mini|„Deutscher Kleinempfänger“ (preisreduzierter Nachfolger des Volksempfänger-Ur-Modells „VE 301“) als nationales Einheitsradiogerät für den Empfang von Mittel- und Langwelle ab 1938 in vielen deutschen Haushalten (Typ DKE 38 – gebaut 1938–1944) – im Volksmund auch „Goebbels’-Schnauze“ genannt mini|Seilverspannter Sendemast des „Deutschlandsender III“ in Herzberg (Elster) von 1939 bis 1945 für das Programm des reichsweit über Langwelle ausgestrahlten Deutschlandsenders Die Weihnachtsringsendung war eine propagandistische Radiosendung des nationalsozialistischen „Großdeutschen Rundfunks“ während des Zweiten Weltkriegs. In den Jahren 1940 bis 1943 wurde zur „Verbindung von Front und Heimat“ am Heiligen Abend eine Ringsendung mit Grüßen von ausgewählten Soldaten der Wehrmacht und ihren Familienangehörigen sowie Einspielungen mit Berichten aus vom Deutschen Reich besetzten Gebieten ausgestrahlt. Zur Gestaltung und Durchführung arbeiteten die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft, Wehrmachtdienststellen, Propaganda-Kompanien und Deutsche Reichspost zusammen. Das Rundfunkformat war Bestandteil des „nationalsozialistischen Weihnachtskults“.
Die Überlieferung der Tondokumente zu den insgesamt vier Sendungen von 60 bis 90 Minuten Länge ist unvollständig. Die komplette Sendung 1940 ist im Deutschen Rundfunkarchiv verfügbar; zahlreiche – teils deutlich – gekürzte Fassungen sind im Internet abrufbar. Die Sendung 1941 ist verschollen. Für 1942 gibt es in Archiven einen knapp 16-minütigen Teil, während in zahlreichen Internetquellen nur ein knapp fünfminütiger Schlussteil abrufbar ist. Die Sendung 1943 ist mit einem überlieferten Teil von rund 25 Minuten nur in Archiven zugänglich.
Die medienwissenschaftliche Literatur (grundlegend insbesondere Ansgar Diller und Dominik Schrage) betrachtet die Weihnachtsringsendungen als eine Mischung aus Kriegspropaganda, NS-Ideologie und weihnachtlichem Brauchtum.Pressemitteilung des Rundfunkmuseums der Stadt Fürth zur (Sonder-) Ausstellung „Kriegsweihnacht 1940–1943 – Weihnachtsringsendungen im 2. Weltkrieg“ (November 2004 bis Januar 2005) (Memento vom 17. Mai 2012 im Internet Archive) (PDF; 9 kB) vom 5. November 2004 von Gerd Walther; Thomas Riegler: Meilensteine des Rundfunks. Daten und Fakten zur Entwicklung des Radios und Fernsehens. Band 2. Siebel, Meckenheim 2009, ISBN 978-3-88180-682-4, S. 40–46; Ansgar Diller: Die Weihnachtsringsendung 1942. Der Produktionsfahrplan der RRG. In: Rundfunk und Geschichte. Mitteilungen des Studienkreises Rundfunk und Geschichte. Informationen aus dem Deutschen Rundfunkarchiv. Jahrgang 29 (2003), Heft 1/2, S. 47–48 (Online-Fassung; PDF; 835 kB); Dominik Schrage: „Singt alle mit uns gemeinsam in dieser Minute“ – Sound als Politik in der Weihnachtsringsendung 1942. In: Daniel Gethmann, Markus Stauff (Hrsg.): Politiken der Medien. Diaphanes, Zürich/Berlin 2005, (sequenzia. Band 11), ISBN 3-935300-55-7, S. 267 (269–273) <; (PDF; 166 kB) S. 4–7>. Diese Ringsendungen sind – mit gezieltem Rückgriff auf Mittel des Hörspiels und der Reportage – ein Sinnbild für die propagandistische und technisch aufwendige Inszenierung des Radios im Nationalsozialismus. Ziel war die Schaffung eines „virtuellen Raums einer Volksgemeinschaft“. Dadurch sollte mittels Erzeugung einer emotionalen Stimmung den Zuhörern an den Fronten und in den deutschen Haushalten das ideologisch geprägte Gemeinschaftserlebnis einer Weihnachtsfeier vorgetäuscht werden. Die Authentizität der Sendungen hinsichtlich des Live-Charakters ist jedoch nicht immer gegeben; oft waren es nur scheinbar Direkt- oder Liveübertragungen.
