Zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges im Pazifikraum gehören die Machtkonstellationen und die internationale Politik ab dem Beginn der japanischen Taishō-Zeit 1912 bis zum japanischen Angriff auf Pearl Harbor und der anschließenden Kriegserklärung Japans an die USA und Großbritannien am 7. bzw. 8. Dezember 1941.Für das Datum gilt es die Datumsgrenze zu beachten. Während in Pearl Harbor noch der 7. Dezember war, befand man sich in Kota Bahru bei der japanischen Invasion der Malaiischen Halbinsel schon am 8. Dezember. Dieser Zeitraum ist geprägt durch einen innenpolitischen Wandel in Japan, der zu militaristischen Plänen für eine Ausweitung des japanischen Kaiserreichs nach China und Südostasien führte. Durch die japanischen Expansionsbestrebungen kam es zunächst zur Gründung von Mandschukuo. Sie führten ab 1937 nach dem Mukden-Zwischenfall auch zum Ausbruch des Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs, dem Beginn des Pazifikkriegs. Die von den USA seit Beginn des 20. Jahrhunderts betriebene Politik der offenen Tür im Handel mit China wurde nach der japanischen Inbesitznahme der Mandschurei und der Gründung Mandschukuos formal aufgegeben. Nach dem Beginn des Kriegs mit China war die Beziehung der USA gegenüber Japan überwiegend von Misstrauen und Rivalität gekennzeichnet. Sanktionen der USA wie das Schrottembargo, Zwischenfälle wie der Panay-Vorfall, die japanischen Kriegsverbrechen wie das Nanking-Massaker und schließlich Japans Beitritt zu den Achsenmächten am 27. September 1940 (Dreimächtepakt) verstärkten auf beiden Seiten die Erwartung einer direkten militärischen Konfrontation.

Koloniale und imperiale Hintergründe mini|hochkant=1.5|Koloniale Besitzungen im asiatisch-pazifischen Raum am Vorabend des Zweiten Weltkriegs Anfang des 20. Jahrhunderts stand der Großteil Ostasiens und des Südpazifiks unter der Herrschaft europäischer und amerikanischer Kolonialmächte. Indochina gehörte zu Frankreich, die Philippinen zu den USA, Ostindien den Niederlanden, sowie das heutige Malaysia zu Großbritannien. Korea und Taiwan waren japanische Kolonien. Nach dem Ersten Weltkrieg fielen auf Grundlage des Versailler Vertrages das Pachtgebiet Kiautschou sowie die ehemals deutschen Inselgruppen der Palauinseln, Karolinen, Marshallinseln und die Nördlichen Marianen an Japan (Japanisches Südseemandat).

Europäische und amerikanische Kolonien Südostasiatische Kolonien der Niederländer, Briten und Franzosen Große Teile Südostasiens standen seit Beginn des 18. Jahrhunderts unter der kolonialen Herrschaft europäischer Staaten. Die Länder waren reich an Rohstoffen wie Erdöl, Kohle, Bauxit, Zinn, Naturkautschuk und mehr.

Das heutige Indonesien stand unter niederländischer Herrschaft, die Kolonie hieß Niederländisch-Indien. Hierzu gehörten, neben vielen kleineren Inseln, vor allem Sumatra, Java, Lombok, Sumbawa, Sumba, Flores, Westtimor, der südliche Teil Borneos, Celebes, der Westteil von Neuguinea sowie die Molukken. Als Kolonialtruppen waren auf den Inseln rund 85.000 Soldaten der KNIL stationiert. Osttimor war eine portugiesische Kolonie.

Britische Kolonien waren Britisch-Indien, Brunei, Sabah, Sarawak, die Föderierten und Unförderierten Malaiischen Staaten sowie Singapur. Britisch-Indien umfasste die heutigen Nationen Indien, Pakistan, Bangladesch und Myanmar (damals Burma).

Französisch-Indochina, auf dem Gebiet des heutigen Laos, Kambodscha und Vietnam war besonders interessant hinsichtlich seiner strategischen Lage angrenzend an China, mit dem sich Japan seit 1937 im Krieg befand.

