Bernd Gnann (* 1973 in Aulendorf) ist ein deutscher Schauspieler, Kabarettist und Theaterintendant.
Leben Gnann wuchs in Reichenbach bei Bad Schussenried mit sieben Geschwistern in einer Landwirtsfamilie auf.Badische Woche, 23./24. April 2021, S. 5. Nach der Grundschule besuchte er das Gymnasium St. Johann in Blönried.Das Kammertheater auf neuen Wegen in: raumK, Nr. 81/09 (Interview mit Bernd Gnann) Dort machte er 1987 auch seine ersten schauspielerischen Erfahrungen im Schultheater. Er spielte mehrere Hauptrollen und erhielt außerdem ein Engagement bei dem Kabarettensemble D’Gallerie. Gnanns Deutschlehrer Thomas Beck, der auch volkstümliche Stücke und Kabarettprogramme verfasste, förderte Gnann und ermutigte ihn, eine Karriere als Schauspieler anzustreben.
Gnann absolvierte von 1992 bis 1995 eine Schauspielausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in Stuttgart. Erste Theaterengagements hatte er bei den Burghofspielen Eltville, wo er 1995 den Benvolio in Romeo und Julia spielte. In der Spielzeit 1995/96 gastierte er als Filch in Die Dreigroschenoper am Schauspielhaus Essen. Vita (Offizielle Webseite des Schauspiels Stuttgart)
Von 1995 bis zum Ende der Spielzeit 2005/06 war er festes Ensemblemitglied am Schauspiel Stuttgart. Er spielte dort ein breites Repertoire, das Stücke der Antike, von William Shakespeare, die deutschsprachigen Autoren der Klassik, insbesondere aber auch Stücke der Moderne und des zeitgenössischen Theaters umfasste. Gnann wirkte auch in mehreren Uraufführungen und deutschsprachigen Erstaufführungen mit. Er arbeitete am Schauspiel Stuttgart u. a. unter der Regie von Hans-Ulrich Becker, Wilfried Minks, Martin Kušej, Crescentia Dünßer, Stephan Kimmig, Elias Perrig, Hasko Weber und Christian Weise.
2004 gastierte er am Residenztheater München. 2006 spielte er am Schauspiel Stuttgart an der Seite von Corinna Harfouch in der Uraufführung des Theaterstücks Herr Ritter von der traurigen Gestalt von Soeren Voima (nach Motiven von Cervantes).Herr Ritter von der traurigen Gestalt. Produktionsdetails, Szenenfotos und Kritiken. Abgerufen am 9. Juni 2025.
Ab Mitte der 1990er Jahre war Gnann auch im Film und im Fernsehen zu sehen. 1994 drehte er, unter der Regie von Erwin Michelberger, seinen ersten Kinofilm Traumstreuner; er spielte darin die Hauptrolle des Enkels Cheko, der seinen 70-jährigen Großvater Felix auf eine Reise begleitet, auf der der alte Mann die Geschichte seiner Flucht vor Krieg und Diktatur in die Schweiz erzählt.
In der Filmbiografie Schiller (2005) verkörperte er die Rolle des Theaterregisseurs Rennschüb. In der Fernsehdokumentation Die Deutschen stellte er in Spielszenen die historische Figur des Herzogs Heinrich der Löwe dar. In der SWR-Fernsehserie Alpha 0.7 – Der Feind in dir war er 2010 in der Rolle des Rechtsanwalts und Familienvaters Tim Berger zu sehen.
