mini|Grab von Robert Bresson Robert Bresson (* 25. September 1901 in Bromont-Lamothe, Auvergne, Frankreich; † 18. Dezember 1999 in Paris) war ein französischer Filmregisseur, der vor allem für seine minimalistischen Filme bekannt war und zu den angesehensten und herausragenden französischen Filmemachern des 20. Jahrhunderts gehört, obwohl er in seiner langen Karriere nur dreizehn Spielfilme schuf.Robert Bresson Das Gesamtwerk bei filmmuseum.at, abgerufen am 25. April 2017.Retrospektive Robert Bressons: Das Gesamtwerk In: Trend.at, 18. März 2013. Abgerufen am 25. April 2017.

Leben und Wirken Robert Bresson wurde in Bromont-Lamothe, Département Puy-de-Dôme geboren. Er war der Sohn von Marie-Élisabeth (geborene Clausels) und Léon Bresson, einem Offizier. Bis zum Abitur besuchte er das Lycée Lakanal in Sceaux.Robert Bresson. In: Internationales Biographisches Archiv 18/2000 vom 24. April 2000 (abgerufen via Munzinger Online).Robert Bresson – Filmreferenzen (englisch)Robert Bresson – Biography (englisch)

Bresson wandte sich zuerst der Malerei zu und kam in den dreißiger Jahren zum Film. „Die Malerei lehrte mich, nicht schöne Bilder zu gestalten, sondern notwendige.“ Im Jahr 1933 war er an der Koproduktion von Es war einmal ein Musikus beteiligt; er schrieb die französischen Texte. 1934 inszenierte Bresson die Komödie Les Affaires publiques, die lange Zeit als verschollen galt und von der erst in den neunziger Jahren eine Kopie wieder aufgetaucht ist. Diese Komödie wurde gegen seinen Willen „misshandelt“ und gekürzt.Robert Bresson, Mylène Bresson: Les Affaires publiques In: Bresson par Bresson. Entretiens (1943–2013) rassemblés par Mylène Bresson, Paris, Flammarion, 2013, ISBN 978-2-0812-9858-3

Nach einigen weiteren Drehbüchern, so der Mitarbeit 1936 bei Les jumeaux de Brighton und 1937 bei Courrier Sud und einer Arbeit für René Clair, drehte Bresson 1943 mit Das Hohelied der Liebe seinen ersten Langfilm als Regisseur. Später bezeichnete Bresson diesen Film als den wahren Beginn seiner Filmarbeit und distanzierte sich von seinen vorhergehenden Arbeiten. 1945 folgte Die Damen vom Bois de Boulogne nach einem Drehbuch von Jean Cocteau, der Bressons letzter Film mit professionellen Schauspielern war. Als er den Wandel hin zur Besetzung seiner Filme mit Laiendarstellern vollzog, wurde es schwer für ihn, Finanziers für von ihm beabsichtigte Filme zu finden. Ein geplanter Film über den Jesuiten Ignatius von Loyola und ein Film über die Schöpfungsgeschichte (Genesis) konnten auch aus diesem Grund nicht realisiert werden.

Viele Kritiker behaupten, Bressons Werk sei vom Jansenismus beeinflusst worden.Peter W. Jansen: Zum hundertsten Geburtstag von Robert Bresson: Ein unerbittlicher MoralistIn: Neue Zürcher Zeitung, 25. September 2001. Abgerufen am 25. April 2017.

