mini|Die Skagerrakschlacht kann als „größte Seeschlacht der Weltgeschichte“ interpretiert werden, sie änderte jedoch an der strategischen Gesamtlage nichts. Im Bild explodiert die Queen Mary, lediglich neun von 1275 Mann Besatzung überlebten. mini|Der U-Boot-Krieg entwickelte sich zur bedeutendsten Facette des Seekrieges im Ersten Weltkrieg: Versenkung eines britischen Frachtschiffs im Mittelmeer durch das U-Boot U 35 im April 1917. U 35 versenkte nicht weniger als 226 Schiffe und ist damit das vermutlich „erfolgreichste“ Kriegsschiff der Weltgeschichte.

Der Seekrieg im Ersten Weltkrieg wurde auf allen Weltmeeren ausgefochten, hatte seinen Schwerpunkt jedoch in der Nordsee.

Viele Militärs und Entscheider maßen vor 1914 dem Krieg zur See eine große oder sogar entscheidende Rolle bei. Tatsächlich kam es im Ersten Weltkrieg nicht zur allseits erwarteten Entscheidungsschlacht, wenngleich die Skagerrakschlacht als „größte Seeschlacht der Weltgeschichte“ rezipiert wurde.So bezeichnen z. B. oder die Skagerrakschlacht, vermutlich beziehen sie sich auf die Gesamttonnage der beteiligten Schiffe (ca. 1,8 Mio. Tonnen Verdrängung). Der Seekrieg war wohl nicht entscheidend für den Ausgang des Ersten Weltkrieges, aber seine indirekten Wirkungen waren bedeutend.

Die Blockade der Nordsee durch die Royal Navy trug zur Erschöpfung der Mittelmächte bei, die Blockaden der Ostsee und der Dardanellen hatten wesentlichen Anteil an der Niederlage der russischen Armee. Aktionen der deutschen Mittelmeerdivision waren Anlass zum Kriegseintritt des Osmanischen Reiches auf der Seite der Mittelmächte. Der Kreuzerkrieg – das Mittel zahlenmäßig unterlegener Seestreitkräfte – hatte aufgrund der mangelnden Vorbereitung seitens der deutschen Admiralität und der fehlenden Stützpunkte nur unwesentlichen Anteil am Kriegsgeschehen. Amphibische Aktionen endeten wie die Schlacht von Gallipoli zum Teil desaströs, teilweise waren sie wie das Unternehmen Albion erfolgreich und Muster für Aktionen späterer Kriege. Unerwartet zeigte sich der U-Boot-Krieg als bedeutendste Facette des Seekrieges. Da das U-Boot als Waffe von allen Seiten unterschätzt wurde, war man auch auf den U-Boot-Krieg allgemein wenig vorbereitet. Deutsche U-Boote brachten dennoch die Entente vor allem in der ersten Jahreshälfte 1917 in ernsthafte Schwierigkeiten. Der U-Boot-Krieg führte aber indirekt zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten und damit letztendlich zur Niederlage der Mittelmächte. Der Einsatzbefehl zur Entscheidungsschlacht auf See wurde erst gegeben, als die Oberste Heeresleitung den Krieg verlorengegeben hatte, und führte zum Kieler Matrosenaufstand, der wiederum Auslöser der Novemberrevolution war.

Strategische Konstellation Vorgeschichte Die strategischen Überlegungen sowohl der britischen Royal Navy wie auch der Kaiserlichen Marine – als Hauptgegner zur See – waren stark beeinflusst von dem Werk The Influence of Sea Power upon History des Amerikaners Alfred Thayer Mahan aus dem Jahre 1890. Seestreitkräfte in Form einer Schlachtflotte werden hier als unverzichtbares Instrument einer Großmacht angesehen, für den Kriegsfall galt die Schlachtentscheidung als Königsweg zur Erlangung der Seeherrschaft.

Auf deutscher Seite entstand 1894 im Oberkommando der Marine unter maßgeblicher Beteiligung von Alfred von Tirpitz eine Konzeption, der zufolge die strategische Offensive „natürliche Bestimmung einer Flotte“ sei, dabei müsse es „möglichst bald zur Schlacht kommen“. Es gab zwar durchaus (realistische) Gegenvorschläge, die auf eine ausgewogene Defensivflotte mit einer starken Kreuzerkomponente abstellten, sie hatten angesichts der kognitiven Verbindung der Schlachtflotte mit dem nationalen Prestige und der angestrebten Weltmachtstellung jedoch keine Chance. Es stellte sich bei der Option des Kreuzerkrieges zudem das Problem der mangelnden Stützpunkte auf den Weltmeeren. Die Kaiserliche Marine ging von der Vorstellung aus, dass die Royal Navy nach alter Tradition in einem Krieg gegen Deutschland offensiv vorgehen und eine Blockade in der Deutschen Bucht direkt vor der deutschen Nordseeküste errichten würde. Der Reichstag folgte den dementsprechenden Forderungen von Tirpitz mit den Flottengesetzen von 1898 und 1900 sowie deren Novellierungen in den Jahren 1906, 1908 und 1912, die letztlich das Deutsch-Britische Flottenwettrüsten auslösten.

