mini|Grünberg, südwestlich der Stadt Posen und nordwestlich der Stadt Glogau auf einer Landkarte von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung) mini|Rathaus und Turm der Kirche der Muttergottes von Częstochowa (1828 erbauter Turm des bis 1945 evangelischen Bethauses) mini|Konkathedrale St. Hedwig mini|Kirche Unserer Lieben Frau von Częstochowa, bis 1945 Bethauskirche der evangelischen Gemeinde Grünberg mini|Evangelisch-Augsburgische Kirche mini|Kirche der Heiligen Maria Königin von Polen, bis 1945 Gotteshaus der Altlutheraner mini|hochkant|Schlosspark von Schloss Günthersdorf, im Hintergrund die Schlossruine mini|Museum des Lebuser Landes mini|Philharmonie
([], deutsch Grünberg in Schlesien) ist eine Großstadt mit etwa 140.000 Einwohnern und neben Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe) eine der beiden Hauptstädte der polnischen Woiwodschaft Lebus. Sie ist Kreisfreie Stadt, Universitätsstadt und römisch-katholischer Bischofssitz. Darüber hinaus ist Zielona Góra die Kreisstadt des Powiat Zielonogórski.
Geographie Lage Die Stadt befindet sich im nördlichen historischen Niederschlesien, an der Lunze, nahe der Oder, rund 110 Kilometer südwestlich von Posen, etwa 140 Kilometer nordwestlich von Breslau, 85 Kilometer nordöstlich von Cottbus und 46 Kilometer nordwestlich von Głogów (Glogau). Die Grenze zu Deutschland ist rund 55 Kilometer entfernt. Das Stadtgebiet ist hügelig. Die Höhen der Wohnlagen variieren zwischen knapp 70 Meter über Normalnull und 210 Meter am Südwestrand der Stadt. Innerhalb des Stadtgebietes erstrecken sich weitläufige Waldflächen, Parks und andere Grünanlagen.
Ausdehnung des Stadtgebietes Zielona Góra hat nach der Eingemeindung der Landgemeinde eine Nord-Süd-Ausdehnung von ungefähr 24 Kilometern und eine Ost-West-Ausdehnung von rund 16,5 Kilometern. Die Stadt erstreckt sich über eine Fläche von insgesamt 278,32 Quadratkilometern. Vor der Eingemeindung umfasste das Stadtgebiet eine Fläche von 58,34 Quadratkilometern.
Stadtgliederung 1961 wurden die ehemals eigenständigen Dörfer Jędrzychów (Heinersdorf) und Chynów (Kühnau) eingemeindet. 1986 folgte dann Raculka (Neuwaldau).
2015 erfolgte die Eingemeindung von folgenden 17 Orten mit Schulzenamt der ehemaligen Landgemeinde Zielona Góra. Sie zählte auf einer Fläche von rund 220 Quadratkilometern zuletzt 19.592 Einwohner (31. Dezember 2014). Seitdem bildet dieses Gebiet den Stadtbezirk Nowe Miasto mit teilweise fortbestehenden Selbstverwaltungsstrukturen.
Weitere historische Ortsteile im Bezirk Nowe Miasto ohne eigenes Schulzenamt sind Krępa Mała (Krampe Försterei), Marzęcin (Alexanderhof), Przydroże (Abdeckerei) und Stożne (Stoschenhof).
Das gesamte bewohnte Stadtgebiet gliedert sich weiter in eine Vielzahl von namentlich bekannten Wohngebieten ohne offiziellen Rechtsstatus. Das gilt besonders für die Bereiche, die bereits vor den genannten Eingemeindungen zum Stadtgebiet gehörten.
Nachbargemeinden Die Stadt grenzt im Uhrzeigersinn an folgende Gemeinden: Sulechów, Zabór, Otyń, Kożuchów, Nowogród Bobrzański, Świdnica und Czerwieńsk.
