mini|Lage von Elten in Emmerich am Rhein
Elten ist ein Stadtteil der Stadt Emmerich am Rhein im Kreis Kleve in Nordrhein-Westfalen und staatlich anerkannter Luftkurort. Es hat eine Fläche von rund 9 km² und 4.709 Einwohner (Stand Februar 2023), darunter eine niederländische Minderheit.
Geografie und Verkehr Der Eltenberg ist Teil eines eiszeitlichen Stauchmoränenwalles, der sich deutlich ueber die untere Rheinniederung erhebt und der sich auf niederländischer Seite bis nach Montferland fortsetzt. Das von Nordosten vordringende Eis schob hierbei ältere fluviatile Sedimente (Terrassen-Sande u. -Kiese) des Rheins zu einem Wall auf. Der bis 82,4 m hohe Höhenzug (Rheinauen-Niveau ca. 14 m) wird in weiten Teilen von Flugsandbildungen überlagert, an seiner Ostseite finden sich auch Dünen.https://www.gd.nrw.de/wms_html/geotope/GK-4102-017.pdf
Elten liegt am Niederrhein in unmittelbarer Nähe zu den Niederlanden an der Autobahn A 3 vom Ruhrgebiet nach Arnheim. Hier beginnt auch die B 8, die 800 Kilometer durch Deutschland bis Passau an die österreichische Grenze führt.
Elten liegt an der Bahnstrecke Oberhausen–Arnhem, der hier befindliche Haltepunkt war von 1965 bis Juli 2019 außer Betrieb.Emmerich: Was die Bahn für Elten plant. RP-Online, 22. April 2017 Einmal stündlich hält der Rhein-IJssel-Express (RE 19 Düsseldorf–Arnhem) in Elten. Des Weiteren wird Elten durch die Buslinien 94 (Emmerich – Elten) der Niederrheinischen Verkehrsbetriebe und 566 (Spijk – Elten – Zevenaar) von Breng bedient.
Geschichte Erste urkundliche Erwähnungen Im Jahr 884 wurde das Hamaland in eine nördliche und eine südliche Grafschaft geteilt. Zur südlichen Grafschaft gehörten die Kastelle Hauberg, Eltenberg sowie der Ort Elten. Auf dem Eltenberg war eine Grafenburg erbaut worden, die von ansehnlicher Größe und Ausstattung gewesen sein muss, denn im Jahr 944 besuchte dort König Otto I. mit seinem Gefolge die Verwandten seiner Ehefrau. Als Graf für das südliche Hamaland ernannte Otto I. den Grafen Wichmann von Hamaland, der im Jahr 967 auf dem Eltenberg das adelige Damenstift gründete, aus dem sich das Stift Elten als reichsunmittelbares Territorium entwickelte.
Da der Ort in frühmittelalterlichen Urkunden „Alten“ genannt wurde, nahm der Historiker Anton Fahne an, dass sein Name anscheinend von dem lateinischen Wort altum (‚hoch‘) herzuleiten sei.Anton Fahne: Das fürstliche Stift Elten. Geberle’sche Buchhandlung (G. Lempertz), Köln 1850, S. 12 (Google Books)
Entwicklung vom Mittelalter bis 1800 Die erste Kirche in Niederelten war wahrscheinlich ein riedgedeckter Holzbau. Als in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts statt des bisherigen Holzbaues ein Steinbau geplant wurde, löste der Utrechter Bischof Bernulph die Eltener St.-Martinus-Kirche von der Zugehörigkeit zum Stift und unterstellte sie der St.-Aldegundis-Kirche in Emmerich. Zur Förderung des Kirchbaues bestimmte Graf Herrmann von Zutphen zwischen 1051 und 1054, dass die Einkünfte der Kirche von Zevenaar an Zins und Getreide so lange der Kirche zu Niederelten zufließen sollten, bis diese erbaut sei. Bereits zu dieser Zeit spielte der kleine Ort Elten im Handel und Verkehr am Niederrhein eine beachtliche Rolle. Der alljährliche örtliche Vitusmarkt wurde bald weit und breit berühmt.
Mit dem Aufblühen des Damenstifts wuchs auch der Ort. Handwerker siedelten sich in größerer Zahl an, und mehr denn je nahmen Kaufleute ihren Weg über Elten. Denn Elten lag an der alten Handelsstraße von Köln nach Amsterdam, die damals östlich an Elten vorbeiführte.
