mini|hochkant=1.2|Die Gedenkstätte zur Erinnerung an das Internierungslager Camp des Judes / Camp de Septfonds Das Internierungslager Septfonds, im Französischen meist als Camp de Septfonds bezeichnet oder nach einem Gemarkungsteil der Stadt Septfonds (Département Tarn-et-Garonne) auch als Camp de JudesChemins de Mémoire: La Mounière – Maison des Mémoires de la ville de Septfonds, wurde unter der Regierung von Édouard Daladier als Ausweichlager für Flüchtlinge aus dem Spanischen Bürgerkrieg gegründet, um die Lager im Département Pyrénées-Orientales – unter anderem die Lager in Argelès-sur-Mer, Saint-Cyprien, Le Barcarès – zu entlasten. Nach dem Waffenstillstand von Compiègne (1940) änderte sich die Funktion des Lagers. Es diente fortan auch der Internierung von Gegnern des Vichy-Regimes und wurde nach der Befreiung Frankreichs zur Internierung von Franzosen genutzt, denen Kollaboration mit den Deutschen vorgeworfen wurde. In der Geschichte des Camp de Septfonds spiegelt sich die gesamte Bandbreite der Internierungspraxis in Frankreich in den Jahren 1939 bis 1945. Nach Sylvain Zorzin, der seine Dissertation über das Camp verfasste,Sylvain Zorzin: Le camp de Septfonds. Soixante ans d’histoire et de mémoires (1939–1999). Institut d’études politiques de Bordeaux, 2000 ist dies „kein Ort der Erinnerung. Es ist ein Ort der Erinnerungen. Zwischen 1939 und 1945 prallten der Spanische Bürgerkrieg, das Vichy-Regime, der – legale und später ‚illegale‘ – Widerstand gegen die Nazi-Besatzer, die Kollaboration, die Deportation und dieses alltägliche Leben in einem Dorf mit weniger als zweitausend Seelen auf wenigen Kilometern aufeinander.“« Le camp de Septfonds n’est pas un lieu de mémoire. Il est un lieu des mémoires. Entre 1939 et 1945, Guerre civile espagnole, régime de Vichy, résistance – légale puis ‹ illégale › – à l’occupant nazi, collaboration, déportation, et cette vie quotidienne dans un village de moins de deux mille âmes, se sont entrechoqués sur quelques kilomètres. »Sylvain Zorzin: Le camp de Septfonds

Die spanischen Bürgerkriegsflüchtlinge im Camp de Septfonds mini|Internierungslager in Südfrankreich nach dem Ende des Spanischen Bürgerkrieges, 1939 Zu Beginn des Jahres 1939 strömten Zehntausende Flüchtlinge aus dem Spanischen Bürgerkrieg über die Pyrenäen in den Süden Frankreichs. Seitens der französischen Regierung waren hierfür offenbar keine Vorkehrungen getroffen worden, wie und wo die Flüchtenden untergebracht werden könnten. So entstanden improvisierte Lager, Centres d’accueil oder auch Centres de recueil (Aufnahmezentren oder Sammelstellen), die anfangs aus nicht mehr bestanden als aus einem mit Stacheldraht umzäumten Gelände.Christian Eggers: Unerwünschte Ausländer In einer Kabinettssitzung am 18. Februar 1939 beschloss die französische Regierung Maßnahmen, um das Chaos in den Flüchtlingslagern, das sich durch den Fall von Barcelona am 26. Januar 1939 noch verschärft hatte, zu ordnen. General Ménard, Kommandeur der Militärregion Toulouse, wurde beauftragt, die Zahl der Lager im Département Pyrénées-Orientales zu verringern und in den Départements entlang der spanischen Grenze sechs große Aufnahmezentren zu schaffen.Chemins de Mémoire: Internierungslager von Septfond Durch die Lagerstandorte, die Ménard am 25. Februar 1939 verkündete, sollte zugleich eine Differenzierung der dort unterzubringenden Menschen erreicht werden: Das Camp de Gurs sollte die Basken und die Interbrigadisten aufnehmen; das Camp du Pigné in Bram sollte Alte und Kranke beherbergen; das Camp d’Agde war zur Aufnahme von Aktivisten der katalanischen Nationalbewegung vorgesehen; das Camp Le Vernet und das Camp de Rieucros sollten unruhige Elemente aufnehmen und das Camp de Septfonds schließlich Männer, die als Facharbeiter einsetzbar waren. mini|Rekonstruierte Baracke auf dem Gelände der Gedenkstätte für das Camp de Septfonds. Mit Google Street View kann die als Info-Zentrum genutzte Baracke auch von innen betrachtet werden. Innerhalb sehr kurzer Zeit wurde in dem schon erwähnten Gemarkungsteil Judes () auf einem 50 Hektar großen GeländeTourisme Tarn-et-Garonne: Le mémorial du Camp de Judes ein Lager errichtet, das schließlich aus 40 Holzbaracken (48 m × 7 m) für die Internierten, 5 Steinbaracken für das Lagerpersonal und 3 Baracken für die Krankenstation bestand.FMD: Camp d’internement : Septfonds Das Ganze war von 50 Kilometern Stacheldraht und Wachtürmen umgeben, und mehr als 1000 Soldaten waren für die Überwachung vorgesehen. Eine Luftaufnahme des Lagerkomplexes ist abgedruckt bei Peter Gaida: „Überschüssige Ausländer“, S. 87. mini|Der ehemalige Bahnhof von Borredon Ab dem 5. März 1939 trafen per Zug täglich etwa 2.000 Spanier in Septfonds ein. Über deren Transport nach hier heißt es bei der Historikerin Geneviève Dreyfus-Armand:

