Hülben ist eine Gemeinde etwa 14 km östlich von Reutlingen in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Neckar-Alb und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart. Hülben ist mit seiner gesamten Gemarkung Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb und des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb. mini|300px|Hülben von Norden aus Geographie Geographische Lage Hülben ist eine Gemeinde am Nordrand der Schwäbischen Alb, oberhalb der Kurstadt Bad Urach.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Gemeinde Hülben, sie werden im Uhrzeigersinn (beginnend im Norden) genannt und gehören zum Landkreis Reutlingen bzw. zum Landkreis Esslingen¹

Neuffen¹, Erkenbrechtsweiler¹, Grabenstetten, Bad Urach und Dettingen an der Erms.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Hülben gehören das Dorf Hülben und die Häusergruppe An der Steige.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4, S. 27–99

Schutzgebiete

Die gesamte Gemarkung von Hülben gehört bis auf die besiedelten Bereiche zum Landschaftsschutzgebiet Reutlinger und Uracher Alb. Darüber hinaus hat Hülben Anteile an den beiden FFH-Gebieten Uracher Talspinne und Alb zwischen Jusi und Teck sowie am Vogelschutzgebiet Mittlere Schwäbische Alb. Hülben gehört vollständig zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb, eine Kernzone wurde im Rutschenwald im Westen der Gemeinde ausgewiesen.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte 800px|Hülben von Norden gesehen, Februar 2008 Gründung Hülben wurde wahrscheinlich in der Zeit der alemannischen Landnahme zwischen 700 und 800 gegründet. Der Ortsname ist eine Wohnstättenbezeichnung nach den beiden Hülben, an denen sich damals die ersten Siedler niedergelassen hatten.

Während der Zeit der Stammesherzogtümer gehörte der Ort zum Herzogtum Schwaben. In der Zwiefaltener Chronik von 1137 wird Hülben erstmals urkundlich erwähnt.

Schon im Hülbener Stammbuch aus dem Jahre 1278 stand über die damaligen Bewohner von Hülben: „Ein gar eigenbrötlerisches, zuweilen auch störrisches Bergvolk, das der Trunkenheit und der Weiberei nicht abgeneigt ist.“

Territoriale Zugehörigkeit 1265 kam Hülben als Teil der Grafschaft Urach zu Württemberg, das 1534 nach der Schlacht bei Lauffen evangelisch wurde. Hülben war in altwürttembergischer Zeit dem Amt Urach unterstellt.

Entwicklungen im 19. und 20. Jahrhundert Bei der Neugliederung des jungen Königreichs Württemberg am Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Zugehörigkeit von Hülben zum Oberamt Urach fortgeführt. Durch den Ausbau der Albsteigen in den Jahren 1823 bis 1848 von Hülben nach Urach und 1852 nach Neuffen wurde die Benutzung auch schwerer Fuhrwerke möglich. 1866 bekam Hülben eine eigene Pfarrei; zuvor war es eine Tochtergemeinde (Filial) von Dettingen an der Erms. Im Laufe der zunehmenden Industrialisierung entwickelte sich Hülben im 20. Jahrhundert von einem alten Bauerndorf mit von Armut betroffenen Tagelöhnern zur Wohngemeinde mit Industriearbeitern und Angestellten, die zur Arbeit in die Fabriken ins Neckartal pendelten. Mit der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Hülben 1938 zum Landkreis Reutlingen. 1945 wurde der Ort Teil der Französischen Besatzungszone und kam somit zum Nachkriegsland Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.

Religion Evangelische Kirche Die Kirchengemeinde HülbenWebsite der Kirchengemeinde Hülben umfasst die Gemeinde Hülben. Eine Marienkapelle wurde 1233 erstmals erwähnt. Sie war Filiale von Dettingen. 1866 wurde Hülben Pfarrverweserei, 1872 Pfarrei. Die frühgotische Kirche wurde 1967 durch eine neue Kirche mit Gemeindesaal ersetzt.

Pietismus Überregional wurde die Gemeinde vor allem durch die von Michael Cullin (* 1540) aus Erkenbrechtsweiler abstammende Lehrersfamilie Kullen bekannt. Von 1722 bis 1966 (bis 1939 ununterbrochen) waren Angehörige der Familie Kullen im Hülbener Schuldienst tätig. „In Hülben schlägt das Herz des Altpietismus“: Aus der Familie Kullen ging auch die altpietistische Gemeinschaft hervor, die bis heute alljährlich die „Kirchweihmontagsstunde“ abhält. Hülbener Gemeinschaftsstunden sind seit 1784 nachweisbar.

Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes (nur Hauptwohnsitze).

