Der Vestische Höhenrücken ist ein flachwelliger, maximal knapp über NHN hoher und damit seine umgebenden Flusstäler um rund 60 bis 70 m überragender Höhenzug im nördlichen Ruhrgebiet. Er ist naturräumlich Teil der Haupteinheit Emscherland und erhebt sich zwischen dem Übergang des Dortmund-Ems-Kanals in den Rhein-Herne-Kanal im Osten, der Emscher im Süden, der Boye im Südwesten bis Westen, dem Schölsbach im Nordwesten, einem Altwasser der Lippe im Norden sowie dem Sickingmühlenbach und dessen Quelllauf Silvertbach im Nordosten. Emscher, Boye und Lippe fließen in einiger Entfernung.

Der Vestische Höhenrücken liegt größtenteils im Kreis Recklinghausen und bildet das Kernland des ehemaligen Vestes, aus dem der Kreis, mit einigen Grenzänderungen, hervorgegangen ist. Sein Ostteil, der Recklinghauser Lößrücken, rahmt an seiner Südflanke, im Norden des Ballungsraumes Ruhrgebiet, über Ostviertel, Nordviertel und Westviertel von Ost nach West die Innenstadt der Kreisstadt Recklinghausen (ohne Südstadt) und passiert dann den Norden der Stadt Herten mit Scherlebeck, Langenbochum/Paschenberg und Westerholt. Am Westerholter Sattel sinkt die Scharte auf und der Westteil des Rückens, der bis erreichende Buersche Höhenrücken verläuft unmittelbar durch das Zentrum des heute zu Gelsenkirchen gehörenden Stadtteils Buer und den Norden der Stadt Gladbeck mit Zweckel. Die Nordflanke umfasst neben dem Norden der ehemaligen Stadt Buer (Westfalen) (Scholven) auch ländliche Gebiete.

Die höchsten künstlichen Erhebungen der Landschaft stellen heute die Abraumhalden dar, allen voran die am Nordrand des Buerschen Rückens gelegene Halde Oberscholven mit über NHN. Die Letztere wird noch deutlich von den benachbarten, vom Bodenniveau aus hohen Schornsteinen überragt. Im Kammbereich des Rückens stehen viele weithin sichtbare Landmarken wie das Rathaus Buer, das Fördergerüst von Schacht 4 der Zeche Schlägel & Eisen, die Wassertürme Herten, das Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen und der Wasserturm Ost in Recklinghausen.

Grenzen Zwar werden fast alle Grenzen der Teillandschaften des Rückens auf den naturräumlichen Feingliederungen auf Blatt 95/96 Kleve/Wesel als „linienhaft festlegbar“ eingezeichnet (lediglich die in Erkenschwick nicht), jedoch sind nur wenige Grenzen in natürlicher Weise festgelegt – wie etwa die A 31 als scharfe Westgrenze oder der Steilhang des Kuniberg im Recklinghäuser Ostviertel zur flachwelligen Innenstadt. Eine gute Annäherung bietet die 75-m-Höhenlinie, die in ebendieser Innenstadt der gefühlten Realität Genüge leistet, dass im Paulusviertel die Pauluskirche und das Hittorf-Gymnasium bereits auf dem Höhenrücken liegen, das Prosper-Hospital jedoch nicht mehr. Nimmt man die 75-m-Grenze, so liegen von der Innenstadt nur Gymnasium Petrinum und Feuerwache randlich auf dem Rücken und der Bereich der Christuskirche nebst unterstem Teil der Dorstener Straße bis zum Rand des Stadtgartens, nominell Westviertel, liegen noch nicht drauf, ebenso wenig wie der komplette Bereich des Hauptbahnhofs und das Marie-Curie-Gymnasium im nominellen Nordviertel. Die Höhenlage dieser Grenze müsste man nach Westen (Herten, Buer), wo die Geländehöhen allgemein etwas sinken, etwas herabsetzen. In der Nähe der Quelle des Loemühlenbachs und in Richtung Erkenschwick wäre sie eher auf etwa 85 m anzuheben.

Eine ganz gute Abgrenzung des Rückens zeigt indes auch der Bezug auf eine seiner inneren Eigenschaften. Der Rücken ist, ähnlich wie die Haard, fast frei von Bachtälern. Die teils in Trockentälern versickernden Bachläufe treten erst unmittelbar am Rand des Rückens, wo viele alte Siedlungskerne liegen, zutage. Verbindet man also die Ursprünge und Quellen der Bäche, enthält man ebenfalls eine ganz gute ungefähre Abgrenzung – siehe #Quellen und Siedlungskerne.

