St. Kitts und Nevis (in Deutschland und der Schweiz amtlich Föderation St. Kitts und Nevis, in Österreich amtlich St. Kitts und Nevis, , bis 1983 offiziell Saint Christopher and Nevis,Federation of Saint Kitts and Nevis Constitutional Order of 1983 deutsch St. Christopher und Nevis) ist ein föderaler Inselstaat auf den Kleinen Antillen in der östlichen Karibik. Hauptstadt und größte Stadt des Staates ist Basseterre, Amtssprache ist Englisch.

Der Staat gehört mit seinen 51.320 Einwohnern (Stand: 2022) und einer Fläche von knapp 263 Quadratkilometern zu den zwölf kleinsten allgemein anerkannten Staaten der Erde. Namensgebend sind die beiden Inseln St. Kitts und Nevis. Er ist Mitglied des Commonwealth of Nations und der Vereinten Nationen.

Landesname mini|links|Wolken über dem Nevis Peak

Der erste bekannte Name von St. Kitts war , das „fruchtbare Land“, wie es die hier ursprünglich ansässigen karibischen Kalinago nannten. Christoph Kolumbus, der erste Europäer, der die Insel entdeckte, soll sie nach seinem Schutzheiligen Christophorus genannt haben, wie sie bis ins 17. Jahrhundert hieß. Die ersten englischen Kolonisten übersetzten dies zu St. Christopher’s Island. Eine im 17. Jahrhundert geläufige Abkürzung für Christopher war Kit bzw. Kitt; so wurde die Insel informell Saint Kitt’s Island genannt, später weiter verkürzt zu Saint Kitts.cia.gov

Nevis wurde von den Kalinago Oualie genannt, das „Land der schönen Wasser“. Kolumbus gab der Insel den Namen nach Martin von Tours. Der heutige Name stammt vom spanischen Namen , „Unsere Liebe Frau vom Schnee“, was sich auf ein aus dem 4. Jahrhundert in der katholischen Erzählung überliefertes Wunder bezieht: ein sommerlicher Schneefall auf dem Hügel Esquilin in Rom. Nach heutiger Interpretation wurde dieser Name durch die Sicht auf den Gipfel des heute Nevis genannten Berges inspiriert, der üblicherweise von Wolken umweht wird, was als Kontrast zum heißen Klima empfunden wurde.

Die kolonialen Verfassungen nannten den Staat sowohl Saint Kitts and Nevis (bzw. 1962–80 St. Christopher-Nevis-Anguilla) als auch Saint Christopher and Nevis. Heute wird nur noch ersteres verwendet. Häufig (auch auf der Regierungs-Website) wird die Abkürzung SKN verwendet. Ein Adjektiv für den Staatsnamen gibt es im Deutschen nicht.

Geographie Territorium St. Kitts und Nevis liegt bei 17° 20′ N, 62° 45′ W in der östlichen Karibik (früher auch Westindien genannt) und ist Teil der Inselkette der kleinen Antillen, darin der Untergruppe Inseln über dem Winde, darin der nördlichen Untergruppe der Leeward Islands. Nordwestlich schließen Sint Eustatius, Saba, Saint-Barthélemy, St. Martin, Anguilla, die Jungferninseln und Puerto Rico an, östlich und südöstlich Antigua und Barbuda, Montserrat und Guadeloupe.

St. Kitts hat eine Fläche von 168,92 km². Die Insel Nevis ist durch einen drei Kilometer breiten Kanal von St. Kitts getrennt und hat eine Fläche von 93,7 km². In der Meerenge zwischen beiden Inseln liegt das Eiland Booby Island mit einer Fläche von etwa einem Hektar. Die gemeinsame Staatsfläche beträgt 262,62 km², die gesamte Küstenlänge 135 km. Die maritime Ausschließliche Wirtschaftszone des Staates umfasst 20.400 km².researchgate.netmarineregions.org

Geologie und Geomorphologie St. Kitts und Nevis liegt mit der Inselkette der kleinen Antillen am östlichen Rand der Karibischen Platte, in der Subduktionszone, in der die Südamerikanische Platte durch die Plattentektonik unter die Karibische Platte geschoben wird. Die Subduktion führt seit Millionen von Jahren zu vulkanischer Aktivität und Erdbeben, die bis heute vorkommen (siehe Erdbeben in den Kleinen Antillen 1974). Wie die gesamte Inselkette sind auch die Inseln St. Kitts und Nevis aus Vulkanen entstanden. St. Kitts ist relativ jung, im Miozän vor weniger als 50 Millionen Jahren entstanden, Nevis noch jünger mit einem vermuteten Entstehungszeitraum vom mittleren Pliozän (vor 3,45 Millionen Jahren) bis zum Pleistozän. Wie die anderen Inseln sind sie die Gipfel von Unterwasserbergen, die durch Anhäufung von Magma entstanden.

St. Kitts besteht fast ausschließlich aus vulkanischen Gesteinen wie Andesit und Dazit. Die Insel wird von vier vulkanischen Zentren gebildet. Der höchste Berg ist der 1156 m hohe Mount Liamuiga (früher „Mount Misery“ genannt). Er ist ein ruhender Vulkan, der u. a. Basalt und Andesit aufweist und zuletzt vermutlich vor etwa 1850 Jahren ausbrach.

Auch Nevis wird von mehreren vulkanischen Zentren gebildet. Die höchste Erhebung der Insel ist der Nevis Peak mit 985 m, ein ruhender Vulkan, der zuletzt vermutlich vor etwa 100.000 Jahren ausbrach.

Klima Auf den Inseln herrscht heißes, tropisches Klima, durch Passatwinde gemildert. Die Trockenzeit dauert von Januar bis April. Im Sommer und zum Jahresende ist die Niederschlagsmenge höher und variiert je nach Höhenlage. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt etwa 1400 mm,Klimadaten und Regenzeit, abgerufen am 17. Mai 2024. Hauptregenzeit ist von Mai bis Oktober. Wirbelstürme können zwischen August und Oktober auftreten.

Flora und Fauna Die Nationalpflanze des Staates ist der Flammenbaum. Häufig vorkommende Pflanzen sind u. a. eine Variante der Palmettopalme, Hibiskus, Bougainvillea und Tamarindenbaum. In den dichten Wäldern der Inseln ist eine Kiefern-Variante häufig, dazu verschiedene Farn-Varianten.

Der Braunpelikan gehört zu den Nationalsymbolen des Staates. Insgesamt sind 198 Vogelarten beschrieben worden.

Bevölkerung Demografie mini|Platz im Zentrum Basseterres vor dem Berkeley Memorial

Auf den beiden Inseln leben 51.320 Menschen (Volkszählung 2022).

2017 waren 13,7 % der Bevölkerung Migranten. Gleichzeitig sind noch mehr Personen emigriert.

+ Bevölkerungsentwicklung St. Kitts und NevisZensusEinwohnerzahlZensusEinwohnerzahl187139.872196051.023188141.001197044.884189143.981198043.291190142.556199140.618191139.498200146.325192133.974201147.195194641.206202251.320

Ethnien Die mit einem Bevölkerungsanteil von 88,0 % mit Abstand größte Bevölkerungsgruppe stellen Schwarze dar, während der restliche Teil der Bevölkerung sich aus Weißen (3,1 %), Indischstämmigen (2,8 %), Hispanics (2,5 %), Menschen gemischt ethnischer Herkunft (2,4 %) und Chinesen (0,6 %) zusammensetzt.

Sprachen Die Amtssprache der Föderation ist Englisch. Jedoch werden oft kreolische Dialekte gesprochen.

Religionen Die Mehrheit der Bewohner sind Anglikaner (36 %) und Methodisten (32 %). Weiter gibt es noch Katholiken (12 %), Herrnhuter (9 %), Baptisten (5 %) und 40 verschiedene weitere Religionsgemeinschaften.

Bildung Es gilt eine Schulpflicht vom 5. bis zum 16. Lebensjahr.

Vor allem private Einrichtungen bieten Kleinkindbetreuung (0–3 Jahre) und Vorschulerziehung für Kinder von 3 bis 5 Jahren an. Grundschulen nehmen Kinder von 5 bis 12 Jahren auf (2 Jahre Vorschule und 4 Jahre reguläre Schulen). Sekundarschulen nehmen Kinder für 5 Jahre auf. Die Abschlüsse sind im karibischen Wirtschaftsraum standardisiert. Hochschule/Fachhochschule: Das Clarence Fitzroy Bryant College (CFBC) bietet Bachelor- und Master-Studiengänge wie Kunst, Pädagogik, Gesundheitswesen, Technik, Betriebswirtschaft und Tourismus. Weitere Spezialisierungen sind über Kooperationen mit Hochschulen im karibischen Raum möglich.

Geschichte Urgeschichte Die ersten Bewohner kamen ca. 3000 Jahre v. Chr. auf die Inseln. Diese Einwohner kannten noch keine Landwirtschaft oder Keramik und kamen wahrscheinlich aus Florida. Diese Jäger und Sammler verschwanden später wieder.

Um 400 v. Chr. kamen die Saladoiden, die bereits Landwirtschaft und Keramik kannten. Sie stammten vom Delta des Orinoco im heutigen Venezuela.

Etwa 800 n. Chr. wurden sie verdrängt durch die Igneri, die zu den Arawak gehören.Prehistory of the Caribbean Culture Area, Southeast Archaeological Center, National Park Service, abgerufen am 25. Dezember 2014.

1300 kamen die Kalinago auf die Inseln und verdrängten die Igneri in Richtung Große Antillen. St. Kitts nannten sie Liamuiga (fruchtbare Insel) und Nevis Oualie (Land des schönen Wassers). Die Einheimischen hatten Handelsbeziehungen mit Einwohnern der heutigen Virgin Islands und Puerto Ricos.

Frühe Kolonisierung Die beiden Inseln wurden 1493 auf der zweiten Reise von Christoph Kolumbus für die Europäer entdeckt, aber erst am Anfang des 17. Jahrhunderts besiedelt.

Die ersten Kolonisten waren 1623 die Briten, die unter Sir Thomas Warner (1580–1649) mit Erlaubnis der Kalinago unter Häuptling Ouboutou Tegremante die Siedlung Old Road Town an der Westküste von St. Kitts gründeten. 1625 gründeten die Franzosen unter Pierre Belain d’Esnambuc eine Siedlung auf St. Kitts. In der Folge vereinbarten beide Seiten die Aufteilung der Inseln in einen französischen und einen englischen Sektor.

Nach der anfänglichen Zustimmung der Kalinago begannen diese die fortdauernde europäische Expansion und die Übernahme der ganzen Insel zu fürchten. Nach ersten Konfrontationen habe Häuptling Tegremante 1626 ein Bündnis mit karibischen Stämmen anderer Inseln geplant, die nachts mit Kanus kommen sollten, um gemeinsam die britischen und französischen Siedlungen anzugreifen. Der Plan sei durch eine Kalinago-Frau verraten worden und die Europäer vereinten daraufhin ihre Kräfte zu einem Erstschlag, der durch den Mönch Jean-Baptiste Du Tertre als Völkermord an den Kalinago von 1626 überliefert ist. Sie luden die Kalinago zu einem Fest ein und vergifteten viele. Als die überlebenden Kalinago in ihr Dorf zurückkehrten, griffen die Europäer sie an und töteten weitere 120 im Schlaf, darunter auch Tegremante. Am folgenden Tag wurden etwa 4000 Kalinago von den Siedlern in das Gebiet Bloody Point und Bloody River gedrängt, wo die Kalinago sich ergeben wollten, aber etwa 2000 von ihnen massakriert wurden, Jean-Baptiste Du Tertre berichtet von . Auf der Seite der Kolonisten wurden etwa 100 Tote verzeichnet. Die überlebenden Kalinago flüchteten in die Berge und wurden später teils versklavt, teils 1640 zur Übersiedlung nach Dominica gezwungen.

mini|Die spanische Eroberung von St. Kitts 1629 unter Fadrique Álvarez de Toledo y Mendoza

Ab diesem Zeitpunkt führten die Europäer großräumige Rodungen durch, legten Zuckerrohrplantagen an und importierten große Zahlen an afrikanischen Sklaven, was die Bevölkerungsstruktur der Insel völlig veränderte. 1628 begannen die Briten auch auf Nevis zu siedeln.

1629 bis 1630 waren die Inseln für kurze Zeit in spanischem Besitz. Im Rahmen des Englisch-Spanischen Kriegs (1625–1630) eroberten Truppen unter Fadrique Álvarez de Toledo y Mendoza in der Schlacht von St. Kitts die Inseln und zerstörten die Siedlungen, viele Kolonisten flohen in die Berge, wandten sich auf anderen karibischen Inseln der Piraterie zu oder kehrten in ihre Heimatstaaten zurück. Bereits 1630 erlaubten die Spanier mit dem Frieden von Madrid ihre Rückkehr und 1670 mit dem Vertrag von Madrid gestanden sie den Engländern die Hoheit über St. Kitts und Nevis zu; als Gegenleistung versprachen die Engländer Unterstützung gegen die Piraterie.

Mit dem Abstieg des Spanischen Imperiums entstand ein Machtvakuum, das die Briten und Franzosen nutzten. Hierbei wurde St. Kitts die Schlüsselstellung der Engländer und Franzosen bei ihrer Expansion in die Karibik. Von hier aus besiedelten die Briten Antigua, Montserrat, Anguilla und Tortola, und die Franzosen Martinique, Guadeloupe und Saint Barthélemy. In der Folge wurden die Inseln ein ständiger Streitpunkt zwischen Frankreich und England, die darüber mehrere Kriege 1667, 1689–1690 sowie 1701–1713 führten; dadurch und unter einem Erdbeben 1690 sowie einem Hurrikan 1707 litten die Inseln. 1707 schufen die Engländer durch die Vereinigung mit Schottland das Königreich Großbritannien. Schließlich gestanden die Franzosen 1713 im Frieden von Utrecht den Briten die Hoheit über St. Kitts zu.

Britische Kolonialzeit mini|Die Festung auf dem Brimstone Hill, Schwerpunkt der erfolgreichen französischen Invasion von 1782