Die H&K AG ist die Konzernobergesellschaft des deutschen Rüstungsunternehmens Heckler & Koch mit Sitz in Oberndorf am Neckar.
Mehrheitseigentümer ist über Beteiligungsgesellschaften der Franzose Nicolas Walewski.
Heckler & Koch ist der bedeutendste deutsche Hersteller von Handfeuerwaffen und Infanteriewaffen und gehört zu den fünf größten Gewehr- und Pistolenherstellern weltweit. Das Unternehmen beliefert unter anderem die Armeen der meisten NATO-Staaten, zahlreiche Polizeien und andere Sicherheitsbehörden.
Die Firma hat Niederlassungen oder Zweigstellen in Virginia, Georgia und New Hampshire, USA (Heckler & Koch Inc., Heckler & Koch Defense Inc.), Nottingham, Großbritannien (Heckler & Koch (UK) Ltd.), Saint-Nom-la-Bretèche, Frankreich (Heckler & Koch France SAS) und Thun, Schweiz (H&K Suisse GmbH). Dachgesellschaft ist die H&K AG mit Sitz in Oberndorf. Die Heckler & Koch GmbH ist als Tochter für die Aktivitäten in Deutschland zuständig.
Im Februar 2019 verurteilte das Landgericht Stuttgart das Unternehmen und ehemalige Mitarbeiter wegen nach dem Außenwirtschaftsgesetz illegalen Waffenlieferungen nach Mexiko.
Geschichte Gründung und NS-Vergangenheit In Oberndorf befand sich von 1811 bis 1874 die Königlich Württembergische Gewehrfabrik und seit 1872 die Waffenfabrik Mauser. Die Besatzungsmacht Frankreich ließ deren Produktionsanlagen 1946 bei der Entmilitarisierung Deutschlands demontieren und die Entwicklung neuer Waffen abbrechen.Werner Augenstein: Oberndorf lebt und baut auf. Das Ende der Mauser-Werke. In: Festschrift zum Heimat- und Jubiläumsfest der Stadt Oberndorf a. N. Oberndorf 1951, S. 99–120.
Mit dem Deutschlandvertrag der Alliierten mit der Bundesrepublik 1952, der ihren NATO-Beitritt vorbereitete, wurden die alliierten Besatzungsstatute aufgehoben. Die von den europäischen NATO-Staaten weiterhin gewünschten Rüstungsbeschränkungen wurden 1954 in den Vertrag der Bundesregierung mit der Westeuropäischen Union aufgenommen, der dann um einige Protokolle mit Rüstungsverboten und Rüstungsbegrenzungen für die Bundesrepublik ergänzt wurde.Christina Oehrl, Sandra S. Schmidt, Thomas Terbeck: Die Bundesrepublik Deutschland – eine Erfolgsgeschichte? Lit Verlag, Münster 2000, ISBN 3-8258-4637-7, S. 46.
Mit dem NATO-Beitritt 1955 konnte die Wiederbewaffnung Deutschlands erfolgen, deren Vorbereitung seitens der Behörden mit der Etablierung des sogenannten Amtes Blank längst lief. Am 1. Januar 1949 eröffnete Edmund Heckler (zuvor Oberingenieur der HASAG) ein Ingenieurbüro in Oberndorf. Gemeinsam mit den zwei früheren Ingenieuren der Mauser-Werke Theodor Koch und Alex Seidel und dem Verkaufsexperten Erich Unterkofler gründete er am 28. Dezember 1949 die Firma Heckler & Koch GmbH. Diese stellte anfangs Teile für Nähmaschinen, Werkzeuge, Lehren und Werkzeugmaschinen her.Manfred Kersten, Walter Schmid: Heckler & Koch, Wuppertal 1999, S. 17 und 20. Facharbeiter fand Heckler & Koch in Oberndorf, da die Mauser-Werke demontiert wurden und ihre Mitarbeiter entlassen musste. 1950 verlagerte Heckler & Koch die Fertigung in zwei Baracken des ehemaligen Reichsarbeitsdienstlagers im späteren Stadtteil Lindenhof; auf dem Gelände errichtete das Unternehmen in den 1950er-Jahren den Neubau und hat noch heute seinen Firmensitz dort.Im „Hauptquartier der Sorgen“. Schwarzwälder Bote, 1. Juli 2010.
Nach Dokumenten, die die Bild am Sonntag am 9. September 2020 erstmals bekannt machte, war Edmund Heckler ab 1934 für die Hugo Schneider AG (HASAG) in Leipzig tätig. Er stieg zum Prokuristen auf und übernahm ab 1940 die Leitung eines Zweigwerks in Taucha (Sachsen), nahe Leipzig. Dort wurden Kartuschen und Munition von mehr als 1.000 Mitarbeitern, unter ihnen viele Zwangsarbeiter, vor allem aus Polen, produziert. Zum 1. Januar 1940 trat Heckler in die NSDAP ein.Vgl. NSDAP-Zentralkartei, Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, R 9361-VIII, Kartei/9291667.
