mini|Deutschlandfunk Funkhaus, Raderberggürtel Köln 2020 mini|Das Funkhaus Köln. Das Gebäude links im Bild wurde später abgerissen. mini|Radio-Interview bei der Wikimania 2005 in Frankfurt am Main mini|Logo des Deutschlandfunks bis 30. April 2017 mini|Drohnenflug mit Abrissbaustelle der ehemaligen Deutschen Welle (Februar 2020)

Der Deutschlandfunk (abgekürzt Dlf oder DLF) ist neben Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova eines der nationalen Hörfunkprogramme des Deutschlandradios.

Der gleichnamige, am 1. Januar 1962 in Köln gegründete, öffentlich-rechtliche und werbefreie Rundfunksender, der – anders als die Landesrundfunkanstalten der ARD – die gesamte alte Bundesrepublik bediente und sich durch seine hohe Informations- und Nachrichtendichte auszeichnete, wurde 1994 als ein Teil ins Deutschlandradio, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, überführt.

Studios und Redaktionen für das Dlf-Programm befinden sich in einem Hochhaus im Süden Kölns, am Rande des Stadtteils Köln-Marienburg.

Nach einem Bericht der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse vom 17. Juli 2024 hat der Deutschlandfunk die sechstgrößte Hörerzahl der Hörfunkprogramme in Deutschland.ma Audio 2024 II – Neue Bestwerte für Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Nova. In: deutschlandradio.de, abgerufen am 25. Februar 2025.

Programm Die thematischen Schwerpunkte des Deutschlandfunks heute sind einerseits Informationen und Hintergrundberichte, andererseits kulturorientierte Sendungen. Tagsüber stehen vor allem tagesaktuelle Geschehnisse aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft im Vordergrund, während danach die Kultur (Musik, Hörspiele, Lesungen, Berichte über kulturelle Themen) das Programm bestimmt. Demzufolge ist der Musikanteil am Tage verhältnismäßig gering, während er abends und nachts sowie am Wochenende etwa die Hälfte der Sendezeit ausmacht.

Im Kölner Funkhaus werden teilweise auch Sendungsbestandteile für Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova sowie digitale Angebote der Dachmarke Deutschlandfunk produziert. Das gesamte Programm des Dlf ist frei von Werbung. Der Sender gehört zu den wenigen verbliebenen deutschen Rundfunksendern, die täglich die Nationalhymne ausstrahlen (in einem Streichorchesterarrangement, das auf Haydns Streichquartettfassung basiert, unmittelbar vor dem Datumswechsel gegen 0:00 Uhr). Seit Anfang 2007 folgt dabei auf die Nationalhymne die Europahymne.

Auf der Internetpräsenz des Deutschlandfunks werden viele der Themen aus dem Programm aufbereitet oder erweitert. Ein Großteil des Programms ist in der Deutschlandfunk App zum Streamen und Herunterladen verfügbar.

Nachrichten Nachrichten werden rund um die Uhr zur vollen Stunde gesendet, dazu wochentags von 4:30 bis 17:30 Uhr, samstags von 5:30 bis 8:30 Uhr sowie sonn- und feiertags um 7:30 und 8:30 Uhr auch zur halben Stunde. Die ausführlichen Nachrichten des Deutschlandfunks haben eine Länge von fünf oder zehn Minuten. Gelegentlich gibt es programmbedingte Abweichungen. O-Töne werden in den Nachrichten nicht verwendet. Nach Einschätzung der Redaktion können erklärende Meldungen eine höhere Informationsleistung erreichen als Kurzaussagen von Politikern und Politikerinnen und sind weniger suggestiv. Jahrzehntelang schloss sich eine Verkehrssendung an die Nachrichten an, die nur im Deutschlandfunk das gesamte Gebiet der Bundesrepublik Deutschland abdeckte. Dieser seit 1964 existierende Dienst wurde Anfang 2020 eingestellt; am 31. Januar um 23:09 Uhr lief im Deutschlandfunk die letzte Verkehrsmeldung. Begründet wurde dieser Schritt mit einem veränderten Nutzungsverhalten des Publikums.

Informationssendungen Wochentags sendet der Dlf von 05:05 bis 09:00 Uhr das Nachrichtenmagazin Informationen am Morgen mit Wortbeiträgen und Interviews von etwa fünf bis zehn Minuten Länge. Weitere Informationsmagazine sind die Informationen am Mittag von 12:10 bis 13:30 Uhr, die Informationen am Abend von 18:10 bis 18:40 Uhr und die Sendung Das war der Tag von 23:10 bis 23:57 Uhr, eine aktuelle Zusammenfassung der Ereignisse des Tages. Der Sendung Informationen am Abend folgt bis 19:00 Uhr die Sendung Hintergrund; hier wird stets ein aktuelles Thema ausführlich und analytisch abgehandelt. Darauf folgen von Montag bis Donnerstag ein bis drei Kommentare zu den Themen des Tages. Am Freitag folgt die Nachrichtensendung Nachrichtenleicht. Der Wochenrückblick in einfacher Sprache. Mehrmals täglich wird eine nationale und eine internationale Presseschau mit Auszügen aktueller Kommentare erstellt.

Die Informationen am Morgen gelten als Flaggschiff des Deutschlandfunks,Das Medienportal der evangelischen Kirche: „Deutschlandfunk“. das eine Reichweite von über zwei Millionen Hörern hat (Stand: 2024). Innerhalb dieser Sendung ragen die Hauptinterviews besonders hervor, die werktäglich gegen 07:15 Uhr und 08:15 Uhr als Interview am Morgen meistens per Telefon mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur geführt werden. Diese Interviews werden häufig Gegenstand der tagesaktuellen Berichterstattung in den meinungsbildenden Medien. Das Deutschlandradio als den Deutschlandfunk betreibende Rundfunkanstalt weist in seiner Selbstdarstellung darauf hin, dass seine Informationssendungen in Multiplikatorenkreisen (Journalisten, Entscheider in Politik und Wirtschaft) einen hohen Stellenwert einnehmen, große publizistische Aufmerksamkeit genießen und in ihrer politischen Wirkung auf nationaler Ebene vor den Informationsprogrammen der Landesrundfunkanstalten liegen.

Die Musik der Sendung („Musik-Teppich“) besteht aus einem Pool von mehreren hundert Musikstücken (Stand 2019), von denen eines in einem Sendeabschnitt über eine Strecke mehrerer Beiträge (insgesamt etwa 20 bis 25 Minuten) immer wieder in Segmenten von kurzer Länge gespielt wird. Sie darf keinen Gesang und keinen Text enthalten, muss also instrumental sein, auch Soli sollen keine enthalten sein.

Werktägliche Magazine Wochentags laufen außerhalb der tagesaktuellen Magazine von 09:00 bis 18:00 Uhr täglich wiederkehrende Schwerpunktmagazine, wie zum Beispiel Tag für Tag. Aus Religion und Gesellschaft mit Hintergrundinformationen aus der Welt der Religionen oder Europa heute und Deutschland heute mit Reportagen aus anderen europäischen Ländern bzw. aus dem Inland. Campus & Karriere bietet Orientierung in Fragen der Hochschulausbildung und des beruflichen Fortkommens. Weiterhin zu nennen sind Büchermarkt, Forschung aktuell der Wissenschaftsredaktion mit Berichten zu neuen Entwicklungen in der Naturwissenschaft und Medizin, Umwelt und Verbraucher und Kultur heute. Darüber hinaus werden zwei tägliche Wirtschaftsmagazine gesendet. Eines – Wirtschaft am Mittag – behandelt das Börsen- und Unternehmensgeschehen, das andere – Wirtschaft und Gesellschaft – fokussiert sozioökonomische Entwicklungen. Das Journal am Vormittag bietet ein eineinhalbstündiges Gesprächsformat mit Studiogästen und Höreranrufen zu jeweils einem Thema. Nachmittags wird Corso. Kunst und Pop gesendet, ein halbstündiges Magazin zur Populärkultur mit Musik. Danach folgt @mediasres, das Medienmagazin.

Abends gibt es einstündige Schwerpunktsendungen, die sich teilweise jeweils mit nur einem, teilweise im Magazinformat mit mehreren Themen befassen, sowie Hörspiele, Features und längere Musikstrecken. Die Lange Nacht (wöchentlich jeweils samstags ab 23:00 Uhr als Wiederholung der nachts zuvor in Deutschlandfunk Kultur ausgestrahlten Sendung) ist mit ihren drei Stunden, früher einmal sogar fünf Stunden, das längste durchgehende Schwerpunktformat in der deutschen Rundfunklandschaft.

Sonntags von 09:30 bis 10:00 Uhr wird die Sendung Essay und Diskurs ausgestrahlt. Sie widmet sich aktuell diskutierten Fragen der Gesellschaft.

