Der Bezirk Steglitz war von 1920 bis 2000 ein Verwaltungsbezirk von Berlin. Er umfasste die Ortsteile Steglitz, Lankwitz und Lichterfelde. Das Gebiet des Bezirks gehört seit dem 1. Januar 2001 zum Bezirk Steglitz-Zehlendorf.
Lage Der Bezirk Steglitz grenzte im Nordosten an den Bezirk Schöneberg, im Osten an den Bezirk Tempelhof, im Süden an das Land Brandenburg, im Westen an den Bezirk Zehlendorf und im Nordwesten an den Bezirk Wilmersdorf. Heute bildet das Gebiet des ehemaligen Bezirks den östlichen Teil des Bezirks Steglitz-Zehlendorf.
Geschichte Bei der Bildung von Groß-Berlin im Jahr 1920 wurde aus den bis dahin zum Landkreis Teltow gehörenden Landgemeinden Steglitz, Lichterfelde und Lankwitz sowie aus der bis dahin zur Landgemeinde Mariendorf gehörenden Villenkolonie Südende der 12. Verwaltungsbezirk gebildet. Nach seinem bevölkerungsreichsten Ortsteil erhielt er den Namen Steglitz. Bis zu diesem Zeitpunkt war Steglitz mit über 80.000 Einwohnern die bevölkerungsstärkste Landgemeinde Preußens.
mini|hochkant|Steglitzer Kreisel
Bei einer Änderung der Bezirksgrenzen im Jahr 1938 kam ein größeres Gebietsstück des benachbarten Bezirks Zehlendorf zum Bezirk Steglitz. Die Bevölkerung des Bezirks nahm hierdurch um 4744 Einwohner zu und die Bezirksfläche wuchs um 391 Hektar.Berlin in Zahlen, 1949
Im Zweiten Weltkrieg wurden neben Teilen von Steglitz insbesondere Südende und Lankwitz schwer von den Luftangriffen der Alliierten auf Berlin getroffen. Im Rahmen der Schlacht um Berlin wurde der Bezirk Steglitz in den letzten Apriltagen 1945 von Truppen der Roten Armee von Süden her eingenommen.Das Ende des Zweiten Weltkrieges im Bezirk Steglitz. In: Heimatverein Steglitz: . (PDF; 1,9 MB)
Der Bezirk Steglitz gehörte seit Juli 1945 zum Amerikanischen Sektor von Berlin und beherbergte in Lichterfelde bis Anfang der 1990er Jahre mehrere Kasernen der US-Streitkräfte.
Eines der größten Bauvorhaben der Nachkriegszeit im Bezirk war die von 1968 bis 1974 in Lichterfelde-Süd erbaute Thermometersiedlung. Zwischen 1968 und 1980 wurde in Steglitz der skandalumwitterte Steglitzer Kreisel errichtet – ein großer Gebäudekomplex mit weithin sichtbarem Bürohochhaus – in das auch die Verwaltung des Bezirks einzog. Im Jahr 1968 wurde das Klinikum Steglitz (seit 1994 Universitätsklinikum Benjamin Franklin) eröffnet.Ernst Kern: Sehen – Denken – Handeln eines Chirurgen im 20. Jahrhundert. ecomed, Landsberg am Lech 2000. ISBN 3-609-20149-5, S. 319. 1971 wurde der Bezirk fast von der bis zum Bahnhof Walther-Schreiber-Platz verlängerten Linie U9 der Berliner U-Bahn erreicht. 1974 wurde die U9 bis zum Bahnhof Rathaus Steglitz verlängert. In den 1970er Jahren erhielt der Bezirk Steglitz über die A 103 und die A 104 außerdem direkte Anschlüsse an das Berliner Autobahnnetz.
Der Bezirk war durch die Wannseebahn und die Anhalter Vorortbahn in das Netz der S-Bahn eingebunden. Beide Strecken wurden 1980 bzw. 1984 stillgelegt. Nach Komplettsanierungen wurden die Wannseebahn 1985 und die Anhalter Vorortbahn 1995 wieder in Betrieb genommen.
