Die Burg Scharfenstein ist eine hochmittelalterliche Burg im Eichsfeld, die im Jahr 1209 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Heute ist Burg Scharfenstein ein Whiskyerlebniszentrum, eine Hotelanlage mit Restaurant sowie eine Kaffeerösterei.

Lage Die Spornburg liegt südwestlich der Stadt Leinefelde, am Rande des Naturparks Eichsfeld-Hainich und oberhalb des Dorfes Beuren. Sie befindet sich auf einem kleinen nach Osten heraustretenden Sporn, dem Schlossberg (480 m), am Nordrand des Düns im Landkreis Eichsfeld in Thüringen.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze, 2. erw. und überarb. Aufl., Jena 2003. S. 220. Der Spornlage an der nördlichen Abbruchkante des Dün entstand durch ein Kerbtal östlich des Schlossberges gegen den Totenkopf und einen Geländeeinschnitt im Westen zum Nesselberg. Das Bergplateau besteht aus Wellenkalk, welcher als Baustoff für die Burg selbst nicht geeignet ist.

Verkehrsmäßig zu erreichen ist die Burg über die Straße zwischen Beuren und Kreuzebra. Verschiedene Wanderwege über den Dün und vom Haltepunkt Beuren der Bahnstrecke Halle–Hann. Münden führen zur Burg.

Geschichte Die ersten Jahrhunderte mini|links|Das Schloss Scharfenstein (Lithographie von Carl Duval19. Jahrhundert) Mit dem Niedergang der im Leinetal gelegenen Burg Beuren entstand auf dem Bergsporn des Dün eine neue Burganlage. Es wird davon ausgegangen, dass die Burg Scharfenstein um das Jahr 1200 auf vorher unbesiedelten Gelände errichtet worden sein muss.Udo Hopf: Die bauhistorischen und bauarchäologischen Untersuchungen in der Kernburg der Burg Scharfenstein. In: Eichsfeld-Jahrbuch 26 (2018). S. 27 Der bei Restaurierungsarbeiten wiederentdeckte erste Bergfried am Rand der Kernburg gehört mit seinem Buckelquader-Mauerwerk wohl noch in die Stauferzeit Ende des 12. Jahrhunderts, genauso wie Reste eines vor der Burg gelegenen des 12./13. Jahrhunderts.Mario Küßner: Burg Scharfenstein. in Landschaften in Deutschland Online , Stand 29. November 2018

Eine erste urkundliche Erwähnung für das 1209 nennt einen Dietrich Böhme von Scharfenstein, was auf die Existenz einer Burg schließen lässt. Ob der bereits im Jahr 1161 in einer Urkunde des Naumburger Bischofs Udo genannte Godehardus von Scharfenstein der hiesigen Burg zugeordnet kann, wird stark angezweifelt. Sie war im Besitz der Grafen von Gleichen, welche wahrscheinlich die Erbauer der Burg waren.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. ISBN 3-910141-43-9, S. 220. Die Thüringer Landgrafen machten Lehnsansprüche geltend, sodass Landgraf Ludwig IV. von Thüringen, der sich in einer Fehde mit dem Mainzer Bischof Siegfried II. von Eppstein befand, die Burg 1219 erobern und zerstören ließ. Bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die Burg Scharfenstein mit neuer, erweiterter Ringmauer und einem zweiten kleineren Bergfried in der Kernburg wieder aufgebaut. 1287 wurde die Burg in einer Urkunde „Castrum Scharphenstein“ genannt, als der Burgbesitz an den Erzbischof Heinrich II. vom Thüringer Landgrafen verpachtet wurde. Im Jahr 1294 wurde sie wegen hoher Verschuldung vom Grafen Heinrich von Gleichenstein mitsamt den Burgen Birkenstein (in der Nähe von Birkungen) und Gleichenstein (in der Nähe von Wachstedt) an den Mainzer Erzbischof Gerhard II. von Eppstein verkauft. Mit diesem Burgenverkauf ging der Verkauf des alten Eichsfeldes einher, dessen Name auf alle Besitzungen der Mainzer Erzbischöfe zwischen Werra und Harz überging und bis 1802 im Besitz von Kurmainz verblieb.