Stichtag Einwohner 1. Dezember 1871 ¹ 957 1. Dezember 1900 ¹ 1.330 17. Mai 1939 ¹ 1.921 13. September 1950 ¹ 2.209 6. Juni 1961 ¹ 2.545 27. Mai 1970 ¹ 2.676 25. Mai 1987 ¹ 2.610 Jahr Einwohner 31. Dezember 1991 2.837 31. Dezember 1995 2.893 31. Dezember 2000 2.936 31. Dezember 2005 2.885 31. Dezember 2010 2.826 31. Dezember 2015 2.863 31. Dezember 2020 3.024

Politik mini|Hülben Rathaus 2013 Gemeinderat Der Gemeinderat in Hülben besteht aus den 12 ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 wurde in Hülben nach dem System der Mehrheitswahl gewählt. Das bedeutet, dass nur eine Liste aufgestellt war und die Bewerber mit den höchsten Stimmenzahlen gewählt sind. Die Wahlbeteiligung lag bei 66,3 Prozent.

Bürgermeister 1922–1951: Ernst Schaude (Senior) 1952–1982: Fritz Herter 1982–2006: Hans Notter seit 2006: Siegmund Ganser (* 1969, Freie Wähler)Staatsanzeiger Ganser wurde im Januar 2014 mit 88,5 % sowie im Januar 2022 mit 86,2 % im Amt bestätigt.

Wappen

Ehemaliges Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Evangelische Kirche: Die frühgotische Kirche von 1233 wurde noch 1935 renoviert und mit Glasmalerei von Walter Kohler ausgestattet, jedoch 1967 nach Abbruch ersetzt durch die neue Christuskirche (mit Gemeindesaal). Das dortige Altarwandgemälde mit den Themen „Weg der Christen durch die Zeit hin zum Thron Gottes, Apokalypse, Himmlisches Jerusalem“ stammt von dem Pfullinger Künstler Anton Geiselhart (1907–1973).Anton Geiselhart, Künstler und Handwerker. Werkverzeichnis; Selbstverlag, Reutlingen 1997 Villa Bubeck: Ehemaliges Ateliergebäude des Malers Carl Bubeck. Nördlich des Ortes beginnt beim Burrenhof der Heidengraben mit der Toranlage eines keltischen Oppidums aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. und mit hallstadtzeitlichen keltischen Hügelgräbern.

Spitzenklöppeln Das früher als Broterwerb ausgeübte, in Hülben seit 1835 nachgewiesene Spitzenklöppeln wird dort heute wieder als Hobby betrieben.

Naturdenkmäler mini|Kunstobjekt „Brille“ Die Hülbener Tropfsteinhöhle ist eine am 19. September 1978 beim Ausbau der Landesstraße Bad Urach–Hülben entdeckte Tropfsteinhöhle mit Stalaktiten und Stalagmiten. Der Einstieg in das Naturdenkmal befindet sich an der Landesstraße nach Bad Urach kurz oberhalb des Gebäudes An der Steige 10. Durch einen etwa fünf Meter tiefen Schacht gelangt man in den leicht begehbaren Teil der Höhle. Dieser hat etwa Zimmergröße, allerdings mit teilweise nur geringer Höhe.Uwe Eisner, Klaus Baldzer: Die Hülbener Tropfsteinhöhle. In: Mitteilungsblatt der Höhlenforschungsgruppe Nürtingen, Nr. 12

Regelmäßige Veranstaltungen Maibaumaufstellen, 30. April Hüle-Hock, Ende Juli Hülbener Wasen, erstes Wochenende im September Kirchweihmontagsstunde, am Montag nach dem 3. Sonntag im Oktober Silvesterstunde, 31. Dezember.

Verkehr Die Landesstraße 250 verbindet die Gemeinde im Süden mit Bad Urach und im Norden über die Landesstraße 1250 mit Neuffen.

Der Öffentliche Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) gewährleistet. Die Gemeinde befindet sich in der Wabe 221.

Nordöstlich der Gemeinde befindet sich das Segelfluggelände Hülben.

Der Schwäbische-Alb-Radweg führt als Fernradweg dicht am Ort vorbei durch das Gemeindegebiet; er führt vom Bodensee nach Donauwörth.

