mini|Verbreitung der Templer-Niederlassungen in Europa um 1300. Die deutschen Kommenden sind nur von untergeordneter Bedeutung. mini|Lage der Templerdörfer auf dem Hohen Teltow mini|Rekonstruktionsversuch des Komturhofs, 1878 mini|Dorfkirche Tempelhof, 1983 mini|Tempelhof um 1834 (gesüdet)
Die Komturei Tempelhof war eine Kommende des Templerordens auf dem Teltow im südlichen Vorfeld Berlins, bei dessen Gründung sie eine wichtige Rolle spielte. Sie wurde um 1200 gegründet und umfasste die Dörfer Tempelhof, Mariendorf und Marienfelde sowie einen Hof im späteren Rixdorf und ein Vorwerk in Treptow. Das Dorf Lichtenrade gehörte nicht zur Komturei. Mittelpunkt dieser Kommende war der burgartige Komturhof in Tempelhof, in dessen Mitte die Komtureikirche stand, die zugleich als Dorfkirche diente und bis heute als Dorfkirche Tempelhof trotz starker Kriegsbeschädigungen erhalten geblieben ist.
Nach der Auflösung des Templerordens 1312 wurde die Komturei Tempelhof 1318 den Johannitern übertragen, die die Besitzrechte 1435 an die Städte Berlin-Cölln verkauften, aber die Lehnshoheit behielten. Erst nach der Säkularisation der Orden durch das Oktoberedikt von 1810 geriet der Besitzkomplex in uneingeschränkt privaten Grundbesitz. Das Hauptgebäude des 1598 in ein Rittergut umgewandelten Komturhofs diente nach 1863 bis zum Abriss um 1890 als Ortsamtsgebäude von Tempelhof.
Bis 1312 zählte die Komturei Tempelhof zur Templer-Ordensprovinz Alemania et Slauia (geleitet von einem Ordenspräzeptor), danach zur Johanniter-Ballei Brandenburg, die innerhalb ihrer Ordensprovinz aufgrund relativ hoher Selbstständigkeit einen Sonderstatus innehatte.
Lage des Komturhofs Im Rahmen des hochmittelalterlichen Landesausbaus der Deutschen Ostsiedlung wurde dem Templerorden auf dem mittleren Hohen Teltow wohl um 1200, spätestens 1210,Schultze (s. Lit.) S. 92, 97 in einem bis dahin weitgehend unbesiedelten Waldgebiet ein Besitzkomplex von rund 200 Hufen geschenkt.Bei der archäologischen Untersuchung der Ruine der Dorfkirche Tempelhof 1952 durch Ernst Heinrich (s. Lit.) wurden zwei slawische Schläfenringe gefunden. Diesen Fund hat Heinrich 1954 erstaunlicherweise nicht publiziert (Brandenburgisches Klosterbuch 2007, Bd. 2, S. 1275, 1284). Auf ihm wurden die Dörfer Tempelhof (Tempelhove), Mariendorf (Margendorpe) und Marienfelde (Marghenvelde) aus wilder Wurzel angelegt. Der Komturhof lag am südlichen Dorfrand von Tempelhof. Die Tempelhofer Gemarkung reichte zunächst bis ans Spreeufer gegenüber Stralau, wo ein Vorwerk errichtet wurde. Auf halber Strecke an dem Verbindungsweg zwischen dem Vorwerk in Treptow und dem Komturhof in Tempelhof lag ein Hof, der 1360 in ein Dorf umgewandelt wurde und den Namen Rixdorf (Richardsdorp) erhielt.
Der Komturhof lag außerhalb des Dorfes, in markant geschützter Höhenlage zwischen ursprünglich vier Seen.Eine ähnliche erhöhte Randlage zum Dorfkern, geschützt durch einen See, findet sich auch in Britz. Nur noch zwei von ihnen sind heute im Alten Park und im Lehnepark vorhanden; der unter dem heutigen Reinhardtplatz gelegene Teich wurde zugunsten einer Marktfläche zu- und aufgeschüttet. Die Dorfkirche Tempelhof markiert noch heute als ehemalige Komtureikirche die Mitte des Komturhofs.
