Civita (in Arbëresh, IPA: [ar'bəreʃ]: Çifti) ist eine von Arbëresh (IPA: [ar'bəreʃ]) gegründete Berggemeinde mit 915 Einwohnern (Stand ) in der Provinz Cosenza in Kalabrien in Süditalien. Mit Blick auf das Ionische Meer ist es für die Besucher aus Apulien, Kalabrien und Sizilien das „Tor“ des Nationalparks Pollino.
Civita wurde in die Liste der Bandiera Arancione aufgenommen und gehört seit 2003 zur Vereinigung I borghi più belli d’Italia („die schönsten Orte Italiens“).I borghi più belli d’Italia (offizielle Webseite), abgerufen am 12. Mai 2017 (italienisch)
Civita besteht aus drei Ortsteilen, dem historischen Teil San Antonio (in Arbëresh: Sinandoni), dem von Piazza und dem von Magazeno.
Geografie mini|links|Gole del Raganello Das Gebiet der Gemeinde liegt auf einem Hochplateau auf einer Höhe von 450 m über dem Meeresspiegel, umgeben von bewaldeten Bergen mit Blick auf das Naturschutzgebiet Le Gole del Raganello,www.parks.it, siehe auch italienische Wikipedia eine enge Schlucht des Torrentes Raganello und umfasst eine Fläche von 27 km². Am Horizont erblickt man das Ionische Meer.
Civita liegt etwa 75 km nördlich von Cosenza und ca. 11 km östlich von Ejanina, einer Fraktion von Frascineto, die von albanischen Flüchtlingen (Arbëresh) im 15. Jahrhundert gegründet wurden. Weitere Nachbargemeinden sind Cassano allo Ionio, Castrovillari, Cerchiara di Calabria, Francavilla Marittima und San Lorenzo Bellizzi.
Nach der italienischen Klassifizierung bezüglich seismischer Aktivität wurde Civita der Zone 2 (in einer Skala von 1 bis 4) zugeordnet.Seismische Klassifizierung der Gemeinde Civita, abgerufen am 4. Oktober 2016.
Die Herkunft des Namens Es ist unklar, ob der Ortsname von çifti, was in Arbëresh „Paar“ (in Bezug auf die beiden Bezirke St. Antonio und Magazeno), von çifti „Adler“ oder von lateinisch Civitas abstammt.
Geschichte Vorgeschichte mini|links|Fürstentum Kastrioti im 15. Jahrhundert Nachdem der albanische Fürst Gjergj Kastrioti, genannt Skanderbeg, Albanien für 25 Jahre gegen die vordringenden muslimischen Osmanen (Türken) verteidigt hatte, verstarb er 1468 in Lezha wahrscheinlich an Malaria. Jahrelang versuchten albanische „kapedan“ (mutige Personen ohne einen wahren Führer), Albanien gegen die Osmanen zu verteidigen. Den Osmanen gelang es schließlich 1478 mit der Eroberung von Kruja und 1479 mit der von Shkodra, Albanien für die darauffolgenden 400 Jahre unter ihr Joch zu bringen.
mini|Das Königreich Neapel nach dem Frieden von Lodi (1454) Um dem osmanischen Joch zu entkommen, äußerte Skanderbegs Witwe Donika Arianiti König Ferdinand I. von Neapel den Wunsch mit ihrem Sohn Gjon Kastrioti II., der einzige Nachkomme Skanderbegs, sich auf den Lehnsgütern Skanderbegs im Königreich Neapel niederlassen zu dürfen, um dem osmanischen Joch zu entkommen, was der König mit seinem Brief vom 24. Februar 1468 mit akzeptierte.Francesco Trinchera: Codice Aragonese, vol. 1, Arnaldo Forni Editore, Neapel 1866, S. 44 ff., abgerufen am 25. Oktober 2016.„... Item perche ad nui per loro misso proprio haveno notificato che vorriano venire in quisto nostro regno pregandoce li volesscmo provedcie de alcuno navilio per possere passare: pertanto da nostra parte li esponente che loro venuta ad nui sera multo piacere, et da nui haveranno quelle carize et honori che figlio deve fare ad matre et patre ad figliolo et non solamente li lassaremo quello ce havemo donato, ma quando bisognio fosse li donaremo de li altri nostri boni Dat. in civitate capue die xxim mensis februarii Anno Domini Mcccclxviii Rex ferdinandus...“
Es folgte die vierte von neun Auswanderungswellen von albanischen Familien nach Italien. Gründe dazu waren die geografische Nähe und die guten Beziehungen zwischen den Kastrioti und den Königen von Neapel aus dem Hause Aragon.
