Pechau ist ein Stadtteil von Magdeburg in Sachsen-Anhalt mit 517 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2021) auf einer Fläche von 7,611 km². Die Ortschaft wurde im Jahr 948 erstmals urkundlich erwähnt.
Lage thumb|Pechau, ein Ortsteil Magdeburgs im Südosten der Stadt Pechau liegt östlich der Elbe am Rand von Magdeburg, zwischen Elbe, Ehle, Alter Elbe, Kreuzhorst und Klus; unmittelbar an Elbe-Umflutkanal und Pechauer See. Die Ortschaft liegt in der Elbaue in etwa fünf Kilometer Entfernung (jeweils etwa 15 Autominuten bis zum Stadtzentrum) zwischen Magdeburg und Schönebeck (Elbe) an der Kreisstraße K1227.
Pechau ist eingebettet in eine reizvolle und abwechslungsreiche Kulturlandschaft. Das vielfältige Nebeneinander von Auenwäldern, Feldern, Weiden, Streuobstwiesen und Gewässern ist Lebensraum seltener Tiere wie Fischreiher, Milane, Biber und Störche.
Geschichte Bis zur Slawenzeit Pechau ist ein typisches Elbdorf, das 1998 sein 1050-jähriges Jubiläum feierte. Das Pechauer Gründungsdatum führt man auf einen Hoftag Ottos I. zurück, auf dem das Bistum Brandenburg am 1. Oktober 948 (nach anderen Deutungen 965) gegründet wurde. In der Gründungsurkunde des Bistums wurde Pechau als Pechovi (möglicherweise von *pek- – frühslawisch für "sorgen") namentlich erstmals erwähnt. Die slawische Burg Pechau selbst ist nachweislich noch älter; das ostelbische Gebiet ist seit mehreren tausend Jahren besiedelt. In der römischen Kaiserzeit (1.–4. Jahrhundert) lebten hier semnonisch-swebische Stämme der Germanen. Im Jahre 5 wurden die Semnonen, die sich selbst für den ältesten und edelsten der Swebenstämme hielten, erstmals in antiken Quellen genannt. Nach der europäischen Völkerwanderung (4. bis 6. Jahrhundert) rückten die Wilzen, ein Stamm der Elbslawen, im frühen 8. Jahrhundert nach. Die Sweben gelangten bis nach Galizien im heutigen Norden Spaniens. Nachdem Frankenkönig Karls der Großen im Jahre 780 in den Sachsenkriegen (Eingliederung des Herzogtums Sachsen in das Frankenreich, 772–804) von Westen bis zur Elbe vorgestoßen, gelang es Anfang des 10. Jahrhunderts den deutschen Herrschern Heinrich I. (der Sachse) und seinem Sohn Otto I. (der Große) im ostelbischen Gebiet Fuß zu fassen. Das politische Zentrum des Reiches verlagerte sich vom Rhein-Main zum Gebiet zwischen Harz und Elbe. Otto I. sicherte die Grenze zu den Elbslawen, unterwarf und christianisierte sie. Magdeburg (Magadoburg, erstmals erwähnt 805 als fränkische Burg und Sitz eines fränkischen Grafen zur Überwachung des fränkisch-slawischen Handels an der Elbe) wurde unter Otto I. neben Rom und Aachen zu einem der Regierungszentren des Reiches ausgebaut. 937 gründete König Otto I. das Moritz- oder St. Mauritiuskloster Magdeburg. Als 962/968 aus dem Stift das Erzbistum Magdeburg entstand, wurden die Erzbischöfe Herren der Stadt und des Umlandes. Seit 921 ist der Gau Morzane (das Land "am Sumpfsee", dem damaligen Fiener See, zwischen Elbe, Stremme, Havel, Ihle und Nuthe) Teil der Nordmark des Deutschen Reiches. Ab 937 war der gesamte Gau dem Moritzstift in Magdeburg zinspflichtig. Das dazugehörige Alt-Pechau war eine Insel in der Elbe an der Grenze zu Magdeburg und dem Herzogtum Sachsen sowie der nächstgelegene Burgward auf der slawischen Elbseite. Die schriftlich überlieferte Geschichte des Gebiets begann.