Der Siedlungskomplex mit den Dörfern Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Rixdorf war mit rund 200 Hufen deutlich kleiner als die übrigen Besitzungen der Tempelritter in der Mark Brandenburg: Lietzen, Zielenzig und Soldin haben 250 bis 300 Hufen, der Ausnahmefall Quartschen sogar 1000 Hufen. Mit Ausnahme von Lietzen lagen sie alle in der Neumark. Bei diesen Niederlassungen ist urkundlich eindeutig nachgewiesen, welche Fürsten die Tempelritter als Besitzer eingesetzt haben.Insbesondere polnische Herzöge und der Bischof von Lebus
Gründung der Komturei durch die Tempelritter Erste urkundliche Erwähnungen Umstritten ist indessen, wer die Tempelritter auf den Teltow geholt hat: die askanischen Markgrafen von Brandenburg, die wettinischen Markgrafen von Meißen, die Erzbischöfe von Magdeburg, die Herzöge von Schlesien oder die Herzöge von Pommern.Vgl. Lit. Fritze (Teltow) und Waack Hinweise sind aus der strategischen Lage der Dörfer auf dem Teltow zu erhalten (s. unten). Es gibt keinerlei Urkunde, die die Dörfer Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Rixdorf als Gründung oder Besitz der Tempelritter bezeichnen; insbesondere gibt es keine Urkunde, die die Tempelritter in oder für Tempelhof ausgestellt hätten. Dass sie die Gründer dieser Siedlungen waren, ergibt sich lediglich aus Rückschlüssen. Ein Ordensbesitz ist nur für die Johanniter nachweisbar, als diese 1435 die vier Dörfer an die Stadt Berlin verkauften.Metz (s. Lit.) S. 74 1344 wird erstmals ein johannitischer Komtur mit ausdrücklichem Bezug auf Tempelhof genannt: Burchard von Arenholz als „commendator in Tempelhoff“.Ein „Komtur in Tempelhof“ setzt eigentlich den Ordensbesitz voraus, dies kann aber nach geschichtswissenschaftlichen Kriterien nur als mittelbarer Hinweis gelten.
Indessen ist es Tatsache, dass der Templerorden 1312 von Papst Clemens V. aufgehoben und sein Besitz dem Johanniterorden übertragen wurde. Offenbar haben die Tempelhofer Ritter zunächst Widerstand geleistet und waren daher zunächst einem Prokurator des Markgrafen Waldemar unterstellt worden. Erst 1318 wurde die Übergabe an die Johanniter rechtlich vollzogen.Klosterbuch (s. Lit.) Bd. 2 S. 1276f
Magister Hermannus de Templo (1247) Als (nicht eindeutige) Ersterwähnung Tempelhofs gilt eine Urkunde, die 1247 im Kloster Walkenried ausgestellt wurde, mit der der Bischof von Brandenburg diesem Kloster den Zehnten von 100 Hufen in der Uckermark übertrug. Unter den Urkundszeugen befindet sich ein „magister Hermannus de Templo“, doch beweist diese Urkunde lediglich, dass es im Jahre 1247 einen Mann namens „Hermann von Templo“ gegeben hat, der aufgrund seines Ranges als „magister“ würdig war, als Urkundszeuge zu fungieren.
Der Namenszusatz „templarius“ (Templer, Tempelritter) oder „de Templo“ (vom Tempel, vom Templer-Orden) kennzeichnet üblicherweise einen Angehörigen des Templerordens.Hans Eberhard Mayer: Zum Itinerarium peregrinorum. Eine Erwiderung. In: Hans Eberhard Mayer: Kreuzzüge und lateinischer Osten. London 1983, S. III 210f Ebenso ist es nicht unüblich, dass mit „magister“ ein Komtur bezeichnet wird.Aus diesem Grunde ist die ältere Diskussion, ob „Templo“ einen Ortsnamen darstelle und wo dieser Ort zu suchen sei, überholt, weil sie in Unkenntnis der Ausführungen von Mayer (Anm. 8) geführt wurde; vgl. Metz (s. Lit.) S. 77.
Die übrigen Urkundszeugen sind die Äbte der Klöster Zinna und Lehnin, der bekannte Propst Symeon aus Cölln,Zehn Jahre vorher, also 1237, ist Symeon noch nicht Propst, sondern Pfarrer von Cölln und sorgt als Urkundszeuge im Brandenburger Zehntstreit für die urkundliche Ersterwähnung der Doppelstadt am Spreepass. Pfarrer Heinrich von Oderberg, Johannes von Werneuchen und mehrere Geistliche des Klosters Walkenried. In der Bestätigungsurkunde des Domstifts Brandenburg vom gleichen Tage treten zusätzlich noch zwei Bürgermeister (Schulzen) als Urkundszeugen auf: Werner von Stettin und Marsilius von Berlin. Ein Komtur der Tempelritter (magister de Templo) im Kreise von Urkundszeugen, die vor allem aus der Mittelmark kommen, passt daher am besten zum Komturhof auf dem Teltow.Insbesondere wegen der Urkundszeugen Marsilius (Stadtschulze von Berlin), Symeon (Propst von Cölln) und Abt Siger von Lehnin. Allerdings kann auch der Komtur von Lietzen nicht völlig ausgeschlossen werden, denn „de Templo“ bedeutet sehr viel häufiger „vom Templer-Orden“ als „von Tempelhof“.