Ausdrücklich wegen seiner Funktion beim Transport der spanischen Exilanten wurde der Bahnhof von Borredon () 2011 als Monument Historique unter Schutz gestellt. 2012 erwarb ihn die L’association MER 82 – Mémoire de l’Espagne Républicaine 82 und richtete in ihm eine Erinnerungsstätte ein.Auf der Website der Association MER 82 kann ein Video der Einweihungsfeier angesehen werden.

Als am 5. März 1939 die ersten Spanier den etwa acht Kilometer langen Weg vom Bahnhof Borredon zum künftigen Lagergelände zurückgelegt hatten, waren von den vierzig geplanten Baracken nur vier tatsächlich gebaut und die Spanier mussten sich, so gut sie konnten, im Freien rund um die kleine Kapelle und den winzigen Friedhof von Lalande vor dem schlechten Wetter schützen sowie auf ausgeschüttetem Stroh übernachten.Geneviève Dreyfus-Armand: Artistes et intellectuels dans le camp de Septfonds Am 16. März 1939 erfolgte dann der Umzug von 16.000 Männern in das Camp de Septfonds.

Die Ankunft der Spanier in Septfonds fällt in eine Zeit, in der die französische Regierung noch keine klare Position zu deren Anwesenheit im Lande hatte. Noch bestand „das Hauptanliegen der französischen Regierung in Bezug auf die spanischen Republikaner darin, sie zur Rückkehr nach Spanien zu ermutigen“, und in der Tat kehrten im Laufe des Sommers 1939 auch 4.700 der in Septfonds internierten Spanier in ihr Heimatland zurück.Geneviève Dreyfus-Armand: Les républicains espagnols en 1939 Die Lebensbedingungen im Camp waren äußerst schlecht und führten in kürzester Zeit zu mindestens 81 Todesfällen. Die Verstorbenen wurden auf einem eigens eingerichtete Friedhof beerdigt. ()

Trotz der schwierigen Lebensbedingungen sei aber im Camp „ein gesellschaftliches, kulturelles und politisches Leben [entstanden]: Die spanischen Aktivisten der kommunistischen Partei gründen Komitees und Zellen. Andere Insassen organisieren künstlerische Veranstaltungen und die spanischen Kinder erhalten Schulunterricht.“

Seit Ende März 1939 gab es aber auch bereits Überlegungen, Spanier für Arbeiten innerhalb und außerhalb des Camps heranzuziehen. Sie wurden als Prestataires (Dienstleister) für öffentlichen Arbeiten außerhalb des Lagers verpflichtet, mussten für Landwirte oder Industrieunternehmen aus der Umgebung arbeiten. oder bildeten Teams zur Instandhaltung des Lagers.

