Der Flughafen Graz befindet sich etwa 9 km südlich des Grazer Stadtzentrums. Der Flughafen dient der zivilen Luftfahrt und ist Teil der Holding Graz. Die Betreibergesellschaft nennt ihn Graz Airport.110 Jahre Graz Airport, Flughafen Graz Betriebs GmbH, Feldkirchen bei Graz, abgerufen am 1. Juli 2024. Am Flughafen befindet sich auch das Österreichische Luftfahrtmuseum.
Geschichte mini|Der Tower des Flughafens mini|Die neu errichtete Abflughalle mini|Ankunftshalle des Flughafens mini|Tower bei der Anfahrt zum Flughafen mini|Sicherheitskontrolle mini|Lounge mini|Abflughalle mini|Dachterrasse mini|Gepäckempfang mini|Flugzeugabfertigung mini|Dachrestaurant
Der Flughafen Graz wurde inmitten des Grazer Feldes auf den Gründen einer ehemaligen römischen Villa errichtet, die Zentrum einer privaten Wirtschaftseinheit in der Provinz Noricum gewesen sein dürfte.Mit dem Flugzeug in die Römerzeit – Eine Fortsetzung. Auf www.flughafen-graz.at > Presse Lounge, vermutlich 2009, abgerufen am 26. Juni 2015
Ab 1913 wurde begonnen, am damaligen k. u. k. Flugfeld Hangars zu bauen, ebenso wurde ein Grasflugfeld errichtet. Am 26. Juni 1914 startete schließlich das erste Flugzeug.NN: 65 Jahre Flughafen Graz, in: Wilhelm Steinböck: Bilanz eines Jubiläums, Graz 1980.
Im selben Jahr wurde auf dem heutigen Flughafenareal das Interniertenlager Thalerhof errichtet, welches bis 1917 bestand. Dort waren im Laufe der Zeit mindestens 30.000 Ruthenen aus Galizien und Bukowina interniert, die als Sympathisanten Russlands verdächtigt wurden. Mindestens 3000 von ihnen starben an menschenunwürdigen Bedingungen und der Gewalt des Lagerpersonals.
Drei Jahre nach Schließung des Lagers ging der Flughafen an die Steiermärkische Landesregierung über, auf dem man sich ausschließlich auf die Segelfliegerei konzentrierte, da militärische und zivile Luftfahrt verboten war. Zwei Jahre später ging die Verwaltung schließlich an die Republik Österreich über.
1925 wurde das erste Flugnetz in Österreich gebildet (Wien – Graz – Klagenfurt). In den folgenden Jahren stiegen die Flugbewegungen, der Flughafen wurde in das österreichische Funknetz integriert, bekam eine Peilstation und es wurde mit dem Bau eines Flughafengebäudes begonnen.
Von 1938 bis 1939 war das Sturzkampfgeschwader 168 am Flughafen stationiert.
Ab 1945, als die Besatzungsmächte in Österreich bestimmten, war der zivile wie militärische Flugverkehr in Graz – wie im restlichen Österreich auch – nur den Besatzern erlaubt. Zwei Jahre später ging der Flughafen wieder in österreichische Verwaltung über. Am 23. Juni 1951 genehmigten die Besatzer die Eingliederung des Grazer Flughafens in den internationalen Flugverkehr. Mit dem Staatsvertrag von 1955 bekam Österreich die Lufthoheit zurück. Bald wurde ein Ausbau des Flughafens notwendig. Eine 1500 Meter lange Betonpiste mit entsprechender Befeuerungsanlage wurde – als Novität in Österreich – errichtet. Bereits 1962 konnte der 1000. Passagier gezählt werden. Nach und nach wurde der Grazer Flughafen in das AUA-Netz eingegliedert. Mit der Linie Graz – Linz – Frankfurt erfolgte die Integration in das internationale Netz.
Die immer steigenden Fluggastzahlen erforderten den Ausbau der Piste auf 3000 m und den Bau eines neuen Abfertigungsgebäudes. Anfang der 1980er Jahre wurde ein Präzisionsinstrumentenflugbetrieb der Kategorie III a/b installiert, wodurch Ausfälle wegen Nebels nahezu ausgeschlossen werden konnten. 1984 landete der erste Jumbo (Boeing 747).
Zehn Jahre später wurde ein neues Flughafengebäude in Betrieb genommen. Es folgten 2001 ein neues Frachtgebäude und 2002 der heutige Tower. 2002 gewann das steirische Architekturbüro Pittino & Ortner den Wettbewerb für die Erweiterung des Fluggastgebäudes, welches 2005 in Betrieb genommen wurde.
