Ivrea (piemontesisch Ivréa, im lokalen Dialekt Ivreja, walserdeutsch Eebri) ist eine italienische Stadt in der Metropolitanstadt Turin, Region Piemont.
Lage und Einwohner Die Stadt befindet sich am nördlichen Rand der Po-Ebene zwischen Turin und dem Aostatal auf einer Höhe von Sie liegt am Fuße eines 25 km langen Bergrückens moränischen Ursprungs, bekannt unter dem Namen La Serra. Durch die Stadt fließt der Fluss Dora Baltea. Vom Fluss zweigt der Naviglio di Ivrea ab, der bis nach Vercelli führt. Das Gemeindegebiet umfasst eine Fläche von 30 km² und hat Einwohner (Stand ).
Die Nachbargemeinden sind Chiaverano, Montalto Dora, Burolo, Bollengo, Cascinette d’Ivrea, Fiorano Canavese, Banchette, Salerano Canavese, Pavone Canavese, Albiano d’Ivrea, Romano Canavese, Strambino und Vestignè.
Bevölkerungsentwicklung
Geologie Nach der Stadt ist der Ivrea-Körper benannt. Dieser ist ein schräg aus dem oberen Erdmantel emporragender Körper von deutlich größerer Dichte, der massive regionale Lotabweichungen sowie eine unregelmäßige Verbiegung des südalpinen Geoids bewirkt.
Im Tal des Flusses Sesia, einem Nebenfluss des Po, kann man eine Schichtenfolge finden, die den Aufbau der Erdkruste bis hin zum oberen Erdmantel genau nachbildet. Man nimmt an, dass dieser Körper bei der Entstehung der Alpen verkippt wurde. Geographie
Geschichte
mini|270px|Überreste des Amphitheaters von Ivrea
Das Gebiet, auf dem später das römische Eporedia entstand, war von den keltischen Salassern besiedelt. Ihr Siedlungsgebiet erstreckte sich über das Canavese, das Gebiet von Biella und das heutige Aostatal. Den keltischen Namen der Stadt erklärt Plinius der Ältere mit den Worten „Eporedias Galli bonos equorum domitores vocant“. Er stünde demnach mit der besonderen Fähigkeit der Kelten im Umgang mit Pferden in Zusammenhang.
Als bedeutendste Siedlung der Salasser im Raum Ivrea vor der Gründung der römischen Kolonie gilt der Brich Appareglio, örtlich Paraj Àuta genannt, bei Pavone Canavese, etwa drei Kilometer südlich des historischen Stadtkerns. Die Siedlung war von der Endbronzezeit bis zum 5. Jahrhundert v. Chr. bewohnt. Nach einer Unterbrechung wurde der Ort im fortgeschrittenen 2. Jahrhundert v. Chr. für kurze Zeit erneut besiedelt. Diese Besiedlung endete vermutlich mit der Gründung der römischen Kolonie Eporedia im Jahr 100 v. Chr.
Die römische Kolonie Eporedia wurde nach Velleius Paterculus im Jahr 100 v. Chr., während des sechsten Konsulats des Gaius Marius, gegründet. Als Kolonie römischer Bürger (colonia civium Romanorum) lag sie am linken Ufer der Dora Baltea, an einem strategisch wichtigen Zugang zum Aostatal und zu den Alpenpässen. Sie diente der Kontrolle des Gebiets der Salasser, die 25 v. Chr. endgültig von den Römern unterworfen wurden. Zu den bedeutendsten archäologischen Zeugnissen der römischen Stadt gehören das in flavischer Zeit außerhalb des Stadtgebiets auf den Resten einer augusteischen Villa errichtete Amphitheater, die im Untergrund der Altstadt erhaltenen Überreste des Theaters sowie die Reste der ursprünglich zehnbogigen römischen Brücke über die Dora Baltea. Letztere liegen heute unter Wasser und sind nur bei gelegentlichen künstlichen Absenkungen des Flusspegels sichtbar.
Nach dem Gotenkrieg könnte Ivrea Teil des byzantinischen Verteidigungssystems in Nordwestitalien gewesen sein. Einige Forscher haben vorgeschlagen, die Stadt mit dem in der Descriptio orbis Romani des Georgios Kyprios erwähnten kástron Eourías zu identifizieren. In langobardischer Zeit war Ivrea Sitz eines Herzogtums. Im Liber Pontificalis wird Tunnone als Herzog von Ivrea erwähnt. König Desiderius entsandte ihn im Jahr 772 zusammen mit Teodicius, dem Herzog von Spoleto, zu Papst Hadrian I., um die freundschaftlichen Beziehungen zum Papst wiederherzustellen.
