mini|Nahaufnahme einer relativ frischen Bruchfläche eines typischen mittelkörnigen Granits („Strehlener Granit“ aus der Gegend von Strzelin, Karbon, Vorsudeten, Polen). Dunkelgraubraun bis mittelgraue Körner: Quarz; hellbraun, gelblich und weißlich: Feldspäte; schwarz: Biotit. alternativtext=Gris Nevada poliert|mini|Gris-Nevada-Granit Granite (von lat. granum „Korn“) sind massige und relativ grobkristalline magmatische Tiefengesteine (Plutonite), die reich an Quarz und Feldspaten sind, aber auch dunkle (mafische) Minerale, vor allem Glimmer, enthalten. Der Merkspruch „Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergess’ ich nimmer“ gibt die Zusammensetzung von Granit vereinfacht wieder. Granit entspricht in seiner chemischen und mineralogischen Zusammensetzung dem vulkanischen Rhyolith. Granit tritt gewöhnlich massig auf und kann durch horizontal und vertikal verlaufende Klüfte (dreidimensionales Kluftnetz) in quaderförmige Blöcke zerlegt sein. Seltener ist Granit im Dachbereich der Intrusion plattig ausgebildet.
Begrifflichkeit und Abgrenzung In der Umgangssprache wird das Wort Granit häufig als Überbegriff für verschiedene plutonische Gesteine verwendet, die hinsichtlich ihrer Farbe, Textur, Körnung, ihrer chemischen Zusammensetzung und ihrem Mineralbestand den eigentlichen Graniten (einschließlich der Alkalifeldspatgranite) mehr oder weniger ähneln. Dabei handelt es sich um Granodiorite und Tonalite sowie um Monzonite, Diorite und Anorthosite. Diese Gesteine werden, sofern sie einen Quarzanteil von mehr als 20 % besitzen, petrographisch unter den Oberbegriffen Granitoide oder granitische Gesteine zusammengefasst. Monzonite, Diorite und Anorthosite haben weniger als 20 % Quarz und sollten daher weder als „Granit“ noch als „Granitoid“ bezeichnet werden.
Zudem werden des Öfteren dunkle Naturwerksteine magmatischen Ursprunges als „schwarze Granite“ bezeichnet (z. B. der „svart granit“ von Älmhult in SüdschwedenNils-Gunnar Wik, Dick Claeson, Ulf Bergström, Fredrik Hellström, Cecilia Jelinek, Niklas Juhojuntti, Johan Jönberger, Leif Kero, Lena Lundqvist, Sam Sukotjo, Hugo Wikman: Beskrivning till regional berggrundskarta över Kronobergs län. Sveriges geologiska undersökning, Uppsala 2009, ISBN 978-91-7158-873-9 (PDF), S. 57 (schwedisch).). Diese Gesteine weisen in aller Regel weniger als 20 % Quarzanteil auf und sind petrographisch meist als Gabbros, Norite, Mikrogabbros (Dolerite), Basalte und Basanite einzuordnenManuela Morales Demarco, Pedro Oyhantçabal, Karl-Jochen Stein, Siegfried Siegesmund: Black dimensional stones: geology, technical properties and deposit characterization of the dolerites from Uruguay. Environmental Earth Sciences. Bd. 63, Nr. 7–8, 2011, S. 1879–1909, doi:10.1007/s12665-010-0827-5 (Open Access), S. 1879 (englisch). (vgl. → melanokrates Gestein). Granite im petrographischen Sinn sind nie schwarz – sie zählen zu den hellen (leukokraten) Gesteinen.
Auch viele Gneise werden im Handel als „Granit“ angeboten. Gneise können in ihrer Zusammensetzung echten Graniten zwar sehr ähnlich sein (siehe Verwandte Gesteine), jedoch handelt es sich um metamorphe Gesteine, die eine „schiefrige“ Textur (Foliation) aufweisen, wohingegen Granite, wie alle unmetamorphen Plutonite, eine richtungslos-körnige Textur haben. Dadurch haben Gneise eine höhere Belastbarkeit (Biegezugfestigkeit) als Granit, jedoch nur, wenn die Biegespannung quer zur Foliation wirkt.Granit oder Gneis? fliesenundplatten.de (abgerufen am 20. Oktober 2019).
In der Redewendung „auf Granit beißen“ als Ausdruck für die Aussichtslosigkeit, in einer bestimmten Angelegenheit bestehende Widerstände überwinden zu können, steht „Granit“ sinnbildlich für Härte und Widerstandsfähigkeit.
