Hornkräuter (Cerastium) bilden eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae). Die etwa 100 Arten sind fast weltweit verbreitet und kommen hauptsächlich in den gemäßigten bis kühlen Gebieten der Nordhalbkugel vor.
Beschreibung mini|links|Illustration des Breitblättrigen Hornkraut (Cerastium latifolium) aus Atlas der Alpenflora, Tafel 107 mini|Illustration aus Sturm des Gewöhnlichen Hornkraut (Cerastium fontanum subsp. vulgare) und des Wald-Hornkraut (Cerastium sylvaticum) mini|Kapselfrucht des Gewöhnlichen Hornkrauts (Cerastium fontanum subsp. vulgare) mini|Samen des Gewöhnlichen Hornkrauts (Cerastium fontanum subsp. vulgare)
Erscheinungsbild und Blätter Hornkraut-Arten sind meist einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen. Es sind meist dünne Pfahlwurzeln und bei den ausdauernden Arten oft Rhizome, die an den Knoten Wurzeln bilden, vorhanden. Die selbständig aufrechten, aufsteigenden oder liegenden, einfachen oder verzweigten Stängel sind stielrund und oft behaart.
Von den gegenständig und im Allgemeinen gleichmäßig am Stängel verteilt angeordneten Laubblätter sind bei manchen Arten die grundständigen gestielt, alle anderen sind sitzend. Die Blattpaare sind meist an ihrer Basis miteinander verwachsen. Die einfachen Blattspreiten sind linealisch bis elliptisch oder breit-eiförmig mit spitzem bis stumpfem oberen Ende. Auf der Blattspreite sind ein bis fünf Blattnerven erkennbar. Nur bei wenigen Arten (nur bei Cerastium bialynickii, Cerastium regelii, Cerastium viride) sind die Laubblätter sukkulent.
Blütenstände und Blüten Die Blüten stehen selten einzeln, meist zu vielen in meist endständigen, offenen oder dichten, zymösen Blütenständen (Dichasien) zusammen; bei Cerastium axillare sind die Blütenstände seitenständig und traubig. Die paarigen Tragblätter sind laubblattähnlich oder reduziert, krautig oder oft mit trockenhäutigen Rändern. Die Blütenstiele sind aufrecht, aber manchmal während der Fruchtzeit zurückgebogen oder an ihrem oberen Ende hakenförmig; bei wenigen Arten sind sie kaum erkennbar.
Die meist zwittrigen, selten eingeschlechtigen und dann weiblichen Blüten sind radiärsymmetrisch und selten vier-, meist fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die meist fünf, selten vier Kelchblätter sind frei und bei einer Länge von 3 bis 12 Millimetern elliptisch bis eiförmig mit spitzem, zugespitztem oder stumpfem oberen Ende und meist grün. Charakteristisch für Cerastium-Arten sind die oft tief ausgerandeten, genagelten, meist weißen Kronblätter; selten fehlen sie. An der Basis der fünf äußeren Staubfäden sind Nektarien vorhanden. Es sind selten nur ein, meist zwei Kreise mit je meist fünf, selten vier freie Staubblätter vorhanden. Die meist fünf, seltener drei, vier oder sechs Griffel sind bei einer Länge von 0,5 bis 2 Millimetern keulen- bis fadenförmig.
Die Blütenformel lautet:
Früchte und Samen Der Name Hornkraut bezieht sich auf die meist mehr oder weniger hornartig gekrümmten, länglichen oder zylindrischen Kapselfrüchte, die mit doppelt so vielen Zähnen wie Griffel aufspringen. Die zylindrischen oder länglichen und oft etwa gebogenen Kapselfrüchte enthalten zahlreiche (15 bis über 150) Samen. Die orangefarbenen bis braunen Samen sind kugelig, nierenförmig oder kantig verkehrt-eiförmig und seitlich abgeflacht mit warziger Samenschale.
Chromosomensätze Die Chromosomengrundzahl beträgt x = selten 13, 15, meist 17, 18 oder 19. Es kommen unterschiedliche Ploidiegrade vor.
Vorkommen Die Gattung Cerastium ist fast weltweit verbreitet, kommt jedoch besonders zahlreich in den gemäßigten bis kühlen Gebieten der Nordhalbkugel (Eurasien und Nordamerika) vor. In China gibt es 23 Arten, neun davon nur dort. In Nordamerika kommen 27 Arten vor.
Manche Cerastium-Arten (beispielsweise Cerastium subpilosum) sind bis in Höhenlagen von 3900 Metern anzutreffen.
Systematik Die Gattung Cerastium wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 437 aufgestellt, die Diagnose befindet sich in Genera Plantarum Editio quinta, 1754, S. 199. Der Gattungsname Cerastium leitet sich vom altgriechischen Wort ceras für „Horn“ ab und bezieht sich auf die Form der Kapselfrucht. Ein Synonym für Cerastium ist Provancheria .
