mini|Der Wallgraben um das Hochplateau (Ostseite) mit der Wallkrone des Vorwalles mini|Der Hanggraben der Westseite mini|Das gestaffelte Wallsystem der Ostseite vom unteren Wall mini|Auf dem Gipfelplateau des Ipfs mini|Luftbild mini|Wallanlagen von Osten, April 2012 mini|Rekonstruierte Pfostenschlitzmauer im Archäologischen Freilichtmuseum am Ipf
Der Ipf ist ein hoher Zeugenberg der östlichen Schwäbischen Alb bei Bopfingen im baden-württembergischen Ostalbkreis.
Der Ipf liegt direkt nördlich von Bopfingen und überragt die Stadt um 200 Meter. Seine Hänge sind bis auf Teile der Nordseite unbewaldet und tragen Heidevegetation. Die markante Kegelform des Berges hebt ihn deutlich aus der Umgebung heraus.
Auf dem Gipfelplateau befinden sich mächtige vorgeschichtliche Befestigungsanlagen, die bereits in der Spätbronzezeit ab dem 12. Jahrhundert v. Chr. angelegt wurden.
Geologie Der Ipf besteht vorwiegend aus Kalksteinen und Mergeln des oberen Süddeutschen Jura (Weißer Jura).Rudolf Hüttner, Hermann Schmidt-Kaler: Geologische Karte des Rieses 1:50000. 2. überarb. Auflage. Herausgegeben vom Bayerischen Geologischen Landesamt, München 1999. Die Schichtenfolge des Weißjura ist vollständig. Die sanft zum Ipf ansteigenden Hänge und der Fuß des Berges sind aus Sandsteinen, oolithischen Kalksteinen und Tonsteinen des höheren mittleren Süddeutschen Jura (Brauner Jura), unter anderem dem sogenannten Eisensandstein und Ornatenton aufgebaut. In der weiteren Umgebung des Berges steht der sogenannte Opalinuston des untersten Braunjura (Braunjura α, Aalenium) an.Volker Dietze, Günter Schweigert, John H. Callomon, Gerd Dietl, Martin Kapitzke: Der Mitteljura des Ipf-Gebiets (östliche Schwäbische Alb, Süddeutschland). Korrelation der süddeutschen Ammoniten-Faunenhorizonte vom Ober-Bajocium bis zum Unter-Callovium mit Südengland und Frankreich. Zitteliana, Reihe A. Band 47, S. 105–125,
Der Unterschied in der Verwitterungs- und Erosionsanfälligkeit zwischen den Braunjura- (relativ anfällig, vor allem der Opalinuston) und den Weißjuraschichten (weniger anfällig) ist eine wichtige Ursache für die Entstehung des Ipfs als Zeugenberg. Charakteristisch ist hierbei die Armierung der anfälligeren Braunjuraschichten durch die Karbonatgesteine des Weißjura.
Forschungsgeschichte Die ersten Grabungen am Ipf wurden 1869 von Eduard Paulus vorgenommen. Bis dahin hatte man angenommen, dass die Befestigungen auf dem Berg aus der Zeit der Römer oder dem Dreißigjährigen Krieg stammen. Paulus entdeckte neben einer Menge von Tierknochen „zahlreiche Bruchstücke von altgermanischen Gefäßen“.Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Neresheim. H. Lindemann, Stuttgart 1872, Abschnitt B 6 Bopfingen, S. 226 (Wikisource). Damit gelang ihm der Nachweis, dass der Berg schon in vorgeschichtlicher Zeit bewohnt war.
Im Jahr 1907 führte Friedrich Hertlein weitere Grabungen am Ipf durch. Dabei untersuchte er zwei der Wälle und die Befestigung des Plateaus. Außerdem grub er an verschiedenen Stellen auf dem Plateau. Für damalige Verhältnisse dokumentierte und veröffentlichte er die Grabungsergebnisse mustergültig.F. Hertlein: Die vorgeschichtlichen Befestigungen auf dem Ipf. In: Blätter des Schwäbischen Albvereins, 23. Jg. (1911), Nr. 2, S. 48–55 und Nr. 3, S. 68–74. Bei den Grabungen im äußersten und im zweiten Wall fand er Trockenmauern mit senkrechten Holzeinbauten in der Front. Auch in der mächtigen Randbefestigung des Plateaus fand er verkohlte Holzbalken. Hertlein brachte diese Bauweise der Mauern mit der ähnlichen Befestigung des Heidengrabens in Verbindung, die als Befestigung eines Oppidums angesprochen und in die Spätlatènezeit datiert wird.
1969 wurde ein Lesefund vom Ipf veröffentlicht, eine schwarz-gefirnisste Scherbe einer attischen Trinkschale aus der Zeit um 500 v. Chr. Seitdem wird diskutiert, ob der Ipf aufgrund dieses Importfundes zu den frühkeltischen Fürstensitzen zu rechnen ist. Daneben gab es jedoch aufgrund des sehr guten Erhaltungszustands auch die Vermutung, die Wallanlagen könnten erst im frühen 10. Jahrhundert zum Schutz vor ungarischen Einfällen gebaut worden sein.
Klarheit brachten neue Grabungen in unmittelbarer Nähe des Ipfs und auf dem Ipf durch das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg seit 2000, bei denen im Gewann Zaunäcker in Kirchheim-Osterholz ein dreiphasiger Rechteckhof aus der Späthallstatt-/Frühlatènezeit (5. Jahrhundert v. Chr.) ausgegraben wurde, sowie vor allem die Grabungen 2004–2010 im Rahmen des Schwerpunktprogrammes der DFG „Frühe Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse – zur Genese und Entwicklung ‚frühkeltischer Fürstensitze‘ und ihres territorialen Umlandes“ durch Rüdiger Krause. Diese neuen Forschungen bestätigten, dass der Ipf schon in der Jungsteinzeit, verstärkt aber seit der Spätbronzezeit (1200–800 v. Chr.), eine wichtige Funktion hatte und in der Späthallstatt- und Frühlatènezeit (6./5. Jahrhundert v. Chr.) seine Blüte erlebte als überregionales Machtzentrum und Knotenpunkt im Fernverkehrsnetz.Vgl. Rüdiger Krause: Der Ipf. Frühkeltischer Fürstensitz und Zentrum keltischer Besiedlung im Nördlinger Ries. 2. Auflage. Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg, Heft 47, Stuttgart 2007.
Die heute so eindrucksvoll sichtbaren Reste der Befestigungen wurden demnach in der Frühlatènezeit (Ende 5. Jahrhundert v. Chr.) errichtet.R. Krause u. a.: Zur Genese und Entwicklung des Frühkeltischen Fürstensitzes auf dem Ipf bei Bopfingen. In: D. Krausse, D. Beilharz: „Fürstensitze“ und Zentralorte der frühen Kelten. Stuttgart 2010, S. 202. In der Mittel- und Spätlatènezeit scheint der Ipf dann an Bedeutung verloren zu haben.
Besiedlung Gipfelplateau Die Keramikfunde vom Ipf reichen, wie schon Hertlein feststellte, von der Jungsteinzeit bis in die Römische Zeit.Rüdiger Krause, Katharina Fuhrmann: Archäologische Sondagen und Prospektionen auf dem Ipf bei Bopfingen und ein zweiter späthallstattzeitlicher Rechteckhof bei Kirchheim-Osterholz, Ostalbkreis. Online-Publikation, Universität Tübingen, 2005, S. 5. Im Jahr 2004 wurde an der Ostseite des Gipfelplateaus innerhalb der Randbefestigung ein Grabungsschnitt angelegt. In 2,5 m Tiefe wurde der Fels erreicht. Der Schnitt erbrachte eine enorme Menge an Kleinfunden, Keramik und Tierknochen.
Unmittelbar auf dem Fels befand sich eine 0,7 m mächtige Kulturschicht aus der jüngeren Urnenfelderkultur (Ha B). Darüber liegen mit insgesamt einem Meter Mächtigkeit mehrere Schichten, die in die Hallstattzeit datieren. Eingebunden in die Schichten der späten Hallstattzeit sind die Fundamentierungen von zwei Trockenmauern, die parallel zur Hangkante ausgerichtet sind. Steinfundamente gelten als ungewöhnlich für die Hallstattzeit. Parallelen finden sich auf der Heuneburg.
Ebenfalls in den späthallstattzeitlichen Schichten wurden Scherben griechischer Keramik gefunden, von denen zwei einer schwarzfigurigen attischen Halsamphora in die zweite Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. datiert werden können.Rüdiger Krause, Katharina Fuhrmann: Archäologische Sondagen und Prospektionen auf dem Ipf bei Bopfingen und ein zweiter späthallstattzeitlicher Rechteckhof bei Kirchheim-Osterholz, Ostalbkreis. Online-Publikation, Universität Tübingen, 2005, S. 6. Am Ipf wurden einschließlich zweier Lesefunde inzwischen zehn Scherben griechischer Keramik gefunden, die zusammen das komplette Geschirr eines Symposions repräsentieren. Die darüber liegenden Schichten wurden offenbar umgelagert. Sie enthalten Keramik der Frühlatènezeit, aber auch des mittleren Neolithikums und der Römerzeit. So zeichnet sich für die Aktivitäten auf dem Ipfplateau ein eindeutiger Schwerpunkt in der Spätbronzezeit und der Hallstattzeit ab.