In Süditalien wurden die Albaner aufgenommen, weil sie einerseits als Märtyrer der christlichen Religion galten, die jahrzehntelang gegen die Osmanen gekämpft und damit die osmanische Invasion in Italien verlangsamt hatten und andererseits, weil Hungersnöte, Seuchen und Erdbeben (wie das katastrophale vom 5. Dezember 14565. Dezember 1456: Das Erdbeben mit Magnitude 7,1 das 30.000 Menschen das Leben kostete (italienisch), abgerufen am 19. Februar 2017.) die süditalienischen Regionen entvölkert hatten, was den Gutsbesitzern ermöglichte, den Flüchtlingen vorteilhafte Privilegien, wie Halbierung der Steuern und volle administrative Autonomie, anzubieten.
Die Albaner in Italien (Arbëresh) gründeten fast 100 Soldaten- und Bauernkolonien, von denen sich die meisten in Kalabrien befinden.Margherita Forte und Alessandra Petruzza, Kollaborateure des Informationsschalters von Vena, einer Fraktion von Maida, (Die Ursprünge der albanischsprachigen Minderheit), 2005, abgerufen am 6. Oktober 2016.
Die Gründung von Civita mini|Italien um das Jahr 1000 Der historische Ortskern von Civita San Antonio wurde 1471Geschichte von Civita (ital.), abgerufen am 2. Juli 2018. auf einer bereits bestehenden Siedlung „Castrum Sancti Salvatoris“ gegründet. Kalabrien gehörte vom 6. bis ins 11. Jahrhundert zum Byzantinischen Reich und die Küstenorte wurden immer wieder von Sarazenen aus dem Emirat Sizilien heimgesucht und geplündert. Die antike Stätte „Castrum Sancti Salvatoris“ wurde von Cassanesi und Personen der ionischen Küste nach einem Überfallprolococivita.it: Demetrio Emmanuele: Itinerari arbëreshë (Die Routen der Arbëresh), Stab. Tip. Editoriale C. Biondi, Cosenza, 1980, S. 5 ff., abgerufen am 10. Oktober 2016. der sizilianischen Sarazenen benutzt und dann im Jahr 1014 von den Sarazenen niedergebrannt. 1456 wurde die Stätte durch ein Erdbeben zerstört und verlassen.
Im 11. Jahrhundert wurde Kalabrien von den Normannen erobert. Ab 1130 zählte es unter Roger II. zusammen mit anderen süditalienischen Gebieten zum Königreich Sizilien. Ende des 13. Jahrhunderts fiel das süditalienische Festland unter die Herrschaft der französischen Anjou und bildete das Königreich Neapel. Mitte des 15. Jahrhunderts fiel das Königreich unter die Kontrolle der Krone Aragon.
Geronimo Sanseverino (2. Fürst von Bisignano, 4. Herzog von San Marco, 6. Graf von Tricarico und Chiaromonte, 3. Graf von Altomonte) begünstigte die Ansiedlung von Albanern auf seinem entvölkerten Land. Er gab ihnen die Möglichkeit verlassene Stätten zu besiedeln und neue Orte zu gründen. Als Geronimo Sanseverino 1487 auf Veranlassung Königs Ferdinand I. von Aragon wegen der führenden Beteiligung an der gescheiterten Verschwörung der Barone (1485-1486) gegen den König 1487 hingerichtet wurde und das Casale (italienische Bezeichnung für ein Haus oder eine Häusergruppe auf dem Land) und Lehen von Civita beschlagnahmt wurden, wurde der freigebige griechische Graf Giorgio Paleologo Assan, der seit 1463 mit seiner Frau Anna Ralena in Galatina lebte,Uomini illustri civitesi, offizielle Webseite der Gemeinde Civita, abgerufen am 10. OktoberBiobibliografia di Civitesi aus: Civita, cultura e natura von Demetrio Emmanuele, Print Design, Castrovillari, 2007; abgerufen am 10. Oktober 2016. beauftragt, ...munifico Giorgio Paleologo Assan recuperi ciò che gli è stato tolto da certi di Cassano e di Castrovillari, che hanno depredato e tolto mercanzie agli albanesi dimoranti nel suo casale di Civita. mini|Italien Ende des 15. Jahrhunderts In einem Dokument aus dem Jahr 1487 wird Giorgio Paleologo Assan als Signore munifico dai grandi meriti per aver svolto opera di pacificazione del Regno. bezeichnet, wofür ihm König Ferdinand I. das Casale von Civita gewährte.