„Militarisierung“ der Ringsendung mini|Reichspropagandaminister Joseph Goebbels im Gespräch mit Chefs der Propaganda-Kompanien der drei Wehrmachtteile (1941) Die „Militarisierung“ des allgemeinen Rundfunkformats „Ringsendung“ ist gemeinsam von dem Propagandaministerium und dem Oberkommando der Wehrmacht vorgenommen worden.Max Bonacker: Goebbels' Mann beim Radio. Der NS-Propagandist Hans Fritzsche (1900–1953). Oldenbourg, München 2007, (Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Band 94), ISBN 978-3-486-58193-5, S. 170 Google Bücher Vorschau. Die starke Einbindung des Militärs zeigt sich darin, dass ein zeitgenössischer Beitrag später nicht von der ‚Weihnachts‘-, sondern der ‚Wehrmacht‘-Ringsendung sprichtSiehe [Gerhard] Gerd [sic!] Eckert: Rückblick auf die Wehrmacht-Ringsendung. In: Die Literatur. Monatsschrift für Literaturfreunde. Jahrgang 43 (1940/41), Heft 6, S. 301 (302) für die Sendung 1940. oder ein anderer Autor im Titel seines Beitrags von der „Weihnachtsringsendung der Wehrmacht“ spricht.Gerhard Tannenberg: Von NARVIK bis GRAZ von HENDAYE bis WARSCHAU – Wie die Weihnachtsringsendung der Wehrmacht entstand. In: Die Wehrmacht. Jahrgang 1941, Heft 1 (1. Januar 1941), S. <unbekannt> zur Sendung 1940.
Ein Beispiel vor dem Zweiten Weltkrieg ist die Ringsendung Garnisonen an Großdeutschlands Grenzen am 28. März 1939 von 20:10 bis 22:00 Uhr im Deutschlandsender.Programmabdruck für den Dienstag, 28. März 1939. In: Der Deutsche Rundfunk. Rundschau und Programm für alle Funk-Teilnehmer. Zeitschrift der am Deutschen Rundfunk beteiligten Kreise. Jahrgang 17 (1939), Heft 13 (26. März 1939), S. 18 mit dem kompletten Sendetitel Garnisonen an Großdeutschlands Grenzen. Eine Gemeinschaftssendung der Wehrmacht mit dem Deutschlandsender und den Reichssendern Breslau, Frankfurt, Hamburg, Königsberg u. Wien; Max Bonacker: Goebbels' Mann beim Radio. Der NS-Propagandist Hans Fritzsche (1900–1953). Oldenbourg, München 2007, (Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Band 94), ISBN 978-3-486-58193-5, S. 170 (Fußnote 192) mit Hinweis auf den überlieferten Sendefahrplan im Bundesarchiv (Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg RW<Oberkommando der Wehrmacht> 4/283, Bl. 42–46) Google Bücher Vorschau. Die Sendung wurde zwei Tage später in voller Länge im Reichssender Berlin als Aufnahme wiederholt.Programmabdruck für den Donnerstag, 30. März 1939. In: Der Deutsche Rundfunk. Rundschau und Programm für alle Funk-Teilnehmer. Zeitschrift der am Deutschen Rundfunk beteiligten Kreise. Jahrgang 17 (1939), Heft 13 (26. März 1939), S. 28 . In der Vorberichterstattung wurde die gemeinsame Durchführung mit der Wehrmacht und der Aufruf der Garnisonen Tilsit, Mülheim an der Ruhr, Oldenburg, Mährisch-Schönberg, Flensburg und Graz mittels des „Gegensprechweges“ hervorgehoben sowie das „Bild von einer wundervollen Kameradschaft zwischen den Soldaten und der Bevölkerung“ gezeichnet.Artikel „Garnisonen an Großdeutschlands Grenzen“. Gemeinschaftssendung des Deutschlandsenders und der Reichssender Breslau, Frankfurt, Hamburg, Königsberg und Wien am 28. März und Berlin am 30. März. In: Der Deutsche Rundfunk. Rundschau und Programm für alle Funk-Teilnehmer. Zeitschrift der am Deutschen Rundfunk beteiligten Kreise. Jahrgang 17 (1939), Heft 13 (26. März 1939), S. 7–8 .
Eine weitere Erprobung einer „militärischen“ Ringsendung mit „Schaltungen“ zu 18 Außenstationen erfolgte am 1. September 1940 (ein Jahr nach Beginn des Zweiten Weltkriegs) unter dem Titel Deutsche Soldaten auf Wacht vom Nordkap bis zur Biscaya.Daniel Gethmann: Die Übertragung der Stimme. Vor- und Frühgeschichte des Sprechens im Radio. Diaphanes, Zürich/Berlin 2006, ISBN 3-935300-82-4, S. 168; Darstellung des Sendeinhalts in dem Artikel Ringsendung von Narvik bis zur spanischen Grenze. In: Nationalsozialistische Rundfunk-Korrespondenz. RK. Jahrgang 1940, Heft 36 (4. September 1940), S. 1–2, ; wahrscheinlich erfolgten die „Schaltungen“ in der Sendung Frontberichte. Marschmusik im einheitlichen Reichsprogramm des Großdeutschen Rundfunks von 19 bis 20 Uhr <Siehe Programmabdruck für den Sonntag, 1. September 1940. In: Der Deutsche Rundfunk. Rundschau und Programm für alle Funk-Teilnehmer. Zeitschrift der am Deutschen Rundfunk beteiligten Kreise. Jahrgang 18 (1940), Heft 36 (1. September 1940), S. 11 >, denn einzelne Reichssender mit eigenständigem Programm gab es seit Juni 1940 nicht mehr. Laut zeitgenössischer Darstellung sei es eine „Sendung, die von der Größe der Leistung unserer Soldaten kündet und die die Weite des Raumes klanglich erfaßte, über dem heute die Hakenkreuzfahne weht“.Artikel Ringsendung von Narvik bis zur spanischen Grenze. In: Nationalsozialistische Rundfunk-Korrespondenz. RK. Jahrgang 1940, Heft 36 (4. September 1940), S. 1 (2), . Diese Sendung habe ihre „Grundlage […] im Zeichen der deutschen Wehrmacht stehenden Neuordnung Europas“.[Gerhard] Gerd [sic!] Eckert: Rückblick auf die Wehrmacht-Ringsendung. In: Die Literatur. Monatsschrift für Literaturfreunde. Jahrgang 43 (1940/41), Heft 6, S. 301 (302).