Naturräumliche Gliederung Der Vestische Lößrücken gliedert sich wie folgt: (zu 543 Emscherland) 543.0 Vestischer Höhenrücken (Recklinghäuser Landrücken) 543.00 Recklinghäuser Lößrücken → Kammlinie 543.01 Buerscher Höhenrücken → Kammlinie 543.02 Marler Flachwellen

Der Vestische Höhenrücken teilt sich auf in den bis knapp über NN hohen Recklinghäuser Lößrücken um Recklinghausen im Osten, den bis über NN hohen Buerschen Höhenrücken bei und nordwestlich von Gelsenkirchen-Buer im Westen sowie die Marler Flachwellen um Marl im Norden, die sich geomorphologisch deutlich vom eigentlichen Rücken unterscheiden und nicht Gegenstand dieses Artikels sind.

Der Recklinghäuser Lößrücken zieht sich in Form eines nach Süden offenen Halbkreises vom Wasserturm auf dem Fritzberg () im Osten zum Wasserturm Herten-Scherlebeck (), dicht der westlichen Stadtgrenze, um die Recklinghäuser Innenstadt. Er weist insgesamt einen höheren Lößanteil – Lößlehm, randlich auch Sandlöß – als die anderen Teillandschaften auf. Die natürliche Waldgesellschaft stellt der Rotbuchenwald dar, woran kleine Inseln, wie z. B. das Loh, inzwischen Naturschutzgebiet, im Osten der Kreisstadt erinnern. Einst erstreckte sich das Loh vom heutigen Standort aus nach Norden bis zur Dortmunder Straße und nach Westen bis zum Ostcharweg, der historischen Westgrenze der Landgemeinde Recklinghausen. Nach Südwesten schloss es so gerade noch das Gebiet des bewaldeten Trockentals und ebenfalls heutigen NSGs Johannistal ein.

In Herten-Westerholt geht der Recklinghäuser Lößrücken nach Westen in den Buerschen Höhenrücken über, der auf der Löchterheide, im Osten der (ehemaligen) Kernstadt Buers, seinen Höhenschwerpunkt mit bereits im Südosten findet und nach Nordwesten hin sehr allmählich abflacht. Am Südrand sind noch inselartig im kleinen Naturschutzgebiet Im Deipen Gatt Reste des ursprünglichen Buchen-, Eichen-Hainbuchen- und Erlen-Eschen-Auwaldes erhalten.

Nach Nordwesten wird der Recklinghäuser Lößrücken von den flachwelligen, nur 50– hohen Marler Flachwellen um Marl zur Lippe hin abgedacht. Hier treten nur am Südrand vereinzelt noch Sandlöß-Inseln auf. Die Flächen der Geländewellen werden landwirtschaftlich genutzt, die etwa 10 Meter unterhalb der Höhenpunkte liegenden Bachtäler neigen zur Versumpfung und dienen als Weideland. Die Marler Flachwellen werden nach Osten durch das Erkenschwicker Tal fortgesetzt, das zwischen Höhenrücken und Haard von West nach Ost zunächst bachaufwärts dem Silvertbach und dann bachabwärts dem (Westerbach/)Dattelner Mühlenbach folgt. Das Erkenschwicker Tal im weiteren Sinne besteht aus dem Tal selbst und den nach Norden den Übergang zur Haard einleitenden Sinsener Flachwellen, beides Teile der Oer-Waltroper Flachwellen.

Nach Osten flacht der Höhenrücken zur Emscher-Lippe-Platte, ebenfalls Oer-Waltroper Flachwellen, ab, auf der auch das Schiffshebewerk Henrichenburg liegt, wo das Kanalniveau von 56,5 m auf 70 m angehoben wird.

Kammlinie

Der naturräumlichen Gliederung analog teilt sich die Kammlinie, die gleichzeitig die Wasserscheide zwischen Emscher und Lippe darstellt, in einen östlichen Teil, der sich um die Recklinghäuser Innenstadt zieht, und einen westlichen Teil, der von Gelsenkirchen-Buer nach Nordwesten ausläuft. Die Trennlinie verläuft am sogenannten Westerholter Sattel über die von Nord nach Süd verlaufende L 630/L 511, die mehrfach ihren Namen ändert (Heidestraße, Storcksmährstraße, Hertener Straße, Bochumer Straße, Böningstraße) und den niedrigsten Pass über den Höhenrücken bildet. Der Sattel bzw. die Scharte liegt auf 70,5 m an der Kreuzung mit der kammnahen, von Osten kommenden Westerholter Straße, welche diese Kreuzung allerdings bereits als Hertener Straße erreicht und bis dort die L 511 bildet.