Im 6./7. Jahrhundert nach der Trennung von der Diözese Vercelli wird Ivrea Bischofssitz. Sie war Zentrum eines langobardischen Herzogtums und der Markgrafschaft Ivrea in nachkarolingischer Zeit. Nach der Familie der Anskarier, die im 10. Jahrhundert in der Stadt bestimmend waren, übernahm Arduin von Ivrea etwa 990 die Macht und führte mehrere Kriege gegen seine Nachbarn, besonders gegen Bischof Leo von Vercelli, der seinerseits vom ottonischen Kaiserhaus unterstützt wurde.
Nach Arduins Tod zerfiel die Markgrafschaft und die Bischöfe von Ivrea wurden zusammen mit den kommunalen Einrichtungen die bestimmende Kraft: im 12. Jahrhundert ging man gegen Friedrich Barbarossa vor. Der Blüte Anfang des 12. Jahrhunderts folgte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts die Eingliederung in die Markgrafschaft Montferrat und damit der Niedergang der kommunalen Strukturen. Im 14. Jahrhundert geriet die Stadt unter den Einfluss des Hauses Savoyen und wurde 1356 von Amadeus VI. Savoyen angegliedert. Dieser ließ ab 1358 das bis heute erhaltene Kastell erbauen.
mini|270px|Karneval in Ivrea
Kultur Ivrea ist für seinen historischen Karneval bekannt, bei dem eine „Orangenschlacht“ (battaglia delle arance) ausgetragen wird. Der Ursprung dieser Tradition geht auf das Jahr 1808 zurück, in dem die napoleonischen Herrscher den Zusammenschluss der verschiedenen Karnevalsfeste zu einem einzigen beschlossen.
Architektur Kastell von Ivrea Torre dei Tallianti Torre di Santo Stefano Kathedrale von Ivrea St. Ulrichskirche Santuario di Monte Stella Ponte Vecchio (Ivrea) römisches Amphitheater
Firmengelände von Olivetti um den Corso Jervis, seit 1. Juli 2018 Weltkulturerbe.
Wirtschaft In Ivrea wurde im Jahre 1908 die Firma Olivetti gegründet. Die wirtschaftliche und soziale Struktur der Stadt ist eng mit der Unternehmensgeschichte von Olivetti verflochten, das lange der größte und wichtigste Arbeitgeber der Stadt war. Seit der schweren Krise der Firma Anfang der 1990er Jahre haben sich jedoch auch mehrere mittelständische Unternehmen zu wichtigen Arbeitgebern entwickelt.
Persönlichkeiten
Camillo Olivetti (1868–1943), Ingenieur und Gründer von Olivetti Umberto Barozzi (1881–1929), Leichtathlet Adriano Olivetti (1901–1960), Geschäftsmann, Sohn von Camillo Olivetti Riccardo Filippi (1931–2015), Radrennfahrer Fernanda Contri (1935–2025), Juristin und Politikerin Mariella Gramaglia (1949–2014), Politikerin und Frauenrechtlerin Sergio Rizzo (* 1956), Journalist und Schriftsteller Ida Golin (1959–2025), Fußballspielerin Germana Sperotto (* 1964), Skilangläuferin Simone Malusà (* 1974), Snowboarderin Arianna Follis (* 1977), Skilangläuferin und Skibergsteigerin Annalisa Ceresa (* 1978), Skirennläuferin Greta Laurent (* 1992), Skilangläuferin
Literatur Francesco Carandini: Vecchia Ivrea. edizioni Enrico, 1963 (italienisch) Piero Polino (Hrsg.): Guida turistica di Ivrea, Val Chiusella e Dora Baltea canavesana. edizioni Enrico, 1979 (italienisch)
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde Ivrea (italienisch) Informationen bei www.comuni-italiani.it (italienisch) Website der Welterbestätte (italienisch, englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Piemont Kategorie:Welterbestätte in Europa Kategorie:Welterbestätte in Italien Kategorie:Weltkulturerbestätte