Die Brüder Theodor Eduard Ferdinand Hofmeister (* 21. April 1868 in Hamburg; † 1. März 1943) und Oskar Ludwig Robert Hofmeister (auch Oscar, * 22. Juli 1871 in Hamburg; † 24. August 1937 in Ichenhausen, Bayern) waren Amateurfotografen, die als Begründer der piktorialistischen Hamburger Schule der Kunstfotografie gelten. Sie arbeiteten vor allem mit dem Gummidruckverfahren und starken Vergrößerungen des Fotonegativs, um Landschafts-, Figuren- und Porträtbilder künstlerisch umzusetzen.

Leben Biografisches Der ältere Bruder Hofmeister, Theodor, wurde am 21. April 1868 in Hamburg geboren, drei Jahre später wurde sein jüngerer Bruder Oskar geboren. Von Kindertagen an lebten die zwei Brüder im Verbund einer wohlhabenden und angesehenen Kaufmannsfamilie in Hamburg. Der Vater Theodor August Anton Hofmeister (1831–1888), ein erfolgreicher Mitbegründer und ab 1885 alleiniger Geschäftsführer der Firma Hofmeister, Scheffler & Sieg, Kommissions- und Speditionsgeschäft, stand der Familie vor.Gabriele Betancourt Nuñez: Hofmeister, Theodor Ferdinand Eduard. Hofmeister, Oscar (Oskar) Ludwig Robert. In: Frank Kopitzsch und Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie. Personenlexikon, Bd. 3, Göttingen 2006, S. 171 Er hatte mit seiner Frau Augusta Wilhelmine Henriette, geborene Meyer, noch drei weitere Söhne: Gustav Otto Richard, Albert Henry William und Theodor Ferdinand Eduard.

Auch Theodor lernte den Beruf des Kaufmanns und engagierte sich vorerst im väterlichen Betrieb, bis er im Jahre 1891, im Alter von 23 Jahren, seine erste eigene kaufmännische Firma gründete.Jahrbuch des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg, Bd. 11–13, Hamburg 1992, S. 85

Oskar Hofmeister entschied sich gegen eine klassische kaufmännische und für eine juristische Ausbildung. Er arbeitete hauptberuflich als juristischer Beamter in Hamburg.Vgl. www.answers.com/topic/theodor-ferdinand-eduard-hofmeister. Zugegriffen am 20. Dezember 2010.

Fotografie als Liebhaberei Hamburg war nicht nur die Geburtsstadt von Theodor und Oskar Hofmeister, in dieser Stadt entwickelten sich auch ihre fotografischen Ambitionen. Die Amateurfotografie wurde in den 1890er Jahren zu einem Hobby der wohlhabenden Hofmeisters.Ernst Juhl: Theodor und Oskar Hofmeister, Hamburg. In: Photographische Rundschau, Nr. 16, 1902, S. 65–70, hier: S. 65 In Hamburg wurde im August 1891 der „Amateur-Photographen-Verein Hamburg“ gegründet.Enno Kaufhold: Photographie und Malerei im Übergang. Bildkultur in Hamburg vor der Jahrhundertwende. In: Kunstphotographie um 1900. Die Sammlung Ernst Juhl. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, 1989, S. 13 Die Fotografie war für wohlhabende Bürger mit ästhetischem Kunstbewusstsein eine interessante Freizeitbeschäftigung. Nur reiche Bürger verfügten über die finanziellen Mittel zum Kauf einer kostspieligen Fotoausrüstung Jens Jäger: Amateurphotographen-Vereine und kunstphotographische Bewegung in Hamburg 1890–1910. In: Kunstphotographie um 1900, S. 33–38, hier: S. 33f und die nötige Zeit, um sich mit der Aufnahme- und Entwicklungstechnik in der Fotografie zu beschäftigen. Neben ihrer jeweiligen Profession widmeten sich die Hofmeister Brüder der Kunstfotografie und wurden so mehr und mehr „professionelle“ Amateurfotografen. Sie gelten als Begründer und Zentrum der dabei herausgebildeten lokalen „Hamburger Schule“ der Amateurfotografie.Almut Klingbeil: Die Bilder wechseln. Meereslandschaften in deutschen Fotobüchern der 20er bis 40er Jahre. 2000, S. 33