Kolonien der Vereinigten Staaten

Nachdem sich die politische Lage innerhalb der Vereinigten Staaten nach Beendigung des Sezessionskriegs beruhigt hatte, begannen sie sich auf außenpolitischem Feld für den Erwerb eigener Kolonien zu interessieren. Erstmals nahmen sie an diesbezüglichen internationalen Konferenzen teil, wie 1880 an der Marokkokonferenz in Madrid und 1884/85 an der Kongokonferenz, die in Berlin stattfand.Manfred B. Emmes, Die Außenpolitiken der USA, Japans u. Deutschlands im wechselseitigen Einfluß von der Mitte des 19. bis Ende des 20. Jahrhunderts. Lit Verlag, Münster, 2000, ISBN 978-3-8258-4595-7, S. 11.

Seit 1898 gehörten die ehemaligen spanischen Kolonien der Philippinen und die Pazifik-Insel Guam als Kolonie den Vereinigten Staaten. Dies wurde im Pariser Frieden nach Ende des Spanisch-Amerikanischen Krieges festgelegt und mündete in der Folge in den Philippinisch-Amerikanischen Krieg, der 1902 durch die USA offiziell für beendet erklärt wurde.

Auf der Berliner Samoa-Konferenz von 1898 konnten die langjährigen Machtkämpfe zwischen dem Deutschen Reich auf der einen Seite sowie Großbritannien und den Vereinigten Staaten auf der anderen um die Samoainseln zunächst beigelegt werden. Die Inseln kamen unter das gemeinsame Protektorat aller drei Staaten.

Die Marianen wurden im Jahr 1899 zwischen dem Deutschen Reich und den USA aufgeteilt. Den südlichen Teil erhielten die USA. Im selben Jahr wurde der Streit zwischen Großbritannien, den USA und dem Deutschen Reich um Samoa endgültig beigelegt. Die USA erhielten die südlichen Inseln, die fortan unter der Bezeichnung Amerikanisch-Samoa ein Außengebiet der Vereinigten Staaten wurden. Auch Wake wurde 1899 von den USA in Besitz genommen.

Zum Schutz ihrer neuen kolonialen Gebiete bauten die USA eine Flotte auf, was im Pazifikraum 1907 zur Zusammenlegung des asiatischen und des pazifischen Geschwaders zur US-Pazifikflotte führte. Bereits 1894 hatten die USA einen Flottenstützpunkt auf Hawaii eingerichtet. Als 1897 die Inseln annektiert werden sollten, kam es von Seiten Japans zu erheblichen Protesten,THE LITERARY DIGEST, 7. August 1897, Internationale Pressestimmen zum japanischen Protest da die dortige Bevölkerung zu etwa 40 % aus eingewanderten Japanern bestand. Auch die taktische Lage Hawaiis spielte dabei eine Rolle. Zur Unterstreichung der eigenen Interessen entsandte das japanische Kaiserreich sogar ein Kriegsschiff nach Hawaii.Manfred B. Emmes, Die Außenpolitiken der USA, Japans u. Deutschlands im wechselseitigen Einfluß von der Mitte des 19. bis Ende des 20. Jahrhunderts, Lit Verlag Münster, 2000, ISBN 978-3-8258-4595-7, S. 13.

Japanische Politik in der Zeit des Imperialismus mini|Japanische Kolonien von 1870 bis 1942 Von 1912 bis 1926 regierte mit dem Taishō-Tennō Yoshihito ein psychisch kranker Mann, der durch eine frühkindliche Hirnhautentzündung geistig geschwächt war. Dadurch bedingt verschob sich die Macht vom Tennō und seinen Vertrauten, den Genrō, auf das Parlament und die im Abgeordnetenhaus neu gegründeten Parteien, wie der Rikken Kokumintō, der Rikken Seiyūkai oder die Rikken Dōshikai. Diese Zeit wird als Taishō-Demokratie bezeichnet. 1916 formierte sich dann die Kenseikai aus der Rikken Dōshikai, Chuseikai und der Koyu Kurabu. Der Einfluss der Industrie auf die Politik begann zuzunehmen, wie beispielsweise die Kenseikai durch verwandtschaftliche Bindungen ihres Vorsitzenden Katō Takaaki von Mitsubishi unterstützt wurde.

Japan im Ersten Weltkrieg

Bedingt durch ein Allianzabkommen mit Großbritannien, das 1902 abgeschlossen worden war, trat Japan am 23. August 1914 mit einer Kriegserklärung an das Deutsche Reich an der Seite der Entente-Mächte in den Ersten Weltkrieg (第一次世界大戦, Daiichiji Sekai Taisen) ein. Eine wichtige Rolle fiel dabei der Kaiserlich Japanischen Marine zu. Sie kontrollierte die Seefahrtsstraßen im Südpazifik und dem Indischen Ozean. Auf politischer Ebene konnte Japan seinen Einfluss in China deutlich stärken und versuchte hinsichtlich des Kriegsendes einen höheren geopolitischen Stellenwert unter den Völkern zu erreichen.

Am 2. September 1914 landeten japanische Einheiten in der chinesischen Provinz Shandong und kesselten die deutsche Kolonie Tsingtao ein (→ Belagerung von Tsingtau). Weiterhin nahmen die Japaner ohne nennenswerten Widerstand die deutschen Besitzungen im Pazifik, die Marianen, die Karolinen und Marshallinseln ein. Die deutschen Kolonialstreitkräfte kapitulierten schließlich am 7. November 1914.Manfred B. Emmes, Die Außenpolitiken der USA, Japans u. Deutschlands im wechselseitigen Einfluß von der Mitte des 19. bis Ende des 20. Jahrhunderts, Lit Verlag Münster, 2000, ISBN 978-3-8258-4595-7, S. 112.

Neben den britischen Verbündeten ersuchten kurz nach Kriegsausbruch auch die Franzosen um japanische Unterstützung an der europäischen Front durch Entsendung von Soldaten. Frankreich, im Hinblick auf die sich schlecht entwickelnde Lage an der Ostfront, war sogar bereit, Indochina für ein Eingreifen der Japaner zu opfern.Le Monde diplomatique: Im Stechschritt in die Moderne – Japan im Ersten Weltkrieg, Nr. 9159 vom 9. April 2010 Doch ein Streit um überseeische Zollbestimmungen verhinderte eine japanische Truppenverlegung nach Frankreich.

mini|Die Akashi, das Flaggschiff von Konteradmiral Kōzō Satō

Während in Europa der Krieg tobte, überreichte Japan am 18. Januar 1915 China seine Einundzwanzig Forderungen. Die internationalen Reaktionen waren eher verhalten. Allein die USA erhoben Einwände gegen die Forderungen und versuchten vergeblich, Russland und Großbritannien zu einer gemeinsamen Intervention zu bewegen.

Die britische Admiralität ersuchte am 18. Dezember 1916 Japan um militärische Unterstützung im Mittelmeer. Japan entsandte Konteradmiral Kōzō Satō mit dem Kreuzer Akashi und acht Zerstörern, die am 13. April 1917 in Malta einliefen. Eine weitere Flotte mit einem Kreuzer, 14 Zerstörern und zwei Sloops folgte kurz darauf. Die Schiffe wurden hauptsächlich zum Geleitschutz britischer Truppentransporter und Frachtschiffe sowie zur Abwehr deutscher U-Boote eingesetzt.

Als die USA am 6. April 1917 in den Krieg eintraten, kämpften sie mit Japan auf derselben Seite, obwohl es zwischen ihnen Spannungen hinsichtlich der japanischen Einflussnahme in China und der Pazifikinseln gab. Dies führte am 2. November 1917 zum Lansing-Ishii-Abkommen zwischen beiden Staaten.

Zwischenkriegszeit Hara Takashi, Vorsitzender der Rikken Seiyūkai, wurde im September 1918 zum ersten bürgerlichen Premierminister Japans ernannt. Da das Militär im Geheimen Staatsrat und im Militärsenat eine Stimmenmehrheit hatte, konnte er kaum seinen Einfluss gegenüber diesen geltend machen. Takashi starb im November 1921 bei einem Attentat.

Das Lansing-Ishii-Abkommen zwischen Japan und den USA wurde im April 1923 aufgekündigt und durch den Neun-Mächte-Vertrag ersetzt, der schon am 6. Februar 1922 auf der Washingtoner Flottenkonferenz geschlossen worden war. Am 17. August 1923 endete die Anglo-Japanische Allianz, was sich in den Grundzügen schon seit Mitte 1920 angekündigt hatte.

mini|Ansturm auf eine japanische Bank während der Finanzkrise im März 1927