mini|Detmold, Martin-Luther-Kirche im Straßenbild mini|Fürstliches Residenzschloss Detmold Detmold (niederdeutsch Deppelt, Deppeln, auch [in Lautschrift] DeppəlKarl Wehrhan: Lippische Kinderlieder. II. Erziehung, Zucht, Lehre und Strafe. In: Zeitschrift des Vereins für rheinische und westfälische Volkskunde. 2. Jg., 2. Heft, 1905, S. 116 (ub.uni-koeln.de [Digitalisat der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, abgerufen am 23. September 2018]).) ist eine Mittelstadt im Zentrum der Region Ostwestfalen-Lippe in Nordrhein-Westfalen. Mit Einwohnern () ist Detmold die größte Stadt im Kreis Lippe. Sie ist Hochschul- und Behördenstadt: zum einen durch die ansässige Musikhochschule und die Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe, zum anderen durch die Kreisverwaltung und die Bezirksregierung des Regierungsbezirks Detmold.
Als besondere touristische Attraktion findet sich mit dem Hermannsdenkmal die höchste Statue Deutschlands im Teutoburger Wald bei Detmold-Hiddesen. Weitere wichtige kulturelle Einrichtungen sind das größte Freilichtmuseum Deutschlands und das Landestheater Detmold. Das Deutsche Jugendherbergswerk hat seinen Sitz in Detmold.
Von 1468 bis 1918 war Detmold die Residenzstadt der Herren, Grafen und Fürsten zur Lippe, danach bis 1947 Hauptstadt des Freistaats Lippe bzw. des Landes Lippe, welches anschließend in das neue Bundesland Nordrhein-Westfalen eingegliedert wurde. Von 1932 bis 1972 war Detmold Sitz des Kreises Detmold. Seit 1973 ist Detmold Sitz des aus den zusammengelegten Kreisen Detmold und Lemgo bestehenden Kreises Lippe.
Geografie Geografische Lage Detmold liegt in der Region Ostwestfalen-Lippe im Osten Nordrhein-Westfalens am Rande des Naturparks Teutoburger Wald/Eggegebirge. Der Süden des Stadtgebiets wird vom Teutoburger Wald bedeckt, die eigentliche Stadt liegt nördlich davon, rund 30 Kilometer östlich von Bielefeld und zirka 100 Kilometer südwestlich von Hannover.
Entwässert wird das Stadtgebiet von der Werre, in die in der Stadt der Knochenbach und der Heidenbach münden. Der Knochenbach entsteht aus der Vereinigung der Wiembecke und der Berlebecke im Ortsteil Heiligenkirchen. Größere Stehgewässer sind der Meschesee in Heidenoldendorf und der Donoperteich in Hiddesen.
Geologie mini|Geothermische Karte von Detmold Das Stadtgebiet weist, wie der gesamte lippische Raum, eine große geologische Vielfalt auf. Südlich der Detmolder Innenstadt verläuft der Kamm des Osning, der zusammen mit dem Eggegebirge den langgestreckten Teutoburger Wald bildet. Der Osning ist aus kalkigen Sandsteinen des Trias aufgebaut, mit vielen Brüchen und Falten. Diese Zerklüftung ist ein Grund dafür, dass es in der Umgebung so viele Kurorte und Mineralwasserquellen gibt. Der Ortsteil Hiddesen ist ein solcher Kurort mit Schonklima.
Die Böden weisen eine mittlere bis sehr gute Qualität auf. Zum Ende der letzten Kaltzeit hin lagerte sich entlang des nördlichen Hangs des Teutoburger Waldes Mergelstaub ab und bildete Lösserden. Bis dorthin waren die Gletscher vorgedrungen. Vorherrschender Untergrund sind Sand- und Tonsteine aus dem Mesozoikum. Darauf befinden sich überwiegend Podsol-Braunerden und Pseudogley-Braunerden. Im nordwestlichen Stadtgebiet dominieren die Keuperhügel des Lipperlandes. Entlang der Werre durchziehen von Südosten nach Nordwesten Auenböden das Stadtgebiet. In den höheren Lagen des Osningkamms besteht die Oberschicht aus Muschelkalk, in dem vielfach Fossilien zu finden sind.
Ein bekannter Geologe, der die Sandsteine des Teutoburger Waldes erforscht hat, war der Gymnasialprofessor Otto Weerth.
Exponate zur Detmolder Geologie sind im Lippischen Landesmuseum ausgestellt oder befinden sich dort im Fundus.
Die Eignung des Stadtgebiets von Detmold zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen ist standortabhängig sehr unterschiedlich. Es gibt Standorte mit geringer, aber auch solche mit sehr guter Eignung (vgl. die nebenstehende Karte).Geologischer Dienst NRW: (PDF; 360 kB) In: nrw.de, abgerufen am 4. März 2020.