Geschichte Die Anfänge von Grünberg reichen bis ins frühe Mittelalter zurück. Grünberg gehörte zum Herzogtum Glogau und wurde 1302 erstmals urkundlich erwähnt.Otto Wolff: Geschichte der Stadt Grünberg in Niederschlesien von ihrer Entstehung bis zur Einführung der Reformation. Weiss, Grünberg 1848, S. 33. Zu diesem Zeitpunkt besaß sie bereits Stadtrecht und Weichbildrecht. Nach einer Chronik sollen die Ursprünge der Stadt in einer 1222 errichteten Meierei liegen, um die eine Ansiedlung entstand. Um 1272 wurde nordwestlich von Grünberg eine Burg errichtet. Die hölzerne Anlage wurde von 1358 bis 1361/65 durch Herzog Johann von Steinau bewohnt, nachdem dieser sein Herzogtum Heinrich V. von Sagan überlassen hatte. Bei der Besetzung des Herzogtums Glogau ließ Hans von Sagan die Anlage niederreißen, damit sie nicht den Truppen des Matthias Corvinus in die Hände fallen konnte. 1323 erhielt Grünberg schließlich volle Stadtrechte. 1335 ging das Herzogtum Glogau an die Böhmische Krone über und geriet 1526 schließlich unter die Herrschaft der Habsburger. 1627 brannte die Stadt ab. Im 17. Jahrhundert begannen die Hexenprozesse in der Stadt. 1740 kam Grünberg als Teil Schlesiens zu Preußen. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich in der Stadt das Tuchmacherhandwerk stark, sodass es im 17. Jahrhundert 800 Tuchmacher in Grünberg gab.Heinrich Roch: Neue Laußnitz-, böhm-, und schlesische Chronica, oder allerhand denck- und merckwürdiger Unglücks- und Trauer-Fälle, so sich in dem Marggraffthum Lausitz, dessen angräntzenden, benachbartem Königreiche Böhmen und Fürstenthümern Schlesien, in den nechsten dreyhundert und sechs und achtzig Jahren begeben und zugetragen. Kloss, Leipzig 1687, S. 270 (books.google.com – 800 Tuchmacher in Grünberg, Stadtbrand)
Grünberg in Schlesien war ab 1816 Verwaltungssitz des gleichnamigen Kreises im Regierungsbezirk Liegnitz in der preußischen Provinz Schlesien des Deutschen Reichs. Um 1900 hatte die Stadt Grünberg zwei evangelische Kirchen, eine katholische Kirche,Moritz Effner: Geschichte der katholischen Pfarrei Grünberg in Niederschlesien. Grünberg 1852 (Google Books). eine Synagoge, ein Realgymnasium und ein Amtsgericht. Um 1935 gab es in Grünberg unter anderem fünf Bankhäuser, zwei Bierbrauereien, eine Bindfadenfabrik, ein Braunkohlenbergwerk, eine Holzbearbeitungsfabrik, zwei Holzsägewerke, eine Kalksandsteinfabrik, eine Kunststeinfabrik, eine Lederwarenfabrik, eine Likörfabrik, eine Maschinenfabrik, zwei Mineralwasserfabriken, eine Mostrichfabrik, drei Mühlen, eine Ofenfabrik, zwei Schaumweinkellereien, eine Seifenfabrik, eine Spiegelfabrik, eine Spinnerei, eine Teppichfabrik, sieben Tuchfabriken, sieben Weinbrennereien, zwei Zeitungsverlage und vier Ziegeleien.Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs für Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe, Band 1 B, Berlin 1935, 2. Teil, Provinz Schlesien, S. 1576–1579 (Google Books).
Von 1919 bis 1938 und von 1941 bis 1945 gehörte Grünberg zur Provinz Niederschlesien. Vom 1. April 1922 an bildete die Stadt einen eigenen Stadtkreis. Die Kreisfreiheit wurde aber zum 1. Oktober 1933 wieder aufgehoben, so dass die Stadt bei Ende des Zweiten Weltkrieges wieder Teil des Kreises Grünberg i. Schles. war.
Ab 1941 errichtete der NS-Staat die beiden Außenlager Grünberg I und Grünberg IIWolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Beck Verlag, 2005.Isabell Sprenger: Groß-Rosen. Ein Konzentrationslager in Schlesien. Böhlau Verlag, 1997. des Konzentrationslagers Groß-Rosen.
Diktaturen Hitlers und Stalins Ab 1928 war der am 13. Juli 1884 in Breslau geborene Georg Gottwald Pfarrer der römisch-katholischen Gemeinde der Heiligen Hedwig von Schlesien in Grünberg. Georg Gottwald unterschied in seiner Gemeindearbeit nicht zwischen Deutschen und Polen. Er nahm auch Polen die Beichte ab. Im Krieg sogar die Beichte von polnischen Zwangsarbeitern. Damit lief er Gefahr, selbst ins KZ eingeliefert zu werden.