Eine Studie zur Rolle Hecklers im Nationalsozialismus zeigt, dass er einer von 28 Prokuristen der HASAG war. Zur Geschäftsführung um Generaldirektor Paul Budin gehörte er nicht.
Die von BILD am Sonntag aufgestellten Behauptungen, Heckler hätte sich kurz nach der Besetzung Leipzigs durch amerikanische Truppen in einem Brief an den Bürgermeister von Taucha geweigert, rund 50 in Taucha befreiten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern Unterkunft, Nahrung und Kleidung zu besorgen, treffen so nicht zu. Heckler war nicht Verfasser des Schreibens. Dieses wurde vom Sprecher der HASAG-Direktion, Georg Mumme, verfasst. Heckler wurde von Mumme beauftragt, das Schreiben dem Bürgermeister in Taucha zu überbringen und einen Termin zu vereinbaren, wozu es aber nicht mehr kam.HASAG (Dr. M./Mö) an Bürgermeister von Taucha, betr.: Aufwendungen für ehemalige KZ-Häftlinge, 16.05.1945, Sächsisches Staatsarchiv Leipzig 20626, Stadt Taucha/1907.
In der Firmenchronik von 1999 wurde Hecklers Leben nur kurz beschrieben; seine Beteiligung an NS-Unrecht wurde nicht erwähnt. Der Wirtschaftshistoriker Christopher Kopper nannte die Chronik unkritisch und lobhudelnd und führte die Nichtbeachtung der NS-Vergangenheit Hecklers auf seine Einstufung als Mitläufer zurück. Infolge der Medienberichte wollte H&K einen Experten beauftragen, dem Sachverhalt nachzugehen und das Leben aller drei Gründer auf NS-Unrecht hin zu untersuchen.Maximilian Kiewel: Die geheime Nazi-Akte Heckler & Koch. Bild am Sonntag, 9. September 2020; Heckler & Koch kämpft mit Nazi-Schatten. Manager Magazin, 7. September 2020. Nachdem die Firmenchronik von 1999 weder Hecklers Rolle noch die seiner Mitgründer Theodor Koch und Alex Seidel im Nationalsozialismus erwähnte, beauftragte der Vorstand der Heckler & Koch GmbH im Jahr 2020 die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte mit der Aufarbeitung der Rolle der Gründer in der NS-Zeit.
Am 18. Mai 1945 führten Heckler und der Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, Franz Schaadt, eine amerikanische Militärkommission durch das Hauptwerk der HASAG in Leipzig und anschließend durch das vollkommen intakte Zweigwerk Taucha I. Heckler zeigte sich „extrem kooperativ“ und bot den Amerikanern seine Dienste an.CIOS: Hugo Schneider Aktiengesellschaft, Report om CIOS trip No. 192, NARA Washington, S. 4. Da sie jedoch keine Verwendung für ihn hatten, folgte Heckler seiner Frau, die bereits seit längerem in den Schwarzwald übergesiedelt war. Eine Anklage gegen Heckler wurde nicht erhoben. Hecklers Entnazifizierung erfolgte im Juli 1948. Da er keine politischen Ämter innehatte und spät in die NSDAP eingetreten war, wurde er als Mitläufer eingestuft.Vgl. Politische Überprüfung vom 2. Juli 1948, in: Landesarchiv Baden-Württemberg, BW-StA Sig, Wue13 T 2, 1815-024. Er starb 1960.
Entwicklung bis zum ersten Großauftrag Als die Heckler & Koch GmbH 1949 gegründet wurde, konnten die vier Gründer nicht davon ausgehen, dass sich eine Waffenfertigung in absehbarer Zeit in Oberndorf entwickeln lassen würde. Gerade die französischen Besatzungsbehörden setzten alles daran, dass hier keine Fertigungsmöglichkeiten erhalten bleiben sollten.
Ab Mai 1945 ermöglichte Spanien unter Francisco Franco im Rahmen der staatlichen CETME (Centro de Estudios Técnicos de Materiales) verschiedenen deutschen Waffenexperten und Ingenieuren, ihre Rüstungsprojekte der NS-Zeit fortzusetzen und die Rüstungsverbote zu umgehen, die die Alliierten Deutschland bei der Entmilitarisierung auferlegt hatten. Auf Einladung Francos von 1949 stellte Werner Heynen, der ehemalige Generaldirektor der Gustloff-Werke, eine Gruppe deutscher Waffeningenieure zusammen. Ludwig Vorgrimler schloss sich der spanischen Gruppe an und nahm dort eine Entwicklung des Sturmgewehrs mit, die Theodor Löffler während ihrer gemeinsamen Zeit bei der DEFA in Frankreich entwickelt hatte.