Förderung Großen Einfluss auf das Schaffen und den Erfolg Theodor und Oskar Hofmeisters hatten sowohl Alfred Lichtwark (1852–1914) als auch der Hamburger Kaufmann Ernst Juhl (1850–1915).Rüdiger Joppien: „Eine Schöne und auf dem Kontinent wohl einzige Sammlung“ – Die Sammlung Ernst Juhl. In: Kunstphotographie um 1900. S. 19–32, hier: S. 19 Sowohl Lichtwark, Direktor der Sammlung des Hamburger Kunstvereins und der Hamburger Kunsthalle, als auch Juhl, Gründungsmitglied des Hamburger Amateurphotographen-Vereins und Gründungspräsidiumsmitglied der 1893 daraus hervorgehenden Gesellschaft zur Förderung der Amateurfotografie (kurz GzFdA; später: der Kunstfotografie) sicherten den Hofmeisters ihre Unterstützung. Durch die Gründung der GzFdA konnten erstmals in Hamburg in einem institutionalisierten Rahmen Laboratorien, Konferenzräume, Versammlungen und ein moderierter Austausch der Künstler untereinander angeleitet werden. Theodor und Oskar taten sich durch ihre spezielle, dem Wiener Kleeblatt (oder Trifolium) nachempfundene GummidrucktechnikRüdiger Joppien: „Eine Schöne und auf dem Kontinent wohl einzige Sammlung“ – Die Sammlung Ernst Juhl. In: Kunstphotographie um 1900. S. 19–32, hier: S. 26. hervor und verkörperten auch die Ideale und Grundsätze Alfred Lichtwarks.Margret Kruse: Theodor und Oscar Hofmeister. Von der Ideenskizze zum Gummidruck. In: Kunstphotographie um 1900. S. 39–46, hier: S. 40 Da Hamburg stets in einem direkten Konkurrenzverhältnis zu Wien und Wiens Trifolium stand, wurden die Hofmeisters durch die Rückendeckung Juhls und Lichtwarks zum Aushängeschild der „Hamburger Schule“.

Als Hauptvertreter der „Hamburger Schule“ und somit als Sprösslinge der Heimat konnten die Gebrüder Hofmeister auf die volle Unterstützung Lichtwarks und Juhls bauen, welche hervorragende BeziehungenJoppien: Die Sammlung Ernst Juhl. S. 22 sowohl zu fotografischen Fachzeitschriften wie der Photographischen Rundschau in Deutschland oder Camera Work in den USA unterhielten als auch einen persönlichen Austausch mit Kuratoren und Künstlern national und international pflegten.

Werk Theoretischer Ansatz Die fotografischen Arbeiten der Brüder Hofmeister zwischen 1895 und 1909 lassen sich vollständig der „Hamburger Schule“ der Amateurfotografie zuordnen. Diese ist Teil der piktorialistischen Strömung in der Fotografie.

Piktorialistische Fotografie Der Piktorialismus (bzw. die piktorialistische Fotografie) ist eine Stilrichtung, die versuchte, mit neuen technischen Erkenntnissen die Fotografie als Kunstform neben der Malerei zu etablieren.Dazu genauer z. B. Bernd Stiegler: Theoriegeschichte der Photographie. Wilhelm Fink Verlag, München 2006. Sie lässt sich grob zwischen 1890 und 1910/1915 einordnen. In dieser Zeitperiode entstanden in der westlichen Hemisphäre zunehmend Amateur-Fotoclubs und -vereine, die den Grundstein für große Zentren piktorialistischer Fotografie gaben: Genannt seien London mit The linked Ring, Wien mit dem Trifolium und New York mit der Photo-Secession, die sich alle auf piktorialistische Arbeiten konzentrierten und somit einen Gegenpol zur Berufsfotografie bildeten.Vgl. Jäger: Amateurphotographen-Vereine. S. 33, S. 37.

Die piktorialistischen Ansätze zeichnen sich durch den Versuch aus, die Fotografie von ihrem Status als detailgetreu dokumentierendes Medium zu befreien. Insbesondere den stereotypen, unnatürlich inszenierten Porträtaufnahmen der Atelierfotografen wurde so ein Gegenpol gesetzt. Amateurfotografen arbeiteten daran, die Fotografie mittels malerischer Mittel in den Kunstdiskurs zu erheben. Potentielle Mittel waren dabei neue, natürliche Perspektiven von Landschafts- und Figurenaufnahmen, Vergrößerungen der Fotografien, das Spiel mit Tonwerten, der Einsatz von Unschärfe und nachträgliche Bearbeitung des Fotonegativs.

Alfred Lichtwarks Verständnis der Kunstfotografie Für die piktorialistische Fotografie in Hamburg und damit für das Schaffen von Theodor und Oskar Hofmeister waren die theoretischen Ansätze Alfred Lichtwarks maßgeblich.Kruse: Theodor und Oscar Hofmeister. S. 39

Dilettantismus Einen wesentlichen Faktor für die neue Kunst in der Fotografie bildete der Dilettantismus. Die fotografischen Dilettanten / Amateure hatten nach Lichtwark im Gegensatz zu den Berufsfotografen die Möglichkeit, die Fotografie künstlerisch zu erneuern. Lichtwark förderte deshalb sehr stark die Amateurfotografen. Gleichzeitig forderte er eine Aufwertung des – bis dato negativ belasteten – Dilettantismusbegriffs in Deutschland.

Erziehung Für Lichtwark besaß die Amateurfotografie die innovative Kraft, den Kunstsinn des Volkes zu schulen.Vgl. Jäger: Amateurphotographen-Vereine. S. 35. So lag für ihn in der Amateurfotografie die Möglichkeit, dem Volk eine neue Herangehensweise an Kunst aufzuzeigen und es somit künstlerisch zu erziehen. Lichtwark trat so als Kunsterzieher auf, der pädagogisch anregen wollte.Erika und Fritz Kempe, Heinz Spielmann: Die Kunst der Camera im Jugendstil. Frankfurt a. M. 1986, S. 21

Natur Lichtwark forderte für die Kunstfotografie größere Natürlichkeit und eine Orientierung der Künstler an der Natur. So trat er in den Kampf gegen die unkünstlerischen Ansprüche an die Fotografie der Berufsfotografen und der Bevölkerung.Erika und Fritz Kempe, Heinz Spielmann: Die Kunst der Camera im Jugendstil. Frankfurt a. M. 1986, S. 20. Der Amateur müsse, um seinen Geschmack auszubilden, bedeutende Kunstwerke eingehend studieren und sich von jenen führen lassen. Dadurch würden die Empfindungen geschult. Das tatsächliche Forschungsfeld für die fotografische Kunst müsse jedoch die Natur sein.Fritz Kempe: Photographie. Zwischen Daguerreotypie und Kunstphotographie. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, 1987, S. 23 So gilt nach Lichtwark: „Sein [des Amateurs] unmittelbares Studienfeld bleibe die Natur, und bei ihrem Anblick muß jede Erinnerung an das, was er in der Kunst gesehen hat, verschwinden.“Alfred Lichtwark zitiert nach Fritz Kempe: Photographie. S. 23. D.h., der Kunstfotograf, der sich physisch und psychisch auf die Natur einlässt, kann seine subjektiven Empfindungen und Gefühle in die künstlerische Arbeit einfließen lassenKaufhold: Photographie und Malerei im Übergang. S. 15 und so eine neue Lebendigkeit in die leblosen Bilder bringen und besondere Stimmungen erzeugen. Lichtwark erteilte jungen Kunstfotografen den Rat, zu Studienzwecken in die Natur zugehen und schloss sich selbst oft solchen Studienreisen an.

Selbstbild in der Produktion In ihrer Publikation Das Figurenbild in der KunstphotographieTheodor u. Oskar Hofmeister: Das Figurenbild in der Kunstphotographie. Halle a.d.S. 1898. geben Theodor und Oskar Hofmeister Aufschluss über ihre Arbeitsweise und ihr Selbstbild in der Bildproduktion. So vergleichen sie die eigene Arbeitsweise mit der eines Malers, der „...zunächst damit [beginnt], sich Studien anzufertigen. Er [der Maler] entwirft Skizzen.“Kaufhold: Photographie und Malerei im Übergang., S. 8. Hofmeisters selbst fertigten vor jeder Arbeit unzählige Vorstudien an. Zudem bemühten sich die Brüder stets um ein hohes Maß an Perfektion: Ihrer Publikation zufolge fordern sie von sich selbst ein Höchstmaß an Disziplin, Selbstkritik und Durchhaltevermögen.Vgl. Kruse: Theodor und Oscar Hofmeister. S. 39f.

Arbeitsweise Für ihre fotografischen Arbeiten gab es klare Zuständigkeitsbereiche zwischen den Brüdern Hofmeister. Oskar Hofmeister war für die Aufnahme, die sie gemeinsam vorbereitet hatten, verantwortlich. Theodor Hofmeister übernahm die weitere Bearbeitung des Fotonegativs im Fotolabor.

Aufnahmetechniken Vorstudien