Slawenzeit Der Ursprung des Alten Dorfes Pechau wird auf eine Ringburg der Morzanen zurückgeführt, die zu den 11 Burgbezirken des gleichnamigen slawischen Gaus gehörte. Die Morzanen waren eine der vier Stammesgruppen der nordslawischen Wilzen, die in 95 Burgbezirken siedelten. Die Burg war etwa 125 × 200 m groß. Ihre Besiedlung ist für den Ausgang des 8. bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts nachweisbar. Sie befand sich auf einem noch heute sichtbaren Hügel am östlichen Ende der Breiten Straße des heutigen Dorfs. Bis zum 12. Jahrhundert verlief um die Insel des Burghügels ein Hauptarm der Elbe. Alt-Pechau war durch eine Brücke mit dem ostelbischen Ufer in Richtung der heutigen Brücke über den Umflutkanal verbunden. 923 und 924 zerstörten Ungarn und verbündete Slawen das benachbarte Magdeburg. Es kann nicht völlig ausgeschlossen werden, dass sich daran auch einige Pechauer beteiligt haben könnten. Die Elbe war die Grenze zwischen Slawengebiet beziehungsweise der Nordmark zum Herzogtum Sachsen des 919 vom ersten deutschen König Heinrich I. (als Nachfolger des ostfränkisch-deutschen Königs Konrad I.) gegründeten Deutschen Reiches und ab 962, mit der Krönung Ottos I. (Königskrönung 936) in Rom zum römischen Kaiser, des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Die slawischen Stämme zwischen Elbe, Saale und Oder wurden 928 Heinrich I. tributpflichtig. 965 schenkte Otto I. dem Moritzstift in Magdeburg seinen Besitz in Pechau. Otto II. bestätigt 973 diese Schenkungen. Ende des 10. Jahrhunderts schlossen sich die Wilzen im Bund der Liutizen ("die Grimmigen") zusammen. Durch den Slawenaufstand 983 wurde die deutsche Kolonisation der ostelbischen "heidnischen" Slawengebiete bis zur Oder noch einmal für rund einhundertfünfzig Jahre zurückgedrängt. Die Elbe bei Magdeburg wurde erneut zum Grenzland. Der Burgward Pechau blieb jedoch ein wichtiger deutscher Stützpunkt im Kampf gegen Slawen. 1007 griff der polnische Fürst Boleslaw I. Chrobry (der Kühne und erster polnischer König) beim Versuch der Eroberung des Slawengebiets zwischen Oder und Elbe die Burg Pechau an. Der Gau Morzane wird verwüstet. Es wird angenommen, dass dabei der Palisadenwall der Burg zerstört wurde und danach Alt-Pechau in der Bedeutungslosigkeit versank. Zur Zeit Friedrichs I. (genannt Barbarossa) gewannen die Deutschen in der Auseinandersetzung um die ostelbischen Gebiete unter Albrecht dem Bären, Markgraf der Nordmark, endgültig die Oberhand. 1139 übergab das Kloster Berge dem Bischof von Brandenburg 100 Hufen Land, wobei das Dorf Pechau eingerechnet wurde. Alt-Pechau existierte zum Ende des 12. Jahrhunderts nicht mehr.
12. bis 16. Jahrhundert Pechau ist ein Haufendorf mit vorwiegend Drei- und Vierseitenhöfen, wie sie für das Magdeburger Land typisch sind. Der heutige Dorfgrundriss mit der Ringstraße geht auf den Aufbau des deutschen Neuen Dorfes unter dem Lokator Heribert zurück, der am 18. Juni 1159 das Dorf Pechau mit sechs Hufen (ca. 60 ha) Land westlich des slawischen Burgwalls mit allem Zubehör und der Gerichtsbarkeit über alle Ansiedler als Lehen erhielt. Erzbischof Wichmann von Magdeburg (1152–1192) holte Neusiedler aus Flandern in die Region, um das Land trockenzulegen und landwirtschaftlich besser zu nutzen. 1185 übereignete Wichmann dem Nicolaistift zwei Hufen und 1191 der Andreaskapelle in Magdeburg drei Hufen Land in Pechau. Lag Pechau zur Jahrtausendwende noch zwischen zwei großen Elbarmen, so floss später der Hauptstrom in der Alten Elbe und etwa im Bett der jetzigen Stromelbe westlich an Pechau vorbei. Pechau gehörte nun nicht nur politisch, sondern auch geografisch zum Jerichower Land, das sich überwiegend (die Ländereien um Gommern gehörten seit 1269 zu Sachsen und Gebiete im Norden gehörten zu Brandenburg) im Besitz des Erzstiftes Magdeburg befand. 