Die Schlacht um die Seelower Höhen vom 16. bis 19. April 1945 eröffnete die Schlacht um Berlin am Ende des Zweiten Weltkrieges. Seelow liegt etwa 70 km östlich von Berlin am Oderbruch, daher wird auch von der Schlacht an der Oder gesprochen. Knapp 1 Million Rotarmisten kämpften gegen etwa 190.000 deutsche Soldaten. Die 1. Weißrussische Front unter dem Befehl von Marschall Schukow durchbrach dabei in einem großangelegten Angriff die Stellungen der Heeresgruppe Weichsel der deutschen Wehrmacht. Die Schlacht bedeutete auch das Ende der Ostfront.
Hintergrund Nach der am 12. Januar 1945 losbrechenden sowjetischen Offensive an der Weichsel drängte die 1. Weißrussische Front die deutsche 9. Armee zwischen Warschau und Radom nach Westen zurück. Die südlicher anschließende deutsche 4. Panzerarmee wurde im Raum Kielce von der 1. Ukrainischen Front vernichtend geschlagen. Am 15. Januar 1945 begann aus dem Raum Jasło die Offensive der 4. Ukrainischen Front gegen die deutsche 17. Armee; bis zum 19. Januar 1945 gelang den sowjetischen Kräften die Eroberung Krakaus. Infolge des schnellen Zusammenbruches der Heeresgruppe A gingen der Wehrmacht alle noch gehaltenen Gebiete Polens verloren, die Front näherte sich der alten deutschen Reichsgrenze. Zwischen dem 26. Januar und 3. Februar 1945 durchbrachen die Truppen Marschall Schukows die deutschen Stellungen in der Neumark und bildeten beiderseits Küstrin und nördlich von Fürstenberg die ersten Brückenköpfe am westlichen Oderufer. Der sowjetische Hauptstoß richtete sich direkt auf die Reichshauptstadt Berlin.
Weiter südlich begann am 8. Februar 1945 die Offensive der 1. Ukrainischen Front nach Schlesien, Mitte Februar war das zur Festung erklärte Breslau vollständig von sowjetischen Truppen umschlossen. Am nördlichen Abschnitt wurde am 9. April Königsberg in Ostpreußen von der Roten Armee eingenommen. Dies ermöglichte es der 2. Weißrussischen Front unter Marschall Rokossowski, nach Westen an das Ostufer der Oder vorzurücken. Während der ersten beiden Aprilwochen führte die Rote Armee hier eine Umgruppierung durch, bei der sich die 1. Weißrussische Front am vor den Seelower Höhen gelegenen Ostufer der Oder konzentrierte. Die 2. Weißrussische Front besetzte indessen die verlassenen Stellungen nordöstlich der Höhen bis zur Küste bei Stettin. An der Südflanke schob sich Marschall Konews 1. Ukrainische Front aus Oberschlesien zwischen Görlitz – Bad Muskau und Forst zur Lausitzer Neiße vor.
Sowjetischer Aufmarsch Für die Berliner Operation ließ die Stawka drei Fronten an der Oder und Neiße aufmarschieren. An der Nordflanke zwischen Oderberg über Stettin bis zur Ostsee stand die 2. Weißrussische Front mit fünf Armeen (11 Schützenkorps mit 33 Divisionen und drei Artilleriedivisionen und einigen weiteren Artillerie- und Raketenwerferbrigaden). Rokossowskis Front besaß 951 Panzer und Selbstfahrgeschütze sowie 8.320 Artilleriegeschütze (davon 2.770 Granatwerfer). Gegenüber der 2. Weißrussischen Front stand auf deutscher Seite die 3. Panzerarmee mit 11 Divisionen und 212 Panzern und praktisch ohne konventionelle Artillerie, außer etwa 600–700 Flak-Geschützen vom Kaliber 8,8 cm.
Die kampfstärkste Front der Roten Armee, die 1. Weißrussische Front, bestand aus elf Armeen (77 Schützendivisionen, sieben Panzer- und drei Mech.-Korps, acht Artilleriedivisionen und weiteren Artillerie- und Raketenwerferbrigaden). Diese sollte den Hauptschlag führen.Befehl der Stawka Nr. 11059 vom 2. April 1945. Gedruckt in: Alexander Hill: The Great Patriotic War of the Soviet Union, 1941–45. A documentary reader. Abingdon 2009, Dokument 159. Schukows Einheiten besaßen 3155 Panzer und Selbstfahrgeschütze sowie 20.130 Artilleriegeschütze (davon 7186 Granatwerfer) und waren im westlichen Oderbrückenkopf von Küstrin konzentriert. Ihnen stand die neu zusammengestellte deutsche 9. Armee vor den Seelower Höhen gegenüber.