Mehrfach hatte er Hauptrollen in der Krimiserie Tatort. Im Tatort: In eigener Sache (2008) war er an der Seite von Richy Müller und Felix Klare als verdeckter Ermittler und Fahnder Jürgen Wolf zu sehen.Wenn der Polizist zum Henker wird in: Stern vom 18. August 2008„Tatort: In eigener Sache“. Handlung. Maran Film. Abgerufen am 30. Juli 2015 Im Tatort: Vermisst (2009) von Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) verkörperte er einen zwielichtigen Privatdetektiv. 2010 drehte er den Tatort: Im Abseits, in dem er die Rolle des Präsidenten eines Fußballclubs übernahm, der Druck auf eine talentierte türkische Nachwuchsfußballerin ausübt. In einer Szene war er auch mit Theo Zwanziger zu sehen, der einen Gastauftritt absolvierte.
In der 3. Staffel der ZDF-Serie Dr. Klein (2016) übernahm er eine wiederkehrende Serienrolle als Manager des homosexuellen Profi-Fußballers Jens Vogler (Julian Schmieder). In der 20. Staffel der ZDF-Serie Die Rosenheim-Cops (2021) war er in einer Episodenrolle als tatverdächtiger Ehemann einer ermordeten Zahnärztin zu sehen.Die Rosenheim-Cops: Ein Mann fürs Leben. Handlung und Besetzung. Offizielle Internetpräsenz des ZDF. Abgerufen am 16. März 2021.
Gnann tritt neben seiner Tätigkeit als Schauspieler auch als Kabarettist mit eigenen Solo-Kabarettprogrammen auf. Er entwickelte den Soloabend Die Made, mit Texten, Liedern und Gedichten von Heinz Erhardt. 2010 hatte sein neues Soloprogramm Bernd Gnann’s Heimatabend Premiere. 2017 verteilte Gnann in Berlin Aufkleber mit dem Logo von Biberach, auf denen stand: „Wir nehmen Schwaben zurück.“ Die Aktion spielte auf das Klischee des Berliner Schwabenhasses an.
Im August 2009 übernahm Gnann die Leitung des Karlsruher Kammertheaters. in: Stuttgarter Nachrichten vom 1. August 2008 Seit über 10 Jahren ist Gnann zudem für den Hörfunk des Südwestrundfunks als Sprecher und Hörspielsprecher tätig.
Gnann ist zudem Geschäftsführer der Regionalsender Baden TVBaden TV: Impressum (englisch), abgerufen am 29. August 2018 und Baden TV Süd sowie Inhaber der Fluglinie Gnann Airlines.Badische Woche, 23./24. April 2021, S. 5.
Während der COVID-19-Pandemie in Deutschland rief er das Autokino auf dem Karlsruher Messplatz ins Leben.Badische Woche, 23./24. April 2021, S. 5. Im April 2021 beteiligte er sich zusammen mit rund 50 weiteren Schauspielern an der satirischen Initiative #allesdichtmachen.
Er wohnt mit seiner Familie in Hohenwettersbach.Badische Woche, 23./24. April 2021, S. 5.
Theaterrollen (Auswahl) 1995: Romeo und Julia. Rolle: Benvolio. Regie: Michael Jurgons, Burgfestspiele Eltville 1995/96: Ein Morgen gibt es nicht. Nach Julien Green. Rolle: Pierino. Regie: Hans-Ulrich Becker, Staatstheater Stuttgart 1996: Die Dreigroschenoper. Rolle: Filch. Regie: Antoine Uitdehaag, Schauspielhaus Essen 1996/97: Peter Pan. Rolle: Peter Pan. Regie: Henning Bock, Staatstheater Stuttgart 1997: Stella. Rolle: Karl. Regie: Marcel Keller, Staatstheater Stuttgart 1997: Die Geierwally. Rolle: Leander. Regie: Martin Kušej, Staatstheater Stuttgart 1997: Andorra. Rolle: Der Geselle. Regie: Crescentia Dünßer / Otto Kukla, Staatstheater Stuttgart 1998: Die Jagdgesellschaft. Rolle: Minister. Regie: Hans-Ulrich Becker, Staatstheater Stuttgart 1998: Die Räuber. Rolle: Roller. Regie: Wilfried Minks, Staatstheater Stuttgart 1999: Jud Süß. (UA). Von Klaus Pohl. Rolle: Franz. Regie: Stephan Kimmig, Staatstheater Stuttgart 1999: Unzucht – Die drei Prozesse des Oscar Wilde. (DEA). Von Moisés Kaufman. Rolle: Lord Alfred Douglas. Regie: Christian Pade, Staatstheater Stuttgart 1999: Lessings Traum von Nathan dem Weisen. Rolle: Al-Hafi. Regie: Elmar Goerden, Staatstheater Stuttgart 2000: Antigone. Rolle: Haimon. Regie: Elias Perrig, Staatstheater Stuttgart 2000: Der Sturm. Rolle: Trinculo. Regie: Krzysztof Warlikowski, Staatstheater Stuttgart 2000: Das Kalkwerk. Von Thomas Bernhard. Rolle: Konrad, Versicherungsvertreter. Regie: Sandra Struntz, Staatstheater Stuttgart 2001: Fahrenheit 451. Rolle: Guy Montag. Regie: Hans-Ulrich Becker, Staatstheater Stuttgart 2002: Cyrano de Bergerac. Rolle: Christian. Regie: Elias Perrig, Staatstheater Stuttgart 2003: Der Kampf des Negers und der Hunde. Von Bernard-Marie Koltès. Rolle: Cal. Regie: Klaus Schumacher, Staatstheater Stuttgart 2003: Zug um Zug. Von Peter-Jakob Kelting. Rolle: Joel Brand. Regie: Elias Perrig, Staatstheater Stuttgart 2003: Wahrheit. Von Robert Woelfl. Rolle: Alex. Regie: Elias Perrig, Staatstheater Stuttgart 2004: Romeo und Julia. Von Peter Verhelst nach William Shakespeare. Rolle: Romeo. Regie: Elias Perrig, Staatstheater Stuttgart 2004: Helmet. Von Douglas Maxwell. Rolle: Sal. Regie: Marcus M. Grube, Staatstheater Stuttgart 2004: Täglich Brot. Von Gesine Dankwart. Rolle: Ulrich. Regie: Hans-Ulrich Becker, Residenztheater München 2004: Die Bergbahn. Von Ödön von Horváth. Rolle: Aufsichtsrat. Regie: Hasko Weber, Staatstheater Stuttgart 2005: Sanft und Grausam. Von Martin Crimp, Rolle: Jonathan. Regie: Christoph Diehm, Staatstheater Stuttgart 2005: Die Geschichte von den Pandabären. Von Matei Vișniec. Rolle: Michele. Regie: Christine Gnann, Staatstheater Stuttgart 2006: Herr Ritter der traurigen Gestalt. (UA). Von Sören Voima. Nach Motiven von Cervantes. Rollen: Herr Kiefer / Herr Hildebrandt. Regie: Christian Weise, Staatstheater Stuttgart
Filmografie (Auswahl)
Hörspiele (Auswahl) 2012: Fred Breinersdorfer / Katja Röder: Tödliche Kunst. Radio-Tatort (SWR) 2013: Martin Gülich: Septemberleuchten – Regie: Felicitas Ott (SWR)
Hörfunk-Features / -Dokumentationen 2009: Liebesstimmen – Die Geschichte der Kerstin Blasczyk – Autor: Thomas Gaevert – SWR2 Dschungel, 20 Min. 2014: Spitzelnde Freunde – Deutschland und der amerikanische Geheimdienst NSA – Autor: Thomas Gaevert – SWR2 Dschungel, 55 Min.
Weblinks
Bernd Gnann, Offizielle Webseite Bernd Gnann bei vollfilm
Einzelnachweise
Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Theaterleiter Kategorie:Kabarettist (Deutschland) Kategorie:Schwäbischer Dialekt Kategorie:Hörfunkmoderator Kategorie:Hörspielsprecher Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1973 Kategorie:Mann