Als die Rote Armee sich der Stadt näherte, flüchteten Armee und Zivilisten aus der Stadt. Georg Gottwald entschied sich zu bleiben. Am 14. Februar 1945 stand die Rote Armee vor der Stadt. Georg Gottwald ging der Roten Armee entgegen und erklärte den Rotarmisten, dass die deutsche Armee aus Grünberg abgezogen ist und es keinen Widerstand gibt. Sowohl Georg Gottwald als auch die Soldaten der Roten Armee riskierten dabei viel. Der Priester musste vornweg in die Stadt zurückgehen. Auf diese Weise rettete Georg Gottwald die Stadt vor Artilleriebeschuss und der weitgehenden Zerstörung.
Der Krieg wurde von Hitlerdeutschland mit beispielloser Brutalität vor allem gegen die Zivilbevölkerung durch Europa getragen. Im „Osten“ geschah dies besonders grausam. Am Ende des Krieges kehrte die Gewalt nach Deutschland zurück. Wieder traf es die Zivilbevölkerung besonders grausam. Als „Entschädigung“ für polnische Gebiete, die Stalin seinem Imperium einverleibte, wurden von ihm ehemals deutsche Gebiete dem neuen polnischen Vasallen-Staat zugewiesen. Georg Gottwald übergab die Kirche, die Pfarrei, die liturgischen Gewänder und Gefäße dem neuen polnischen Pfarrer Kazimierz Michalski. Gottwald durfte weiterhin taufen und Beerdigungen durchführen. 1946 hatte sich die Macht des neuen Regimes gefestigt, Georg Gottwald wurde mehrfach vom Amt für Sicherheit verhört und schließlich gezwungen, die Stadt zu verlassen.
Auch in Westdeutschland blieb Grünberg in seinem Herzen. Er sammelte und veröffentlichte Erinnerungen. Auf dem Glockenfriedhof in Hamburg entdeckte er die Glocken aus seiner Heimatpfarrei und sorgte dafür, dass diese zurück in das nun polnische Zielona Góra kamen. Er starb am 14. Januar 1963 in Daun. Grünberg hat eine tschechische, deutsche und polnische Geschichte. Die Propaganda der Jahrzehnte nach dem Krieg kannte nur die polnische Geschichte und nur „böse“ Deutsche. So kam es, dass auch der Mensch verschwiegen wurde, der nicht nur unter Gefährdung des eigenen Lebens Grünberg vor der weitgehenden Zerstörung gerettet, sondern auch die Polen wie Menschen behandelt hat. Unter anderem dem Historiker Dr. Grzegorz Biszczanik ist es zu verdanken, dass diese für die Stadt und das Zusammenleben von Deutschen und Polen wichtige Person einen gebührenden Platz in der öffentlichen Erinnerung bekommt.
Im Jahr 1945 war Grünberg Kreisstadt im Regierungsbezirk Liegnitz der preußischen Provinz Niederschlesien des Deutschen Reichs.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Grünberg im Februar 1945 von der Roten Armee besetzt; etwa 500 Deutsche nahmen sich das Leben. Soweit die Bewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Grünberg vertrieben oder später zwangsausgesiedelt, und polnische Neusiedler kamen in den Ort. Die Polen führten für Grünberg im März 1945 die Ortsbezeichnung Zielona Góra ein, die übersetzt grüner Berg bedeutet.
1950 wurde Zielona Góra Hauptstadt der gleichnamigen Woiwodschaft, die mit Änderungen bis 1998 bestand. In der Nachkriegszeit entwickelte sich die Stadt rasant und es entstanden zahlreiche neue Wohngebiete, auch in Form von Großwohnsiedlungen in Plattenbauweise. Es wurden außerdem eine Pädagogische Hochschule und ein Politechnikum gegründet, die beide im Jahr 2001 in der Universität Zielona Góra fusioniert wurden. Im Jahr 1980 überschritt Zielona Góra die Einwohnerzahl von 100.000 und wurde somit zur Großstadt.
In den Jahren nach 1990 entstanden neue Gewerbegebiete, Einfamilienhaussiedlungen und Einkaufszentren. Gleichzeitig wurde in die Infrastruktur investiert. Seit 1999 ist Zielona Góra Parlamentssitz der Woiwodschaft Lebus.
Zum 1. Januar 2015 wurde die Landgemeinde Zielona Góra in die Stadt eingemeindet. Das Stadtgebiet hat sich dadurch etwa verfünffacht, die Einwohnerzahl nahm um etwa 20.000 Personen zu.
Demographie