand der Universität. Die Universität gliedert sich in die vier Fakultäten Moral- und Politikwissenschaften, Physikalische und mathematische Wissenschaften, Sprachwissenschaften, medizinische Wissenschaften. Insgesamt wurden 28 Lehrstühle eingerichtet. 1812 hatte die Universität 215 Studenten.

Um den Einfluss der Universität auf die Gesellschaft zu erhöhen, wurden in den Jahren 1803–1805 öffentliche Studiengänge in Naturkunde, Physik, Europäischer Geschichte und Wirtschaftsrecht angeboten, die gut angenommen wurden. Nach einem Aufruf Alexanders I. zu Spenden für die Bildung spendete Pawel Grigorjewitsch Demidow 1803 der Universität 100.000 Rubel, eine Bibliothek, ein Naturalien-Kabinett, ein Münzkabinett und eine Kunstsammlung; Fürstin Daschowa spendete ein Kabinett für Naturgeschichte.

mini|Hörsaal-Gebäude der Universität Moskau in der Mochowaja Uliza Unter den Rektoren dieser Zeit hat sich Bernhard Andreas von Heim () besondere Verdienste durch die Bewahrung der Universität während Napoleons Russlandfeldzug 1812 erworben. Heim war Rektor von 1808 bis 1819. Im August 1812 wurde die Universität nach Nischni Nowgorod evakuiert. Auch die wertvollsten Exponate des Museums für Naturkunde, die Münzsammlung sowie Bücher und Instrumente wurden dorthin ausgelagert. Anfang September zerstörte der Brand von Moskau das Hauptgebäude der Universität. Rektor Heim kehrte im Dezember 1812 nach Moskau zurück und fand in der Nähe der abgebrannten Universität Gebäude für die vorübergehende Unterbringung. Im Mai 1813 kamen die letzten Professoren und die Konvois mit dem Eigentum der Universität aus Nischni Nowgorod zurück. Im August 1813 nahmen allen vier Fakultäten den Unterricht wieder auf. Die Wiederherstellung des Hauptgebäudes dauerte bis 1819, die Restaurierung der Bibliothek (etwa 30.000 Bände) und des Münzkabinetts (3.731 Münzen) zog sich noch bis 1826 hin.

1813 wurden 129 Studenten aufgenommen. Seit Anfang der 1820er Jahre stieg die Zahl der Studenten stetig: Jahr 1822 1823 1824 1825 Anzahl der Studenten 695 768 800 876 1833 erhielt die Universität ein zweites Gebäude, das neben dem Hauptgebäude lag und bis 1835 zum Auditoriums-Gebäude umgebaut wurde.

Universitätsstatut von 1835 Die repressive, von Revolutionsangst geprägte Herrschaft des Kaisers Nikolaus I. veränderte das liberale Klima der Universität nachdrücklich. Nach einem ersten Besuch des Kaisers an der Universität (1826) wurde der Rektor entlassen, weil er nach Ansicht des Kaisers die Beschlüsse der Regierung nicht mit genügend Nachdruck umsetzte. Die Unzufriedenheit des Kaisers mit der Erscheinung der Moskauer Studenten führte zur Einführung einer obligatorischen Studentenuniform, zugleich wurde die polizeiliche Überwachung von Studenten außerhalb der Universität eingeführt. Der Philosophieunterricht an der Universität wurde verboten und erst 1845 wieder aufgenommen.

In einem Bericht an Nikolaus I. über die Erziehung an der Universität und den Gymnasien in Moskau formulierte 1833 der Minister für nationale Bildung, Sergei Semjonowitsch Uwarow, das Leitprinzip Orthodoxie, Autokratie und Nationalität (), das zur bestimmenden ideologischen Doktrin der Regierungszeit Nikolaus’ I. wurde. Dabei wurde Nationalität als die Notwendigkeit verstanden, den nationalen Traditionen zu folgen und westliche Ideen – Freiheit des Denkens, Freiheit der Persönlichkeit, Individualismus und Rationalismus – zu bekämpfen. In einem Rundschreiben des Ministeriums schrieb Uwarow:

Das neue Universitätsstatut von 1835 schränkte die Autonomie der Universitäten stark ein. Oberstes Verwaltungsorgan wurde der Kurator, dem der Vorstand (Rektor und Dekane) untergeordnet war. Die Befugnisse des Rektors und die Kompetenzen des Universitätsrats wurden erheblich beschnitten, das Universitätsgericht abgeschafft. Gleichzeitig erweiterte das Statut das Spektrum der Studienfächer, die Zahl der Lehrstühle erhöhte sich auf 35. Das gesamte Studium an den Fakultäten für Philosophie und Recht dauerte 4 Jahre, an der medizinischen Fakultät 5 Jahre. 1841 fusionierte die in Moskau bestehende medizinisch-chirurgische Akademie mit der medizinischen Fakultät der Universität.