Schon 1999 wurde das Ipfplateau geomagnetisch untersucht. Dabei zeigten sich lineare Anomalien, deren auffälligste etwa vom heutigen Aufgang auf das Plateau trichterförmig ins Zentrum der Hochfläche führen. Sondagen bei der jüngsten Grabung konnten diese Strukturen als in den Fels gehauene Gräbchen identifizieren.Rüdiger Krause, Katharina Fuhrmann: Archäologische Sondagen und Prospektionen auf dem Ipf bei Bopfingen und ein zweiter späthallstattzeitlicher Rechteckhof bei Kirchheim-Osterholz, Ostalbkreis. Online-Publikation, Universität Tübingen, 2005, S. 3. Die Tiefe variiert zwischen ca. 60 cm bei einem der Gräbchen und ca. 10 cm bei einem quer dazu liegenden. Nicht alle Gräbchen eigneten sich also als Fundamentgräben einer Palisade. Von diesen Befunden her verbietet sich eine einlinige Interpretation.
Friedrich Hertlein beschreibt als Befunde seiner Grabungen auf der Hochfläche „Estriche, Hüttenlehm, Spinnwirtel u. dgl.“F. Hertlein: Die vorgeschichtlichen Befestigungen auf dem Ipf. Blätter des Schwäbischen Albvereins, 23. Jg. (1911), Nr. 3, S. 68. Die Ausdehnung dieser Estriche, die er als Laufhorizonte kleiner Hütten interpretierte, konnte er jedoch nicht feststellen. „Unmittelbar über den Estrichen fand sich immer eine kohlige schwarze Schicht mit besonders vielen Scherben und Knochen von allerlei Haustieren, darunter auch viele größere und kleinere Eberzähne.“ Auch diese Befunde passen nicht unbedingt zu dem, was sonst in Siedlungen angetroffen wird.
Unterburg 2004/2005 wurde eine geomagnetische Prospektion der ausgedehnten flachen Areale auf halber Höhe des Ipfs durchgeführt, die im Osten vom äußeren Wall eingeschlossen werden. Dabei zeigten sich im Osten vier ca. 60 m × 60 m große quadratische Strukturen, die unmittelbar aneinander angrenzen. Gezielte Nachgrabungen ergaben, dass es sich dabei um Palisadengräben mit teilweise noch vorhandenen Steinverkeilungen und einer Tiefe von bis zu 0,9 m handelt.R. Krause u. a.: Zur Genese und Entwicklung des Frühkeltischen Fürstensitzes auf dem Ipf bei Bopfingen. In: D. Krausse, D. Beilharz: „Fürstensitze“ und Zentralorte der frühen Kelten. Stuttgart 2010, S. 176.
Diese rechtwinklig angeordneten Einfriedungen, die sich aufgrund von Fibelfunden in die späte Hallstattzeit datieren lassen, können möglicherweise als Rechteckhöfe interpretiert werden. Eine Innenbebauung konnte bisher nicht erschlossen werden.R. Krause, A. Patzelt: Zur Fortsetzung der archäologischen Ausgrabungen und Prospektionen auf dem Ipf bei Bopfingen, Ostalbkreis. Archäologische Ausgrabungen Baden-Württemberg, 2005, S. 90f.
Weiter wurde noch eine Palisadenanlage von 22 m × 22 m unmittelbar am Aufgang zum Plateau vor dem ersten Zwischenwall ausgegraben, die auf das rechtwinklige System der großen Einfriedungen ausgerichtet ist. Deren Funktion ist bislang unklar.R. Krause: Der Ipf. Frühkeltischer Fürstensitz und Zentrum keltischer Besiedlung im Nördlinger Ries. 2. Auflage. Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg, Heft 47, Stuttgart 2007, S. 43.
Die „Unterburg“ scheint also in der Hallstattzeit relativ locker bebaut gewesen zu sein. Für die nachfolgende Frühlatènezeit liegen von der „Unterburg“ einzelne Keramik- und Fibelfunde sowie eine blau-gelbe Schichtaugenperle vor, jedoch keine Befunde von Bebauungsstrukturen.R. Krause, A. Patzelt: Zur Fortsetzung der archäologischen Ausgrabungen und Prospektionen auf dem Ipf bei Bopfingen, Ostalbkreis. Archäologische Ausgrabungen Baden-Württemberg, 2005, S. 90.
Wallanlagen Das Befestigungssystem mini|Befestigungssystem des Ipf