Im 14. Jahrhundert wurde Burg Scharfenstein als Pfandamt ausgebaut, zu welchem 14 Dörfer, zwei Klöster und mehrere Mühlen gehörten. Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts hatten die Adelsfamilien von Bodungen und Knorr das Pfandamt inne, teilweise mit weiteren Adligen. Nach dem Tod von Heinrich Knorr 1383 ging sein Anteil von Burg und Amt Scharfenstein an Hans und Heinrich von Wintzingerode. Die Herren von Wintzingerode konnten im Laufe des 15. Jahrhunderts weitere Burgteile in ihren Besitz bringen, zu deren Zubehör auch das Vorwerk Beisenburg und Besitzungen in obereichsfelder Dörfern gehörten. Im 15. Jahrhundert traten einige Burgmänner des Scharfensteins auch als Raubritter auf, weshalb die Burg 1415 vom Mainzer Kurfürsten und weiteren Verbündeten belagert wurde. Durch einen Blitz getroffen, brannte die Burg 1431 fast vollständig nieder. Doch die Herren von Wintzingerode bauten sie wieder auf.Stefan Grathoff: 29. August 2005, in: Burgenlexikon, abgerufen am 7. Juli 2012. 1448 erwarb Lotze von Entzenberg einen Teil der Burg für seine Familie, Hans von Entzenberg kündigte 1529 seine Burghälfte gegenüber dem Erzbischof.

Anfang des 13. Jahrhunderts wurden die adligen von Scharfenstein erwähnt, sie waren vermutlich von den Besitzern der Burg, den Grafen von Gleichen, eingesetzte Burgmänner. Möglicherweise benutzten auch Adlige aus anderen Familie, die auf der Burg eingesetzt waren den Namen Scharfenstein. Mit dem Verkauf der Burg durch die Grafen von Gleichen verließ vermutlich auch die Adelsfamilie die Burg. Ab dem 14. bis ins 17. Jahrhundert sind dann im Raum Gotha, Erfurt und Werra Adlige derer von Scharfenstein nachweisbar, ihr Wappen zeigt einen springenden Hund.Siebmacher’s grosses und allgemeines Wappenbuch, VI. Band, 6. Abteilung; Ausgestorbener Preussischer Adel: Provinz Sachsen; Verfasser: G.A. von Mülverstedt (1825–1914), Ad. M. Hildebrandt (1844–1918); Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1884, S. 144 Folgende Vertreter sind im Zusammenhang mit der Burg in Urkunden erwähnt:Josef Reinhold, Günther Henkel (Hrsg.): 800 Jahre Burg Scharfenstein 1209–2009. Beiträge zur Geschichte von Burg und Amt Scharfenstein im Eichsfeld. Duderstadt 2009, Seiten 5–7 (1161, 1186 Godehardus von Scharfenstein) 1209 Dietrich Böhme von Scharfenstein (in zwei Urkunden des Mainzer Erzbischofs Gerhard ausgestellt auf dem Rusteberg) 1221 Brüder Amelung, Gothard und Wiker von Scharfenstein (in einer Urkunde des Mainzer Erzbischofs Siegfried II. für das Kloster Beuren) auf der Website der Gemeinde Südeichsfeld/Lengenfeld unterm Stein 1287 Nikolaus von Scharphenstein (Burgmann)

Seit der Zeit des Bauernkrieges Der ehemalige Reifensteiner Zisterziensermönch Heinrich Pfeiffer floh im Jahr 1521 auf den Scharfenstein, wo er bis 1523 unter dem Schutz des Hans von Entzenberg in den umliegenden Ortschaften, auf dem Scharfenstein und unter der „Burglinde“ die lutherische Lehre predigte. Pfeiffer musste die Burg verlassen und ging anschließend nach Mühlhausen, wo er auf Thomas Müntzer traf. Im Mai 1525 vereinigte sich der Mühlhäuser mit dem Eichsfelder Bauernhaufen. Diese zogen unter der Führung Pfeiffers und Müntzers durch das Eichsfeld und brandschatzen die Burgen und Klöster in dem Gebiet, so auch das Kloster Reifenstein und auf Befehl Pfeiffers die Burg Scharfenstein.Günther Franz: Der deutsche Bauernkrieg, 12., gegenüber d. 11. unveränd. Aufl., Band 1, Darmstadt 1984, S. 250. ISBN 3-534-00202-4. Schon sieben Jahre später wurde die Burg von Friedrich von Wintzingerode wieder aufgebaut. In der Zeit der Gegenreformation wurde die Pfandschaft des Amtes Scharfenstein vom Kurfürsten Daniel Brendel von Homburg 1583 gegenüber den von Wintzingerode gekündigt. Unter den lutherischen Herren von Wintzingerode hatte die Reformation im Amt Scharfenstein Einzug gehalten. Es folgte nach der Einlösung der Pfandschaft die vom Heiligenstädter Jesuitenkolleg ausgehende Gegenreformation. Hiervon zeugen noch die Jahreszahl 1587 und die Mainzer Räder am äußeren Burgtor. In der Folgezeit verlor die Burg an Bedeutung, wurde noch für Verwaltungszwecke genutzt und der Gewölbekeller der Kernburg diente als Gefängnis.Veith Schörgenhummer: Scharfenstein 9. April 2012, in: burgen.de abgerufen am: 7. Juli 2012. 1802 wurde das Eichsfeld und somit auch die Burg Scharfenstein preußisch. Ab 1814 war sie Vorwerk der Domäne Reifenstein. Der baufällig gewordene Bergfried wurde im Jahr 1864 abgetragen. 1909 brannte die Burg durch einen erneuten Blitzschlag aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Burg ins Volkseigentum über und wurde ab 1960 als Ferienheim und Naherholungszentrum des Kombinat Solidor Heiligenstadt genutzt.

