mini|Weltkarte des Andreas Walsperger von 1448 Die Weltkarte des Andreas Walsperger, Biblioteca Apostolica Vaticana, Pal. lat. 1362 B, ist eine christlich geprägte mittelalterliche Weltkarte. Sie ist mit der sogenannten Zeitzer Weltkarte eine der wenigen im Original erhaltenen mappae mundi aus dem deutschen Sprachraum und gilt als ein Meilenstein der historischen Kartografie.
Schöpfer Andreas Walsperger wurde um das Jahr 1415 als Sohn eines Tischlers in Radkersburg geboren.Siehe zu Walsperger 1434 wurde er Benediktinermönch in St. Peter in Salzburg, doch verließ er das Kloster 1442. Homepage der Stadt Bad Radkersburg. Weitere Stationen und sein Todesjahr sind nicht überliefert, sieht man von dem Umstand ab, dass er die Weltkarte 1448 in Konstanz fertigte. So die Angabe des Autors selbst auf der Karte (Kretschmer: Eine neue mittelalterliche Weltkarte, S. 372).
Karte Die Radkarte auf Pergament hat die Maße 73,5 cm Höhe × 59,5 cm. Die Karte zeigt das Rund der Erde, die gesüdet ausgerichtet ist – also so, dass der Norden unten liegt. Die heilige Stadt Jerusalem befindet sich annähernd im Zentrum und der Ozean umgibt das gesamte Erdrund bis dort, wo Afrika bis zu den Sphären reicht. Sie ist damit eine zeitgenössisch konventionelle Weltdarstellung.
Die Erde wird umgeben von den sieben Sphären der Himmelskugel nach Ptolemäus. Die Karte geht von der Erde als Mittelpunkt der Schöpfung aus, die umgeben ist von himmlischen Sphären und gekrönt von einem „Himmel aus Kristall“. In der äußeren Sphäre werden die Namen der Himmlischen Heerscharen genannt, nach innen folgen die Sphären der Fixsterne, der Planeten und der Sonne; dazwischen sind die Namen der Tierkreiszeichen und der Winde vermerkt.
Legende Unterhalb der Karte befindet sich eine Legende. In ihr wird geometrische Genauigkeit der Darstellung beansprucht. Der Autor, Andreas Walperger, nennt sich namentlich selbst, das Jahr und den Ort der Erstellung in einem Kolophon. Weiter gibt er dem Nutzer der Karte Hinweise:
In der Übersetzung:
Geschichte Die Karte wurde um 1890 von Konrad Kretschmer gefunden, als er den Atlas des Petrus Vesconte (Portulanus de navigatione) Pal. lat. 1362 A der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek. in der Bibliothek des Vatikans bearbeitete. Konrad Kretschmer: Marino Sanuto d. Ä. und die Karten des Petrus Vesconte. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin 26 (1891), S. 352–370. Die Weltkarte des Andreas Walsperger war diesem Atlas beigelegt, ohne ursprünglich dazuzugehören. Kretschmer: Eine neue mittelalterliche Weltkarte, S. 371. Sie erhielt dann nachträglich die Signatur Pal. lat. 1362B der Vatikanischen Bibliothek.
Der Atlas, in dem die Karte gefunden wurde, befand sich im 16. Jahrhundert im Besitz der Fugger Ludwig Schuba: Die Quadriviums-Handschriften der Codices Palatini Latini in der Vatikanischen Bibliothek. Wiesbaden, 1992, S. 46. Biblioteca Apostolica Vaticana Cod. Pal. lat. 1915, fol. 551r (Kopie des Katalogs der Fuggerbibliothek). , wurde anschließend der Bibliotheca Palatina geschenkt und gelangte mit der Bibliotheca Palatina als bayerische Kriegsbeute an Maximilian I. von Bayern, der sie 1623 an Papst Gregor XV. verschenkte. Ob dies auch die Besitzgeschichte der dem Atlas im 19. Jahrhundert beiliegenden Walsperger-Karte darstellt, ist nicht gesichert.
Literatur Drucke Konrad Miller: Mappae mundi. Heft 3. Die kleineren Weltkarten. Stuttgart 1895 Weltkarte des Andreas Walsperger (Faksimile) = Belser Editionen aus der Bibliotheca Apostolica Vaticana. Belser, Zürich 1981.
Sekundärliteratur Walter Berschin: Die Palatina in der Vaticana. Eine deutsche Bibliothek in Rom. Belser, Stuttgart 1992. ISBN 3-7630-2087-X, S. 110–112. Dana Bennett Durand: The Vienna-Klosterneuburg Map Corpus of the Fiteenth Century. A Study in the Transition from Mediaeval Science. Leiden 1952, S 209–213, Taf. XV. Paul Gallez: Walsperger and His Knowledge of the Patagonian Giants, 1448. In: Imago Mundi. The international journal for the history of cartography. Thaylor & Francis, London 1981 (Jg. 33), S. 91–93. Dorothea Hauck: Die Weltkarte des Andreas Walsperger orientiert sich an mittelalterlicher klösterlicher Tradition. In: Bibliotheca Palatina. Katalog zur Ausstellung vom 8. Juli bis 2. November 1986. Heiliggeistkirche Heidelberg. Textband. Heidelberg 1986. ISBN 3-921524-88-1, S. 358f. Konrad Kretschmer: Eine neue mittelalterliche Weltkarte der vatikanischen Bibliothek. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin 26 (1891), S. 371–406. Karl-Heinz Meine: Zur Weltkarte des Andreas Walsperger, Konstanz 1448. In: Wolfgang Scharfe u. a. (Hrsg.): Kartenhistorisches Colloquium Bayreuth '82. Vorträge und Berichte. Dietrich Reimer Verlag, Berlin, 1983, ISBN 3-496-00692-7 Lena Näser: Die Weltkarte des Andreas Walsperger. Kartografische Wissenskulturen um 1448. In: Ingrid Baumgärtner/Martina Stercken (Hrsg.): KartenRäume / Mapping Worlds. Band 3. Berlin / Boston, 2025.
Weblinks
Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana, Pal. lat. 1362 B Homepage der Stadt Bad Radkersburg: Berühmte Persönlichkeiten: Andreas Walsberger.
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Mittelalterliche Weltkarte Kategorie:Handschrift der Vaticana