König Karl VIII. von Frankreich, der ein weit entferntes Erbrecht auf den Thron von Neapel hatte, begab sich mit seinen Armeen nach Italien und begann die sogenannten italienischen Kriege des 16. Jahrhunderts. Die Flucht des spanischen Königs von Neapel Ferdinands II. ausnutzend, konnte Karl VIII. Neapel einnehmen und ließ sich am 22. Februar 1495 als Karl IV. zum König von Neapel krönen. Während seiner kurzen Amtszeit (– 6. Juli 1495) stellte er die vorherige Situation der Lehnsherren wieder ein und übergab Berardino (od. Bernardino) Sanseverino († 1516?Datum seines Testamentes.), Sohn von Geronimo Sanseverino sein Lehen. Somit war er 3. Fürst von Bisignano, 5. Herzog von San Marco, 8. Graf von Tricarico und Chiaromonte, 4. Graf von Altomonte.Er war auch Herr von Castrovillari und Eboli (1496) und Graf von Mileto (1507).
1539, im Anschluss an die dritte Hochzeit von Pietroantonio Sanseverino (Enkel von Geronimo Sanseverino und Sohn von Bernardino Sanseverino) mit Erina Castriota, Urenkelin von Skanderbeg, kamen weitere Albaner aus Apulien nach Civita, mit denen der Ort die Anzahl von 276 Einwohnern erreichte. Im Jahre 1572 verkaufte Bernardino Sanseverino Civita an einen Baron Campilongo und 1613 ging Civita an den Baron Francesco Maria d'Urso. 1657 war das Casale Civita Teil des Herzogtums der Familie Serra von Cassano.
In den folgenden Jahrhunderten geriet das Königreich Neapel unter die Kontrolle der Habsburger und der Bourbonen. Während der napoleonischen Zeit (1806–1816) wurde Civita nach der französischen Ordnung von 1807 Università (in Süditalien von 1266 bis 1807 Name für eine gewissermaßen selbständige Verwaltungseinheit) von Cassano all'Ionio.Demetrio Emmanuele, S. 6.
Civita heute Heute wird in Civita noch fließend die albanische Sprache der Vorfahren gesprochen und seine Einwohner gehören zur albanischen ethnischen und sprachlichen Minderheit Italiens, die durch das Gesetz 482 „Zum Schutz der historischen Sprachminderheiten“ vom 15. Dezember 1999camera.it: (deutsch: Vorschriften über den Schutz der historischen Sprachminderheiten) geschützt werden.
Civita war eine der ersten Arbëresh-Gemeinden, die den vom Gesetz 482/99 vorgesehenen „Sportello Linguistico Comunale“ (sprachlicher Gemeindeschalter) zum Schutz und zur Entwicklung des ethnolinguistischen Erbes einrichtete.
Religion Die östliche Prägung spiegelt sich deutlich in den Kirchen von Civita wider, die zur Italo-albanischen Kirche in der Eparchie Lungro in der Kirchenregion Kalabrien gehören und immediat, d. h. direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt ist. Die Madonna del Rosario (Rosenkranzmadonna) und San Biaggio sind die Schutzheiligen von Civita und werden mit einer Messe nach griechisch-byzantinischem Ritus gefeiert.
Die Mutterkirche Santa Maria Assunta mini|Kirche Santa Maria Assunta In der Mutterkirche Santa Maria Assunta halten Arbëresh seit mehr als 500 Jahren die griechisch-byzantinische göttliche Liturgie ab und behalten die beeindruckende christliche östliche Symbolik, die alten Handlungen und Lieder der griechischen Tradition und vor allem die albanische Sprache mit griechisch-byzantinischen Paramenten, Ikonen, Mosaiken und der Ikonostase bei.
Die Kirche Santa Maria Assunta wurde in den frühen Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts nach den Vorschriften der religiösen Obrigkeit ohne Ikonostase gebaut und befindet sich auf dem heutigen Ortsplatz. Aus einem notariellen Akt vom 25. August 1641 geht hervor, dass Frau Costanza Martina Camodeca die Maria vom Rosenkranzkapelle in der Kirche von Civita hat bauen lassen, was bedeutet, dass 1641 der Bau der Kirche entweder abgeschlossen oder kurz vor der Fertigstellung war.Vincenzo Bruno, Antonio Trupo, S. 5. Zunächst wurde sie die Neue Kirche genannt, weil die Gläubigen vor ihrer Fertigstellung ihren Kult in den zahlreichen Kapellen im historischen Ortskern San Antonio abhielten. Die Kapellen von San Salvatore, San Leone, des Heiligen Geistes, San Francesco und San Pietro existieren heute nicht mehr. Die Kapellen San Antonio und Santa Maria della Consolazione befinden sich noch heute im historischen Ortsteil San Antonio.