Nach der DDR-Zeit mini|Der neue Turm mit Aussichtsplattform mini|Burgkeller mit Stumpf des ersten Bergfrieds Seit 1990 wurde Burg Scharfenstein von der Treuhand verwaltet und ist seit 2002 im Besitz der Stadt Leinefelde-Worbis.Stefan Grathoff: Scharfenstein/Eichsfeld. Seit 2006 wurde die Burg restauriert. Der Scharfenstein war als möglicher Ort des Papstbesuches im Eichsfeld im September 2011 angedacht. Im Zuge dessen fanden umfangreiche Sanierungsarbeiten ab 2008 an der Kernburg statt. Seither werden Teile der Burg mit Erdwärme beheizt.waermepumpe-regional.de: Burg Scharfenstein nutzt Geothermie abgerufen am 4. Dezember 2019. Der Papstbesuch wurde jedoch beim Wallfahrtsort Etzelsbach veranstaltet. Auf dem ehemaligen Scheunenstandort der Burg befindet sich seit 2011 ein Café und eine Außenterrasse, von der bei guter Sicht bis zum Harz und dem Brocken geschaut werden kann.BetriebsGmbH Burg Scharfenstein: , in: abgerufen am 6. Juli 2005 Am 5. Juli 2012 wurde der Stadt Leinefelde-Worbis für die Sanierung der Burg Scharfenstein der Thüringer Denkmalschutzpreis verliehen.Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur: Matschie verleiht in Erfurt Thüringischen Denkmalschutzpreis , in: Webpräsenz des Freistaates Thüringen. 2014 wurden im Keller des Westflügels der Kernburg die untersten zwei Meter des nach 1525 abgetragenen Bergfrieds aus der Zeit um 1200 entdeckt und teilweise freigelegt.

Bis zum Jahre 2017 entstand im Bereich der in den 1960er Jahren eingestürzten Außenmauer der Kernburg ein moderner Turm mit Aussichtsplattform. Im selben Jahr verpachtete die Stadt Leinefelde-Worbis die komplette Burganlage langfristig an die Whiskywelt Burg Scharfenstein GmbH, die zur nahe gelegenen Brauerei Neunspringe Worbis gehört. Gemeinsam mit Familie Ehbrecht, Eigentümer der Brauerei, sanierte die Stadt bis zum Jahr 2020 die komplette Kernburg. Dort entstand ein Whiskyerlebniszentrum, eine Hotelanlage mit Restaurant sowie eine Kaffeerösterei. Damit sind die Sanierungsarbeiten abgeschlossen und die komplette Burg ist einer neuen Nutzung zugeführt.

Amt Scharfenstein Burg und Burgbezirk Scharfenstein mit 14 Dörfern, zwei Klöstern und zahlreichen heute nicht mehr existierenden Orten wurden 1294 von den Grafen von Gleichenstein an Kurmainz verkauft.Johann Wolf: Politische Geschichte des Eichsfeldes. Göttingen 1792, Band 1, S. 139–142. Weit östlich der Burg gelegene Orte, wie Vollenborn wurden später vom Amt abgetrennt, Niederorschel war nur teilweise im Besitz der Erzbischöfe. Burg und Amt wurden nachfolgend zu einem Pfandobjekt der Erzbischöfe, die mehrere Pfandnehmer mit der der Burg belehnten. 1412 belehnte der Kurfürst belehnte die Herren von Wintzingerode mit einem Großteil der Burg und des Amtes, die es dann über 200 Jahre innehatten. Nach einer Fehde des Erzbistums, der Landgrafschaft Hessen und der Wettiner gegen Hans von Wintzingerode im Jahr 1415 konnte das Stift die Kosten für den Einsatz der Wettiner nicht bezahlen und verpfändete die Hälfte der Burg an die Wettiner.Udo Hopf: Die bauhistorischen und bauarchäologischen Untersuchungen in der Kernburg der Burg Scharfenstein. In: Eichsfeld-Jahrbuch 2018, Mecke Druck und Verlag Duderstadt, S. 35 ff