Seit 6. Juni 2012 ist der neue Rollweg C („Charlie“), der im Zeitraum März bis Mai 2012 zu Kosten von 4,6 Mio. Euro errichtet wurde, in Betrieb. Er ist als Schnellabrollweg etwas breiter, zweigt bei 2/3 der Landebahnlänge flacher, nur 30° abgewinkelt ab und ist sanfter gekurvt als die Rollwege B bei etwa 55 % und D bei 100 % (am Nordende) der Bahnlänge. Der neue mit Mittellinien-Leuchtmarkierung ausgestattete Weg macht die An- und Abflüge flüssiger.Flughafen Graz: Bau eines Schnellabrollweges macht kurzzeitige Pistenverkürzung notwendig, Flughafen Graz, 10. April 2012, abgerufen am 26. Dezember 2015.Rollweg C am Flughafen Graz fertiggestellt, austrianwings.info vom 12. Juli 2012, abgerufen am 26. Dezember 2015.
Lage und Verkehrsanbindung Lage Der Flughafen liegt großteils in der Ortschaft Abtissendorf in der Gemeinde Feldkirchen und zum kleineren Teil in der Katastralgemeinde Thalerhof in Kalsdorf. Die Abfertigungshalle befindet sich in der Ortschaft Abtissendorf.
Straßenverkehr Der Flughafen ist über die Autobahnen A2 und A9 sowie über die Bundesstraße B67 erreichbar.
Öffentlicher Verkehr Der Flughafen ist über die Bahnhaltestelle Flughafen Graz-Feldkirchen bei Graz an das Schienennetz der Österreichischen Bundesbahnen angeschlossen. Die Bahnhaltestelle befindet sich etwa 420 m östlich der Abfertigungshalle. Die S-Bahnlinie bzw. verbindet den Flughafen mit Graz. Die Reisedauer zwischen der Bahnhaltestelle und dem Grazer Hauptbahnhof beträgt zwölf Minuten. Der Flughafen Graz ist zusätzlich an das öffentliche Regionalbussystem des Steirischer Verkehrsverbunds angeschlossen. Die Linie verbindet den Flughafen mit Graz. Die Bushaltestelle befindet sich vor der Abflughalle. Im Zuge des Ausbaus der Koralmbahn wurde eine neue Bahntrasse errichtet. Ein neuer Bahnhof in Tieflage unter dem Flughafen wurde nicht realisiert.
+Linie StreckenverlaufUnternehmen/EVUGraz Hauptbahnhof – Flughafen Graz-Feldkirchen – Spielfeld StrassÖBBGraz Hauptbahnhof – Flughafen Graz-Feldkirchen – Spielfeld Strass – Bad RadkersburgÖBBGraz Zentralfriedhof – Graz Puntigam – Flughafen Graz – Kalsdorf – Fernitz Erzherzog-Johann-PlatzÖBB Postbus
Bahnsystem und Navigationsanlagen Der Flughafen Graz verfügt über eine zentrale (C...center) 3000 m lange und 45 m breite Start- und Landebahn in Süd-Nord-Ausrichtung (16C-34C, Stand 2025). Die Landebahn 16C weist aufgrund von Bebauung jedoch nur eine nutzbare Länge von 2740 m auf. Zwischen südlichem und nördlichem Aufsetzpunkt besteht eine Höhendifferenz von −10 m. Am südlichen Ende ist diese Bahn um eine Wendefläche verbreitert. Als Bahnbelag dient Asphalt. Entsprechend ihrer Tragfähigkeitsklassifikation (PCN 61, Flexibler Belag, Mittlere Untergrund-Tragfähigkeit und Reifendruckklasse ohne Begrenzung) können Flugzeuge bis zur Gewichtsklasse einer gewaltigen Antonow An-124-100 die Bahn auch im voll beladenen Zustand nutzen. Ob die Startstrecke dann noch für einen sicheren Start in jedem Fall ausreicht, bleibt hierbei unberücksichtigt.
Bis zu rund 18 km/h (~10 Knoten) Rückenwind erfolgen Landungen auf der 34C (aus Süden) und Starts auf der 16C (nach Süden). Die Ursache dafür liegt in der Lage des Flughafens südlich der Stadt Graz und den dahinter liegenden Bergen. So ist auch nur die Bahn 34C mit einem ILS (engl. Instrument Landing System, dt. Instrumentenlandesystem) ausgestattet. Aus Lärmschutzgründen führt die Flugsicherungsstelle Graz landende Flugzeuge meist jedoch radargestützt mit Vektorangaben – per Funkspruch übermittelten exakten Höhen- und Richtungsangaben – an die Bahn heran.
Neben dem ILS existiert, insbesondere für Sichtflieger, in beiden Richtungen ein optisches Anflug-Unterstützungssystem (VASI, engl. Visual Approach Slope Indicator) des Typs PAPI (engl. Precision Approach Path Indicator, dt. Präzisions-Anflug Gleitwinkelbefeuerung). Ein DVOR (engl. Doppler VHF Omni Directional Radio Range, dt. Doppler-Drehfunkfeuer), ein NDB (engl. Non-Directional Beacon, dt. ungerichtetes Funkfeuer) sowie ein DME (engl. Distance Measuring Equipment, dt. Entfernungsmessgerät) ergänzen die Navigationsausstattung des Flughafens. 2014 wurde überdies zur Erhöhung der Sicherheit bei Nebel, Schneefall und Regen ein 77-GHz-Bodenradarsystem installiert.
