Die Frauenmauerhöhle ist eine Höhle unter der hohen Frauenmauer im westlichsten Teil des Hochschwabmassivs. Eine Besonderheit der Höhle ist die Möglichkeit der Durchquerung des darüber liegenden Bergmassivs über eine 644 m lange, ungefähr West-Ost orientierte Verbindung, sie ist also eine Durchgangshöhle. Sie liegt an der Grenze der Verwaltungsbezirke Leoben und Bruck-Mürzzuschlag im Bundesland Steiermark in Österreich, nahe den Ortschaften Eisenerz (Westeingang) und Tragöß (Osteingang). Die Frauenmauerhöhle ist Teil des weitverzweigten Frauenmauer-Langstein-Höhlensystems.

Entstehung und Forschungsgeschichte Die Höhle entstand nach der letzten Eiszeit durch ablaufendes Schmelzwasser, das den Kalkstein auflöste und unterirdische Abflüsse bildete. Die Hochschwabgruppe ist als Teil der Nördlichen Kalkalpen von Karsterscheinungen geprägt, solche phreatischen Gänge sind in dieser Höhenstufe in der Hochschwabgruppe jedoch eine Ausnahme. Durch zunehmende Erosion wurden nach und nach die beiden heutigen Eingänge der Höhle freigelegt. In der Höhle gibt es nur wenige Versinterungen wie Tropfsteine, da siegeologisch als sehr jung einzustufen ist.

Eisenerzer Bergknappen stießen bereits um das Jahr 1820 in der Frauenmauerhöhle bis zur sogenannten Klamm vor, einer Engstelle in der ungefähren Mitte der Höhle. Erst nachdem in diesem Bereich von den Knappen größere Mengen Schutt ausgeräumt wurden, konnte die Höhle zwischen den Ausgängen durchgehend begangen werden. Sie konnte damit auch als Abkürzung zwischen Eisenerz und Tragöß dienen. Bekannt ist auch, dass am 14. September 1885 Kaiserin Elisabeth in Begleitung von Erzherzogin Marie Valerie die Höhle besucht hat, eine Gedenktafel am Ostportal der Höhle erinnert daran.

1961 entdeckte Sepp Illmaier aus Eisenerz (nach ihm ist das Illmaier-Platzl am Westportal der Höhle benannt) eine Verbindung zwischen der Frauenmauerhöhle und der Langsteinhöhle. Bis 1998 konnten rund 21 Kilometer des Höhlensystems erforscht und vermessen werden. Nach einer etwa zehnjährigen Unterbrechung wurden diese Forschungen ab 2008 als Kooperation zwischen dem Verein für Höhlenkunde „Höhlenbären“ und dem Eisenerzer Höhlenverein „Fledermaus “mit Unterstützung des Landesvereins für Höhlenkunde in der Steiermark fortgesetzt. 2011 gelang den Forschern der Nachweis einer Verbindung des Frauenmauer-Langsteinsystems mit der Langstein-Eishöhle. Die Erforschung des (Stand 2019) etwa 46,5 Kilometer Gänge mit einer Höhendifferenz von 692 Metern umfassenden Höhlensystems ist noch nicht abgeschlossen, es zählt zu den längsten Höhlen Österreichs.

Erreichbarkeit und Unglücksfälle Man erreicht den Westeingang der Frauenmauerhöhle von der Präbichl-Passhöhe (über die Leobner Hütte, Gehzeit vier Stunden) oder von der Gsollkurve der B 115, Eisenbundesstraße (Gehzeit zwei Stunden). Die Benutzung des alten Sessellifts auf den Polster verkürzt die Gehzeit. Den Osteingang der Höhle erreicht man in etwa 3 Stunden Gehzeit vom Ende der Fahrstraße von Tragöß Richtung Grüner See (Jassingau). Es ist möglich, oberirdisch zu Fuß von einem Eingang zum anderen über den Neuwaldeggsattel südlich der Frauenmauer oder über den Bärenlochsattel nördlich der Frauenmauer zu gehen.

Stand 2026 werden keine regelmäßigen Führungen in der Höhle angeboten.

Unglücksfälle Eine Begehung des weitläufigen Systems ohne ortskundigen Führer ist nicht ungefährlich. Bekannt ist die Geschichte dreier in der Höhle gestorbener Studenten. Sie fanden nicht mehr heraus, nachdem ihre einzige Lichtquelle abgebrannt war und beschlossen daher, sich an der vor ihnen liegenden Felswand entlang zu tasten – ihr Verhängnis war jedoch, dass sie sich dabei entlang eines sehr großen Pfeilers bewegten, der sich endlos umrunden ließ. In der Höhle markieren drei Kreuze den Ort, an dem sie an Hypothermie verstarben.

Weitere aufsehenerregende Todesfälle waren jener eines Salzburger Schuldirektors, der im Juli 1928 in einen Seitenschacht stürzte und erst nach fünf Monaten dort tot gefunden wurde. sowie jener zweier Grazer, die sich im April 1940 verirrt hatten.

Literatur Robert Bouchal, Josef Wirth: Höhlenführer Österreich – Über 100 Höhlen mit Skizzen, Plänen, Zugangsbeschreibungen und 150 Fotos. Pichler Verlag, Wien 2001, ISBN 3-85431-234-2, S. 211–215.

Weblinks

Sage von der Frauenmauer Eine Wanderung durch die Frauenmauerhöhle

Einzelnachweise

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