Tondokumente zu den zwei genannten Sendungen sind im Deutschen Rundfunkarchiv nicht vorhanden.Siehe Walter Roller: Tondokumente zur Kultur- und Zeitgeschichte 1939–1940. Ein Verzeichnis. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2006, (Veröffentlichungen des Deutschen Rundfunkarchivs. Band 18), ISBN 3-86650-540-X, S. 66–67, 489–493 <Dort fehlen in der chronologischen Darstellung die Sendungen vom 28. März 1939 und 1. September 1940.>; genauso in Walter Roller: Tondokumente zur Zeitgeschichte 1939–1945. Hrsg. Deutsches Rundfunkarchiv. Frankfurt am Main 1975, (Bild- und Tonträgerverzeichnisse. Band 4), S. 8, 64–65.
Heiligabend 1939 miniatur|500px|Senderskala eines gehobenen Radiogerätes (auch mit dem Deutschlandsender und den zahlreichen Reichssendern) miniatur|Ausdehnung des Großdeutschen Reiches mit den besetzten Gebieten (Dezember 1939) Im Jahr 1939 gab es am Heiligabend, knapp vier Monate nach Kriegsbeginn, noch keine Weihnachtsringsendung, sondern ein eher konventionelles Rundfunkprogramm mit teils noch unterschiedlichen Sendungen der einzelnen Reichssender.Ansgar Diller: Die Weihnachtsringsendung 1942. Der Produktionsfahrplan der RRG. In: Rundfunk und Geschichte. Mitteilungen des Studienkreises Rundfunk und Geschichte – Informationen aus dem Deutschen Rundfunkarchiv. Jahrgang 29 (2003), Heft 1/2, S. 47. Die Medienwissenschaft bezeichnet das damalige Weihnachtsprogramm als „wenig spektakulär“.Thomas Riegler: Meilensteine des Rundfunks. Daten und Fakten zur Entwicklung des Radios und Fernsehens. Band 2. Siebel, Meckenheim 2009, ISBN 978-3-88180-682-4, S. 40. Der Großdeutsche Rundfunk hatte ein Weihnachts-Reichsprogramm aufgestellt, an dem alle deutschen Sender beteiligt waren und das – laut zeitgenössischer Darstellung – vor allem die Wünsche der Soldaten berücksichtigte.H[ans] S[iebert] v[on] Heister: Kriegsweihnacht 1939. Das Reichsprogramm des Großdeutschen Rundfunks. In: Der Deutsche Rundfunk. Rundschau und Programm für alle Funk-Teilnehmer. Zeitschrift der am Deutschen Rundfunk beteiligten Kreise. Jahrgang 17 (1939), Heft 52 (24. Dezember), S. 2, . Der Rundfunk kündigte für den Deutschlandsender und die 16 Reichs- und sonstigen Sender am Heiligabend neben vielen weihnachtlichen Musikbeiträgen unter anderem folgende zentrale Sendungen an:Siehe Programmabdruck für den Sonntag, 24. Dezember 1939. In: Der Deutsche Rundfunk. Rundschau und Programm für alle Funk-Teilnehmer. Zeitschrift der am Deutschen Rundfunk beteiligten Kreise. Jahrgang 17 (1939), Heft 52 (24. Dezember 1939), S. 9 .
15:15 Uhr (Leipzig und alle Sender ohne Bremen) Weihnachten fern der Heimat. Aus Weimar: Weihnachtsfeier der evakuierten Familien des Westwallgebietes 16:00 Uhr (Deutschlandsender und alle Sender) Soldaten-Volksweihnacht. Es spricht Reichsminister Dr. Joseph Goebbels – Soldatische Weihnachtsfeiern vom Westwall, von der Nordseeküste, von hoher See und volkstümliche Weihnachtsgrüße aus deutschen Gauen (Aufnahmen der Reichssender Danzig, Frankfurt, Hamburg, Köln, Stuttgart, Sender Lodsch) 19:00 Uhr (Deutschlandsender, Breslau, Danzig, Königsberg, München, Stuttgart, Wien, Bremen) Großdeutschlands Weihnachtsglocken. Deutsche Dome läuten die Heilige Nacht ein 21:00 Uhr (Reichssendung aus München) Weihnachtsansprache des Stellvertreters des Führers, Reichsminister Rudolf Heß