mini|Der M-26-TASER in der nicht-zivilen Version mini|Der X-26-TASER mit einer Funkenentladung zwischen seinen beiden Elektroden (ohne Kartusche)

Eine Elektroschockpistole, Distanz-Elektroimpulswaffe oder ein Distanz-Elektroimpulsgerät (DEIG) (in der Schweiz Destabilisierungsgerät (DSG) genannt) ist eine in der Regel nichttödliche Elektroimpulswaffe ähnlich einer Pistole, die zwei nadelförmige Projektile, die meist über isolierte Drähte mit der Waffe verbunden sind, in den Körper einer Zielperson schießt und damit anschließend eine Folge elektrischer Impulse überträgt, wodurch die getroffene Person für die Dauer des Stromflusses stark bis vollständig immobilisiert ist. Nach den von Axon Enterprise (vormals TASER International) hergestellten Geräten werden die Geräte auch mit dem Deonym Taser bezeichnet. Mittlerweile gibt es auch Modelle mit drahtlosen Projektilen.

Idee und Geschichte Die Bezeichnung TASER ist ein Akronym des Begriffs Thomas A. Swift’s Electric Rifle aus dem Jugendbuch Tom Swift and His Electric Rifle von Victor Appleton (1911). Dort wird die Idee beschrieben, Menschen mit blauen Bällen aus Elektrizität zu betäuben. Der Erfinder Jack Cover, ein späterer NASA-Wissenschaftler, hatte dieses Buch als Kind gelesen und begann Ende der 1960er Jahre die Entwicklung des Tasers, der ursprünglich zur Abwehr von Flugzeugentführern gedacht war. Unmittelbaren Anlass dazu gab ihm ein Zeitungsbericht über einen Unfall, bei dem ein Mann in eine Stromleitung gefallen und dadurch anschließend einige Zeit reglos war.

Ersten Einsatz ähnlich heutigen Elektroschock abgebenden Geräten von Seiten der Strafverfolgungsbehörden gab es in den 1960er Jahren in Form von elektrischen Viehtreibern, die gegen Bürgerrechtsaktivisten von der amerikanischen Polizei eingesetzt wurden. Wie heutige Kontakt-Elektroschocker, die für den Menschen ausgelegt sind, konnten diese jedoch nur dazu verwendet werden, den Betroffenen Schmerzen zuzufügen.

1972 meldete Cover seinen Taser, zunächst noch als Feuerwaffe, zum Patent an. 1974 baute er den ersten Taser unter der Bezeichnung TASER TF-76, der bis auf 4,6 Meter 2 Projektile verschießen konnte. Dabei hielt er aber fest, dass es keine Möglichkeit gäbe, gefährliche (Folge-)Verletzungen garantiert zu vermeiden. Der Taser wurde als nicht-tödliches Gerät betrachtet, wenn es bei einer durchschnittlich gesunden Person angewendet werde. Da das Treibmittel für die 2 Projektile Schießpulver war, klassifizierte das Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives (ATF) den Taser als Feuerwaffe. Der Kauf dieses Tasers für Zivilpersonen war nur mit einer speziellen Lizenz möglich. TASER Systems, die Firma die den Taser vermarktete, wurde aufgelöst und unter der Bezeichnung TASERTRON neugegründet, wobei nur einige Geräte hauptsächlich an die Polizei in Los Angeles verkauft wurden.

Die Brüder Tom und Rick Smith gründeten 1993 das Unternehmen „TASER International“ mit dem Ziel, weniger tödliche elektrische Waffen zu entwickeln. Jack Cover wurde nach Einladung der Brüder Smith Entwickler für zukünftige Taser-Geräte. Anstelle Schießpulver wurden aber Geräte mit Druckluft entwickelt. Es folgte das Modell Air TASER 3400. Dadurch wurden Taser nicht als Feuerwaffen klassifiziert und konnten an Privatpersonen verkauft werden.

1999 wurde die Elektroschockpistole Taser M26 entwickelt, weitere Modelle folgten zunehmend.

Funktionsprinzip Distanzmodus mini|Taser X26 mit daneben liegender Kartusche, die aufgesteckt zwei Projektile verschießt mini|Eines der beiden Projektile, die von einer Kartusche aus verschossen wurden mini|hochkant|Übung mit einer Elektroschockpistole im Distanzmodus

Im Distanzmodus werden aus einer Kartusche zwei mit Widerhaken versehene Projektile geschossen, die über isolierte Drähte mit der Kartusche verbunden bleiben, die ihrerseits über elektrisch gut leitfähige Metallkontakte mit der Pistole verknüpft ist, wodurch von der Waffe ausgehend elektrische Impulse in den Körper der Zielperson übertragen werden.

Treibmittel ist beim Taser von Axon Druckgas, wodurch dieser technisch gesehen eine Druckluftwaffe ist. In der Produktion mittlerweile eingestellte Modelle der Firmen Stinger und Tasertron verwendeten Schießpulver als Treibmittel und waren daher Feuerwaffen.

Die zwei Projektile werden nicht parallel verschossen. Während eines (meist das obere) nahezu geradlinig ins Ziel trifft, erreicht das andere das Ziel in einem Winkel davon – je nach Modell und Hersteller – zwischen 3,5 und 12 Grad nach unten. Dadurch können sie mit einem höheren Abstand auf der Körperoberfläche einschlagen. Durch die Widerhaken, ähnlich einem Angelhaken, bleiben die Projektile besser in der Kleidung oder in der Haut der Zielperson stecken.

Solange Strom fließt, ist im Idealfall die getroffene Person in diesem Modus vollständig handlungsunfähig und nicht mehr in der Lage, die eigenen Skelettmuskeln willkürlich zu steuern.

Die Wirkung ist in der Praxis von verschiedenen Faktoren abhängig:

Wo dringen die Nadelelektroden in den Körper ein? Welche Nerven und Muskeln liegen im Strompfad? Grundsätzlich ist ein Strompfad, der die Herzregion einschließt, als gefährlich anzusehen. Für eine optimale Wirkung muss der Rumpf getroffen werden. Wie viele Muskeln sind beteiligt / wie groß ist die Fläche der Muskulatur, die vom Strom durchflossen wird? Welchen Abstand haben die Nadeln? Je größer der Abstand ist, desto größer ist der Strompfad. Je mehr motorische Nerven und Muskeln betroffen sind, desto höher steigt die Wirkung. Ein zu geringer Abstand der zwei Elektroden verursacht nur Schmerzen ohne Immobilisierung. Wird die Kleidung durchschlagen und dringen die Nadelelektroden in den Körper ein, oder wird der Elektroschock nur über eine Funkenentladung auf den Körper übertragen? Wie tief dringen die Nadelelektroden in die Haut ein? (Körperwiderstand, Stromdichte)

Die Reichweite beträgt je nach Modell, Hersteller und Kartusche bis zu über 7 Meter; pro Elektrode kann Kleidung bis zu einer Stärke von 2,5 cm durchdrungen werden.

Die Anzahl der Schüsse, die eine Elektroschockpistole hintereinander ohne Nachladen abgeben kann, variiert nach Hersteller und Modell. Pro eingeführter Kartusche kann nur einmal abgefeuert werden. Jedoch kann ein einmal getroffener Gegner mehrmals unter Strom gesetzt werden. Dazu muss nur der Abzug entsprechend oft betätigt werden. Die verbrauchte Kartusche kann bei einigen Modellen durch Tastendruck nach vorne weggezogen und innerhalb weniger Sekunden durch eine neue ersetzt werden.

Modernere Modelle haben die Möglichkeit, zwei oder mehr Kartuschen gleichzeitig einzusetzen, wodurch mehrere Schüsse hintereinander ohne manuelles Nachladen abgegeben werden können.

Zur Erhöhung der Trefferrate sind Elektroschockpistolen entweder mit einem konventionellen Visier oder mit einem oder zwei Laservisieren ausgerüstet. Dabei wirken sie in diesem Modus – anders als Pfefferspray – auch bei Personen, die unter Einfluss von Alkohol oder anderen Drogen stehen oder schmerzresistent sind.

Kontaktmodus Hier werden keine Projektile verschossen. Dabei kann die Elektroschockpistole im Körperkontakt mit der Zielperson aber nur als gewöhnlicher Kontakt-Elektroschocker zum Zufügen von Schmerzen eingesetzt werden und zielt somit nur auf die Willfährigkeit zur Schmerzvermeidung und nicht auf Bewegungsunfähigkeit wie im Distanzmodus ab. Der Gegner erhält über die Elektroden an der Pistole den Stromschlag, wenn keine Kartusche eingeführt wurde. Je nach Hersteller und Modell ist auch eine Abgabe von Elektroschocks über eigens vorhandene Metallkontakte auf den eingelegten Kartuschen (ohne Schussabgabe) möglich.

Hersteller und Bauformen mini|Raysun X-1: eine Elektroschockpistole eines anderen Herstellers

Die Bezeichnung Taser ist ein von der US-Firma Axon Enterprise (ursprünglicher Unternehmensname: „TASER International“, vor der Änderung seit April 2017) geschützter Begriff (eingetragene Handelsmarke) und bezieht sich ausschließlich auf deren erzeugte Geräte. Distanz-Elektroschockwaffen allgemein werden weltweit von einer Reihe weiterer Hersteller produziert und vertrieben.

Manchmal werden fälschlich auch Distanzlosgeräte (Kontakt-Elektroschocker), die nur für den direkten Körperkontakt ausgelegt sind, als „Taser“ bezeichnet. Eine Ausnahme bei der Benennung bildet die von Axon produzierte Taschenlampe, die nur für den Kontaktmodus ausgelegt ist und aufgrund des früheren Herstellernamens auch Taser mit dem Zusatz Strikelight – also „Taser Strikelight“ – genannt wird.

Die bekanntesten früheren Axon-Konkurrenten für Distanz-Elektroimpulsgeräte waren die Firmen Tasertron und Stinger, die jedoch mittlerweile nicht mehr existieren. Einfachere Modelle, getarnt als Taschenlampe, sind schon seit den 1970er Jahren in Gebrauch.

Bei Elektroschockpistolen mit Kabel erfolgt die Übertragung der elektrischen Impulse im Distanzmodus über isolierte Drähte verschiedener Längen, die je nach Hersteller und Modell 4,5 m, 6,4 m, 7,6 m und 10,6 m Distanz erlauben.

Die Polizeimodelle sind meistens (je nach Land) der nur einen Einzelschuss abgebende Taser X26P und der neuere Taser X2 (in schwarz und gelb erhältlich), der Projektile aus zwei Kartuschen hintereinander abschießen kann und ein noch geringeres Risiko für die Auslösung von Herzkammerflimmern hat. Der in Österreich ursprünglich verwendete TASER X26E wird seit April 2017 gegen den sichereren Taser X2 ausgetauscht. Für dieses Modell sind 4 Arten von Kartuschen erhältlich, die sich hinsichtlich ihres Einsatzes (Trainingskartusche bzw. Simulator) und der maximalen Reichweite (entweder 4,5 Meter oder 7,6 Meter) unterscheiden.

2018 stellte die Firma mit dem Modell TASER 7 eine Waffe mit wiederaufladbaren Akkus und neuartigen Projektilen vor. Sie wird in den USA, Australien und Neuseeland vertrieben.

Mittlerweile gibt es Konkurrenz durch andere Distanz-Elektroimpulsgeräte anderer Hersteller. Die US-Firma Digital Ally ließ ein drahtloses Modell patentieren, die Entwicklung eines Prototyps folgt. In der Türkei wurde eine drahtlose Elektroschockpistole unter dem Namen „Wattozz“ entwickelt.

Eine weitere Elektroschockpistole „Magen“, entwickelt von einer israelischen Firma, erlaubt die Einführung eines fünfschüssigen Magazins; nach Schussabgabe durch Knopfdruck wird die verbrauchte Kartusche ausgeworfen und automatisch durch eine neue ersetzt. Diese Funktionsweise entspricht einer halbautomatischen Pistole.

Wirkung Die Wirkung dieser Elektroimpulswaffe beruht auf einem Stromdurchfluss des Körpers, hervorgerufen durch eine Spannung um 1 Kilovolt. Es handelt sich um eine Impulsfolge mit einer Rate von beispielsweise etwa 18 Impulsen pro Sekunde, die während einer Dauer von etwa 60 Mikrosekunden einen Strom von 2 bis 4 Ampere erzeugen. Sowohl Energie als auch die elektrische Ladung pro Puls ist vergleichsweise gering und beträgt bei einem Körperwiderstand von 250 Ohm zum Beispiel etwa 100 Millijoule. Zum Vergleich: ein Weidezaungerät erzeugt Impulse mit bis zu 6 Joule und Energie bei Spannungen bis 10 Kilovolt und im Sekundentakt. Die elektrische Ladung beträgt bis zu etwa 1 mC und bei einer Elektroimpulswaffe bis zu etwa 200 µC, also knapp unterhalb der Flimmerschwelle was einem sehr geringen Risiko für Kammerflimmern entspricht, welches aber nicht komplett ausgeschlossen werden kann.

Es tritt vor allem direkte elektrische Stimulation von Typ A-α-Motoneuronen, wodurch Impulse direkt zu motorischen Synapsen geleitet und tonische Muskelkontraktionen hervorgerufen werden. Es kommt dabei zur Überlagerung mit der körpereigenen Erregungsleitung.

Durch die Verwendung von pfeilförmigen Projektilen beim Distanzmodus können unabhängig von den elektrischen Impulsen Organe wie Augen oder nahe der Körperoberfläche gelegene Arterien verletzt werden. Weiterhin können Wunden bei Entfernung der Widerhaken entstehen.