Entstehung Allgemeines Granite entstehen durch die Kristallisation von Gesteinsschmelzen (Magma) innerhalb der Erdkruste, meistens in einer Tiefe von mehr als zwei Kilometern unter der Erdoberfläche. Im Gegensatz dazu stehen die vulkanischen Gesteine, bei denen das Magma bis an die Erdoberfläche dringt. Granit ist deshalb ein Tiefengestein (Fachausdruck: Plutonit). Gesteine, die sehr nahe der Erdoberfläche (weniger als zwei Kilometer) erstarren, nennt man hingegen Subvulkanite, Übergangsmagmatit oder Ganggestein, werden aber oft auch unter dem Begriff Vulkanit subsumiert. Die Schmelztemperatur von granitischen Magmen unter Atmosphärendruck liegt bei 960 °C, bei fluidreichen Magmen verringert sich die Schmelztemperatur auf bis zu 650 °C.
Granite entstehen in den meisten Fällen nicht aus Material des Erdmantels, sondern aus aufgeschmolzenem Material der unteren Erdkruste. Für die Entstehung von Magmakammern muss mit Zeiträumen von 10 bis 15 Millionen Jahren gerechnet werden.
Granitgenese mini|Einschlüsse von Metasedimenten sind typisch für S-Typ-Granite (neoarchaischer Granit in Nunavut, Kanadischer Schild); breite des Bildausschnittes ca. 60 cm
Klassisch werden drei Granit-Typen nach Chapell und White (1974) unterschieden:
I-Typ-Granite (igneous source, d. h. aus Magmatiten erschmolzen) sind vorwiegend bei Ozean-Kontinent-Kollisionen zu finden, seltener an mittelozeanischen Rücken oder Hotspots. Mineralogisch zeichnen sie sich häufig durch einen hohen Bestandteil an Biotit und Amphibol (v. a. Hornblende) aus. S-Typ-Granite (sedimentary source, d. h. aus Sedimentiten erschmolzen) sind das Ergebnis einer Aufschmelzung von metamorphen Sedimentgesteinen in der unteren kontinentalen Kruste. Diese Gesteine sind peralumisch, weshalb vor allem Al-Silikate wie Muskovit (weswegen sie den Beinamen Zweiglimmergranit innehaben), Cordierit oder Minerale der Al2SiO5-Gruppe hierin vorkommen. Sie werden vor allem dann gebildet, wenn es zur Druckentlastung von kontinentaler Kruste beispielsweise durch den „Kollaps“ (Extrusion) der stark verdickten Kruste eines jungen Faltengebirges kommt, wie es seinerzeit im Variszischen Gebirge der Fall war.Urs Schaltegger: Magma pulses in the Central Variscan Belt: episodic melt generation and emplacement during lithospheric thinning. Terra Nova, Bd. 9, 2006, Nr. 5–6, S. 242–245, (englisch). A-Typ-Granite (anorogenic source, d. h. außerhalb von gebirgsbildenden Ereignissen oder postorogen entstanden) treten oft bei beginnendem Aufreißen kontinentaler Kruste in Erscheinung.G. Markl: Minerale und Gesteine: Mineralogie – Petrologie – Geochemie. 2. Auflage, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2008, ISBN 3-8274-1804-6. Das partiell aufgeschmolzene krustale Ausgangsmaterial unterging vermutlich bereits davor mindestens einer partiellen Aufschmelzung (Residuen granulitischer Zusammensetzung nach Extraktion eines orogenen Granites).Joseph B. Whalen, Kenneth L. Currie, Bruce W. Chappell: A-type granites: geochemical characteristics, discrimination and petrogenesis. Contributions to Mineralogy and Petrology, Bd. 95, Nr. 4, 1987, S. 407–419, (englisch).
Okrusch und Matthes (2009) fügen noch einen vierten sog. M-Typ-Granit (mantle source) hinzu. Es handelt sich hierbei um relativ selten vorkommende Restdifferentiate von Mantelschmelzen. Diese können sowohl an ozeanischen Inselbögen als auch an Hotspots entstehen. Noch neuere Literatur führt auch noch einen C-Typ-Granit an (charnockitic source).
Durch Isotopenverhältnisse in erster Linie von Strontium ist heute weitgehend die Herkunft und die Anteile der jeweiligen Stammmagmen aus Kruste und Mantel geklärt.M. Okrusch, S. Matthes: Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 8. Auflage, Springer, Berlin/Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-78200-1.
