Furanfettsäuren (FFA, von engl. furan fatty acids), auch F-Säuren genannt, sind eine Gruppe von Fettsäuren, die einen Furanring enthalten. An einer Position des Furanringes befindet sich ein unverzweigter Carbonsäurerest, an einer anderen Position ein Alkylrest. Die natürlichen Furanfettsäuren sind zudem am Furanring einfach oder zweifach methylsubstituiert.S. Göckler: Dissertation, Universität Karlsruhe, 2009. Sie sind in einer Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten nachweisbar.

Carboxylsubstituierte F-Säuren bezeichnet man als Urofuransäuren. Urofuranfettsäuren sind Stoffwechselprodukte der Furanfettsäuren, die sich beispielsweise im menschlichen Harn (Namensgebung) nachweisen lassen.D. M. Sand, H. Schlenk, H. Thoma, G. Spiteller: Catabolism of fish furan fatty acids to urofuran acids in the rat In: Biochim. Biophys. Acta 751, 1983, S. 455–461 PMID 6849955.

300px|zentriert|allgemeine Struktur von FuranfettsäurenDie allgemeine Struktur von FuranfettsäurenDie am häufigsten vorkommenden methylsubstituierten Furanfettsäuren m n R 2 8 CH3 4 8 H 4 8 CH3 2 10 CH3 4 10 H 4 10 CH3 4 12 H 4 12 CH3

Vorkommen Furanfettsäuren finden sich vor allem im Leberfett von Fischen, in Krebstieren und Hornkorallen. Daneben kommen sie auch in der Leber von Rindern und Ratten sowie im Humanblut vor; entweder in freier Form oder in Triglyceriden gebunden oder an Cholesterin verestert. In Fischen ist die Konzentration an Furanfettsäuren in der Leber nach Hungerperioden besonders hoch.

Furanfettsäuren können in einer Vielzahl von Organismen und Produkten, wie beispielsweise Butter oder Butterschmalz,H. Guth und W. Grosch: Furan fatty acids in butter and butter oil. In: Zeitschrift für Lebensmitteluntersuchung und -Forschung A 194, 1992, S. 360–362. doi:10.1007/BF01193220 nachgewiesen werden. Man geht mittlerweile davon aus, dass diese Verbindungsklasse ubiquitär ist.K. Hannemann u. a.: The common occurrence of furan fatty acids in plants. In: Lipids 24, 1989, S. 296–298. doi:10.1007/BF02535166 PMID 2755307.R. Pompizzi: Furanfettsäuren als Vorläufer von Aromastoffen. Dissertation, ETH Zürich, 1999.

Sämtliche Vorkommen von Furanfettsäuren in Tieren beruhen auf der Aufnahme und Akkumulation von Furanfettsäuren aus pflanzlichen Bestandteilen.C. P. Gorst-Allman u. a.: Investigations of the origin of the furan fatty acids (F-acids). In: Lipids 23, 1988, S. 1032–1036. doi:10.1007/BF02535648 PMID 3237002. Im menschlichen Blut beträgt der Gesamtgehalt an Furanfettsäuren etwa 50 ng/ml. Pro Tag scheidet ein Mensch zwischen 0,5 und 3 mg an Urofuransäuren – dem Stoffwechselprodukt der Furansäuren – aus. Tiere sind nicht in der Lage F-Säuren zu synthetisieren. Größere Mengen an Furanfettsäuren produzieren vor allem Algen, aber auch einige Pflanzen und Mikroorganismen. Diese dienen Fischen und Säugern als Nahrung und die so zugeführten Furanfettsäuren werden in Phospholipide und Cholesterinester eingebaut.G. Spiteller: Furan fatty acids: Occurrence, synthesis, and reactions. Are furan fatty acids responsible for the cardioprotective effects of a fish diet? In: Lipids 40, 2005, S. 755–771. doi:10.1007/s11745-005-1438-5 PMID 16296395 (Review).

Funktion und physiologische Wirkung mini|Die Verstoffwechselung von Furanfettsäuren zu Urofuransäuren im Menschen. Bei Ratten und Rindern wird statt der Methylgruppe am Furanring die endständige Methylgruppe der Alkylkette oxidiert. Furanfettsäuren sind reaktive Verbindungen. Durch Photooxidation,R. F. Boyer, D. Litts, J. Kostishak, R. C. Wijesundera, F. D. Gunstone: The action of lipoxygenase-1 on furan derivatives In: Chem. Phys. Lipids 25, 1979, S. 237–246 PMID 119581. AutoxidationK. Ishii u. a.: The Composition of Furan Fatty Acids in the Crayfish. In: Lipids. 23, 1988, S. 694–700. doi:10.1007/BF02535671G. Rosenblat u. a.: Inhibition of Bacterial Urease by Autoxidation of Furan C-18 Fatty Acid Methyl Ester Products. In: JAOCS 70, 1993, S. 501–505. doi:10.1007/BF02542584 oder katalysiert durch Lipoxygenase-1A. Batna und G. Spiteller: Oxidation of Furan Fatty Acids by Soybean Lipoxygenase-1 in the Presence of Linoleic Acid. In: Chem Phys Lipids. 70, 1994, S. 179–185, PMID 8033289.A. Batna und G. Spiteller: Effects of Soybean Lipoxygenase-1 on Phosphatidylcholines Containing Furan Fatty Acids. In: Lipids 29, 1994, S. 397–403, PMID 8090060. sind sie leicht oxidierbar. Unter Lichteinwirkung entsteht aus Furanfettsäuren in der Reaktion mit Singulett-Sauerstoff der Aromastoff 3-Methyl-2,4-nonandion (MND), der einen heuartigen Geruch aufweist und beispielsweise im Grünen Tee enthalten ist.W. Grosch u. a.: Lehrbuch der Lebensmittelchemie Verlag Springer, 2007, ISBN 3-540-73201-2, S. 987.