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde

Johannes Kullen sen. (1787–1842), Institutsvorsteher in Korntal Johannes Kullen jun. (1827–1905), Schulmeister in Hülben [d. J.] Hans Schwenkel (1886–1957), württembergischer Landeskonservator für Naturschutz zur NS-Zeit Gotthilf Kächele (1888–1969), württembergischer Bäckermeister und Politiker Eberhard Kullen (1911–2007), Bundesbahnoberamtsrat, Leiter der altpietistischen Gemeinschaftsstunde in Hülben Theodor Dierlamm (1912–2004), Pädagoge, Rektor an der Heimsonderschule in Stetten

Persönlichkeiten, die am Ort gewirkt haben

Ernst Schaude (1916–2001), Jurist, Regierungsvizepräsident RP Stuttgart, in Hülben aufgewachsen Konrad Eißler (1932–2024), evangelischer Theologe, lebte in Hülben Reinhard Breymayer (1944–2017), Philologe und Pietismusforscher, in Hülben aufgewachsen Markus Pleuler (* 1970), Fußballspieler, stammt aus Hülben

Berühmte Pfarrer der Gemeinde Johann Ludwig Fricker (1729–1766), Pfarrer in Hülben Wilhelm Zimmermann (1807–1878), Pfarrer in Hülben, Professor für Germanistik und Geschichte, Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung, Landtagsabgeordneter

In Hülben tätige Kunstmaler Karl Wilhelm Bauerle (1831–1912), Maler am Hof von Victoria, Königin von Großbritannien und Irland Theodor Bauerle (1865–1914), Kirchenmaler Carl Bubeck (1860–1894), Maler und Zeichner, wohnte einige Monate in Hülben und starb auch dort

Literatur Allgemeines Hülben. Hrsg.: Gemeinde Hülben. Neuffen, Hülben . – Mit Abbildungen

Zum Gewässernamen „Hülbe“ oder „Hüle“ (auch „Wette“, Dorfteich, Viehtränke) Bernd Kleinhans: Die Hülben. Biotope als Geschichtsdokumente. In: Schönes Schwaben, Jahrgang 1993, Heft 4, S. 74–79

Ortsgeschichte Hülben. Ein Gang durch die Geschichte. Hrsg.: Gemeinde Hülben. Redaktion: Kreisarchivarin Irmtraud Betz. Hülben 1987. – Mit Abbildungen Hans Notter, Arthur Kazmaier: Hülben feiert 850-jähriges Jubiläum. In: Die Gemeinde, 110, 1987, S. 461–464

Pietismus Dr. Wilhelm Busch: Aus einem schwäbischen Dorfschulhause (Familie Kullen). 2. Auflage. Elberfeld 1906 Friedrich Baun: Die Familie Kullen. Zweihundert Jahre im Dienst der Schule zu Hülben (1722–1922). Stuttgart 1922 [Friedrich] Baun: Der Pietismus im Uracher Bezirk. In: Im Zeichen von Sankt Christoph. Eine kirchliche Heimatschrift aus dem Ermsgau. Denkschrift des evang. Kirchenbezirks Urach zur 85. Haupt-Versammlung des württ. Gustav-Adolf-Vereins in Urach und Metzingen. 8.–10. September 1928, herausgegeben von [Albert] Leube. Urach [Württemberg] 1928, S. 91–97 [Julius] Rauscher: Kullen. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart. 2. Auflage, Band 3. Tübingen 1929, Spalte 1337. W[ilhelm] Claus: Von Brastberger bis Dann. Bilder aus dem christlichen Leben Württembergs. 3. Auflage. Stuttgart 1933, Seite 297–318: „Die Familie Kullen“ Gottlob Lang: Das Schulhaus in Hülben. Gottes Hand über der Familie Kullen. Stuttgart-Hohenheim Julius Roessle [Rößle]: Von Bengel bis Blumhardt. Gestalten und Bilder aus der Geschichte des schwäbischen Pietismus. 4. Auflage. Metzingen/Württ. 1966, Seite 324–332: „Hülben und die Familie Kullen“ Siegfried Kullen: Zum Geleit. Erinnerungen an die Hülbener Stunde. In: Zur Erinnerung an das Jubiläum 200 Jahre Kullenstunde in Hülben 21./22. September 1968. Hrsg. von Reinhard Breymayer. Neuffen: Hans Scheu 1968 , S. 3–4. Zweihundert Jahre Kullenstunde in Hülben (Altpietistische Gemeinschaftsstunde) 1768–1968, mit Beiträgen von Kuno Wanderer, Rolf Scheffbuch, Konrad Eißler u. a. 2. Auflage. Herausgegeben von Reinhard Breymayer und Karl Buck. Metzingen [Württemberg] 1979 Martin Scharfe: Die Religion des Volkes. Kleine Kultur- und Sozialgeschichte des Pietismus. Gütersloh 1980, Seite 57–62 Eberhard Kullen: Hülben und der Pietismus. In: Hülben. Ein Gang durch die Geschichte. Hülben: Gemeinde Hülben 1987, S. 282–295 Karl Ebinger: Die Kullen, eine pietistische Lehrerfamilie. In: Glauben, Leben, Erziehen. Pädagogik und pädagogische Konzepte im Pietismus. Herausgegeben von Dieter Velten. Gießen; Dillenburg 1988, S. 123–143