Die Stadt Großschirma liegt im Landkreis Mittelsachsen (Sachsen), 7 km nördlich der Kreisstadt Freiberg.
Geographie Geographische Lage Großschirma liegt in einem Seitental der Freiberger Mulde. Durch den namensgebenden Ortsteil der Stadt, der sich über fast 4 km in West-Ost-Richtung erstreckt und der in der Mitte des 12. Jahrhunderts als Waldhufendorf entstand, verläuft die Bundesstraße 101, über die man in nördlicher Richtung Nossen (13 Kilometer) und in südlicher Richtung Freiberg (8 Kilometer) erreicht. Großschirma liegt in einer Höhenlage von 286 m bis 395 m über NN.
Stadtgliederung Zu Großschirma gehören folgende Stadtteile (Stand 31. Dezember 2015): Ehemalige Stadt Siebenlehn mit Breitenbach (1.491 Einwohner) Großschirma Kern (1.429 Einwohner) Großvoigtsberg (683 Einwohner) Reichenbach (567 Einwohner) Obergruna (488 Einwohner) Kleinvoigtsberg (252 Einwohner) Hohentanne (248 Einwohner) Seifersdorf (310 Einwohner) Rothenfurth (273 Einwohner) Teichhäuser
Geschichte mini|Kirche Großschirma Großschirma wurde in der Mitte des 12. Jahrhunderts gegründet. Durch Großschirmaer Heimatchronisten wurde die Entstehung auf 956 festgesetzt. Einen Beweis dafür blieben sie trotz eindeutiger Akten- und Forschungslage sowie Hinweisen der Geschichtsforschung bis heute schuldig. Bis zur Reformation gehörte der Ort zum Kloster Altzella. Mit Einführung der Reformation und der Säkularisation des Klosters Altzella kam Großschirma zunächst zum Amt Nossen.
1555 verkaufte Kurfürst August das Dorf Großschirma neben 14 weiteren Dörfern aus dem ehemaligen Klosterbesitz an seinen Kammerrat Ulrich von Mordeisen. Rudolph Mordeisen, einer seiner Söhne, verkaufte Großschirma und wenigstens weitere neun Dörfer des Familienbesitzes im Jahr 1587 an den Kurfürsten Christian. Großschirma lag seitdem wie sein heutiger Ortsteil Seifersdorf bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Freiberg.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 72 f.
Mit dem Beginn des Bergbaues im Freiberger Bergbaurevier begann auch Großschirma vom Aufschwung zu profitieren. Die staatliche Grube Churprinz Friedrich August Erbstolln (kurz auch: Churprinz) unweit des westlichen Muldenufers war gemessen an der Ausbeute eines der reichsten Bergwerke im Freiberger Revier.Bemerkenswert ist, dass von 1789 bis 1868 das hier geförderte Erz zur Verhüttung auf dem Wasserweg – über den sogenannten Churprinzer Bergwerkskanal – nach Halsbrücke befördert wurde.
Ab 1856 gehörte Großschirma zum Gerichtsamt Freiberg und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Freiberg. Durch die zweite Kreisreform in der DDR kam Großschirma im Jahr 1952 zum Kreis Freiberg im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt), der ab 1990 als sächsischer Landkreis Freiberg fortgeführt wurde und im Jahr 2008 im Landkreis Mittelsachsen aufging.
Eingemeindungen Im Jahre 2003 bot die Stadt Siebenlehn wegen finanzieller Probleme an, mit Großschirma zu fusionieren, nachdem die Eingemeindung nach Reinsberg am Veto der Reinsberger Gemeinderäte gescheitert war. Die Stadt hatte sich mit der Erschließung eines Gewerbegebiets übernommen und war von der Zwangsverwaltung bedroht. Die Fusion wurde am 1. September 2003 vollzogen, womit auch das Stadtrecht von Siebenlehn auf Großschirma überging. Es war die erste Eingemeindung einer Stadt in eine Landgemeinde in Sachsen.
Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung BreitenbachDas Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943 01.01.1913 Eingemeindung nach Siebenlehn Großschirma, Gutsbezirk um 1922 GroßvoigtsbergStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 01.03.1994 Hohentanne 01.01.1994 Kleinvoigtsberg 01.03.1994 Obergruna 01.01.1994 Eingemeindung nach Siebenlehn Reichenbach 01.01.1999 RothenfurthGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches BundesamtVerzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen 01.07.1950 Seifersdorf 01.03.1994 Eingemeindung nach Reichenbach Siebenlehn 01.09.2003
Historische Ortsnamen
1224: Scirmena 1300: Schirma 1368: Nickil von der Schirme 1410: Gros Schirme 1428: major Schiem 1435: zcur Grossen Schirme 1497: Großschirma 1552: Große Schirma 1590: Großen Schirm
Einwohnerentwicklung
1552: 62 besessene Mann, 17 Häusler, 122 Inwohner
1764: 44 besessene Mann, 12 Gärtner, 21 Häusler
1764: 15 besessene Mann, 10 Gärtner
Jahr1834187118901910192519391946195019641990Einwohnerzahl1194171617491338138414921847246821252004 Entwicklung der Einwohnerzahl (Stichtag 31. Dezember): Jahr Einwohner 1998 4.212 1999 4.171 2000 4.173 2001 4.149 2002 4.125 Jahr Einwohner 2003 6.224 2004 6.116 2005 6.123 2006 6.084 Jahr Einwohner 2007 6.002 2008 5.971 2009 5.929 2012 5.772 Jahr Einwohner 2013 5.708 2014 5.709 2015 5.721 2016 5.695 Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Stadtverwaltung Großschirma
Gedenkstätten Grabstätten auf dem Ortsfriedhof für zwei namentlich bekannte Personen (einen Mann und eine Frau) aus Polen, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit in der Pappenfabrik wurden Grabstätte und Gedenkplatte von 1975, gestaltet von dem Bildhauer Gottfried Kohl, auf dem Friedhof des Ortsteiles Reichenbach zur Erinnerung an sechs unbekannte jüdische KZ-Häftlinge, die bei einem Todesmarsch im Mai 1945 ums Leben kamen Amalie-Dietrich-Höhe in Siebenlehn, Gedenkstein zum Gedenken an die Naturforscherin aus Siebenlehn Gedenktafel an der Stelle des Geburtshauses von Amalie Dietrich in Siebenlehn Gedenktafel mit Porträt von Otto Altenkirch an der letzten Wirkungsstätte des Siebenlehner Künstlers
Politik
Stadtrat Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 18 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:
+letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %AfD949,2732,5––Unabhängige Bürgervereinigung423,7524,9731,6Lebenswerte Stadt211,519,3––CDU29,019,1524,4SPD15,2211,9212,3Grüne–1,4––Freie Liste RB-SD––29,8212,8Linke–––2,416,2SL Sport––––18,8RBV–––––3,9Wahlbeteiligung70,7 %68,5 %53,5 %
Bürgermeister 1994 wurde Gerhard Urbansky (FDP) zum Bürgermeister gewählt. 2001 wurde er ohne Gegenkandidaten wiedergewählt. Im Juni 2004 wurde Volkmar Schreiter (FDP) mit 55,5 Prozent zum Bürgermeister gewählt. 2011 wurde er ohne Gegenkandidat wiedergewählt. Bei der Wahl im Juni 2018 konnte sich Schreiter gegen Rolf Weigand (AfD) durchsetzen und wurde mit 59,3 Prozent der gültigen Stimmen im Amt bestätigt.statistik.sachsen.de/wahlen Die Wahlbeteiligung lag bei 66,8 Prozent. Schreiter verstarb am 16. Oktober 2023 durch Suizid infolge von Depressionen, nachdem er am Ort rechten Anfeindungen ausgesetzt war.Großschirmas Bürgermeister Volkmar Schreiter ist totAnna Lena Mösken: Ein Leben für Großschirma: Die Geschichte hinter dem Tod des Bürgermeisters Volkmar Schreiter. In: Freie Presse, 7. Februar 2024.Gareth Joswig: Seine Unterschrift fehlte. In: Die Tageszeitung, 15. April 2024, abgerufen am 17. April 2024.