mini|Furanfettsäuren wirken als Radikalfänger. Im Beispiel werden zwei Hydroxylradikale abgefangen, wobei sich eine Dioxoen-Fettsäure bildet. Furanfettsäuren sind sehr effektive Radikalfänger. Dabei entstehen Dioxoen-Fettsäuren, die selbst sehr instabil sind und mit Thiolen, wie beispielsweise Cystein oder Glutathion, Thioether bilden.Joachim Jandke, Jochen Schmidt, Gerhard Spiteller: Ueber das Verhalten von F-Saeuren bei Oxidation mit Lipoxydase in Anwesenheit von SH-haltigen Verbindungen. In: Liebigs Annalen der Chemie 1988, 1988, S. 29–34, doi:10.1002/jlac.198819880107 Als potente Antioxidantien fangen sie speziell Hydroxyl-Radikale ab.G. Spiteller: Peroxyl radicals are essential reagents in the oxidation steps of the Maillard reaction leading to generation of advanced glycation end products. In: Ann N Y Acad Sci. 1126, 2008, S. 128–133, PMID 18448806. Man vermutet daher, dass dies in verschiedenen biologischen Systemen ihre Hauptfunktion ist.Y. Okada u. a.: Hydroxyl radical scavenging activity of naturally occurring furan fatty acids. In: Biol Pharm Bull. 19, 1996, S. 1607–1610, PMID 8996648. Sie hemmen außerdem die durch Singulett-Sauerstoff induzierte Hämolyse der Erythrozyten (Auflösung der roten Blutkörperchen).Y. Okada u. a.: Inhibitory effects of naturally occurring furan fatty acids on hemolysis of erythrocytes induced by singlet oxygen. In: Yakugaku Zasshi. 110, 1990, S. 665–672, PMID 2175788.D. C. White u. a.: Phospholipid furan fatty acids and ubiquinone-8: lipid biomarkers that may protect dehalococcoides strains from free radicals. In: Appl Environ Microbiol. 71, 2005, S. 8426–8433, PMID 16332831;

mini|Die Biosynthese von Furanfettsäuren Pflanzen und Algen bilden mittels Biosynthese aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren (PUFA, von engl. polyunsaturated fatty acids) die Furanfettsäuren. Diese dienen dabei offensichtlich dem Schutz vor freien Radikalen, die in diesen Organismen durch die Einwirkung von Sonnenlicht erzeugt werden.G. Spiteller: The important role of lipid peroxidation processes in aging and age dependent diseases. In: Mol Biotechnol. 37, 2007, S. 5–12, PMID 17914157.G. G. Habermehl u. a. Naturstoffchemie. Verlag Springer, 2008, ISBN 3-540-73732-4, S. 566

Vereinzelt wird spekuliert, dass die ursprünglich den Omega-3-Fettsäuren zugeschriebenen gesundheitsfördernden Eigenschaften möglicherweise nicht auf diese, sondern auf die ebenfalls im Fisch enthaltenen Furanfettsäuren zurückzuführen sein könnten.E. Bodderas: Das Märchen vom guten Fett. In: Die Welt vom 30. Mai 2010 Eine klinische Studie zeigt bei der Gabe von isolierten Omega-3-Fettsäuren, wie beispielsweise Eicosapentaensäure (EPA) oder Docosahexaensäure (DHA), an Patienten, die bereits einen Herzinfarkt hatten, bezüglich kardiovaskulären Effekten keinen signifikanten Unterschied gegenüber einem Placebo.D. Kromhout, E. J. Giltay, J. M. Geleijnse: n-3 fatty acids and cardiovascular events after myocardial infarction In: N. Engl. J. Med. 363, 2010, S. 2015–2026 PMID 20929341.