Im Süden marschierte die 1. Ukrainische Front an der Neiße von Guben über Forst bis in den Raum Görlitz auf. Konews Front bestand aus acht Armeen (48 Schützendivisionen, sechs Panzer- und vier Mech.-Korps). Die Kampfstärke setzte sich aus 2055 Panzern und Selbstfahrgeschützen sowie 13.571 Artilleriegeschützen (davon 5225 Granatwerfer) zusammen.Tony Le Tissier: Schlacht um Berlin. Bechtermünz, 1997, S. 212. Konews Front bereitete in der parallel laufenden Cottbus-Potsdamer Operation den Hauptstoß gegen die deutsche 4. Panzerarmee in Richtung auf Cottbus und Spremberg vor.
Die drei sowjetischen Fronten verfügten insgesamt über etwa 2,5 Millionen Mann, 6250 Panzer, 7500 Flugzeuge, 41.600 Artilleriegeschütze und Mörser, 3255 Katjuscha-Raketenwerfer und 95.383 Kraftfahrzeuge.
Deutsche Verteidigung mini|Blick über das Oderbruch von den Seelower Höhen aus
Generaloberst Gotthard Heinrici hatte während der Schlacht um Ostpommern am 21. März 1945 den militärisch völlig unerfahrenen Heinrich Himmler als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Weichsel abgelöst. Als einer der besten Defensivtaktiker in der deutschen Wehrmacht entwarf er sofort Pläne für die Verteidigung an der Oder. Er erkannte, dass der sowjetische Hauptstoß über die Oder entlang der Reichsstraße 1 erfolgen würde. So entschied er, das Westufer der Oder lediglich mit einem dünnen Schleier zu verteidigen, und ließ stattdessen die Seelower Höhen befestigen, die den westlichen Rand des Oderbruchs bilden und sich etwa 48 Meter über der waldlosen Oderniederung erheben. Die namengebende Stadt Seelow liegt an der heutigen Bundesstraße 1 etwa 18 Kilometer westlich des Punktes, an dem die Straße bei Küstrin/Kostrzyn nad Odrą den Fluss überschreitet. Um die notwendige Personalstärke für die Verteidigung zu erreichen, ließ er an anderen Stellen die deutschen Linien ausdünnen. Gleichzeitig verwandelten deutsche Pioniere das Oderbruch, welches bereits von der Frühjahrsflut getränkt war, durch Öffnung eines Reservoirs flussaufwärts in einen Sumpf. Dahinter wurden drei Verteidigungsgürtel angelegt, die bis an die Außenbezirke von Berlin heranreichten. Die letzte Linie, ungefähr 15–20 km hinter der ersten Linie, war die sogenannte Wotan-Stellung, die aus Panzergräben, PaK-Stellungen und einem ausgedehnten Netz von Gräben und Bunkern bestand.
Die im Hauptangriffsfeld liegende deutsche 9. Armee deckte die Front vom Finowkanal im Norden bis nach Guben im Süden; die Stellungen auf den Seelower Höhen bildeten dabei den wichtigsten Verteidigungsabschnitt. Sie erwartete den sowjetischen Angriff am Oderbruch mit deutlich unterlegenen Kräften. Diese bestanden aus 15 Divisionen mit 512 Panzern, 344 Artillerie- und 300–400 Flakgeschützen. Der linke Flügel zwischen Oderberg und Letschin wurde durch das CI. Armee-Korps unter General der Artillerie Wilhelm Berlin gebildet. Nach Süden anschließend führte das LVI. Panzerkorps unter General der Artillerie Helmuth Weidling im Raum Seelow und das XI. SS-Armee-Korps unter SS-Obergruppenführer Matthias Kleinheisterkamp bis auf die Höhe von Lebus. Eine starke Garnison unter Oberst E. Biehler hielt sich noch am östlichen Oderufer in Frankfurt an der Oder, das zur Festung erklärt worden war. Der rechte Flügel der 9. Armee stand zwischen der Garnison von Frankfurt und Fürstenberg und wurde durch das V. SS-Gebirgskorps unter SS-Obergruppenführer Friedrich Jeckeln gedeckt.
Für den Kampf aus der Luft stellte die Luftwaffe die 4. Fliegerdivision des Luftwaffenkommandos Nordost mit 300 Aufklärungs-, Schlacht-, Nachtschlacht- und Jagdflugzeugen; der Betriebsstoff war allerdings für einen längeren Großkampf nicht ausreichend.
Vergleich der beiden Kräfte