Filmografie 1934: Les Affaires publiques – Kurzfilm 1943: Das Hohelied der Liebe (Les Anges du péché) 1945: Die Damen vom Bois de Boulogne (Les Dames du Bois de Boulogne) 1950: Tagebuch eines Landpfarrers (Journal d’un Curé de Campagne) 1956: Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen (Un condamné à mort s’est échappé) 1959: Pickpocket 1962: Der Prozeß der Jeanne d’Arc (Procès de Jeanne d’Arc) 1966: Zum Beispiel Balthasar (Au hasard Balthazar) 1967: Mouchette 1969: Die Sanfte (Une femme douce) 1971: Vier Nächte eines Träumers (Quatre nuits d’un rêveur) 1974: Lancelot, Ritter der Königin (Lancelot du Lac) 1977: Der Teufel möglicherweise (Le diable probablement) 1983: Das Geld (L’Argent)

Auszeichnungen 1950: Louis-Delluc-Preis für Tagebuch eines Landpfarrers 1951: OCIC-Preis, Internationaler Preis und Auszeichnung der Italienischen Filmkritik auf den Filmfestspielen von Venedig für Tagebuch eines Landpfarrers 1952: Prix Méliès der Association Française de la Critique de Cinéma für Tagebuch eines Landpfarrers (bester französischer Film) 1957: Regiepreis der Filmfestspiele von Cannes für Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen 1958: Prix Méliès der Association Française de la Critique de Cinéma für Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen (bester französischer Film) 1962: Spezialpreis der Jury und OCIC-Preis der Filmfestspiele von Cannes für Der Prozeß der Jeanne d’Arc 1966: Jury-Hommage und OCIC-Preis der Filmfestspielen von Venedig für Zum Beispiel Balthasar 1967: Prix Méliès der Association Française de la Critique de Cinéma für Zum Beispiel Balthasar (bester französischer Film) 1967: OCIC-Preis der Filmfestspiele von Cannes für Mouchette 1967: Pasinetti-Preis der Filmfestspielen von Venedig für Mouchette 1968: Prix Méliès der Association Française de la Critique de Cinéma für Mouchette (bester französischer Film) 1969: Silberne Muschel des Festival Internacional de Cine de Donostia-San Sebastián für Die Sanfte 1971: OCIC-Preis auf den Filmfestspielen Berlin für Vier Nächte eines Träumers 1971: Sutherland Trophy der British Film Institute Awards für Vier Nächte eines Träumers 1974: FIPRESCI-Preis der Filmfestspiele von Cannes für Lancelot, Ritter der Königin 1977: Silberner Bär (Spezialpreis der Jury), Interfilm-Preis und OCIC-Preis (Empfehlung) auf den Filmfestspielen Berlin für Der Teufel möglicherweise 1977: Luchino-Visconti-Preis bei der David-di-Donatello-Verleihung 1983: Regiepreis der Filmfestspiele von Cannes für Das Geld 1985: National Society of Film Critics Award für Das Geld („Beste Regie“) 1988: Akira-Kurosawa-Preis des Internationalen Filmfestivals von San Francisco 1989: Goldener Löwe der Filmfestspiele von Venedig (Ehrenpreis) 1994: Europäischer Filmpreis für ein Lebenswerk

Schriften Notes sur le cinématographe. Gallimard, Paris 1975. 1. deutsche Ausgabe: Noten zum Kinematographen. Übersetzt von Andrea Spingler. Hanser, München 1980, ISBN 3-446-13163-9. 2. deutsche Ausgabe: Notizen zum Kinematographen. Übersetzt von Andrea Spingler und Robert Fischer. Alexander Verlag, Berlin 2007, ISBN 3-89581-173-4.

Literatur Frieda Grafe: Asketenexzesse – Robert Bresson und seine Filme. Erstveröffentlichung in: Süddeutsche Zeitung vom 22./23. Februar 1975. In: In Großaufnahme – Autorenpolitik und jenseits (= Ausgewählte Schriften in Einzelbänden, 7. Band). Brinkmann & Bose, Berlin 2005. ISBN 3-922660-90-8. S. 40–46. Bernd Kiefer: Robert Bresson. 1901–1999. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Filmregisseure. Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-010662-4, S. 82–88.

Weblinks

Essay, Filmographie, Bibliographie, Links bei Senses of Cinema (englisch) robert-bresson.com Robert Bresson. Das Gesamtwerk bei filmmuseum.at Kogonada: Once There Was Everything. Video-Essay zum Motiv der Türen in Bressons Filmen; verfügbar bei criterion.com

Einzelnachweise

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