Die genauen pathologischen Wirkungen der Furanfettsäuren sind noch nicht im Detail geklärt und Gegenstand aktueller Forschungsprojekte. Man vermutet neben der antioxidativen Wirkung auch antitumorale (gegen bösartige Tumoren) und antithrombotische (gegen Thrombose gerichtete) Effekte. 2002 wurden xenohormonelle Eigenschaften für die beiden Furanfettsäuren 9,(12)-Oxy-10,13-dihydroxystearinsäure und 10,(13)-Oxy-9,12-dihydroxystearinsäure beobachtet. Bei In-vitro-Versuchen an MCF-7-Zellen (Brustkrebszellen mit Estrogenrezeptor) wurden mitogene Eigenschaften sowie eine Beeinflussung des Östrus festgestellt. Bei letzterem wurde der Übergang zum Metöstrus initiiert.B. Markaverich u. a.: Identification of an endocrine disrupting agent from corn with mitogenic activity. In: Biochem Biophys Res Commun. 291, 2002, S. 692–700, PMID 11855846B. Markaverich u. a.: A novel endocrine-disrupting agent in corn with mitogenic activity in human breast and prostatic cancer cells. In: Environ Health Perspect. 110, 2002, S. 169–177. PMID 11836146; In vivo wurde an weiblichen Farbratten eine Reduzierung der Paarungswilligkeit nach der Gabe von Furanfettsäuren beobachtet.T. Schettler: Corn and corn-derived products: Sources of endocrine disruptors. In: Environ Health Perspect. 111, 2003, A691. PMID 14527857. Allerdings wurde weder eine estrogene noch eine anti-estrogene Aktivität nachgewiesen. Bei Hühnern wurden keinerlei negative Effekte auf Nahrungsaufnahme, Fertilität, Ei-Gewicht, Schalenstärke der Eier und andere reproduktive Parameter nach der gezielten Gabe von Furanfettsäuren festgestellt.K. H. Wilhelms u. a.: Evaluation of Corn Furan Fatty Acid Putative Endocrine Disruptors on Reproductive Performance in Adult Female Chickens. In: Poultry Science. 85, 2006, S. 1795–1797, PMID 17012171.

Entdeckung Furanfettsäuren wurden erstmals 1966 von L. J. Morris und Kollegen als Bestandteil eines aus Samen von Exocarpos cupressiformis (eine Pflanze aus der Ordnung der Sandelholzartigen) gewonnenen Öls nachgewiesen.L. J. Morris u. a.: A Unique Furanoid Fatty Acid from Exocarpus Seed Oil. In: Tetrahedron Lett. 7, 1966, S. 4249–4253, doi:10.1016/S0040-4039(00)76045-X. Jahre später stellte man mit anderen Analysemethoden fest, dass das Öl von Exocarpos cupressiformis nicht die von Morris beschriebene Furanfettsäure 9,12-Epoxyoctadeca-9,11-diensäure enthält, sondern dass diese erst bei der Probenaufbereitung durch Oxidation von Hydroxyfettsäuren, bei der basenkatalysierten Umesterung für die von Morries und Kollegen verwendete Argentationschromatographie, entstanden ist.F. D. Gunstone u. a.: Relative Enrichment of Furan-containing Fatty Acids in the Liver of Starving Cod. In: Chem Soc Chem Commun. 16, 1976, S. 630–631. doi:10.1039/C3976000630B 1974 wurden Furanfettsäuren von Robert L. Glass und Kollegen erstmals im Hecht (Esox lucius) mittels Gaschromatographie und nachgeschalteter Massenspektroskopie (GC-MS) identifiziert.R. L. Glass, T. P. Krick, und A. E. Eckhardt: New series of fatty acids in northern pike (esox lucius). In: Lipids, 9, 1974, S. 1004–1008, doi:10.1007/BF02533826.

Weiterführende Literatur N. Hinrichsen: Synthese und Analytik von Furanfettsäuren. Dissertation, Universität Hamburg, 2009, ISBN 3-86853-028-2 V. M. Dembitsky, T. Rezanka: Furan fatty acids of some brackish invertebrates from the Caspian sea. In: Comparative Biochemistry and Physiology Part B: Biochemistry and Molecular Biology 114, 1996, S. 317–320, doi:10.1016/0305-0491(96)00063-6 M. R. Prinsep, J. W. Blunt, M. H. Munro: Isolation of the furan fatty acid, (8Z,11Z,14Z,17Z)-3,6-epoxyeicos-3,5,8,11,14,17-hexenoic acid from the New Zealand sponge Hymeniacidon hauraki In: J Nat Prod. 57, 1994, S. 1557–1559, doi:10.1021/np50113a014 PMID 7853004 H. G. Wahl: Die Bedeutung von Furanfettsäuren als Inhaltsstoffe von Fischölpräparaten. In: GIT Labor-Fachzeitschrift 4, 1988, S. 368–372. K. Ishii, H. Okajima, Y. Okada, H. Watanabe: Studies on furan fatty acids of salmon roe phospholipids In: J Biochem. 103, 1988, S. 836–839 PMID 3182753 G. Spiteller: Furanfettsäuren. In: Nachrichten aus Chemie, Technik und Laboratorium. 35, 1987, S. 1240–1243, doi:10.1002/nadc.19870351204