(wörtlich: Wasser-Träger) ist eine nicht scharf definierte Bezeichnung für eine frühe indigene Bevölkerungsgruppe Neuseelands, insbesondere auf der Südinsel. Der Status der heutigen -Nachfahren ist umstritten.
Neuerdings wird mit dem Namen „“ auch eine matriarchalisch geprägte polynesische Friedenskultur („“) verbunden, die nach dem – wissenschaftlich nicht anerkannten – Zeugnis heutiger -Nachfahren etwa 1000 Jahre vor den historisch überlieferten -Einwanderungen nach Neuseeland gelangte.
Geschichte Die Einwanderungen der aus ihrer mythischen Heimat nach Neuseeland begannen nach ihren oralen Quellen etwa im 12. Jahrhundert. Ab dem 16. Jahrhundert wurden die friedliebenden durch kriegerische vertrieben oder getötet und die Überlebenden durch Eroberungszüge und Heirat allmählich absorbiert, zunächst durch die , diese später ihrerseits durch die .
In der Überlieferung der und wird unter „“ nicht nur ein spezieller (Stamm) verstanden, sondern auch eine Kollektivbezeichnung für die ersten Bewohner der Südinsel. " [= ] "
Wann genau die auf die Südinsel kamen, ist archäologisch bisher nicht geklärt, es wird aber davon ausgegangen, dass im Gegensatz zu den weniger zahlreichen der Südinsel die -Stämme auf der Nordinsel durch die günstigeren Umweltbedingungen stärker wuchsen und dass die schließlich durch die in Neuseeland nicht ungewöhnlichen Migrationsbewegungen vernichtet und absorbiert wurden.
Die Genealogie der führt die auf einen Ahnen namens und seinen Sohn zurück. Ein ist auch in der Tradition von auf der Nordinsel und von in Polynesien bekannt. Ihr (Kanu) ist auch der Name eines Sternbildes und eines Navigationsweges auf den nach den Sternen ausgerichteten polynesische Navigationshilfen.
Die Nachfahren der gelten heute nicht mehr als eigenständiger Stamm und werden – gegen ihren Willen aufgrund des umstrittenen (1999) – von den die Südinsel wirtschaftlich und politisch beherrschenden vertreten.
Mehrere Organisationen in und Umgebung tragen „“ in ihrem Namen, doch hat dies mit den heute lebenden nichts zu tun; der Name wird nur als Synonym für die Region (ein altes -Siedlungsgebiet) gebraucht – so z. B. oder der -Name der .
„Song of Waitaha“ 1994 erschien in Neuseeland „ – “ – ein Buch, in dem die Geschichte der von ihnen selbst erzählt wird. Es stellt einen Ausschnitt des kulturellen Gedächtnisses der dar, das in ihren heiligen Gesängen, den „“, überliefert worden war. In den letzten Jahrhunderten, in denen die nicht mehr autonom leben konnten, hatten sie dieses Wissen verborgen gehalten; Ende der 1980er Jahre beschlossen die Ältesten, ihre alten Überlieferungen zu veröffentlichen.
„ “ enthält die Schöpfungsmythen und andere mythologische Erzählungen, wie sie sehr ähnlich auch bei verschiedenen -Stämmen zu hören sind, das Schwergewicht aber bilden die Schilderungen der Wanderzüge der vor allem auf der Südinsel, ihrer Lebensweise und ihrer Sitten und Gebräuche. Dabei zeigt sich das Bild einer matriarchalisch geprägten Gesellschaft, die weder Waffen noch Verteidigungsanlagen kennt, bei der – anders als bei den historischen – die Tötung eines Menschen (auch eines feindlichen Kriegers) tabu ist und deren wichtigste Gottheit , die Göttin des Friedens, ist. Eine weitere Besonderheit ist, dass die stolz ihre multi-ethnischen Wurzeln betonen und schildern, wie sie sich stets gern mit anderen Stämmen und Völkern verbunden haben, wobei sie gleichzeitig das Wissen um ihre weit zurückreichenden Abstammungslinien () pflegten.
Rezeption „ “ stieß gleich nach Erscheinen auf heftigste Kritik. Auslöser war die – im Buch eher nebensächliche – Aussage, dass die Besiedlung Neuseelands durch die Vorfahren der "vor 67 Generationen" (nach landläufiger Umrechnung wäre dies vor etwa 1700 Jahren) begonnen habe. Das würde allen bisherigen Erkenntnissen und Überzeugungen fast 1000 Jahre "Geschichte" hinzufügen und steht damit im krassen Widerspruch zur gängigen Geschichtsschreibung, nach der Neuseeland zu jener Zeit unbewohnt war. [von " "] – Auch einige , insbesondere die , übten heftige Kritik, da sie sich, als Nachfahren der "klassischen" , als die alleinige , die Urbevölkerung ihres Landes sehen (und deshalb auch Entschädigungszahlungen für den illegalen Landraub der weißen, meist britischen Siedler erhielten und erhalten).
Eine unbefangene Aufnahme dieser Selbstdarstellung der und ihrer Geschichte wurde nicht zuletzt auch deshalb erschwert, weil gewisse -Kreise um , der bei der Herausgabe des Buches mitgewirkt hatte, das Thema spekulativ ausschlachteten und auf ihre Weise vermarkteten, sehr zum Leidwesen der , die sich heftig aber erfolglos gegen diese Diskreditierung und „spirituelle Ausbeutung“ wandten. " " gilt seither für viele als das literarische Fantasie-Produkt des (Weißen) . So steht eine sachgerechte Rezeption – unabhängig von der umstrittenen Datierungsfrage – dieses mythologisch, ethnologisch (u. a. für die Matriarchatsforschung), ökologisch wie allgemein-kulturhistorisch interessanten Dokuments einer frühen pazifischen Friedenskultur noch am Anfang.
Durch die deutschsprachige Ausgabe von " " wurden die erstmals auch in Europa bekannt. 2008 wurden als Gemeinschaftsprojekt von zwei deutschen Schulen (dem Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz und der Freien Waldorfschule Neuwied) ein "Theaterspektakel" (mit Orchester und Chor) mit Texten aus der Mythologie und Geschichte der aufgeführt.
Siehe auch Liste der Iwi in Neuseeland
Literatur
Winfried Altmann: Drei Beiträge in: 360° – Neuseeland: "Maoritanga": Die Wirklichkeit des Mythos in Aotearoa. (Nr. 4, 2012, S. 52–55); Waitaha – Die etwas anderen Ureinwohner Neuseelands. (Nr. 1/2013, S. 54–57); "The sadness still remains". Die letzten Waitaha in Neuseeland. (Nr. 2/2013, S. 43–46). Winfried Altmann: Waitaha – Weisheit und Liebe. Begegnungen mit einer alten Friedenskultur in Neuseeland. Info3 Verlag, Frankfurt 2024, ISBN 978-3-95779-201-3
Einzelnachweise
Anmerkungen lebte von 1850 bis 1927; er war zehn Jahre lang Schüler der letzten (Priester, Eingeweihte) seiner Zeit und galt als der beste Kenner der Geschichte der indigenen Völker Neuseelands, insbesondere der Südinsel. 1920 erzählte er dem Historiker zwei Wochen lang aus seinem reichen Wissen.
Iwi und Hapu