Zum 1. Januar 2001 wurde der Bezirk Steglitz mit dem Bezirk Zehlendorf zum neuen Bezirk Steglitz-Zehlendorf zusammengeschlossen.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1925 160.580 1933 194.795 1937 200.181 1938 209.061 1946 139.696 1950 154.589 1955 174.714 1960 184.983 Jahr EinwohnerStatistisches Jahrbuch von Berlin (jeweilige Jahre) 1965 191.246 1970 186.010 1975 179.257 1980 169.070 1985 167.559 1987 182.019 1990 190.109 2000 191.215
Politik Hoheitssymbole
Nationalsozialismus und Reichstagswahl 1933 Der Bezirk Steglitz zeigte bei der Reichstagswahl März 1933 die höchste Zustimmung für die Nationalsozialisten von allen Berliner Bezirken.
Seinerzeitige Stimmverteilung: 45,0 % NSDAP 19,3 % Kampffront Schwarz-Weiß-Rot 13,9 % SPD 10,5 % KPD 5,0 % Zentrumspartei
Wahlen zur Bezirksverordnetenversammlung Stimmenanteile der Parteien in Prozent:
+ 1921–1933 Jahr DVP DNVP SPD USPD DDP1) KPD Zen NSDAP 1921 30,8 22,3 16,1 9,5 8,0 3,5 3,3 1925 15,4 29,2 20,6 8,5 7,8 4,2 1929 18,1 25,4 17,6 6,9 9,6 4,0 10,2 1933 1,7 21,1 13,6 2,5 7,6 4,5 48,1 1) 1933: DStP
+ 1946–1999 Jahr SPD CDU FDP 2) Grüne3) 1946 44,7 32,1 16,0 1948 52,7 23,1 24,2 1950 30,6 26,6 33,9 1954 31,8 36,7 18,2 1958 40,8 48,4 4,7 1963 51,0 37,6 10,6 1967 47,3 41,9 9,3 1971 41,3 45,5 10,9 1975 35,3 49,3 9,3 1979 36,1 48,6 9,6 4,7 1981 32,4 51,4 6,3 8,5 1985 28,6 51,9 5,4 11,9 1989 32,8 40,1 5,2 13,1 1992 27,6 40,0 7,2 14,6 1995 24,3 48,2 3,0 16,6 1999 25,5 50,9 2,8 12,5 2) bis 1948: LDP 3) bis 1989: AL
Bezirksbürgermeister Zeitraum Name Partei 1921–1933 Martin Sembritzki DVP 1933–1943 Herbert Treff NSDAP Mai–Juni 1945 Paul Schwarz Juni–Juli 1945 Fritz Starke KPD 1945–1946 Arthur Jochem (kommissarisch) LDP 1946–1950 Helmut Mattis SPD 1950–1955 Werner Zehden SPD 1955–1959 Fritz David von Hansemann CDU 1959–1965 Peter Bloch CDU 1965–1971 Heinz Hoefer SPD 1971–1984 Helmut Rothacker CDU 1984–1992 Klaus Dieter Friedrich CDUNachruf: Klaus Dieter Friedrich . In: Heimatverein Steglitz: (PDF, S. 34–35; 1,2 MB) 1992–2000 Herbert Weber CDU
Bis zum Amtsantritt des ersten Bezirksbürgermeisters am 1. April 1921, dem am 2. März 1921 gewählten Martin Sembritzki, führte der langjährige Bürgermeister der vormals selbständigen Landgemeinde Steglitz, Karl Buhrow (1863–1939), sein Amt fort.
Partnerschaften des Bezirks Steglitz International Kirjat Bialik (Israel) Brøndby (Dänemark) 12. Arrondissement von Paris (Frankreich) Kazimierz Dolny, Poniatowa, Nałęczów (Polen) Sochos (Griechenland)
National Bad Godesberg (Nordrhein-Westfalen) Landkreis Lüchow-Dannenberg (Niedersachsen) Hann. Münden (Niedersachsen) Kreis Rendsburg-Eckernförde (Schleswig-Holstein) Nentershausen (Hessen) Bremerhaven
Weblinks
Einzelnachweise
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