Mitte des 12. Jahrhunderts war aus der kleinen Siedlung am Vitusstift und um den Hof Heltnon (der wahrscheinliche Ursprung für den heutigen Namen Elten) ein größerer Ort geworden, der 1142 in dem Privileg (des Kölner Erzbischofs) für sieben Orte, nämlich Wesel, Xanten, Rees, Emmerich, Doetinchem, Elten, genannt wurde, und seiner Bedeutung nach später zwischen Rees und Emmerich stand. Elten wurde in der Urkunde in Bezug auf Handel, Verkehr und Zollfreiheit den anderen Orten gleichgestellt, erhielt jedoch kein Stadtrecht. Die jeweilige Äbtissin des Stiftes war „Stadtherrin“; sie hatte das Markt- und Gerichtsrecht. Die Bürger von Niederelten wählten zwei „Polizeischöffen“, die den zu jener Zeit üblichen Namen „Burmeister“ (Bürgermeister) führten, und zwar einen ersten und zweiten Bürgermeister. Da aber damals die Bürgermeister weder lesen noch schreiben konnten, besorgte der stiftische Richter die schriftlichen Geschäfte. Außer diesen beiden Bürgermeistern wählte die Bevölkerung einen Bürgermeistereirat, den man „Magistrat“ nannte. Niederelten verfügte später über eine eigene Polizei, eine eigene Zivilgerichtsbarkeit und hatte sogar einen Richtplatz. Dort war ein Galgen auf einer kleinen Anhöhe in dem östlich von Elten sich erstreckenden Waldgebiet, heute als „Galgenberg“ bezeichnet.
1412 bestand in Elten bereits eine öffentliche Volksschule, deren Lehrer die Äbtissin anstellte und besoldete. Der Lehrer, der gleichzeitig das Küsteramt an der St.-Martinus-Kirche versah, bezog jedoch kein festes Gehalt; seine Besoldung erfolgte teils in Geld, teils in Naturalien. Außerdem erhielt er für sein Küsteramt noch ein geringes Entgelt. Weil die Bezüge des Lehrers nicht ausreichten, um auch nur ein kümmerliches Leben zu führen, war er auf „milde Gaben“, die ihm die Kinder brachten, angewiesen. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts hatte Elten eine Einwohnerzahl von 5000. 32 Bierbrauereien im Abteigebiet versandten ihr Bier bis nach Schweden und Norwegen. Der Name „Oppenhof“ für das Gebiet entlang der heutigen Bundesstraße nach Emmerich vom Ortsausgang bis zum Eisenbahnübergang entstand aus dem alten Namen „Hopenhof“, d. h. Hopfenhof, und zeugt noch heute von den großen Hopfenfeldern, die dort in früheren Jahrhunderten den Hopfen für das von den Skandinaviern geschätzte Eltener Bier lieferten. Doch das Eltener Bier schien bei der Eltener Bevölkerung weniger beliebt gewesen zu sein, denn Elten führte auch Bier von auswärts ein.
Im Jahr 1719 vernichtete ein großer Brand, dessen Ursache nicht überliefert ist, weite Teile Eltens. Die Bevölkerung scheint sich davon jedoch schnell wieder erholt zu haben, denn bereits um 1722, also wenige Jahre nach dem Brand, erhielt die Klosterstraße ein Steinpflaster.
Ende der Selbstständigkeit des Reichsstifts Trotz fast ständigen Streites mit der weltlichen Macht, insbesondere dann, wenn es um die Investitur der Äbtissin ging, behielt das Stift auf dem Eltenberg seine Aufgaben als Versorgungsinstitut für adlige Damen bis zum 6. Juni 1802. Mit diesem Tag nahm König Friedrich Wilhelm III. von Preußen – im Vorgriff auf den Reichsdeputationshauptschluss – Stift und Abtei Elten als Entschädigung für die mit dem Friedensschluss von Lunéville an Frankreich gefallenen linksrheinischen Gebiete in preußischen Besitz. Hierdurch wurde es auch erstmals möglich, dass evangelische Bürger in Elten ihren Wohnsitz nehmen konnten, da bis dahin jedem Protestanten die Niederlassung in Elten untersagt war.
Mit der Säkularisation verlor das Stift Elten seine Reichsunmittelbarkeit. Kurz bevor durch ein französisch-preußisches Abkommen Franzosen Herren über Elten wurden, wurden dem Ort am 15. Februar 1806 durch den preußischen Staatsminister Graf von Schulenburg alle besonderen Rechte, die Elten jahrhundertelang unter der Regierung der Äbtissin gehabt hatte, abgesprochen. Die Bezeichnung „Magistrat“ für den Bürgerausschuss war nur noch ein Titel. Elten wurde dem Emmericher Landrat von Sonsfeld und dem Landgericht Emmerich unterstellt. Die Kriminalgerichtsbarkeit wurde dem märkischen Kriminalgericht zu Wesel übertragen. Elten mit Lobith und Wehl gehörten infolge des Vertrags mit den Franzosen zum Großherzogtum Berg, das Mitte 1806 als rechtsrheinischer Modellstaat neu gebildet wurde. Innerhalb dieses Landes wurde Elten dem 1808 formierten Kanton Emmerich im Arrondissement Essen zugeordnet.
Im Zuge der Bildung des Großherzogtums Berg im Sommer 1806 ernannte Napoleon Bonaparte seinen Schwager Joachim Murat zu dessen Großherzog, der damit auch Landesherr über Elten wurde. Nachdem Murat zum König von Neapel aufgestiegen war, wurde 1809 Napoleons minderjähriger Neffe Napoléon Louis Bonaparte neuer Landesherr. 1811 trat das Großherzogtum Berg verschiedene rechtsrheinische Gebiete nördlich der Lippe an das Erste Kaiserreich ab, auch das Gebiet Eltens, das innerhalb des Großherzogtums zum Département Rhein gehört hatte. Am 18. März 1811 verfügte Napoleon die vollständige Aufhebung des Stiftes und der Abtei auf dem Eltenberg und setzte damit den Schlussstrich unter eine Epoche von achteinhalb Jahrhunderten. Der reiche Landbesitz der Abtei wurde französisches Staatseigentum. Die Messgewänder und Kirchengeräte und damit auch der sogenannte Kirchenschatz, der heute mit seinen Resten in der St.-Martini-Kirche in Emmerich ausgestellt ist, wurden teils der Pfarrkirche in Elten, teils den Kirchen der Grafschaft Bentheim geschenkt. Die Pfarrei Hochelten wurde der Pfarrei Niederelten unterstellt. Den Stiftsdamen wurde ein Ruhegehalt zugebilligt.
Etwa zwanzig besonders wertvolle Stücke vom ursprünglichen Reliquienschatz der Abteikirche St. Vitus wurden Anfang des 20. Jahrhunderts mit finanzieller Unterstützung des preußischen Regierung der Rheinprovinz restauriert.Edmund Renard. In: Bericht über die Tätigkeit der Provinzialkommission für die Denkmalspflege. Teil VIII. Bericht über ausgeführte Arbeiten. 1903, S. [20–21]12–13. Onlinefassung – Der Umfang betraf im Wesentlichen Reliquien-Ostensorien, eine spätgotische Greifklaue, eine Muschelreliquie, ein arabisches Kristallfläschchen in Form eines Fisches, eine Silberfigur des hlg. Michael, ein Ziborium mit Silbergruppen auf Emailgrund und diverse Pektoralien. Der schlechte Zustand dieser Teile war durch mangelnde Pflege nach der Auflösung des Stiftes entstanden. Im Jahr 1900 wurde die Restaurierung für diesen Schatz beschlossen, um sie auf der Kunstausstellung 1902 in Düsseldorf auszustellen. Die Arbeiten wurde vom Goldschmied Paul Bremmers aus Düsseldorf ausgeführt. Sie umfassten die Ausbeulung einzelner Stücke, der Ersatz fehlender Nieten, die Befestigung loser Teile durch Löten und der Austausch von unsachgemäßen Zinnlötungen durch Silberlot. Der Gesamtaufwand für diese Arbeiten betrug etwa 500 Mark. 321 Mark davon wurden aus einem Fonds bezahlt, der für die Kunstausstellung in Düsseldorf bewilligt worden war.
Napoleon I. in Elten Nach der Niederlage im Russlandfeldzug 1812 verließ Napoleon sein Heer und floh in Eilmärschen gen Westen in Richtung Frankreich. Sein Fluchtweg führte auch über Elten. Dort traf Napoleon mit dem Volontär der Eltener Stadtverwaltung, Andreas Jansen, zusammen, der perfekt Französisch sprach, weil seine Mutter eine Französin war. Napoleon soll sich in Elten im heutigen Haus Het oude Posthuis aufgehalten haben. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 brach die Macht Napoleons über Deutschland zusammen. Die Nordarmee der Alliierten folgte den fliehenden französischen Truppen. Am 30. November 1813 vertrieben preußische Truppen die Franzosen aus Elten.Johann Sporschil: Geschichte des Krieges des verbündeten Europas gegen Napoleon Bonaparte in den Jahren 1813, 1814 und 1815, Bd. 1: Der Feldzug von 1813, Teilband 3. Westermann, Braunschweig 1841, S. 1127. Am 5. April 1815 wurde die Vereinigung der im Rheinland an Frankreich abgetretenen Gebiete mit Preußen verkündet; so kam auch Elten wieder unter die preußische Herrschaft. Durch die ständigen Kriegswirren, die die Stadt Elten und ihre Bürger seit dem 16. Jahrhundert überzogen hatten, war die Bevölkerung auf unter 1500 Einwohner gesunken.
Abbruch der Stiftsgebäude