Ingo J. Biermann (* 1978 in Stuttgart) ist ein deutscher Filmemacher. Er tritt meist als IJ.Biermann, in seiner Funktion als Produzent und bei der Nennung in den Titelsequenzen einiger Filme auch als IJB in Erscheinung.
Leben Biermann begann seine Laufbahn im Filmbereich mit Experimentalfilmen und als Mitarbeiter bei Regisseuren wie Rosa von Praunheim und Fernsehproduktionen wie Network Movie, bevor er 2002 mit Zwischen Flieder wandern und singen (mit Maxim Mehmet in der Hauptrolle) sein Regiedebüt gab. Es folgten Kurzfilme und halblange Spielfilme wie Coda und Deed Poll (mit Barbara Kowa und André Schneider), die auch international Beachtung fanden. Ab 2004 studierte er an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin unter Direktor Hartmut Bitomsky bei Claire Denis, Andres Veiel und Christian Petzold.Lebenslauf Filme von ihm wurden seither bei ARTE, im RBB und im WDR ausgestrahlt bzw. entstanden in Co-Produktion mit diesen Sendern.
Unter der Mentorenschaft von Béla Tarr drehte Biermann 2008 den Spielfilm Faust. Der Tragödie erster Teil, eine Adaption von Johann Wolfgang Goethes gleichnamiger klassischer Tragödie mit Adolfo Assor und Robert Gwisdek in den Hauptrollen. Sein Kurzfilm Geliebte erhielt 2009 von der Deutschen Film- und Medienbewertungsstelle das Prädikat „besonders wertvoll“ und wurde im Mai 2010 von German Films während des Internationalen Filmfestivals in Cannes präsentiert. (PDF; 435 kB) von German Films Biermann hat etwa 90 kurze, halblange und abendfüllende Spielfilme inszeniert.
Zuletzt arbeitete er vorwiegend im Dokumentarfilmbereich, drehte von 2008 bis 2009 den Dokumentarfilm Nocturne über die Arbeit des auf Neue Musik spezialisierten Berliner Kairos Quartett, sowie 2010 den auch feministisch motivierten Film Neun Frauen über neun Künstlerinnen zwischen 25 und Anfang 30, darunter die Regisseurin Lisa Nielebock, die Medienkünstlerin Manuela Kasemir, die Autorin Elisabeth Rank und die Komponistin Birke J. Bertelsmeier.Trailer zum Film bei YouTube
Von Frühjahr 2010 bis Sommer 2013 drehte Biermann in deutsch-norwegischer Co-Produktion den Kinodokumentarfilm Voice über die Komponistin, Performancekünstlerin und Jazzmusikerin Maja Ratkje.Internetseite von Maja Ratkje mit Trailer zum Film Parallel drehte Biermann einen Tour- bzw. KonzertfilmBlack Oyster-Katalogseite German Documentaries 2013 über die gemeinsame Europatournee (Black Oyster Tour) der beiden norwegischen Elektronik- bzw. Experimentalmusiker Alexander Rishaug und Erik Skodvin alias Svarte Greiner.
Im Sommer 2012 drehte Biermann in Nordnorwegen den Spielfilm Nordland, ein Roadmovie von Kirkenes, der östlichsten Stadt Norwegens, bis nach Å, am Ende der Lofoten, in der Hauptrolle Odine Johne. Der von der FFA geförderte Film entstand als erste offizielle Produktion seiner eigenen Firma Myrland Films, in Co-Produktion mit den in Zürich ansässigen Filmemacherinnen Gabriel Baur und Iliana Estañol.
Gelegentlich arbeitete er als Kameramann für andere Filmemacher (Ralf Stadler, Benjamin Knight, We're all going to dieWe're All Going To Die, Dokumentarfilm von Ben Knight) Konzertaufnahmen von Bands und Musikfestivals, v. a. in Norwegen (z. B. Punkt, Tape To Zero)Ausschnitt aus Konzertaufzeichnung, sowie als Regisseur von Musikvideos (z. B. Simonne JonesMusikvideo I wanna be your Girl von Simonne Jones, Eivind AarsetMusikvideo Pearl Hunter von Eivind Aarset 4tet). Von 2010 bis 2021 war er auch als Autor für das Webmagazin Nordische Musik aktiv, wo er Rezensionen und Interviews über skandinavische Musiker und Komponisten verfasste.
Biermann lebt mit der Künstlerin Fiene Scharp und der gemeinsamen Tochter in Berlin-Schöneberg.
Filmografie (Auswahl) mini|Filmplakat der Faust-Adaption
fiktionale Kurz- und Langfilme 2002: Zwischen Flieder wandern und singen 2003: Coda 2004: Deed Poll 2005: Stuart DeeStuart Dee auf der persönlichen Seite des Autors und Hauptdarstellers Benjamin Knight 2005: Etüden op.18 – Breaking Glass, Pulsar, Klavierstunde 2006: Vor dem Konzert 2007: Glastage 2009: Faust. Der Tragödie erster Teil 2009: Geliebte 2012: Gated 2013: Nordland 2024: For The Drama (Miniserie für ARD Kultur/3sat)
Dokumentar- und Musikfilme 2005: Largo e mestoKurzinhalt bei moviepilotProduktionsinfo und Besetzung bei imdb 2009: Hölderlin-Fragmente (nach Wolfgang Rihm und Textfragmenten von Friedrich Hölderlin)Entscheidung über Förderung vom Filmbüro Bremen 2010: Nocturne 2010/12: Neun FrauenEintrag bei Filmportal.de 2011: Normannenstraße (Co-Regie mit Fiene Scharp) 2012: Black Oyster (Tourfilm bzw. Konzertfilm) 2013: zwei Kurzfilme über Architektur für die Ausstellung Kultur:Stadt in der Akademie der Künste (Berlin), über das Kunsthaus Graz und das Radialsystem V in BerlinWebseite des Ausstellungsprojekts Kultur:Stadt 2013: PHED – A Signature Building (Dokumentarfilm über den Bauprozess eines Passivhauses)Website zur Dokumentation der Entstehung von Passivhaus und Film 2014: Voice – Sculpting Sound with Maja S. K. Ratkje 2014: Spielweisen. Gespräche mit Schauspielern (Reihe aus zehn dokumentarischen Filmen über Schauspieler, jeweils 30 Minuten, mit Sepp Bierbichler, Edith Clever, Maren Eggert, Jens Harzer, Fabian Hinrichs, Sandra Hüller, Signa Köstler, Ulrich Matthes, Joachim Meyerhoff und Wiebke Puls, von September bis Dezember 2014 im Rahmen der Ausstellung zum Akademie-Schwerpunkt Schwindel der Wirklichkeit in der Akademie der Künste (Berlin) zu sehen waren und in Form einer 2-DVD-Edition veröffentlichtSpielweisen. Videogespräche mit Schauspielern Infoseite zur DVD-Edition und Videopräsentation) 2019/20: ECM50 | 1969-2019 (50-teilige Dokumentarfilmreihe zum 50. Jubiläum von ECM Records)Auswahl der 50 dokumentarischen Kurzfilme ECM50 | 1969-2019 bei Vimeo 2020: Havsang (mittellanger Dokumentarfilm) 2022: Abend über Potsdam (mittellanger Dokumentarfilm in Zusammenarbeit mit Performance-Künstlerin Ellen Kobe) 2023: Phantasmagoria Live (Konzertfilm mit Eivind Aarset 4tet)
Weblinks
Website von Ingo J. Biermann
Einzelnachweise
Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Dokumentarfilmer Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1978 Kategorie:Mann