Recklinghäuser Lößrücken Laut Einzeichnung auf Blatt 95/96 Kleve/Wesel begönne der Höhenrücken bereits in Datteln-Meckinghoven. Unmittelbar östlich passiert das Verbindungsstück zwischen dem Rhein-Herne-Kanal und dem Dortmund-Ems-Kanal auf , auf das von Südosten der Stichkanal vom Hafen Dortmund in etwa 70 m Höhe stößt, welches auszugleichen Aufgabe der Schleuse Henrichenburg ist. Dies entspricht aber nicht ganz den geomorphologischen Gegebenheiten – der Kamm um Horneburg erreicht mit um 78 m kaum mehr Höhe als der Dattelner Berg (73 m) nordwestlich Dattelns, die Anhöhen um Waltrop erreichen ebenfalls um 78 m. Daher ist der Bereich um Horneburg eher der Emsche-Lippe-Platte bzw. deren Übereinheit Oer-Waltroper Flachwellen zuzurechnen, zu der auch das Erkenschwicker Tal gehört.

Die Straße Hochfeld zwischen Horneburg und Suderwich erreicht ihre höchste Höhe von knapp über 80 m () südwestlich der Stadtgrenze und der dortigen Baumschule/Gärtnerei, also bereits im Stadtgebiet Recklinghausens. Von diesem Punkt, den man als einen Randpunkt des Rückens ansehen könnte, verläuft die Wasserscheide nach Nordwesten zum knapp östlich der Essel im Norden und Suderwich im Süden gelegenen Naturdenkmal Hagelkreuz bei Essel (mit Weide und Findling, siehe Denkmalliste), der kaum höher liegt, an dem die Wasserscheide jedoch ihre Richtung in Westsüdwest ändert (). Auf den etwa 710 horizontalen Metern bis zur Basis des Lohwegs steigt die Geländehöhe am Kamm von 81 m auf 90,8 m, was einer durchschnittlichen Steigung von 1,4 % entspricht. In Querrichtung, zwischen den beiden genannten Recklinghäuser Ortsteilen, nimmt der Kamm eine Rippenform an und erhebt sich insbesondere vergleichsweise steil zu beiden Ortsteilen. So steigt das Gelände z. B. von Essel bis zum Anfang des Lohwegs auf 500 Metern waagerechter Strecke von 80 auf 100 m (4 % Steigung). Hier verläuft also auch die Nordflanke vergleichsweise steil, was weiter westlich der zur Emscher weisenden Südflanke vorbehalten bleibt.

mini|Blick vom östlicheren Höhenrücken (Bergstr. in Recklinghausen, unweit des Wäldchens Loh, höchste Stelle auf 105,8 m) nach Südosten; im Zentrum Kraftwerk Gustav Knepper (9,2 km entfernt); links im Vordergrund Randgebiete Suderwichs. Am östlichsten Lohwegabschnitt (bis zum Knick) steigt die Höhe auf weiteren 240 Metern auf 98,1 m, was sogar gut 3 % entspricht. Weitere 380 m in diese Richtung bei durchschnittlich 1,6 % Steigung liegt der gut 104 m hohe erste wirkliche Gipfel des Höhenrückens im Bereich einer vom Frankenweg (Suderwich) anfahrbaren Gärtnerei (). Ab diesem Gipfel ist der Kamm weitgehend frei von steileren Anstiegen und Gefällen; auf den 1,5 km bis zur höchsten Stelle des Rückens werden keine 10 Höhenmeter mehr gemacht; der dem nahen Kamm parallele Lohweg ist ein Höhenweg mit Aussicht in beide Richtungen, insbesondere aber zur Haard mit dem Stimberg im Norden.

Südwestlich des Lohs, ein Buchenhain mit Trockental und inzwischen auch Naturschutzgebiet, befindet sich am Modellflugplatz auf gut 108 m ein markanter Aussichtspunkt (). Erstaunlich für die hiesige Höhenlage ist die Fernsicht nach Südosten und Süden über das Ardeygebirge hinweg bis zur knapp 50 km entfernten, bis 546 m hohen Iserlohner Höhe (siehe nebenstehendes Bild, unmittelbar hinter dem Kraftwerk Knepper) und darüber hinaus; bei optimaler Sicht können auch um 90 km entfernte Einzelberge des Rothaargebirges ausgemacht werden.

mini|Steiler Südabfall am Fritzberg; im Hintergrund Kraftwerk Herne und Höhenzüge des Sauerlandes.