1899 übernahm Wilhelm II. das oberste Kommando der Kaiserlichen Marine; daraufhin wurde das bisher bestehende Oberkommando der Marine aufgelöst, es blieb von diesem nur der direkt Wilhelm II. unterstellte Admiralstab übrig, dessen Einfluss nicht zuletzt auf Betreiben von Tirpitz eher begrenzt blieb. Neben dem Admiralstab bestanden drei weitere Kommandobehörden der Kaiserlichen Marine: das Reichsmarineamt unter Tirpitz als Betreiber des Schlachtflottenbaus, das Marinekabinett und das Amt des Generalinspekteurs der Marine. Die Zersplitterung der Marineführung ohne Oberbefehlshaber vergleichbar dem Ersten Seelord in England war ein gewichtiger Nachteil gegenüber dem kommenden Kriegsgegner. Erst viel zu spät, im August 1918, sollte mit der Seekriegsleitung eine einheitliche Führung geschaffen werden.

mini|links|Die Dreadnought war das erste Schiff des nach ihr benannten neuartigen Dreadnought-Typs und gilt als der Prototyp aller Schlachtschiffe des 20. Jahrhunderts mini|Die deutsche „Antwort“ auf die britischen Dreadnought-Schlachtschiffe waren u. a. die „Großlinienschiffe“ der Helgoland-Klasse und der turbinengetriebenen Kaiser-Klasse. Die abgebildete Thüringen nahm an der Skagerrakschlacht teil und versenkte dabei den Panzerkreuzer Black Prince.

Die Hochseeflotte war auch als eine Art Bündnisersatz gedacht, der die zunehmende Isolation Deutschlands abschwächen sollte. Eine Flotte, die sich innerhalb weniger Jahre von der sechst- zur zweitstärksten der Welt (nach Großbritannien) entwickelte, empfand das Ausland jedoch nicht defensiv, sondern als Bedrohung. Der Erste Lord der Admiralität Selborne äußerte im Jahre 1902 im britischen Kabinett: In Großbritannien sorgte man sich zudem um die Flottensuprematie, umso mehr als Großbritannien 1889 den Zwei-Mächte-Standard (Two-Power-Standard) aufgestellt hatte, dem zufolge die britische Marine den beiden nächststärkeren gewachsen sein müsse; entsprechend war auch das seinerzeitige britische Flottengesetz (Naval Defence Act 1889).

Seit der Ersten Marokkokrise (1905–1906) war die britische Admiralität zur Überzeugung gekommen, dass Deutschland die einzige wirkliche Gefahr sei. In der Folgezeit wurden die Überseegeschwader unter Leitung des Ersten Seelords Admiral John Fisher gegen den Widerstand des Foreign Office und des Kolonialministeriums reduziert und die Präsenz in der Nordsee zunehmend gestärkt, was in der britischen Öffentlichkeit als „Rückruf der Legionen“ und als Ende der Pax Britannica interpretiert wurde.

Fisher forcierte die Modernisierung der Flotte: 150 alte Schiffe wurde verschrottet, mit der Dreadnought und der Invincible (letztere versenkt in der Skagerrakschlacht) wurden die neuen Schiffstypen des Dreadnought bzw. Schlachtschiffes und des Schlachtkreuzers geschaffen, die alle bisherigen Linienschiffe in den Schatten stellten. Dadurch wurde allerdings für die Rüstung ein neuer Start gegeben, da die Bestände an älteren Linienschiffen stark entwertet wurden: Deutschland konnte somit den Abstand zu Großbritannien verringern.

Der Dreadnought-Typ war auch eine Konsequenz der Auswertung der Seeschlacht bei Tsushima, wobei vor allem der Tatsache Rechnung getragen wurde, dass das Gefecht auf eine Entfernung von über 8 km eröffnet wurde, so dass die Hauptartillerie entscheidend war, nicht die Mittelartillerie – dementsprechend wurde auf letztere zugunsten schwerster Geschütze verzichtet. Die Kaiserliche Marine zog vermutlich aufgrund der entsprechenden Gefechtsanalyse zudem die führungstechnisch anspruchsvolle Gefechtskehrtwende in ihr Übungsprogramm ein, was sie vor der ansonsten wahrscheinlichen Vernichtung in der Skagerrakschlacht rettete, als sie – ebenso wie die russische Flotte in der Seeschlacht von Tsushima – mehrmals in die fatale Crossing the T-Position geriet.