Bei der Wahl am 3. März 2024 erhielt das als Einzelkandidat antretende AfD-Mitglied Rolf Weigand 59,4 % der Stimmen. Seine Mitbewerber André Erler (Unabhängige Bürgervereinigung) und Gunther Zschommler (CDU) erhielten 22,3 bzw. 18,2 %. Weigand, der sich an der rechten Kampagne gegen seinen Vorgänger selbst beteiligt hatte, wurde damit der erste AfD-Bürgermeister Sachsens. Die Wahlbeteiligung lag bei 73,9 %. Die Wahl wurde am 12. April 2024 vom Landratsamt Mittelsachsen wegen Wahlrechtsverstößen für ungültig erklärt, weil der Gemeindewahlausschuss den Wahlvorschlag Weigands zur Wahl zuließ, obwohl dessen gesetzlich zwingend vorgeschriebene eigenhändige Unterschrift fehlte.https://www.landkreis-mittelsachsen.de/das-amt/neuigkeiten/buergermeisterwahl-in-grossschirma-ist-ungueltig.html Aufgrund dessen wurde eine Neuwahl angeordnet. Sie fand zeitgleich mit der Landtagswahl am 1. September 2024 statt. Weigand hatte keine Mitbewerber. Bei der Neuwahl am 1. September 2024 erhielt Weigand als Einzelbewerber 82,1 % der Stimmen. Alle weitere Wähler schrieben händisch Personen auf den Wahlzettel (sog. Einzelvorschläge). Gut 15 % der Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung lag bei 76 %.
+letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2024Rolf WeigandDr. Weigand82,1Rolf WeigandDr. Weigand59,4 (ungültig)2018Volkmar SchreiterFDP59,3201197,9200455,52001Gerhard Urbansky57,51994100,0
Kultur und Sehenswürdigkeiten siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Großschirma Autobahnbrücke Siebenlehn, ehemals höchste Autobahnbrücke Europas Altväterbrücke
Verkehr mini|hochkant|links|Haltepunkt Großschirma (2016) Die Stadt ist ins Fernstraßennetz integriert, verfügt über eine Abfahrt Siebenlehn an der Bundesautobahn 4 (A 4) und liegt an der Bundesstraße 101 (B 101). In Siebenlehn befinden sich mehrere Fernbushaltestellen. Die entlang der Bahnstrecke Nossen–Moldau befindlichen Haltepunkte werden jährlich von Sonderfahrten angefahren. Die alten Bahnhöfe in Großvoigtsberg und Großschirma sind erhalten und werden von Vereinen gepflegt.
Persönlichkeiten Siehe auch: Persönlichkeiten von Siebenlehn, Persönlichkeiten von Großvoigtsberg, Persönlichkeiten von Kleinvoigtsberg, Persönlichkeiten von Reichenbach
Söhne und Töchter der Stadt Michael Schlothauer (1943–2022), Generalmajor der NVA Friedrich Kaden (1928–1993), Buchautor und Lehrer
Mit dem Ort verbundene Persönlichkeiten Ulrich von Mordeisen (1519–1572), sächsischer Politiker und Diplomat
Literatur
Siehe auch Kirchspiel Langhennersdorf
Weblinks
Atlas Mittelsachsen offizielle Internetpräsenz der Stadt Großschirma
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Mittelsachsen Kategorie:Ort an der Freiberger Mulde Kategorie:Stadt in Sachsen