1951 baute die Gruppe um Heynen den ersten Prototyp des Gewehrs CETME. Seit Januar 1951 war das Amt Blank und die Organisation Gehlen in Gesprächen mit der Entwicklergruppe in Spanien. Beide Seiten hatten ein Interesse zur Zusammenarbeit. Spanien, weil es deutsche Unternehmen brauchte, um das Sturmgewehr zu fertigen, Deutschland, weil es selbst noch keine Waffen entwickeln und herstellen durfte. Edmund Heckler vertrat 1952 eine Gruppe von Oberndorfer Unternehmen bei Theodor Blank und teilte mit, dass man in der Lage sei, Handfeuerwaffen herzustellen. Die Experten und Berater von Blank, die in Verbindung mit der Gruppe um Heynen standen, empfahlen Heckler & Koch als deutschen Hersteller.Vgl. Walter Lehmann, Die Bundesrepublik und Franco-Spanien in den 50er Jahren. NS-Vergangenheit als Bürde?, München 2010, S. 132. Auch erhielt Heckler & Koch im Dezember 1952 die Genehmigung, Sportwaffen herzustellen, sowie finanzielle Zusagen von Blank, sobald der Aufbau der Bundeswehr gesichert sei. CETME beauftragte Heckler & Koch 1954 mit der Fertigung der Vorrichtungen, Lehren und Betriebsmittel zur Fertigung der ersten 5.000 Gewehre für Franco.Vgl. Aktenvermerk, Vertraulich, 6.7.1955, Zusammenhang zwischen Stadtstreit und Rüstungsfertigung von Mauser, in: ZARh B 5320, Nr. 187 Wiedererrichtung Rüstungsindustrie 1955, S. 4.Antrag an Bundesminister der Finanzen vom 20. Januar 1956, in: Heckler & Koch, Altakten.Schreiben Heckler & Koch an Bundesminister für Verteidigung, 26.8.1958, S. 2, in: BArch-MA, BW 9, Dienststellen zur Vorbereitung des westdeutschen Verteidigungsbeitrages (Amt Blank), 347492 Beschaffung bei der Firma Heckler & Koch. Dabei wurden die Gewehrteile von Heckler & Koch und weiteren Herstellern gefertigt und in Spanien endmontiert.
Ein kleiner Teil der 1955 gefertigten CETME-Sturmgewehre wurden der neu geschaffenen Bundeswehr für Testzwecke zur Verfügung gestellt, um eine Entscheidung über die Bestellung fällen zu können. Das spanische Sturmgewehr setzte sich aus technischer wie finanzieller Sicht gegen die Konkurrenz durch. Dabei war von Anfang an klar, dass das gesamte Gewehr in Deutschland endgefertigt werden musste: Es war angedacht, dass die Bundeswehr die Gewehre in Spanien bei CETME bestellen würde und diese in Deutschland bei Heckler & Koch gefertigt werden.
Spanien konnte allerdings wegen Devisenmangels die Forderungen der deutschen Hersteller für die gefertigten Teile der spanischen Sturmgewehre nicht begleichen. Gleichzeitig hatte die Bundesrepublik ein Interesse, selbst die Lizenz zur Fertigung des Sturmgewehrs der Bundeswehr zu halten. Daher erwarb der Bund für 2 Mio. DM diese Lizenz zum Stichtag Mai 1958 im Januar 1959. Mit gleichem Datum wurden im Januar 1959 nach vier Jahren Verhandlungen Heckler & Koch und Rheinmetall mit der Herstellung des Sturmgewehrs der Bundeswehr (G3) beauftragt. Das seit Mai 1958 von Heckler & Koch weiterentwickelte Gewehr lief seither nicht mehr unter der Bezeichnung CETME-Sturmgewehr, sondern wurde als drittes Sturmgewehr der Bundeswehr eingeführt.
1956 war das in Belgien gefertigte FN als Standardgewehr G1 der Bundeswehr eingeführt worden, das 1957 eingeführte G2 (SIG 510 bzw. Sturmgewehr 57) wurde nur zu Testzwecken eingeführt.
mini|H&K-Werk, OberndorfAb Juli 1955 baute H&K das zum HK G3 weiterentwickelte Gewehr in Serie. Dadurch wurde die Tradition der Rollenverschlusswaffen von Heckler & Koch begründet. 1956 gewann die Firma mit dem G3 die Ausschreibung für die Ordonnanzwaffe der Bundeswehr und erhielt 1958 die Generallizenz dafür. Nach Truppentests 1956 und 1957 erhielt die Firma im Januar 1959 den Auftrag des Bundesverteidigungsministeriums, 150.000 G3-Gewehre an die Bundeswehr zu liefern. Im September 1959 begann die Lieferung. Die Bundesrepublik finanzierte die Entwicklung des G3 und besitzt die Patentrechte dafür.
Expansion in die USA und Umstrukturierungen