Im Zuge der weiteren Entwicklung wurden in Septfonds sechs Compagnies de travailleurs étrangers (CTE, Kompanien ausländischer Arbeiter) gebildet und an verschiedenen Orten eingesetzt. Die 31. Kompanie sei im September 1939 für Arbeiten an der Maginot-Linie eingesetzt worden, die 32. Kompanie zum Bau von Panzerabwehrfallen im Nordosten Frankreichs. Im Frühjahr 1940 habe die Armeeführung beschlossen, in Septfonds die Metallarbeiter zu konzentrieren.Peter Gaida: „Überschüssige Ausländer“ Nach Dreyfus-Armand setzte eine Rekrutierung von Metallarbeitern und Bergleuten jedoch bereits Mitte 1939 ein, und Industrieunternehmen nahmen vermehrt Zugriff auf das Arbeitskräftereservoir im Camp de Seotfonds. Dieser Trend verstärkte sich mit der Mobilmachung und dem Kriegsausbruch, da dadurch akuter Arbeitskräftemangel in den Betrieben herrschte, der durch die Verpflichtungen der Spanier kompensiert werden sollte. Die Kriegsindustrie interessierte sich besonders für die in Septfonds zusammengefassten spanischen Facharbeiter, und in den Jahren 1939 und 1940 wurde im Lager Septfonds von der Direktion der Poudrerie nationale de Toulouse, einer der nationalen Sprengstofffabriken,Zur Geschichte der Schießpulverfbrikation in Toulouse siehe: Philippe Bellan, Michel Sicard: Les moulins à poudre de Toulouse : un patrimoine à conserver. 1. Juli 2012 (Online auf der Webseite der Féderation des Moulins de France). mehrfach um Maurer, Schlosser, Zimmerleute sowie Hilfs- und Lagerarbeiter geworben. Man versprach den Flüchtlingen gute Quartiere, einen sicheren Arbeitsplatz und ein ausreichend angenehmes Leben. Ebenso interessiert an den Spaniern zeigte sich Unternehmen aus der Flugzeugindustrie.

Im Februar und März 1940 wurde das Camp de Septfonds geräumt.Réfugiés et internés civils en France en 1939-40 Nach Dreyfus-Armand befanden sich dort im Mai 1940 nur noch etwa 250 Männer.

Auf der Webseite der L’Amicale de Mauthausen ist eine Tabelle abgedruckt, aus der hervorgeht, dass neun Spanier aus dem Camp de Septfonds im KZ Mauthausen zu Tode kamen.L’Amicale de Mauthausen: Le Camp de Judes, Septfonds (Tarn) Die Hintergründe werden dort nicht erwähnt und auch nicht die Gesamtzahl der Spanier, die von Septfonds aus nach Mauthausen deportiert wurden. Diese Deportationen waren die Folge davon, dass Franco-Spanien das Angebot Deutschlands ablehnte, die in Frankreich ansässigen Bürgerkriegsflüchtlinge, die sogenannten Rotspanier, zurückzunehmen. Darauf folgte am 25. September 1940 ein Führerbefehl, der die Einlieferung aller gefangenen Spanier in deutsche Konzentrationslager anordnete. Ihr Bestimmungsort wurde in den meisten Fällen Mauthausen, wo die Häftlinge durch die Arbeit in den Steinbrüchen systematisch vernichtet wurden. Dass sich dort die Situation der Häftlinge ab 1942 verbessert habe,Wolfgang Martin Hamdorf: Spanische Häftlinge im KZ Mauthausen. Von Hitler zu Franco. Deutschlandfunk Kultur, 13. Mai 2020. kam den neun Menschen auf der Liste nicht mehr zugute: Acht von ihnen starben noch 1941, zwei Anfang 1942.

Militärisches Ausbildungslager, Demobilisierungszentrum und Lager für Fremdarbeiter Laut der Fondation pour la Mémoire de la Déportation (FMD) folgten den spanischen Internierten der ersten Lagerphase 1.000 Freiwillige, die sich für den Dienst in der Fremdenlegion gemeldet hatten. Unter ihnen sollen sich auch 800 Flieger der polnischen Armee in Frankreich befunden haben. Die Webseite Chemins de Mémoire legt nahe, dass es mit dem Fortschreiten des Zweiten Weltkriegs zu einer Reaktivierung des Camps als Internierungslager kam und Septfonds in der Folge des Waffenstillstands von Compiègne (1940) „zum Demobilisierungszentrum für ausländische Freiwillige, die ‚Restbestände‘ der Bataillone der Leichten Afrikanischen Infanterie und der Fremdenlegion sowie für französische Soldaten, die als ‚unerwünscht‘“ galten, wurde. Dreyfus-Armand wiederum schreibt, das Lager Septfonds sei seit März 1940 ein Lager der Régiment de Marche des Volontaires Ètrangers (RMVE) geworden. Diese Marschregimenter Ausländischer Freiwilliger, deren erstes Regiment im Oktober 1939 aufgestellt worden war, bestanden aus in Frankreich lebenden Ausländern, die sich freiwillig zum Armeedienst unter dem Kommando der Fremdenlegion gemeldet hatten. Ein Drittel von ihnen waren spanische Bürgerkriegsflüchtlinge.French Foreign Legion History & Marching Regiments of Foreign Volunteers