Mobile Apps Durch den Deutschlandfunk werden zwei Apps für Android und iOS bereitgestellt. Die Deutschlandfunk App enthält Inhalte aus den Programmen von Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova, welche redaktionell aufbereitet werden. Zudem können die drei Programme im Livestream oder zeitversetzt mitgehört sowie Beiträge heruntergeladen werden. In der App Dlf Nachrichten werden ganztägig relevante Nachrichten aus Deutschland und der Welt herausgegeben. Je nach Einstellung können Eilmeldungen über eine Push-Mitteilung zugestellt werden. Das Deutschlandfunk-Programm lässt sich im Livestream mitverfolgen; außerdem kann die aktuellste Nachrichtensendung angehört werden.

Geschichte Vorläufer mini|Signet des DLF bis 1993 mini|Das Kölner Funkhaus (linkes Gebäude) mini|hochkant=.85|DLF-Gebäude. Im Hintergrund ist das Funkhaus am Raderberggürtel zu sehen. In dem blauen Büroturm und dem roten Studioturm war von 1980 bis 2003 die Deutsche Welle untergebracht. Anfang der 1950er Jahre gaben die Mitglieder der ARD dem Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) den Auftrag, auf Langwelle ein bundesweites Hörfunkprogramm zu produzieren und auszustrahlen, nachdem der Rundfunk der DDR einen Langwellensender (Deutschlandsender) in Betrieb genommen hatte.

Nach langwierigen Verhandlungen strahlte der NWDR 1953 die ersten Versuchssendungen aus. Drei Jahre später (1956) konnte der inzwischen gegründete Norddeutsche Rundfunk (NDR) den Regelbetrieb des mit Deutscher Langwellensender bezeichneten Programms aufnehmen.

Gründung des Deutschlandfunks Der Sitz eines deutschlandweiten Senders sollte in West-Berlin sein. Dies beschloss am 30. September 1959 die Bundesregierung. Das Vorhaben führte zu Protesten der DDR-Regierung und einer diplomatischen Note des sowjetischen Außenministers Semjonow an den Vertreter der USA in Moskau Thompson: „Dieser Beschluss der Bundesregierung ist unrechtmäßig, da er mit dem gegenwärtigen Status Westberlins unvereinbar ist.“

Die Neue Zeit titelte am 2. Juli 1960: „Neue Bonner Hetzsender. In Westberlin soll ‚Deutschlandfunk‘ Propaganda treiben.“

Im Jahr 1960 wurde per Bundesgesetz der Deutschlandfunk (DLF) als eigenständige Anstalt des öffentlichen Rechts gegründet und als Standort Köln ausgewählt. Das am 26. Oktober 1960 vom Deutschen Bundestag verabschiedete Gesetz über die Errichtung von Rundfunkanstalten des Bundesrechts legte fest, dass die mit diesem Gesetz ebenfalls eigenständig werdende Deutsche Welle über Kurzwelle Rundfunksendungen für das Ausland und der Deutschlandfunk Rundfunksendungen für (ganz) Deutschland und das europäische Ausland produzieren sollte, wobei die Sendungen des Deutschlandfunks laut § 5 (1) „ein umfassendes Bild Deutschlands vermitteln“ sollten. Das Gesetz räumte der Politik großen Einfluss in den Gremien der Anstalt ein. So waren nur 5 der 22 Mitglieder des Rundfunkrates nicht direkt politisch abhängig. Die übrigen 17 Stimmen entfielen auf den Bundestag und den Bundesrat (jeweils 6) sowie die Bundesregierung (5).

Mit Inkrafttreten des Gesetzes am 16. Dezember 1960 galten die beiden neuen Anstalten nach § 33 als errichtet. Der Auftrag der ARD an den NDR, den Deutschen Langwellensender zu betreiben, erlosch. Die Langwelle wurde dem neuen Sender Deutschlandfunk mit Sitz in Köln übergeben, der am 1. Januar 1962 mit der Ausstrahlung eines deutschsprachigen Hörfunkprogramms begann.

Offizielle Zielgruppen der Programme waren deutsch(sprachig)e Hörer in der DDR, in Osteuropa sowie in westeuropäischen Nachbarländern wie Italien, Frankreich, Benelux, Großbritannien, Irland, Dänemark, Norwegen und Schweden. Faktisch richtete sich der Deutschlandfunk aber vorwiegend an DDR-Bürger, denen mit dem Programm eine Alternative zum Rundfunk der DDR gegeben werden sollte. Eine per Bundesgesetz errichtete Rundfunkanstalt zur Versorgung der bundesrepublikanischen Bevölkerung wäre aufgrund der Kulturhoheit der Länder nicht zulässig gewesen (vgl. 1. Rundfunk-Urteil). Der Deutschlandfunk wurde somit das Pendant zur Stimme der DDR, vormals Deutschlandsender.