Die Gattung Cerastium gehört zur Tribus Alsineae innerhalb der Familie Caryophyllaceae.
mini|Cerastium aleuticum mini|Blütenstände des Mierenblättrigen Hornkrauts (Cerastium alsinifolium) mini|Radiärsymmetrische, fünfzählige Blüte im Detail des Arktischen Hornkrauts (Cerastium arcticum) mini|Cerastium banaticum mini|Cerastium beeringianum mini|Blüten von Cerastium biebersteinii mini|Reinweißes Hornkraut (Cerastium candidissimum) mini|Cerastium davuricum mini|Cerastium decalvans mini|Cerastium fischerianum mini|Cerastium gibraltaricum mini|Blütenstand mit fünfzähligen Blüten und Blütenknospen des Knäuel-Hornkrauts (Cerastium glomeratum) mini|Piemonteser Hornkraut (Cerastium lineare) mini|Blütenstand mit fünfzähligen Blüten und Blütenknospen von Cerastium maximum mini|Laubblätter, fünfzähligen Blüten und Blütenknospen von Cerastium nemorale mini|Cerastium nigrescens mini|Cerastium soleirolii mini|Cerastium tatrae mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstände des Filzigen Hornkrauts (Cerastium tomentosum)
In der Gattung Cerastium gibt es etwa 100 Arten (Auswahl): Cerastium aleuticum : Dieser Endemit kommt nur auf den Aleuten vor. Alpen-Hornkraut (Cerastium alpinum , Syn.: Cerastium lanuginosum ): Es kommt in Europa, Grönland und in Kanada vor. Mierenblättriges Hornkraut (Cerastium alsinifolium , Syn.: Cerastium anomalum ): Es ist ein Endemit auf Serpentingestein im nordwestlichen Tschechien und kommt nur auf dem Berg Wolfstein und auf der Rauschenbacher Heide zwischen Sangerberg und Einsiedel (Mnichov) nordöstlich von Marienbad (Mariánské Lázně) vor. Cerastium araraticum : Dieser Endemit kommt nur in Anatolien vor. Arktisches Hornkraut (Cerastium arcticum ): Sie kommt von Kanada (inklusive St. Pierre bis Miquelon) bis Grönland vor. Cerastium argenteum Cerastium argentinum : Sie kommt von Bolivien bis ins südliche Südamerika vor. Cerastium armeniacum : Dieser Endemit kommt nur in Anatolien vor. Acker-Hornkraut (Cerastium arvense , Syn.: Cerastium uralense ): Je nach Autor gibt es mehrere Unterarten: Gewöhnliches Acker-Hornkraut (Cerastium arvense subsp. arvense): Sie ist von Marokko über weite Teile Europas verbreitet. Gewimpertes Acker-Hornkraut oder Weiches Acker-Hornkraut (Cerastium arvense subsp. calcicola , Syn.: Cerastium arvense subsp. molle ) Cerastium arvense subsp. glandulosum : Sie ist ein Endemit der Tatra in Polen sowie der Slowakei. Cerastium arvense subsp. lerchenfeldianum : Sie kommt in den Karpaten und im früheren Jugoslawien vor. Cerastium arvense var. mitsumorense Steifes Acker-Hornkraut (Cerastium arvense subsp. strictum ): Sie ist auf der Nordhalbkugel von Eurasien über Grönland bis Nordamerika weitverbreitet und kommt auch in Feuerland vor. Halbstrauchiges Acker-Hornkraut (Cerastium arvense subsp. suffruticosum ): Sie kommt in den Alpen und in den Apenninen mit Fundorten in Frankreich, Monaco, San Marino, Vatikanstadt, Italien, in der Schweiz, Liechtenstein, Österreich sowie Deutschland vor. Cerastium atlanticum : Sie kommt nur in Nordafrika (Algerien, Tunesien, Marokko) vor. Cerastium axillare : Sie kommt in Mexiko, in New Mexico und in Texas vor. Cerastium azoricum : Dieser Endemit kommt nur auf den Azoren vor. Cerastium ballsii : Sie kommt nur in Marokko vor. Cerastium banaticum (Syn.: Cerastium sosnowskyi ): Sie kommt in Südosteuropa und Vorderasien vor. Cerastium beeringianum : Sie ist in Asien und Nordamerika verbreitet. Cerastium behmianum : Sie kommt in Bolivien sowie Peru vor. Cerastium bialynickii : Sie kommt auf Spitzbergen, Grönland, in Alaska, im arktischen Kanada und im arktischen asiatischen Russland vor. Bieberstein-Hornkraut (Cerastium biebersteinii ): Es ist ein Endemit auf der Krim. Bärtiges Hornkraut (Cerastium brachypetalum ): Es gibt seit 2013 etwa drei Unterarten: Cerastium brachypetalum