Die Republik Marshallinseln () ist ein Inselstaat im mittleren Ozeanien. Er umfasst die gleichnamige Inselgruppe, die zu Mikronesien gehört. Mit knapp 43.000 Einwohnern auf einer Fläche von nur 181 Quadratkilometern gehören die Marshallinseln zu den kleinsten Staaten der Erde. Die Republik mit Majuro als Hauptstadt ist mit den Vereinigten Staaten durch ein Assoziierungsabkommen verbunden. Amtssprachen sind die marshallesische und die englische Sprache. Bis zur Unabhängigkeit 1986 (Assoziierungsabkommen mit den USA) waren die Inseln ein von den USA kontrolliertes UN-Treuhandgebiet. Die über 1000 Inseln ragen im Durchschnitt nur zwei Meter über den Meeresspiegel hinaus, weshalb sie sehr anfällig für den durch den Klimawandel bedingten Meeresanstieg sind. Zum Inselstaat gehören auch das Eniwetok-Atoll und das Bikini-Atoll, die für Kernwaffentests genutzt wurden.
Landesname Der ursprüngliche Name der Marshallinseln lautet jolet jen Anij, ‚Geschenke von Gott‘. Ihren europäischen Namen tragen sie nach Kapitän John Marshall, der sie 1788 als erster Engländer besuchte. Die Benennung erfolgte einige Jahre später durch den russischen Offizier Adam Johann von Krusenstern.
Geografie Territorium Die Marshallinseln liegen zwischen 4° und 15° nördlicher Breite sowie 160° und 173° östlicher Länge im westlichen Pazifik, etwa auf halbem Weg zwischen Hawaii und Australien. Sie gehören zum Inselgebiet Mikronesien. Benachbarte Staaten sind Nauru und Kiribati im Süden sowie die Föderierten Staaten von Mikronesien im Westen. Nördlich liegt das Wake-Atoll, ein umstrittenes Außengebiet der USA, auf das die Republik der Marshallinseln Anspruch erhebt.
Die Marshallinseln bestehen aus zwei fast parallel verlaufenden Inselketten bzw. Atollketten: der Ratak-Kette (Sonnenaufgangsinseln) mit 14 Atollen und zwei Inseln im Osten sowie der Ralik-Kette (Sonnenuntergangsinseln) mit 15 Atollen und drei Inseln im Westen. Zusammen sind dies 29 Atolle, rund 1225 größere und kleinere Inseln sowie 870 Riffe mit einer Landfläche von insgesamt 181,48 km². Die ausschließliche Wirtschaftszone des Landes umfasst eine Seefläche von 1.990.530 km².
In der Ralik-Kette liegt das größte Atoll, Kwajalein, mit einer Landfläche von 16,39 km², die eine Lagune von 2174 km² Größe umschließt. Damit ist es das weltgrößte Korallenatoll mit der größten umschlossenen Lagune. Das Atoll umfasst insgesamt 97 Inseln. Von ihnen ist die gleichnamige Insel Kwajalein die südlichste und mit einer Fläche von 3,1 km² die größte. Ihr benachbart liegt Ebeye, die mit 9614 Einwohnern auf 31 Hektar am dichtesten besiedelte Insel der Marshallinseln (Stand 2011).
Die Eckpunkte der Marshall-Inseln sind:
Nördlichster Punkt: Bokak-Atoll (Taongi), Ratak-Kette Östlichster Punkt: Knox-Atoll, Ratak-Kette Südlichster Punkt: Ebon-Atoll, Ralik-Kette Westlichster Punkt: Ujelang-Atoll, Ralik-Kette
Geologie und Geomorphologie Die Entstehung der Marshallinseln folgte dem üblichen Muster der westpazifischen Kleininseln: Ausbruch untermeerischer Vulkane (hier vor 70–80 Millionen Jahre im Mesozoikum), Wachstum von Tiefseebergen, Abklingen der vulkanischen Aktivität und Wachstum von Korallen in den flachen Küstenwassern der inaktiven Vulkane, während diese vulkanischen Kerne erodierten, der Meeresspiegel anstieg und damit auch die Korallen, die allmählich Riffe ausbildeten.
Aufgrund der langfristigen Entwicklung der Koralle besteht die Oberfläche der Atolle im Wesentlichen aus von Korallen stammendem kalkigen Sand oder Kieseln, häufig in tieferen Schichten zu Kalkgestein verfestigt; gelegentlich ragt ein Kalkfels hervor.
Die 29 Atolle bestehen aus durch Korallen geschaffenen Inselringen bzw. durchgehenden Landgürteln um eine Lagune herum (die dort entstand, wo die Vulkanspitze erodierte), manchmal durchbrochen von größeren Lücken, die die Atolle mit dem Ozean verbinden. Es gibt fünf Inseln (ohne Binnenlagune).
Die Landfläche ragt im Mittel zwei Meter und selten mehr als drei Meter über den Meeresspiegel hinaus. Die höchsten Erhebungen liegen auf dem Likiep-Atoll mit zehn Metern und auf der Insel Airik im Maloelap-Atoll mit 14 Metern über dem Meeresspiegel.
Die Böden der Marshallinseln gehören zu den nährstoffärmsten der Welt. Zu ihnen gehören Sand, Kies, lehmiger Sand, saurer Torfboden, Sumpf oder hydromorphe organische Böden, „taro mucks“ und künstliche Böden.
Die hydrogeographische Analyse zeigt, dass die Marshallinseln keine bedeutenden Oberflächen-Wasserquellen haben, da die durchlässigen kalkigen Böden den Niederschlag schnell versickern lassen. Auf manchen Inseln gibt es kleine linsenförmige Grundwasserreservoirs, die völlig vom Regenfall abhängig sind, oberhalb von dichteren Salzwasserschichten liegen und unterirdisch ins Meer entwässern. Sie können für menschliche Nutzung angebohrt werden.
Klima mini|hochkant=0.7|Durchschnittliche monatliche Temperatur (rot) und Niederschlag (blau) in Majuro
Das Klima ist feucht und warm bis heiß mit einer Regenzeit von Mai bis November, wobei die beständigen Winde Erleichterung verschaffen. Viele pazifische Taifune beginnen als Tropenstürme im Gebiet der Marshallinseln und werden auf dem Weg nach Westen in Richtung Marianen und Philippinen stärker.
Der Niederschlag ist räumlich sehr ungleich verteilt: die südlichen Atolle erhalten jährlich 2500 mm, die nördlichen nur bis zu 1250 mm.
Der Niederschlag ist trotz des Vorhandenseins von Regenzeiten und Trockenzeiten aufgrund der Innertropischen Konvergenzzone über das ganze Jahr gewährleistet, wobei Monsune verstärkten Niederschlag mit sich bringen. Jedoch schwankt der Niederschlag aufgrund des ENSO-Phänomens von Jahr zu Jahr. Bei diesem natürlichen Wetterphänomen des Pazifischen Ozeans wechseln sich zwei extreme Phasen ab: El Niño und La Niña, dazwischen eine neutrale Phase. El Niño bringt wärmere Regenzeiten und wärmere, trockenere Trockenzeiten mit sich.
Extreme Wetterereignisse der Marshallinseln sind vor allem Taifune, Dürren und Sturmwellen. In El-Niño-Jahren ist die Wasseroberfläche wärmer und sind deshalb Taifune stärker. Dürren treten normalerweise vier bis sechs Monate nach einem El-Niño-Jahr auf, Trockenzeiten können dann früher beginnen und später enden; der jährliche Niederschlag kann dabei um bis zu 80 % reduziert werden.
mini|Folgen der globalen Erwärmung: Anstieg des Meeresspiegels auf den Marshallinseln (Luftaufnahme aus dem Dokumentarfilm One Word von 2020) Die Marshallinseln gehören neben anderen Inselstaaten wie Fidschi, Tuvalu, Kiribati und den Malediven zu den Regionen der Welt, die mit der Zunahme von Extremwetterereignissen und dem weltweiten Anstieg der Meeresspiegel zum Teil bereits mehr oder weniger stark vom globalen Klimawandel betroffen sind.Wolfgang Roth: Südsee-Inseln gehen zuerst unter. In: Süddeutsche.de, 17. Mai 2010. Abgerufen am 30. Dezember 2013. Ein Hauptproblem ist die aufgrund mangelhafter Infrastruktur, durch Salzwasserintrusion und versalzende Brunnen zusätzlich kriselnde Trinkwasserversorgung.
Als Folge des Klimawandels wurden im Zeitraum von 1950 bis 2010 eine Erhöhung der Temperatur, eine Abnahme der jährlichen Niederschläge, ein Ansteigen des Meeresspiegels und eine Versauerung des Meereswassers beobachtet. Seit 1993 stieg der Meeresspiegel um jährlich sieben Millimeter, das Doppelte des globalen Durchschnitts. Die langfristigen Prognosen globaler Klimamodelle (für den Zeitraum bis zum Ende des 21. Jahrhunderts) sagen (wenn auch nicht einheitlich) für die Marshallinseln eine allgemeine Temperatursteigerung und eine Zunahme besonders heißer Tage voraus, ebenso eine tendenzielle Abnahme der Dürrezeiten, eine Zunahme besonders regenintensiver Tage und eine Abnahme der Häufigkeit von Taifunen.
Flora Über 700 Pflanzenarten wurden auf den Marshallinseln beschrieben, etwa die Hälfte davon sind einheimisch. Von diesen einheimischen Pflanzen wachsen etwa 80 auf dem Land, der Rest sind Algen und Seegräser. Die meisten der einheimischen Pflanzen kommen im gesamten tropischen Pazifikraum vor. Über die Hälfte der einheimischen Pflanzen tragen marshallesische Namen, nur ein kleiner Prozentsatz hat einen englischen Namen.
Es werden folgende Zonen der Vegetation (Pflanzengesellschaften) der Marshallinseln unterschieden: Wūjooj-in-lojet: Aquatische Salzwasser-Vegetation, Seegras-Gesellschaften Mar-in-ioon-kappe: Küstenvegetation auf sandigen und felsigen Küsten Pat: Mangroven- oder Feuchtgebiets-Vegetation entlang der Küstenlinien oder in Inland-Niederungen mit salzigem oder brackigem Wasser Buļōn-mar: Wald im Atoll oder Inselinneren, Gruppen einheimischer Bäume, Büsche und Kräuter in wilden oder aufgegebenen Gebieten Kein-ikkan: Kulturpflanzen-Vegetation, einschl. Agroforst mit Kulturbäumen und anderen vergesellschafteten Kulturpflanzen; sowie natürlichen oder ausgehobenen Niederungen, in denen bestimmte Wurzelgemüse und damit vergesellschaftete Gräser wachsen
Fauna Über 5000 Tierarten aus 19 verschiedenen Stämmen wurden auf den Marshallinseln beschrieben.
Ein bedeutsamer Stamm sind die Arthropoden (Gliederfüßer) mit 600 Spezies, davon sind die meisten Landtiere. In den terrestrischen Ökosystemen spielen Insekten, Landkrabben, Spinnen, Tausendfüßer und Skorpione eine wichtige Rolle. Im Meer kommt mit den Meerwasserläufern die weltweit einzige ausschließlich maritime Insekten-Familie vor.
Die 19 Eidechsenarten sind fast alle einheimisch, mit Ausnahme des weit verbreiteten Pazifikwarans („tokake“, Varanus indicus), der auch schon im Meer beobachtet wurde.
Alle neun Land-Säugetierarten wurden importiert. Verbreitet ist die Pazifische Ratte (Rattus exulans).
Vögel sind mit 106 Spezies die zweitgrößte Gruppe von Landtieren, davon sind 19 einheimisch, sechs importiert und 78 wandernde Vögel, die hier nur kurz Rast machen.
Das Meeresleben zeigt eine große Vielfalt.
Küstennah finden sich über 800 Fischarten. In den tiefer gelegenen Gebieten dürften mindestens 120 Fischarten leben; dieses Gebiet ist jedoch schwer zu erforschen. Im offenen Ozean sind bislang 67 Fischarten beschrieben worden.
mini|Ostpazifischer Delfin In den Korallenriffen leben über 250 Korallenspezies und etwa 100 Spezies des Stamms der Nesseltiere.
Der größte Stamm der Marshallinseln sind die Mollusken mit über 1650 Spezies aus allen fünf großen Klassen.
Weitere Tierstämme sind die Igelwürmer (Echiura) und Bärtierchen (Tardigrada). Der Unterstamm Kiemenlochtiere hat weltweit nur 85 Spezies, davon leben mindestens zwei in den Marshallinseln. Eine davon, „jaibo“ (Pfeilwurm), ist in vielen Atollen ein beliebtes Nahrungsmittel.
Zu den beschriebenen Meeressäugetieren gehören Buckelwal, Japanischer Schnabelwal, Blainville-Schnabelwal, Blauwal, Seiwal, Finnwal, Pottwal, Ostpazifischer Delfin, Borneodelfin, Langschnäuziger Gemeiner Delfin und Zwerggrindwal.
Umweltbelastung durch Atombombentests