Magmenaufstieg und -differentiation Tektonische Verwerfungen, die durch Spannungen in der Erdkruste entstehen, dienen den Magmen als Aufstiegswege in die obere Kruste. Man bezeichnet den Aufstieg bzw. die Platznahme derartiger Magmamassen nach oben als Intrusion. Dabei bilden sich in der Erdkruste große, oft riesige Magmenkörper. Sie erreichen beträchtliche Ausmaße von mehreren Kilometern bis hin zu mehreren 100 Kilometern Länge und Breite. Diese Körper nennt man Pluton, wenn sie, wie im Fall von Granit, sich in relativ großer Entfernung (mehrere Kilometer) zur Erdoberfläche ausbilden.
Durch tektonische Prozesse kann es zu einer Abschnürung der Magmenaufstiegswege kommen. Es entsteht dann eine isolierte Magmenkammer. Häufig bleiben aber auch die Aufstiegswege in Verbindung mit dem Intrusionskörper. Daneben tritt aber auch der Fall auf, dass Magmen beim Aufstieg aufgehalten werden, da sie durch die teilweise Aufschmelzung des umgebenden Gesteins Wärme abgeben. Häufig enthalten sie dann unaufgeschmolzene Mineralkörner oder Gesteinsfragmente aus dem Nebengestein.
Die ursprüngliche Zusammensetzung eines Magmas hängt vom Bildungsort und den physikalischen Bedingungen ab, unter denen die Aufschmelzung erfolgte. Dies ist der Grund dafür, dass es viele verschiedene magmatische Gesteine gibt. Damit ein Granit entsteht, muss entweder bereits dessen ursprüngliches Magma eine (annähernd) dem Granit entsprechende chemische Zusammensetzung gehabt haben, oder aber die Zusammensetzung des Magmas muss sich während des Aufstieges entsprechend ändern. Bei einem relativ langsamen, schrittweisen Aufstieg eines im oberen Mantel entstandenen Magmas basaltischer Zusammensetzung in relativ mächtiger kontinentaler Erdkruste kristallisieren die dunklen Minerale, die auch meistens eine hohe Dichte haben, wegen ihres höheren Schmelzpunktes zuerst und verbleiben deshalb in tieferen Krustenniveaus. Quarz oder Kalifeldspat hingegen kristallisieren erst später aus, sodass das Magma während des Aufstiegs eine zunehmend granitische Zusammensetzung erhält. Diesen Prozess nennt man magmatische Differentiation. Auch durch Interaktion der relativ heißen Mantelschmelzen mit „granitischer“ Unterkruste kann sich die Zusammensetzung dieser Schmelzen ändern.
Kontakt zum Nebengestein mini|Polierte Platte von Kösseine-Granit, einem seltenen blauen Granit (ca. 15 cm ×15 cm) Der Kontakt mit dem Nebengestein führte in den Randbereichen des Magmas zu „Verunreinigungen“ und zu einem rascheren Erkalten des Magmas. Häufig entstehen dabei besonders ausgefallene Gesteinsvarietäten und Minerale. Dieses trifft zum Beispiel auf den bläulichen Kösseine-Granit aus dem Fichtelgebirge zu, bei dem es durch Vermischung der Schmelze mit tonigem Nebengestein zur Bildung von feinen Mikroklinkristallen kam, welche die bläuliche Einfärbung verursachen.
Weiterhin wird auch das Nebengestein durch die hohe Temperatur und durch die Materialzufuhr aus dem heißen Magma deutlich verändert und in ein metamorphes Gestein umgewandelt. Bekanntestes Beispiel sind die Hornfelse.
Nach der Erstarrung Durch weitere Bewegungen der Erdkruste und Abtragung des darüber befindlichen Gesteins gelangt dann der erstarrte Granit an die Erdoberfläche. Dabei kann sich der Granit durch tektonische oder hydrothermale Prozesse deutlich verändern. Mit dem Erreichen der Erdoberfläche setzt außerdem die Verwitterung und Abtragung des Granits selbst ein. Bei genügend langer Zeitdauer und warm-feuchtem Klima kann die Verwitterung mehr als 100 m in die Tiefe reichen. Dieser Prozess vollzieht sich in Zeiträumen von Zehntausenden von Jahren.
Aussehen mini|Bohrkernprobe eines porphyrischen Granits („Rochovce-Granit“, Oberkreide, Untergrund der slowakischen Karpaten): in der relativ grobkörnigen Grundmasse befinden sich große, rosafarbene Kalifeldspäte