subsp. balearicum Cerastium brachypetalum subsp. brachypetalum (Syn.: Cerastium atticum , Cerastium barbulatum , Cerastium canescens , Cerastium gracile , Cerastium strigosum ): Sie kommt von West- bis Mittel- und Südosteuropa sowie Italien und im nördlichen Marokko vor; sie gilt in den Niederlanden als ausgestorben. Cerastium brachypetalum subsp. iranicum : Sie wurde 2013 aus dem Iran erstbeschrieben. Cerastium brachypodum : Sie kommt in Kanada, in den Vereinigten Staaten und in Mexiko vor. Cerastium caesareosylvaticum Cerastium candicans : Sie kommt in Ecuador sowie Peru vor. Reinweißes Hornkraut (Cerastium candidissimum ): Sie kommt nur in Griechenland vor. Kärntner Hornkraut (Cerastium carinthiacum ): Die etwa zwei Unterarten kommen in Italien, der Schweiz, Österreich sowie Slowenien vor. Cerastium cephalanthum : Sie kommt in Venezuela vor. Dreigriffeliges Hornkraut (Cerastium cerastoides ): Sie kommt von Kanada bis Grönland vor. Cerastium cerastoides Cerastium chlorifolium Cerastium comatum (Syn.: Cerastium illyricum subsp. comatum ): Sie kommt in Nordmazedonien, Griechenland, in der Türkei, im Libanon und Syrien vor, außerdem in Libyen, auf Korsika und vielleicht auch in Spanien. Cerastium commersonianum : Sie kommt von Bolivien bis zum südlichen Südamerika vor. Cerastium consanguineum : Sie kommt in Bolivien vor. Cerastium crassipes : Sie kommt in Ecuador, Peru sowie Bolivien vor. Cerastium cuatrecasasii : Sie kommt in Kolumbien vor. Cerastium cuchumatanense : Sie kommt in Zentralamerika vor. Cerastium daghestanicum Cerastium danguyi : Sie kommt in Kolumbien, Ecuador, Peru sowie Bolivien vor. Cerastium davuricum (Syn.: Cerastium dahuricum ) Cerastium decalvans : Sie kommt nur auf der Balkanhalbinsel und auf Inseln der Ägäis vor. Cerastium deschatresii : Diese kleistogame Art kommt nur auf Kreta vor. Cerastium dichotomum : Sie kommt in Spanien und Griechenland, in West- und Mittelasien sowie in Pakistan und Nordafrika vor. Cerastium dicrotrichum : Sie kommt im südlichen Südamerika vor. Viermänniges Hornkraut (Cerastium diffusum ) Dinarisches HornkrautČedomil Šilić 1990: Endemične Biljke. Svjetlost, Sarajevo. Hier S. 19 (Cerastium dinaricum ): Sie kommt nur in Slowenien, Kroatien und Albanien vor. Cerastium dominici Klebriges Hornkraut (Cerastium dubium ) Wolliges Hornkraut (Cerastium eriophorum ) Cerastium fastigiatum : Sie kommt in Arizona und in New Mexico in Höhenlagen von 1900 bis 3000 Metern vor. Cerastium fischerianum : Sie kommt in Asien, in Alaska und in British Columbia vor. Cerastium floccosum : Sie kommt in Kolumbien, Ecuador sowie Peru vor. Quellen-Hornkraut (Cerastium fontanum ): Es gibt etwa vier Unterarten: Cerastium fontanum subsp. grandiflorum (Syn.: Cerastium grandiflorum non , Cerastium nepalense , Cerastium nipaulense ): Sie kommt in Nepal und in Tibet vor. Cerastium fontanum subsp. fontanum (Syn.: Cerastium caespitosum subsp. alpinum , Cerastium longirostre , Cerastium triviale var. alpinum , Cerastium vulgatum var. alpestre , Cerastium vulgatum subsp. alpinum , Cerastium vulgatum var. anomalum , Cerastium vulgatum var. filiforme , Cerastium vulgatum var. viscidum ): Sie kommt in Grönland, Nordeuropa und in Gebirgen Mittel- bis südlichen Mitteleuropas sowie Marokkos vor. Großfrüchtiges Hornkraut (Cerastium fontanum subsp. lucorum , Syn.: Cerastium lucorum , Cerastium glanduliferum var. lucorum , Cerastium glanduliferum , Cerastium fontanum subsp. schurii , Cerastium vulgatum subsp. lucorum ): Sie kommt von West- über Mittel- bis Süd- und Osteuropa vor. Cerastium fontanum subsp. membranaceum Gewöhnliches Hornkraut (Cerastium fontanum subsp. vulgare , Syn.: Cerastium holosteoides , Cerastium caespitosum , Cerastium fontanum subsp. triviale , Cerastium triviale , Cerastium vulgare , Cerastium vulgatum auct.)