Werner Fischer (* 13. Januar 1930 in Freiburg im Breisgau; † 5. Oktober 2025) war ein deutscher Goldschmied, Künstler, Kunstsammler, Gemmologe und seit 1972 vereidigter Sachverständiger der Handwerkskammer Münster für Edelsteine und Perlen und zudem Ehrenpräsident des Zentralverbands der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere. Er galt als einer der prägenden deutschen Goldschmiede des 20. Jahrhunderts, indem er traditionelle Handwerkskunst mit modernem Designverständnis verband und sich über Jahrzehnte für die Förderung des Goldschmiedehandwerks in Deutschland einsetzte.

Leben und Beruf

Werner Fischer wurde am 13. Januar 1930 in Freiburg im Breisgau als Sohn der Hausfrau Jovita Fischer und des Lehrers Kaspar Fischer geboren. Schon früh entwickelte er Interesse an feinmechanischer und handwerklicher Arbeit. Nach dem Schulbesuch in Horst bei Werne und Hopsten absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Uhrmacher in Kamen. Anschließend wandte er sich dem Goldschmiedehandwerk zu und ließ sich als Geselle in Münster, Osnabrück und Fulda aus- und fortbilden. 1951 bestand er in Kassel die Meisterprüfung als damals jüngster Goldschmiedemeister der Bundesrepublik Deutschland.

Nach der Meisterprüfung eröffnete Fischer in seinem Elternhaus in Hopsten eine eigene Goldschmiede, welche er 1953 nach Ahlen verlegte und um ein Juweliergeschäft erweiterte. 1955 heiratete er die 1934 in Hopsten geborene Bankangestellte Anna Schwienheer, mit der er zwei Söhne bekam.

Im Jahr 1963 nahm er ein Studium an der Staatlichen Zeichenakademie Hanau mit den Fächern Kunstgeschichte, Entwurf und Gestaltung von Schmuck und Fassen von Edelsteinen auf. Von 1957 bis 1963 und von 1966 bis 1971 amtierte Werner Fischer als gewählter ehrenamtlicher Obermeister der Gold- und Silberschmiedeinnung Münster für den Handwerkskammerbezirk Münster. Von 1971 bis 1980 war er Präsident des Reichsinnungsverbandes, dessen heutiger Nachfolger der Zentralverband der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere der Bundesrepublik Deutschland ist. Während dieser Zeit schuf er Verbindungen zum Kunsthandwerk und führte Wettbewerbe für Lehrlinge und junge Goldschmiede zur Förderung kreativer Arbeiten im Kunsthandwerk durch. Zudem organisierte er zahlreiche Schmuckausstellungen, unter anderem im Landesmuseum in Münster.

Neben seiner Tätigkeit als Goldschmied engagierte sich Werner Fischer ebenfalls in den verschiedenen Berufsorganisationen seines Handwerks. So etablierte er ab 1964 das „Studio 18“ in Ahlen mit wechselnden nationalen und internationalen Ausstellungen der bildenden Kunst und des Kunsthandwerks. Zu seinen bedeutendsten Leistungen zählt die Mitbegründung der internationalen Schmuck- und Uhrenmesse Inhorgenta München im Jahr 1973. Die Messe entwickelte sich zu einer der wichtigsten Branchenplattformen Europas und stärkte den internationalen Austausch innerhalb der Schmuck- und Uhrenindustrie.

mini|Urkunde Marguilliers de Saint Eloi de Noyon

Als Dank für das von Karol Józef Wojtyła, dem späteren Papst Johannes Paul II., 1960 veröffentlichte Mysterienspiel Im Laden des Goldschmieds überreichte Werner Fischer 1980 diesem im Namen der bundesdeutschen Juweliere, Gold- und Silberschmiede in Rom den aus reinem Gold angefertigten „Eligius-Becher“.

1984 gründete Fischer das deutsche Komitee der Eligiusgilde, eines Zusammenschlusses von Goldschmieden, die sich mit dem Entwurf und der Ausführung von sakralem Gerät zum Lob seiner Herrlichkeit befassen. Im gleichen Jahr eröffnete er ebenfalls das Museum im Goldschmiedehaus in Ahlen mit Werken der sakralen Goldschmiedekunst ab dem Mittelalter und Zeitmessern ab 1585. 1998 wurde die Ausstellung „Jüdisches Kultgerät – Jüdisches Leben“ gezeigt. Die Sammlung des Museums wurde mit zusätzlichen Exponaten erweitert, die nun zur ständigen Präsentation zählen. Ab 2007 wurde die ständige Ausstellung im Museum durch „Schätze des Buddhismus“ und eine Abteilung mit Exponaten des Islam ergänzt, sodass sich das Museum seitdem als „Interreligiöses Museum“ vorstellt. Seit 2012 ergänzen zudem auch Skulpturen und meditative Ritualgegenstände aus „Die Götterwelt des Hinduismus“ die ständige Ausstellung.

Werner Fischer starb am 5. Oktober 2025 im Alter von 95 Jahren. Seine Arbeit trug wesentlich dazu bei, das Ansehen des deutschen Schmuckhandwerks national und international zu stärken.

Ehrungen

1979: Bundesverdienstkreuz am Bande 1982: Verleihung des französischen Titel eines Marguilliers de Saint Eloi de Noyon 1999: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse 2011: Wirtschaftspreis der Stadt Ahlen. 2012: Goldene Ehrennadel mit Diamant der Europäischen Akademie der Juweliere, Gold- und Silberschmiede

Künstlerisches Schaffen mini|hochkant|Der Ehrenring des Deutschen Handwerks. Er wurde 1982 dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt verliehen. Das Oberteil steht für das Amt des Kanzlers, das Rund des Reifens für die Gesamtheit des deutschen Volkes. Die Linienführung beider Elemente verschmilzt zu einer Einheit.

Gestaltung des Ehrenringes der Stadt Ahlen für den Regierungspräsidenten der Bezirksregierung Münster, Franz Hackethal, 1956 Gestaltung des Ehrenringes der Stadt Ahlen für besondere Verdienste, 1964 Gestaltung des Ehrenringes des Deutschen Handwerks für den baden-württembergischen Staatsminister Adalbert Seifriz, Juni 1973 Gestaltung des Ehrenringes des Deutschen Handwerks für Bundeskanzler Helmut Schmidt, 1982 Reliquiar-Entwurf für die Finger-Reliquie des Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen, 2006

Schriften Als Verfasser Sakrale Kunst. Museum im Ahlener Goldschmiedehaus. Profil-Verlag Kurt Vössing, Gütersloh 1988, ISBN 3-927182-00-1. Vom Edelmetall zum Schmuck. Profil-Verlag Kurt Vössing, Gütersloh 1993, ISBN 3-927182-01-X. Jüdisches Kultgerät – Jüdisches Leben. Eigenverlag, 1998, ISBN 3-9804964-0-6. Die Kunst des Handelns. Eigenverlag, 2004, ISBN 3-00-013748-3. Die Schwienheer-Saga. Eigenverlag, 2015.

Als Herausgeber und Mitverfasser Zentralverband der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere (Hg.): Dokumentation 1973. W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld 1973.nachgewiesen in der

Literatur Fischer, Werner. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 311.

Weblinks

Studio 18 Interreligiöses Museum im Goldschmiedehaus

Fußnoten

Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Ehrenringträger (Deutschland) Kategorie:Goldschmied Kategorie:Autor Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1930 Kategorie:Gestorben 2025 Kategorie:Mann