Angesichts der deutschen Aufrüstung zu See wurde im Jahre 1909 der Zweimächtestandard aufgegeben, da es finanziell unmöglich war, gegen Deutschland und die Vereinigten Staaten zu bauen. Tirpitz’ Überlegung, dass England es nicht wagen würde, um einer Konzentration in der Nordsee willen überseeische Interessen zu gefährden, erwies sich als Irrtum. Insbesondere der Naval Scare von 1909 löste das verhängnisvolle Flottenwettrüsten aus.

In England sahen sowohl die britische Öffentlichkeit wie auch die Politiker das Kräftegleichgewicht in Europa und die englische Seemachtstellung unlösbar miteinander verbunden. Edward Grey äußerte sich dazu 1912 vor dem Committee of Imperial Defence (nationaler Verteidigungsrat):

Schon am 3. Januar 1906 markierte die Warnung an Deutschland, dass Großbritannien bei einem französisch-deutschen Krieg nicht abseitsstehen könne, das Ende der Splendid isolation. In der Kriegsplanung wurde schon 1908 und abschließend am 23. August 1911, während der Zweiten Marokkokrise, im Committee of Imperial Defence entschieden, dass sich die Royal Navy auf die Freihaltung der Seewege beschränken sollte, amphibische Operationen an der deutschen Küste wurden ausgeschlossen.

Als der deutsche Admiralstab 1912 durch die Auswertung der britischen Flottenmanöver diese operative Neuorientierung der Royal Navy erkannte, kam Admiralstabschef August von Heeringen zu der realistischen Prognose: Konsequenzen wurden aus dieser Einsicht jedoch nicht gezogen.

Während der Zweiten Marokkokrise wurde die britische Flotte in Kriegsbereitschaft versetzt, und die Regierung gab kaum verhüllte Warnungen an die Adresse Deutschlands ab. Letztlich führte sie zur Aufnahme von Flottengesprächen zwischen Frankreich und Großbritannien, die in einer stillschweigenden Übereinkunft, später in der Flottenkonvention von 1913 formalisiert, resultierten, gemäß der die Briten im Falle eines Krieges den Schutz der französischen Kanal- und Atlantikküste übernehmen würden. Frankreich verlegte seine gesamte Schlachtflotte ins Mittelmeer und übernahm den Schutz des Sueskanals, was den Briten den Abzug von Teilen der Mittelmeerflotte zur Home Fleet erlaubte.

Distanzblockade

mini|hochkant|Aufgrund seiner geostrategisch vorteilhaften Lage konnte Großbritannien mit seiner überlegenen Flotte die Nordsee im Ärmelkanal und nördlich auf der Höhe von Scapa Flow blockieren. Die Hauptstützpunkte der Royal Navy sind rot markiert, jene der Hochseeflotte grün.

Aufgrund der geographischen Lage konnte sich die britische Admiralität auf eine weite Seeblockade („Distanzblockade“) festlegen und damit die risikoreiche enge Seeblockade früherer Kriege vermeiden. Kurz vor Beginn des Krieges verlegte die britische Admiralität 21 Dreadnoughts, acht Vor-Dreadnoughts und vier Schlachtkreuzer zur Sicherung des nördlichen Ausgangs der Nordsee nach Scapa Flow und 19 Vor-Dreadnoughts nach Portland, um den südlichen Ausgang abzuriegeln. Die Hochseeflotte konnte dagegen nur 13 Dreadnoughts, 16 Vor-Dreadnoughts und fünf Schlachtkreuzer einsetzen.

Ein Ausfall der deutschen Flotte in den Atlantik über die nördliche Route hätte zu einer Seeschlacht unter äußerst ungünstigen Umständen geführt, bei einem Vorstoß durch den Ärmelkanal konnte die Grand Fleet der Hochseeflotte den Rückzug absperren. Die Stationierung der Flotte an den Nordsee-Ausgängen war für England die denkbar sicherste Strategie, wenn auch auf beiden Seiten die Öffentlichkeit und die Marine selbst die entscheidende große Seeschlacht erwarteten, zu der es aber nicht kam. Damit war aber auch die Idee der deutschen Admiralität, die britische Flotte – nach vorheriger Schwächung durch Einzeloperationen – in einer Entscheidungsschlacht in der Deutschen Bucht zu stellen, schon im Ansatz gescheitert.