1221 wurde die Kirche in Pechau erstmals erwähnt. Zugehörig war sie bis 1562 dem Lorenzkloster in der Magdeburger Neustadt. 1275 gehörten Zipkeleben, Menz und Königsborn zum Kirchspiel Pechau. 1403 und 1407 wurde Pechau im bis 1407 dauernden Krieg mit Erzbischof Günther II. von Magdeburg (1403–1445) von den Fürsten von Anhalt überfallen und ausgeraubt. Aus dem Jahr 1469 stammt die älteste Erwähnung des Klusdamms von Magdeburg an Pechau vorbei als Teil der Heerstraße Magdeburg-Brandenburg, dem Hauptverkehrsweg nach Osten. Eine weitere Handelsroute führte beispielsweise ins südöstliche Wittenberg. 1459 vertauschte ein Herr von Treskow, der Pechau vom Erzbischof in Magdeburg zum Lehen erhalten hatte, Pechau an das Kloster Berge in Magdeburg. In Pechau entstand am nordwestlichen Ende der heutigen Breiten Straße ein Vorwerk des Klosters. 1524 kam Martin Luther von Wittenberg, an Pechau vorbei, über den Klusdamm und brachte die Reformation nach Magdeburg ("Unsres Herrgotts Kanzlei"). In der Reformationszeit (1517, 95 Thesen zu Wittenberg; 1555, Augsburger Religionsfrieden) wurde Pechau 1546 und 1550 im Schmalkaldischen Krieg (1550/1551) während der vergeblichen Belagerung des protestantischen Magdeburgs durch den katholischen Kurfürsten Moritz von Sachsen (1521–1553) von Magdeburger Bürgern geplündert. 1562 wurden in den Kirchenbüchern 30 Bauernstellen in Pechau erwähnt. Bis zum 16. Jahrhundert hatte Pechau nicht mehr als 100 Einwohner.
17. und 18. Jahrhundert Bis zum Dreißigjährigen Krieg soll es in Pechau ein festes Schloss gegeben haben. 1626 und 1629 kam es mit Wallenstein, 1630 mit Pappenheim und 1631 mit Tilly und Pappenheim zu Kämpfen in der Umgebung Pechaus. Am 31. März 1631 wurden die beiden Magdeburger Schanzen in der Kreuzhorst bei Pechau Magdeburger Succurs und Trutz Tilly durch die kaiserlichen Truppen gestürmt. Nach der Erstürmung der Schanze Trutz Pappenheim zwischen Pechau und Klus rückte Tilly nach schweren Kämpfen mit 30.000 Soldaten über den Klusdamm auf Magdeburg vor. Am 12. April 1631 schlug Pappenheim sein Hauptquartier in Pechau auf. Die Belagerung und blutige Zerstörung von Magdeburg am 10. Mai 1631 durch die kaiserlichen Truppen unter Tilly und Pappenheim überstand lediglich die Pechauer Kirche. Magdeburg als eine der wichtigsten deutschen Städte verlor in der Folgezeit seine Bedeutsamkeit. 1632 wurden die Kaiserlichen Truppen durch den Sieg Gustav Adolfs II. von Schweden in Lützen wieder vertrieben. Es geht die Sage, dass in der Umgebung von Pechau ein großer Silberschatz von Tillys Truppen versteckt wurde. Als Folge des Westfälischen Friedens im Jahre 1648 kam 1680 Pechau mit dem neu gebildeten Herzogtum Magdeburg zu Kurbrandenburg (ab 1701 Königreich Preußen). Lange lag das Dorf nach dem Dreißigjährigen Krieg verlassen, erst nach und nach wurde es wieder aufgebaut. Pechau erhielt durch die Anlage eines großzügigen Straßenkreuzes innerhalb des fast kreisrunden Deichwalls seine heutige Grundgestalt. 1671 besaß Pechau zwölf Ackerhöfe und 19 Kossatenhöfe. 1707 wurde die 80 Meter lange Brücke des Klusdamms erneuert. Für die Schlesischen Kriege und den Siebenjährigen Krieg gegen Österreich wurde der Holzreichtum Pechaus geplündert. Friedrich II. von Preußen der Große ließ in der Umgebung 100.000 starke Eichen schlagen. 1782 gab es in Pechau 275 Einwohner.
19. Jahrhundert