Nikolaus I. verdächtigte die Universität und ihre Zöglinge der Unzuverlässigkeit und erließ 1848 ein Dekret, das die Zahl der Studenten auf 300 je Fakultät beschränkte, eine Ausnahme wurde nur für die medizinische Fakultät gemacht. Die zunächst steigende Zahl der Studierenden sank während der Reaktionszeit: Jahr 1836 1840 1848 1849 1850 1852 1854 Anzahl der Studenten 438 889 1165 902 821 861 1061

Von den 1165 Studenten im Jahr 1848 studierten 335 an der Philosophischen Fakultät (112 Geschichte und Philologie, 223 Physik und Mathematik), 402 an der Medizinischen Fakultät und 428 an der Juristischen Fakultät. Es gab 67 Professoren und Lehrer.

Im April 1855 erging der Erlass von Kaiser Alexander II. Über die Zulassung einer unbegrenzten Zahl von Studenten an den Universitäten. Anfang der 1860er Jahre gab es auch in Moskau Studentenunruhen, die aber anders als in St. Petersburg nicht zur Schließung der Universität führten.

Universitätsstatuten von 1863 und 1884 Das Universitätsstatut von 1863 stellte die Autonomie der Universitäten wieder her, reduzierte die staatliche Aufsicht und schuf günstige Bedingungen für die Entwicklung von Wissenschaft und Bildung. Der Aufgabenbereich des Universitätsrates wurde erweitert, der Lehrkörper und die Zahl der Abteilungen wuchsen: Es gab 11 Lehrstühle an der Fakultät für Geschichte und Philologie, 10 an der jetzt selbständigen Fakultät für Physik und Mathematik, 11 an der Juristischen Fakultät und 23 an der Medizinischen Fakultät. Die Zahl der Studenten schwankte in den 1870er Jahren zwischen 1250 (1873) und 1650 (1880), wuchs aber in den 1880er Jahren deutlich von 2140 (1881) auf 3470 (1890).

Das Universitätsstatut von 1884 verstärkte wieder den Einfluss der außeruniversitären Behörden: Der Rektor wurde vom Bildungsminister ernannt, die Dekane vom Kurator des Bildungsbezirks. An allen Fakultäten wurden Lehrpläne eingeführt, die zu belegende Fächer und die Reihenfolge des Studiums vorgaben, den zusätzlichen Besuch von Vorlesungen an anderen Fakultäten jedoch erlaubten. Die Absolventen der Universität durften ein besonderes gold- oder silbervergoldetes Abzeichen tragen.

In den Jahren 1884–1897 baute die medizinische Fakultät mit privaten Spenden und mit finanzieller Unterstützung der Regierung eine klinische Stadt am Jungfrauenfeld () zwischen dem Gartenring und dem Nowodewitschi-Kloster. Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Medizinische Fakultät der Universität Moskau 13 Kliniken und 12 Forschungsinstitute.

Zu Beginn des Jahres 1896 hatte die Universität 4.147 Studenten: 1.587 an der juristischen Fakultät, 1.380 an der medizinischen Fakultät, 929 an der mathematisch-physikalischen und 251 an der historisch-philologischen; außerdem 111 Drittstudenten und 153 Apothekerassistenten. Der Lehrkörper der Universität umfasste 56 ordentliche und 37 außerordentliche Professoren sowie 134 Privatdozenten.

Proteste, Unruhen, Revolutionen 1905 bis 1917 Die Unruhen der Russischen Revolution 1905 erfassten auch die Universität Moskau und führten zur Aktivierung der Studentenbewegung und zur Politisierung des universitären Lebens. Studentenproteste erzwangen wiederholt die Einstellung des Lehrbetriebs, der liberal gesinnte Teil des Lehrkörpers forderte grundlegende Reformen. Maßnahmen des Bildungsministeriums zur Eindämmung der Studentenbewegung, schränkten die Autonomie der Universität ein.wichtigste Quelle für diesen Abschnitt ist

Die Wurzeln der studentischen Unruhen an der Universität reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück: