mini|Blick über Kassel-Harleshausen zum Hohen Habichtswald mit Herkules, von Nordosten (2003) mini|Wohnhaus an der scharfen Kurve der Wolfhager Straße (B 251) mit Ossenkobb, der unter dem Balkon hängt Harleshausen ist der nordwestlichste Stadtteil der nordhessischen Großstadt Kassel (Deutschland).
Geographie Lage in Kassel Harleshausen grenzt im Nordosten an den Kasseler Stadtteil Jungfernkopf, zu dem der Geilebach teils die natürliche Grenze bildet. Im Osten schließt sich – jenseits des Kasseler DB-Ausbesserungswerks mit angegliedertem DB-Rangierbahnhof – Kassel-Rothenditmold an. Im Südosten und Süden grenzen an Harleshausen die Stadtteile Kirchditmold sowie im Süden und Südwesten – innerhalb des im Volksmund (nur) Habichtswald genannten Hohen Habichtswaldes – Bad Wilhelmshöhe.
Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn beginnend im Westen stoßen an Harleshausen: Im äußeren Westen grenzt der Stadtteil oberhalb vom Oberlauf der Ahne und der an diesem Bach stehenden und zu Ahnatal-Weimar gehörenden Gaststätte Ahnetal an die Gemeinde Habichtswald. Diese Grenze befindet sich westlich der im Habichtswald liegenden Erhebung Triffelsbühl; sie leitet in die Gemarkung des Habichtswalder Ortsteils Dörnberg über. Das dort an der Bundesstraße 251 gelegene ehemalige Schotterwerk, die Stätte der ehemaligen Igelsburg und der oberhalb davon befindliche Tagebaurestsee Silbersee gehören bereits zur Gemeinde Habichtswald. An der Nordgrenze vom Nordostauslauf des Habichtswaldes, etwa zwischen den Erhebungen Triffelsbühl, Firnskuppe und Lambert, stößt der Nordwesten und Norden des Stadtteils an das Gemeindegebiet von Ahnatal mit den Gemarkungen ihrer beiden Ortsteile Weimar und Heckershausen. Im Norden grenzt Harleshausen auf dem Osthang des Lambert unter anderem entlang dem Waidmannsweg auf wenigen hundert Metern Länge an das Gebiet der Kleinstadt Vellmar mit der Gemarkung des Ortsteils Obervellmar, wo die Harleshäuser Bebauung bei den am Vellmarer Osterberg () stehenden Wasserbehältern in Vellmarer Ackerflächen übergeht.
Ortsbild Der größte Teil des Harleshäuser Gebiets wird von weitläufigen und dicht bewaldeten Flächen des Habichtswaldes eingenommen; somit hat Harleshausen einen kleinen Anteil am Naturpark Habichtswald. Der eigentliche (östliche) Teil des Kasseler Stadtteils ist zumeist dicht bebaut, jedoch gibt es auch zwischen Wohngebietsteilen zahlreiche Wiesen- und Ackerflächen (z. B. das Feldlager).
Berge, Erhebungen und Höhenlage Innerhalb des Habichtswaldes liegen diese zu Harleshausen gehörenden Berge – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN): Elfbuchen (; ca. 535 m), an Grenze zu Kassel-Bad Wilhelmshöhe, mit von Bäumen überragtem Elfbuchenturm (AT; Plattformhöhe: 551,3 m) Hühnerberg (; 496,0 m), nördlich vom Elfbuchen Wurmberg (; ca. 485 m), östlich vom Elfbuchen bzw. Wurmbergsattel (474,0 m) Triffelsbühl (; ca. 400 m), im äußersten Westen des zu Harleshausen gehörenden Gebiets (bei der B 251) Firnskuppe (; 313,9 m), Basaltkuppe zwischen Rasenallee und Harleshäuser Schwimmbad (Freibad) Lambert (; ca. ), ostsüdöstlich der Firnskuppe, beim Ahnataler Hof Mondschirm Kanzelküppel (; ca. ), südlich der Firnskuppe Fuchsküppel (; ca. ), zwischen Kanzelküppel und Schwimmbad Daspel (; 255 bis ), Südostausläufer des Fuchsküppel beim Schwimmbad; mit Daspel-Stube (Vereinshaus; Fußballplatz), Daspelhütte (Schutzhütte) und Feuerstelle (alljährlich veranstaltete Osterfeuer)
Die niedrigste Stelle von Harleshausen liegt mit etwa Höhe auf der Wolfhager Straße unter den Drei Brücken; direkt östlich der Brücken befindet sich – bereits in Rothenditmold – der Abzweig der Angersbachstraße auf Höhe. An der Stelle, wo der auf der Grenze zum benachbarten Stadtteil Jungfernkopf fließende Geilebach in einem Tunnel unter dem Frasenweg und dem Kasseler DB-Ausbesserungswerk verschwindet, liegt das Stadtteilgebiet auf etwa Höhe; jenseits des DB-Werks verlässt der Bach, nun Döllbach genannt, den Tunnel in Rothenditmold auf rund Höhe.
Gewässer Harleshausen wird insbesondere vom Geilebach (Geile) durchflossen. Im äußersten, bewaldeten Westen des Stadtteils fließt die Ahne südlich der Gaststätte Ahnetal im Bereich des Habichtswaldes. In diesem Waldteil liegen zwei Stillgewässer: der Blaue See und das Erlenloch; am Blauen See, der das Quellgebiet des Geilebachs bildet, befindet sich die von dem documenta-Künstler Harry Kramer inszenierte Kasseler Künstler-Nekropole.
Politik Ortsbeiratswahl
Wahlen im Stadtteil Jahr WahlWbt. CDU SPD Grüne AfD Linke BSW FDP FW Sonst.2026Ortsbeirat62,029,922,527,6—10,5—7,5—Volt: 2,0Stadtverordnetenversammlung62,026,719,224,48,49,02,94,50,74,22025Bundestagswahl86,626,121,718,511,010,14,94,70,72,32024Europawahl69,526,419,420,48,13,74,85,91,010,32023Landtagswahl70,132,018,121,910,85,2—5,32,24,52021 Bundestagswahl80,9 20,7 29,5 22,0 4,9 5,3— 12,1 0,8 5,0 Ortsbeirat55,1 24,2 26,1 29,3 — 7,9— 8,7 3,6 — Stadtverordnetenversammlung55,1 24,8 24,3 27,1 4,5 8,0— 7,5 1,9 1,912016 Ortsbeirat54,9 25,5 33,9 21,8 — —— 9,2 9,6 — Stadtverordnetenversammlung54,9 25,3 28,9 15,9 9,2 7,4— 8,0 4,3 1,122011 Ortsbeirat53,5 31,1 34,7 26,4 — —— 5,5 — — Stadtverordnetenversammlung53,6 29,3 33,3 24,1 — 4,2— 4,2 1,8 2,232006 Ortsbeirat46,6 36,6 36,1 20,0 — —— 7,3 — —2001 Ortsbeiratk. A. 38,4 29,9 23,4 — —— 7,4 — —
Fußnoten
1 2021: zusätzlich: Bienen: 1,3 %; PARTEI: 0,6 % 2 2016: zusätzlich: Piraten: 1,1 % 3 2011: zusätzlich: Piraten: 2,2 %; AUF-Kassel: 0,9 %
Schutzgebiete In den zum Habichtswald gehörenden Teilen des Harleshäuser Gebiets im Westen bis Nordwesten liegen Teile des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets Habichtswald und Seilerberg bei Ehlen (FFH-Nr. 4622-302; 29,19 km² groß) und innerhalb des eigentlichen Stadtteils, unter anderem am Geilebach und seinem Kleinzufluss Kubergraben, solche des Landschaftsschutzgebiets Stadt Kassel (CDDA-Nr. 378517; 1995; 1983,86 km²).
Geschichte Frühgeschichte Die Geschichte Harleshausens beginnt mit einer neolithischen Siedlung In der Aue (Bandkeramiker). Funde und Hügelgräber aus der Bronzezeit (ca. 1500 v. Chr.) belegen, dass das Gebiet des heutigen Harleshausen bereits früh von Menschen besiedelt wurde. Derartige Hügelgräber gibt es unter anderem am zwischen der Firnskuppe und dem Harleshäuser Schwimmbad gelegenen Fuchsküppel.
Mittelalter Urkundlich wurde Harleshausen 1074 erstmals erwähnt. Ein Mann namens Ruothnc schenkte dem Kloster Hasungen eine Manse (7,5 ha). 1125 wurden die Ministerialen (Adlige) des Klosters Hersfeld auf der Kirchhofsburg erwähnt. Die Adligen, die 1399 den Rest ihres Besitzes verkauften, hatten auf dem burghofartigen Gelände auf dem Kirchhof eine Eigenkirche mit einem vom Gutsherrn angestellten Priester. Später wurde Harleshausen dem Kirchspiel Weißenstein mit Sitz in Kirchditmold zugeordnet, blieb aber politisch im nördlich gelegenen Amte Uff'r Ahna. In dem Amte bildete Harleshausen einen Schöppenstuhl zusammen mit Wolfsanger.
mini|hochkant|Hochbunker der Bauart Winkel
Neuzeit Ab 1600 1556 wird berichtet, in Harleshausen seien „viele Güter innen, gäben aber nichts davon“, das heißt, sie gäben der Kirche nichts ab. Ende Juli 1604 schlachteten die Harleshäuser einen herrschaftlichen Auerochsen des Landgrafen Moritz des Gelehrten von Hessen-Kassel. Die Gemeinde Harleshausen bezahlte 235 Jahre lang Strafe, bis 1839. Aus dieser Zeit rührt die Bezeichnung der Harleshäuser: Ossenköbbe (Ochsenköpfe) oder Harleshüser Ossen (Harleshäuser Ochsen). Dieses geschichtliche Ereignis inspirierte zum Ossengedicht: „Ein Urochs ging spatzmausen von Wilhelmshöh' nach Harleshausen. Und als er kam ins Lückenrod, da schlugen ihn die Harleshäuser tot.…“ Ergänzend zu diesem Gedichtauszug ist an einem steinernen Durchgang eines Waldwegs nahe der Firnskuppe „deshalb ein jedes Kind die Harleshäuser 'Ossen' nennt“. zu lesen.