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Die als „Große Mittelstadt“ klassifizierte Stadt erstreckt sich über eine Fläche von 129,39 Quadratkilometer. Das Gemeindegebiet hat eine maximale Ausdehnung sowohl in Ost-West-Richtung als auch in Nord-Süd-Richtung von etwa 15,5 Kilometer. Die Angaben über die Nutzungsart stammen aus dem Jahr 2015:
Flächenach Nutzungsart Landwirt-schafts-fläche Wald-fläche Gebäude-,Frei- undBetriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 52,11 42,50 20,97 8,41 0,82 4,14 0,44 Anteil an Gesamtfläche 40,27 % 32,85 % 16,21 % 6,50 % 0,63 % 3,20 % 0,34 %
Nachbargemeinden Detmold ist nur von Städten und Gemeinden des Kreises Lippe umgeben, diese sind (im Uhrzeigersinn beginnend im Norden) Lemgo, Blomberg, Horn-Bad Meinberg, Schlangen, Augustdorf und Lage.
Stadtgliederung Nach § 3 Abs. 1 ihrer Hauptsatzung gliedert sich die Stadt Detmold in folgende 27 Ortsteile:Hauptsatzung der Stadt Detmold vom 5. Dezember 1995 (zuletzt geändert durch 27. Änderungssatzung vom 21. Juni 2024). (PDF; 101 kB) In: detmold.de, abgerufen am 18. August 2024. Die Einwohnerzahlen stammen von 2017. mini|Stadtteile
Ortsteil EinwohnerStand 31. Dezember 2017, Quelle: . Fläche(km²) Bevölkerungsdichte(Einwohner/km²) Barkhausen 178 5,31 34 Bentrup 367 3,25 113 Berlebeck 2.233 12,61 177 Brokhausen 505 4,10 123 Detmold-Nord 28.017 11,80 2374 Detmold-Süd Diestelbruch 2.162 4,73 457 Hakedahl/Herberhausen 2.202 3,48 633 Heidenoldendorf 8.113 6,14 1321 Heiligenkirchen 3.143 9,99 315 Hiddesen 7.375 11,35 650 Hornoldendorf 145 3,92 37 Jerxen-Orbke 3.252 3,01 1080 Klüt 1.672 3,01 555 Loßbruch 798 1,05 760 Mosebeck 433 4,21 103 Niederschönhagen 76 2,60 29 Nienhagen 318 3,68 86 Niewald 57 1,38 41 Oberschönhagen 72 4,10 18 Oettern-Bremke 151 3,25 46 Pivitsheide V. H. 3.086 3,45 894 Pivitsheide V. L. 6.414 5,90 1087 Remmighausen 1.714 3,77 455 Schönemark 211 4,50 47 Spork-Eichholz 3.162 3,20 988 Vahlhausen 534 2,48 215
Klima Das Detmolder Stadtgebiet gehört zum maritimen Klimabereich Nordwestdeutschlands. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt etwa 9 °C, der südliche Stadtrand ist kälter, während die nördlichere Peripherie wärmer als das Mittel ist. Die Monatsmittel schwanken regionaltypisch von etwa 0 °C im Januar bis 17 °C im Juli/August. Die Jahresniederschlagsmenge beträgt etwa 900 Millimeter Wassersäule, zum Teutoburger Wald hin zunehmend. Die durchschnittliche jährliche Sonneneinstrahlung beträgt 955 Kilowattstunden pro Quadratmeter.
Für den relativ hoch und direkt am Teutoburger Wald gelegenen Detmolder Ortsteil Hiddesen ergeben sich folgende, im Vergleich zum Stadtzentrum kühlere und feuchtere, Klimawerte:
Geschichte Mittelalter und Stadtgründung mini|hochkant=1.2|Kupferstich der Stadtansicht von „Detmolden“ nach Matthäus Merian, 1647 mini|Detmold um 1660 mini|Kupferstich von Detmold um 1670 nach Johann Georg Rudolphi mit Blick auf die Grotenburg mini|Kupferstich von Detmold um 1664 von Elias und Heinrich van Lennep, Blick von Süden entlang des Knochenbachs hin zum Hornschen Tor Detmold wurde 783 als Theotmalli erstmals erwähnt (bei Johannes Piderit 1627 als Dithmal, Dithmaldt),Johannes Piderit: Chronicon Commitatus Lippiae. Kap. II, S. 15 (uni-muenster.de). nach Einhard und anderen leitet sich der Name von der althochdeutsch-altsächsischen Bezeichnung einer Volkgerichtsstätte (Thing) ab (Theot für das Volk; mahal für Gericht, Gerichtsstätte), deren Ursprung vermutlich bis zurück in die Römerzeit reicht.Jürgen Udolph: Namenkundliche Studien zum Germanenproblem (= Reallexikon der Germanischen Altertumskunde – Ergänzungsbände. Band 9). de Gruyter, Berlin/New York 1994, ISBN 3-11-014138-8, S. 588 (kostenpflichtig. In: Germanische Altertumskunde Online bei de Gruyter). In diesem Jahre soll hier Karl der Große in den Sachsenkriegen von den Sachsen geschlagen worden sein. Ab 1005 wurde es in Altsachsen Tietmelli- oder Theotmalli-Gau genannt. Aus dem Jahre 1023 wird überliefert, dass es seinen 799 geweihten Altarstein an das Kloster Abdinghof in Paderborn abgab. Der Ort Detmelle am Werreübergang an der alten Handelsstraße von Paderborn nach Lemgo, wo es seit den Franken eine Siedlung mit Taufkirche und einigen bäuerlichen Anwesen gab, erhielt 1263 vom Edlen Herrn Bernhard III. zur Lippe das Lippstädter Stadtrecht. Im Zuge der Stadtgründung bekam Detmelle eine bescheidene Gemarkung von 971 Hektar und einen Diakon. Die früheste noch erhaltene und mit dem Stadtsiegel versehene Urkunde stammt aus dem Jahr 1305 und befindet sich im Stadtarchiv Paderborn.Karl Baedeker: Freiburg, kurzer Stadtführer. Baedeker, Freiburg 1974, . 1265 trug das Marktprivileg zur Weiterentwicklung Detmolds bei und führte zur Gründung eines Jahrmarkts. Um 1300 wurde ein zweiter Jahrmarkt am Sonntag vor Martini (11. November) eingeführt.
Ein Stadtplan aus dem Mittelalter zeigt ein Straßenkreuz, das innerhalb eines nahezu kreisrunden Rings von etwa 500 Meter Durchmesser liegt. Die beiden Hauptstraßen teilen den Ort in vier verschieden große Stadtviertel, wobei das nach Nordwesten ausgerichtete Quartier die Burg des Landesherrn enthielt. Um 1305 war die gesamte Stadt durch Graben, Wall und Mauer gesichert. Innerhalb der Stadtmauer verlief eine schmale Gasse, die, wie auch einige Überreste der Mauer, zum Teil noch heute erhalten ist (Bruchmauer-, August-, Adolf- und Karlstraße). Die Nord-Süd-Achse bildete die Lange Straße mit je einem festen Doppeltor, dem Lemgoischen Tor an der Nordseite und dem Hornschen Tor an der Südseite. Die Ost-West-Achse wurde durch die heutige Schülerstraße und die Bruchstraße gebildet. Am Ostende befand sich der Bürgerturm, wo sich jenseits der Mauer das Sumpfgebiet der Werreniederung ausdehnte, und im Westen öffnete sich die Bruchpforte zur Stadthude für das Vieh der Detmolder Ackerbürger.
Die Burg wurde im 14. Jahrhundert von einem landesherrlichen Vogt verwaltet. Die Hofhaltung und der Lebensaufwand der Burgmannengeschlechter, wie der von dem Busche, von der Borch, von Exterde und Schwartz, mussten von den Bürgern erwirtschaftet werden und hielten eine selbständige Entfaltung des kommunalen Lebens in Grenzen. Um 1450 besaß die Stadt erst 350 Einwohner und blieb bis in das 17. Jahrhundert die kleinste unter den lippischen Städten. Weitere Gründe für eine zögerliche Stadtentwicklung waren Plünderungen, Zerstörungen und Brände, so insbesondere durch die Soester Fehde 1447, als Detmold von kölnischen Truppen und böhmischen Hilfsvölkern erobert wurde.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 126. Danach baute man die Stadt zu einer starken Festung aus und 1468 wählte Graf Bernhard VII. zu Lippe Detmold zu seiner ständigen Residenz. Um 1590 hatte Detmold etwa 700 Einwohner. In: stadtgeschichte.com, abgerufen am 5. Oktober 2016.
Im Jahre 1547 suchte ein Großbrand die Stadt heim, der über 70 Häuser zerstörte. 1557 wurde das Schloss als Weserrenaissancebau mit reichem Giebelschmuck fertiggestellt.
Reformation und Dreißigjähriger Krieg Detmold wurde Sitz der Lippischen Landeskirche. Die Reformation in Lippe nahm 1538 unter Graf Bernhard VIII. ihren Anfang in Lemgo, wo ab 1522 lutherisch gepredigt wurde. Vor der Reformation gehörte Detmold zum Bistum Paderborn. 1536 war Simon von Exter der letzte katholische und erste lutherische Pfarrer von Detmold. 1605 führte der calvinistisch geprägte Graf Simon VI. das reformierte Bekenntnis ein und besetzte freiwerdende Pfarrstellen nur noch mit reformierten Pfarrern. Seit dieser Zeit ist die zentral zwischen Schloss und Marktplatz gelegene Erlöserkirche das Gotteshaus der reformierten Gemeinde.
Im Jahre 1604 wurde der im Juni abgehaltene erste Jahrmarkt abgeschafft, der zweite auf den 30. November, den Festtag des Apostels Andreas, verlegt und auf drei Tage verlängert. Seitdem wird dieser Markt „Andreasmesse“ genannt.