Östlich und westlich dieser zentralen Bahn befinden sich zwei Grasbahnen. Diese dürfen nur eingeschränkt genutzt werden und sind im Winter geschlossen. Die Graspiste Ost trägt die Kennung 16L-34R (L...left, R...right), hat eine Länge von 640 m und eine Breite von 30 m. Die Graspiste West trägt die Kennung 16R-34L und ist 760 m × 25 m dimensioniert.
Bedeutung Zivil- und Militärluftfahrt Am Flughafen Graz ist der Rettungshubschrauber Christophorus 12 (C12) stationiert. Die Flugpolizei unterhält ebenfalls einen Stützpunkt.
Der militärische Teil des Flughafens befand sich im westlichen Teil des Geländes und war im Besitz des Bundesheeres.Bundesministerium der Landesverteidigung Gemeinsam mit der dazugehörigen Kaserne, die unter anderem über mehrere Hangars und eine Fliegerwerft verfügte, wurde daraus der „Fliegerhorst Nittner“ gebildet. Neben Zeltweg (LOXZ) war Graz bis 2008 die Basis für die Abfangjäger des österreichischen Bundesheeres. Da die Eurofighter ausschließlich in Zeltweg stationiert wurden, stellte man den militärischen Betrieb am Flughafen Graz zum 1. Oktober 2008 ein. Die Werft war danach noch bis 9. Dezember 2013 in Betrieb.Bundesheer verlässt Fliegerhorst nach 99 Jahren, ORF Steiermark, abgerufen am 9. Dezember 2013. Mit der kompletten Schließung verlor der Raum Graz mit Umgebung einen traditionsreichen Militärluftfahrtstandort.
Das Gelände von beträchtlicher Größe und die dort befindliche Luftfahrt-Infrastruktur (Rollbahn, Gebäude, Tankstelle, Straßen und Asphaltflächen, Hangars etc.) wird nun unter der Bezeichnung „Airbase One“ von einer Gesellschaft vermarktet. Zurzeit gibt es diverse Freizeitanlagen wie Trampolinhalle, Hallenskipiste, Bogenschießen und einen Kletterpark, geplant ist auch ein Hotel.
Am Flughafen befindet sich seit 1981 auch das österreichische Luftfahrtmuseum.
Der Westteil der Flughafenanlage wird in den Sommermonaten für zahlreiche Fallschirmspringer-Absetzflüge genutzt. Des Weiteren sind auf der Westseite des Flughafens mehrere Segelflugvereine stationiert.
Verkehrszahlen Die Tonnage ankommender Fracht beträgt ein Vielfaches der abfliegenden.
+Zahlen laut Flughafenverwaltung Jahr Passagiere FlugbewegungenLinie & Charter FlugbewegungenGeneral Aviation Frachtaufkommen inklusive Luftfrachtersatzverkehr in Tonnen Luftfrachtin Tonnen 2005 892.958 18.820 49.366 10.085 1.345 2006 912.791 17.297 54.680 10.013 735 2007 948.140 17.789 44.252 11.319 443 2008 1.008.330 19.603 45.371 10.165 329 2009 948.590 18.167 43.071 8.230 165 2010 990.118 17.387 31.435 11.062 191 2011 976.543 15.958 30.342 10.977 224 2012 930.617 14.581 27.461 10.210 1.442 2013 881.740 14.879 28.043 11.281 314 2014 897.421 14.384 25.711 9.652 384 2015 963.396 15.466 27.476 8.696 385 2016 981.884 14.435 28.371 15.637 299 2017 959.166 14.460 29.882 18.902 158 2018 1.030.929 14.888 27.967 19.233 231 2019 1.036.929 14.727 32.241 18.970 141 2020 199.510 4.002 28.991 16.240 21 2021 226.562 4.671 37.337 19.250 2.315 2022 561.535 8.603 31.412 16.556 41 2023 733.146 9.655 33.497 19.379 151 2024 819.273 10.251 30.714 18.674 2025831.09510.43730.55519.500
Fluggesellschaften und Flugziele Von Graz werden ein inländisches Ziel, europäische Ziele und ein asiatisches Ziel angeflogen. Außerdem werden Urlaubsziele im Mittelmeerraum und in Nordafrika bedient.
Zwischenfälle In der Datenbank des Aviation Safety Network sind keine Flugunfälle am oder in der Nähe des Flughafens verzeichnet. Drei Ereignisse erregten erhebliche Aufmerksamkeit: