Taormina (sizilianisch: Taurmina) ist eine italienische Stadt mit Einwohnern (Stand ) an der Ostküste Siziliens. Die Gründung der Stadt geht auf die Sikeler zurück, die schon vor der griechischen Kolonisation auf den Terrassen des Monte Tauro siedelten. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde die Stadt griechisch. Die heutige Stadt ist eine Neugründung aus dem Mittelalter, nachdem die Araber die antike Stadt zerstört hatten.

Wegen der malerischen Landschaft, des milden Klimas und zahlreicher historischer Sehenswürdigkeiten entwickelte sich die Stadt im 19. und 20. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Touristenzentren Siziliens. Besonders bekannt sind das antike Theater mit Blick auf den Ätna und den Golf von Giardini-Naxos und die kleine Insel Isola Bella vor der Küste der Stadt.

Lage und Klima Taormina liegt in der italienischen Metropolitanstadt Messina der Autonomen Region Sizilien, etwa 40 Kilometer nordöstlich des Ätna am Ionischen Meer zwischen Messina und Catania. Der ursprüngliche Ortskern wurde auf einer Terrasse des Monte Tauro etwa 200 m über dem Meeresspiegel errichtet. Heute erstreckt sich das Stadtgebiet bis ans Meer.

Die Nachbargemeinden der Stadt sind Calatabiano, Castelmola, Castiglione di Sicilia, Gaggi, Giardini-Naxos und Letojanni. Von Messina ist Taormina 45 km entfernt, von Catania 57 km.

Das mediterrane Klima ist hier an der Ostküste Siziliens besonders mild. Im Januar und Februar liegen die Durchschnittstemperaturen bei 14 °C, im Juli und August bei 28 °C bis 33 °C. Die durchschnittlichen Wassertemperaturen betragen im Winter 16 °C, im Sommer 28 °C. Die regenreichsten Monate sind November und Dezember.

Ortsteile Neben dem auf dem Monte Tauro gelegenen Hauptort gehören einige Orte am Meer und im Tal zum Gemeindegebiet von Taormina. Mazzarò, Villagonia und Mazzeo sind die am Meer liegenden Ortsteile von Taormina, Trappitello liegt etwa 2 km im Landesinneren im Alcantara-Tal.

Mazzarò mini|Küste von Taormina mit den Badestränden Die schnellste Art, um den Höhenunterschied zwischen der Altstadt und Mazzarò zu überwinden, ist die Fahrt mit einer Seilbahn. Sie dauert nur wenige Minuten und bietet Ausblick auf den Ort Castelmola und die Bucht von Letojanni.

In zwei kleinen Buchten befinden sich die Badestrände von Taormina. Ausflugsboote bieten die Möglichkeit, von hier aus zu den Nachbarorten Letojanni und Giardini-Naxos zu fahren. Hauptanziehungspunkt für Touristen ist in Mazzarò die Isola Bella, eine kleine Insel, die über eine Sandbank mit dem Strand verbunden ist. Sie steht seit 1998 unter Naturschutz, da hier seltene Pflanzen- und Vogelarten zu beobachten sind. Südlich der Badebuchten von Mazzarò befindet sich das Capo Taormina, eine in das Meer hinausragenden Landzunge.

Trappitello In unmittelbarer Nachbarschaft zu Giardini-Naxos liegt der Ortsteil Trappitello. In diesem Ortsteil sind viele der nicht dem Tourismus dienenden Gewerbe zentriert, da er sich besser als der beengte Hauptort für diese eignet und auch, weil Trappitello nahe einer Autobahnausfahrt liegt.

Bevölkerung Taormina hat Einwohner (Stand ) und ist eine der bevölkerungsreichsten und dichtestbesiedelten Gemeinden der Metropolitanstadt Messina.

Der größte Teil der Bevölkerung gehört der römisch-katholischen Kirche an. Daneben gibt es eine anglikanische Gemeinde, die von englischen Siedlern gegründet wurde, die im Gefolge des zum Herzog von Bronte ernannten Lord Horatio Nelson, 1. Viscount Nelson nach Sizilien gekommen waren. Deren Kirche Saint George wird ebenfalls von der evangelisch-lutherischen Kirche zu Gottesdiensten genutzt. Vor allem unter den älteren Bürgern wird die sizilianische Sprache gepflegt.

Geschichte mini|hochkant|links|Porta Messina (1900) Um 1300 v. Chr. siedelten sich die Sikeler, die der Insel Sizilien ihren Namen gaben, auch auf den Hängen des Monte Tauro an. Die Einwohner unterhielten gute Beziehungen zu den Griechen der 735 v. Chr. ganz in der Nähe gegründeten Stadt Naxos. Nach der Zerstörung von Naxos durch Dionysios I. von Syrakus nahmen sie deren Bewohner in ihre Stadt auf. Die Griechen nannten die Stadt Tauromenion, und im Jahr 358 v. Chr. wurde mit Andromachos, dem Vater des Historikers Timaios, zum ersten Mal ein Grieche Herrscher der Stadt.

Als Sizilien im 3. Jahrhundert v. Chr. nach dem Ersten Punischen Krieg eine römische Provinz geworden war, wurde aus Tauromenion lateinisch Tauromenium, und hohe Beamte aus Rom ließen hier für ihre Familien Wohnhäuser im Stil römischer Stadtvillen errichten. Die Stadt wurde von den Römern mit großen Wasserreservoirs ausgestattet, so dass sie langen Belagerungen standhalten konnte. Da Tauromenium nach der Ermordung Gaius Iulius Caesars den Sextus Pompeius gegen das zweite Triumvirat unterstützt hatte, ließ Octavian nach seinem Sieg über Sextus Pompeius 36 v. Chr. die Bewohner deportieren.

Bei der Eroberung Siziliens durch die Sarazenen konnte Tauromenium durch seine geschützte Lage und seine Wasserreservoirs lange Zeit den Angriffen widerstehen und wurde nach dem Fall von Syrakus zum Zentrum des noch byzantinisch beherrschten Teils Siziliens. Als der byzantinische Feldherr Nikephoros Phokas mit seinen Soldaten nach Konstantinopel zurückbefohlen wurde, wandte sich das Blatt.Nikephoros Phokas bei mittelalter-genealogie.de, abgefragt am 1. August 2010 Am 1. August 902 wurde der Ort von einer Streitmacht des aghlabidischen Emirs Abū Ishāq Ibrāhīm II. erobert. (englisch), abgefragt am 1. August 2010

Nach zwei Aufständen gegen die arabische Herrschaft 962 und 969 wurde die Stadt zerstört. Erst im 13. Jahrhundert wurde sie wieder besiedelt, konnte aber ihre frühere Bedeutung nie mehr erreichen. Besonders nach einem Aufstand 1674–1678 gegen die spanische Vorherrschaft verschlechterte sich die Lage Taorminas immer mehr. Als im 18. Jahrhundert die Straße Messina–Syrakus an die Küste verlegt wurde und nicht mehr durch Taormina lief, sank die Stadt zu einem unbedeutenden Dorf ab. Erst durch den Tourismus erfuhr Taormina wieder einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Wirtschaft Haupterwerbszweige in Taormina sind Dienstleistung und Tourismus. Im Jahr 2005 verzeichnete die Stadtverwaltung 1,3 Millionen Besucher. Neben 60 Hotels der gehobenen und mittleren Klasse bieten zunehmend auch kleine Pensionen Unterkünfte an. Im Stadtkern befindet sich eine Vielzahl gastronomischer Betriebe und auch die meisten Ladengeschäfte haben sich hier auf den Tourismus umgestellt. Ein weiterer Erwerbszweig ist die Produktion von Mandelmilch und Mandelwein.

Tourismus Einer der ersten Touristen Taorminas war im Jahr 1787 Johann Wolfgang von Goethe, der den Ort in Begleitung von Christoph Heinrich Kniep besuchte und ihm einige Seiten in der Italienischen Reise widmete.Italienische Reise: Taormina

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann der Tourismus aufzublühen. Der Maler Otto Geleng machte durch seine Landschaftsbilder von Taormina und Umgebung den Ort weit über Sizilien hinaus bekannt. Ab 1872 war er 10 Jahre lang Bürgermeister von Taormina. Für Aufmerksamkeit sorgten auch die Fotografien von Wilhelm von Gloeden. Geleng und von Gloeden lockten weitere Künstler an wie zum Beispiel Oscar Wilde, D. H. Lawrence, Thomas Mann und Richard Strauss.

Auch wenn Taormina viele Künstler anzog, bildete sich hier keine Künstlerkolonie, es kamen nur wohlhabende Künstler, die sich teure Hotels leisten konnten oder sich eine eigene Villa bauten. Die homoerotischen und pädophilen Fotografien von Gloedens zogen Menschen an, die ihre Neigungen in der bürgerlichen Kultur Europas nicht ausleben konnten. 1896 besuchte Selma Lagerlöf zusammen mit ihrer Geliebten Taormina. In den späteren Roman Der Antichrist flossen Motive dieses Aufenthalts ein. Auch André Gide besuchte 1896 mit seiner Frau Taormina. Seine Gefühle verarbeitet er später in seinem Roman Der Immoralist, in dem sein Alter Ego seine Zuneigung zu „jungen, braunhäutigen Arabern“ entdeckt. 1899 kam Robert Kitson nach Taormina, ein „schwerreicher Erbe, Künstler, Kunstmäzen und Bohémien“. Er ließ sich eine Villa im Arts‐and‐Craft Stil bauen mit Säulen im Stil Andrea Palladios. Die Futuristen Giacomo Balla und Fortunato Depero haben während ihres Aufenthalts die Villa ausgeschmückt.

Frank Brangwyn kam regelmäßig für mehrere Monate zu Besuch und zum Arbeiten. Außer seinen offiziellen Gemälden schuf er hier homoerotische Bilder, vor allem junger Männer, und er malte die Villa mit Wandgemälden aus, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren und später einen Skandal verursachten. Als 1908 die Stadt Messina durch ein Erdbeben stark zerstört wurde, zeichnete er Skizzen von den Verwüstungen und stellte sie in London und Paris aus, um Spenden für die Opfer zu sammeln; die Aktion war sehr erfolgreich. Der französische Schriftsteller Roger Peyrefitte hat jahrelang in Taormina gelebt und wurde zum Ehrenbürger ernannt. In seinem Roman Les amours singulières von 1949 erzählt er die Geschichte von Wilhelm von Gloeden.

Dank des milden Klimas wurde Taormina zu einem beliebten Winteraufenthaltsort europäischer Adliger, zum Beispiel des deutschen Kaisers Wilhelm II. Anlässlich des Besuchs der österreichischen Kaiserin Elisabeth wurde der 1866 eingerichtete Bahnhof Taormina-Giardini erheblich ausgebaut und erhielt das noch heute bestehende Hauptgebäude im Jugendstil. Viele Gäste blieben für Wochen oder Monate und trugen zum wirtschaftlichen Wachstum bei. Die ersten großen Hotels wurden eröffnet.

Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Taormina anlässlich des bis heute jährlich stattfindenden Festivals Taormina Arte zu einem beliebten Erholungsort für Filmstars wie Greta Garbo, Marlene Dietrich, Cary Grant, Elizabeth Taylor und viele andere. Die Hauptreisezeit verschob sich deshalb vom Winter auf den Sommer. Heute ist die Stadt ganzjährig Ziel für Reisegruppen und Tagestouristen aus aller Welt.

Verkehr mini|Der Bahnhof von Taormina-Giardini

Über die Autobahn A18 Messina–Catania und die Bahnstrecke Messina–Syrakus der Trenitalia ist der Ort für Reisende gut erreichbar. In Catania befindet sich der internationale Flughafen Fontanarossa, von Messina aus verkehren täglich Fähren zum italienischen Festland.

Der Bahnhof von Taormina (offiziell trägt er die Bezeichnung Taormina-Giardini) liegt im Ortsteil Villagonia, wenige Meter von der Küste entfernt. Von der Altstadt aus zu den Ortsteilen am Meer verkehren Stadtbusse und eine Seilbahn.

Die Altstadt ist verkehrsberuhigt, verfügt aber über zwei große Parkhäuser: Das Parkhaus Porta Catania und das Parkhaus Lumbi. Letzteres dient im Winter, wenn weniger Touristen nach Taormina kommen, zum Teil als Veranstaltungsort für Messen und Ausstellungen. Im Sommer bietet es Platz für 965 PKW und 40 Busse. An der Straße, die von dem Campingplatz zur Altstadt hinaufführt, gibt es einen Stellplatz für etwa zehn Wohnmobile.

Aufgrund der steigenden Kosten für Straßenreinigung und Müllbeseitigung, die vor allem durch den Tourismus bedingt sind, hat die Stadtverwaltung beschlossen, eine zusätzliche Gebühr für die Benutzung der städtischen Parkplätze zu verlangen. Seit Juni 2006 wird daher eine Umweltgebühr für PKW, Kleinbusse und Reisebusse berechnet.

Bildung Das Istituto Comprensivo Ugo Foscolo, benannt nach dem italienischen Dichter, hat rund 600 Schüler. Die Schule wurde infolge der italienischen Schulreform 2003 zu einer integrierten Schule. Kindergarten, Elementarstufe und Mittelstufe sind nun in einem Gebäude untergebracht. Die Elementarstufe umfasst fünf Schuljahre, und als erste Fremdsprache wird Englisch unterrichtet. Die Mittelstufe endet nach drei Jahren mit einer Abschlussprüfung. Da in Taormina aufgrund des Tourismus das Interesse an der deutschen Sprache groß ist, wurde per Abstimmung beschlossen, in der Mittelstufe neben Französisch als zweite Fremdsprache wahlweise Deutsch anzubieten.