1747, bei Erstellung des Lager-, Stück- und Steuerbuchs wurden in Harleshausen 304 Einwohner gezählt. Im Dreißigjährigen (1618–1648) und im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) erlitt das Dorf schwere Zerstörungen. Im Siebenjährigen Krieg wurde unter anderem der Turm der ehemaligen Kirche auf dem Kirchhof zerstört. Ab dem 18. Jahrhundert wurde Harleshausen nach Kirchditmold eingepfarrt.
19. Jahrhundert Im 19. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung erheblich an. 1880 kam Bürgermeister Martin Homburg ins Amt (bis 1904), der die Verkoppelung (1882–1902) durchführte. Ihm folgte Bürgermeister Wilhelm Führer (1904–1928), unter dessen Leitung Harleshausen eine eigene evangelische Kirche bekam. Daneben wurde mit dem Bau der neuen Schule ein neues Zentrum geschaffen. Das Ortsbild von Harleshausen wurde in dieser Zeit entscheidend geprägt.
Schon 1848 verlief die Bahnstrecke Kassel–Warburg durch das heutige Gebiet von Harleshausen. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde ein Bahnhofsgebäude errichtet, so dass der Ort einen eigenen Haltepunkt bekam; die heutigen Bahnsteiggestaltungen stammen im Kern von 1970.
20. Jahrhundert Am 15. März 1908 wurde die im neugotischen Stil erbaute Erlöserkirche (evangelisch) mit einem 49,5 m hohen Turm fertiggestellt; 1958 wurde sie durch ein unmittelbar angebautes Gemeindehaus ergänzt.
Um 1930 hatte Harleshausen mehr als 4000 Einwohner.
1936 wurde Harleshausen als Stadtteil nach Kassel eingemeindet und verlor dabei etwa 70 ha Fläche an Ober- und Niedervellmar.
1957 wurde die katholische Kirche Herz Mariae eingeweiht.
Von 1979 bis 1980 wird die Sporthalle Harleshausen an der Wolfhager Straße (B 251) errichtet.
Harleshausen wurde 1980 innerhalb der Stadt Kassel neu zugeschnitten, so dass das Gebiet Jungfernkopf als eigener Stadtteil abgetrennt wurde, Harleshausen aber immer noch einer der großen Kasseler Stadtteile ist.
2014 wurde der im Ortskern liegende Ossenplatz eingeweiht.
mini|hochkant|Erlöserkirche mini|hochkant|Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert an der Ahnatalstraße mini|Elena-Klinik (Villa/Hauptgebäude) mini|hochkant|Uhrtürmchen: Kreuzung Wolfhager mit Harleshäuser und Helmarshäuser Straße
Bauwerke, Uhrtürmchen, Ossenbrunnen Kirchen Kirchenbauwerke in Harleshausen sind die nahe dem Ortskern an der Karlshafener Straße stehende Erlöserkirche (ev.; 1908), die an der Kreuzung von Ahnatalstraße und Harleshäuser Straße befindliche Kirche Herz Mariae (kath.; 1957; siehe jeweils auch Abschnitt Ab 1800) und die an der Wolfhager Straße nahe dem Haroldplatz stehende Neuapostolische Kirche. Direkt südlich der Straße Blumenäckerweg, die Teil der Grenze von Harleshausen zu Kirchditmold ist, steht im zuletzt genannten Stadtteil die 1963 bis 1965 erbaute Paul-Gerhardt-Kirche (ev.), deren Gemeindegebiet sich jedoch auch auf Harleshäuser Gebiet erstreckt.
Fachwerkhäuser Vielerorts im Ortskern stehen Fachwerkhäuser. 1901 wurde das rechts abgebildete Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert in der Kasseler Altstadt sorgfältig abgetragen und in Harleshausen auf einem massiven Erdgeschoss an der Ahnatalstraße wieder aufgebaut. Aufgrund dessen ist es das einzige Fachwerkhaus der Altstadt, das den Luftangriff auf Kassel am 22. Oktober 1943 im Zweiten Weltkrieg überstanden hat. Das westlich benachbarte Haus wurde vermutlich in den 1970er Jahren errichtet.
Elena-Klinik Am Straßenzug von Klinikstraße, einer südlichen Seitenstraße der Ahnatalstraße, und Im Lückenrod befindet sich an der Ecke zur Straße An den Rehwiesen seit 1937 die zu den Paracelsus-Kliniken gehörende Elena-Klinik. Ihr Hauptgebäude wurde 1910/1911 nach Plänen von Hermann Muthesius im englischen Landhausstil mit parkähnlicher Gartenanlage errichtet; ursprünglich war es kein Klinikgebäude, sondern die Villa Strombeck des Freiherrn Ernst von Strombeck. Die Klinik beherbergt ein Neurologisches Akutkrankenhaus – Zentrum für Parkinson-Syndrome und Bewegungsstörungen.
Uhrtürmchen