Ritter Jacobus von Nybede (1290) 1290 wird Tempelhof als Ort erwähnt, aber ebenfalls eher mittelbar: Der Ritter Jacob von Nybede schenkt der Franziskaner-Klosterkirche in Berlin eine Ziegelscheune für ihr Baumaterial, die zwischen Tempelhof und Berlin liegt (dye tygelschüne, dy de lyt twuschen Tempelhoffe und Berlin), nämlich wohl am Kreuzberg, worauf archäologische Funde der 1830er-Jahre hinweisen.Brecht (s. Lit.) S. 7 Jacobus ist kein Tempelritter. Er ist möglicherweise Besitzer der Ritterhufen, die später als Hahnehof bekannt werden; der Hof lag auf dem heutigen Eckgrundstück Alt-Tempelhof/Tempelhofer Damm, mit angeblich archäologisch nachgewiesenem Turmfundament.Brecht (s. Lit.) S. 6f, Klosterbuch (s. Lit.) S. 1280
Wertung der Schriftquellen Da das Dorf 1290 „Tempelhof“ genannt wird und sich 1435 mit seinen Nachbardörfern im Besitz der Johanniter befindet, die 1318 allgemein den Templerbesitz in der Mark Brandenburg übernommen haben, geht die Forschung einhellig davon aus, dass dieser Siedlungskomplex eine Gründung der Tempelritter ist. Offenbar hat das Dorf, zumindest der Komturhof, schon 1247 bestanden; das ist jedenfalls die überzeugendste Zuordnung des Magisters Hermann von Templo.
Strategische Lage der Templerdörfer auf dem Hohen Teltow Spuren einer slawischen Vorbesiedlung wurden bisher weder in Tempelhof noch insgesamt auf dem Besitzkomplex der Tempelritter gefunden.Vgl. Anm. 2. Dies erhärtet die Vermutung, dass die Hochfläche des Teltow abseits von Gewässern wie etwa der Bäke bewaldet und unbesiedelt war, weil es ein grenzartiges Niemandsland zwischen den Stammesgebieten der Heveller (Mittelpunkt: Brandenburg an der Havel) und der Sprewanen (Mittelpunkt: Köpenick) darstellte.
Unumstritten ist, dass die Dörfer wie ein Sperrriegel über dem Teltow liegen. Die östliche Grenze der Gemarkungen von Tempelhof, Mariendorf und Marienfelde zieht sich nahezu schnurgerade von Nord nach Süd. Angesichts der Konkurrenz der genannten Fürsten um die Vorherrschaft auf dem Teltow und Barnim besteht Einigkeit, dass hier wie in ähnlichen Fällen einer der großen geistlichen Orden angesiedelt wurde, um einen pufferartigen Grenzschutz zu schaffen.Kuhn (s. Lit.)
Betrachtet man lediglich die östlichen Gemarkungsgrenzen, so lässt sich diese Linie über Birkholz bis Diedersdorf fortsetzen. Hat man aber mehr siedlungsgeschichtliche Aspekte im Auge, so fällt auf, dass auch die Dorfkirche in Heinersdorf über den für diese Siedlungsphase zu Anfang des 13. Jahrhunderts typischen schiffsbreiten Querwestturm verfügte,Theo Engeser, Konstanze Stehr: Dorfkirche Heinersdorf (zerstört). Gemeinde Osdorf, Landkreis Teltow-Fläming. Jühnsdorf, 2005. wie er sonst nur in Marienfelde, Mariendorf und im Erstbau von Tempelhof anzutreffen ist; Heinersdorf hatte allerdings keine Apsis.Noch weiter entfernt vom Grundrisstyp der vierteiligen Apsiskirche ist die Dorfkirche Buckow, die zwar auch über einen schiffsbreiten Turm verfügt, aber weder über Apsis noch eingezogenen Chor.
Setzt man die Linie der Dörfer umgekehrt nach Norden fort, so zielt sie genau auf den Spreepass zwischen Cölln und Berlin, wo der Markgraf am Mühlendamm über ein Grundstück verfügte, das später als Mühlenhof und noch später als Münze genutzt wurde. In der Nähe zum Mühlendamm steht auch die Nikolaikirche, für die zu 1288 das Patronatsrecht der Tempelritter erwähnt wird.Mit guten Gründen wird die Urkunde allerdings auch von Metz (s. Lit.) S. 76 auf Berlinchen in der Neumark bezogen; es ist schwer zu entscheiden, welche Argumente überzeugender sind. Es sind Fälle bekannt, in denen die Landesherren den ursprünglich zum Grenzschutz verliehenen Ordensbesitz wieder eingezogen haben; in vielen solcher Fälle wurden die Orden mit dem Patronatsrecht über die städtische Pfarrkirche als Entschädigung abgefunden.Kuhn (s. Lit.) S. 415 Es könnte also sein, dass das Grundstück des Mühlenhofs zunächst als Brückenkopf für eine Befestigung der Tempelritter genutzt wurde, die im Rahmen ihrer militärischen Schutzfunktion auch den Spreepass am Mühlendamm zu decken hatte. Dies ist jedoch nur eine, wenn auch schlüssige Spekulation.