Bei Chabacano, auch als Chavacano oder als Zamboangueño bezeichnet, handelt es sich um einen Sammelbegriff für die verschiedenen spanischbasierten Kreolsprachen der Philippinen. Als Eigenname ist Chabacano eine vom spanischen Adjektiv „chabacano“ abgeleitete Sprachbezeichnung, die sich als solches in der Literatur und in den Rundfunkmedien etabliert hat. Etwa 90 % der Wörter sind spanischen Ursprungs. Chabacano kam im 17. Jahrhundert von den Gewürzinseln auf die Philippinen und ist heute Erstsprache von ca. 607.000 Sprechern.

Im spanischen Sprachraum ist das Wort chabacano ein Ausdruck für „geschmacklos“, „vulgär“, „gewöhnlich“, „ordinär“, „stillos“ oder „ungehobelt“.

Der ISO 639-3-Code ist cbk, in ISO 639-2 wird die Sprache unter crp (sonstige Kreol- und Pidginsprachen) geführt.

Fakten und Verbreitung Die Sprache Chavacano ist die einzige auf Spanisch basierende Kreolsprache in Asien. Sie besteht bereits seit 400 Jahren, was sie zu einer der ältesten Kreolsprachen der Welt macht. Sie ist zudem die einzige Sprache, die sich auf den Philippinen entwickelt hat (als Mitglied der philippinischen Sprachen) und nicht zur Familie der austronesischen Sprachen gehört, obwohl sie mit der Reduplikation eine charakteristische Gemeinsamkeit zu den malayo-polynesischen Sprachen aufweist. mini|Das Gebiet auf den Philippinen in welchem, rot eingezeichnet, Chabacano gesprochen wird. Die Sprecher von Chavacano konzentrieren sich hauptsächlich auf die Gebiete um Zamboanga City und die Inselprovinz Basilan. Weiterhin wird sie in einigen Gebieten der Provinzen Zamboanga del Sur, Zamboanga Sibugay, Zamboanga del Norte, in Cavite, Davao und in Cotabato verwendet. Gemäß der Volkszählung aus dem Jahr 2000 leben auf den Philippinen mehr als 607.242 Sprecher von Chavacano. Die genaue Anzahl kann durchaus als höher angesehen werden, da in den Zahlen hauptsächlich die Einwohner von Zamboanga City beinhaltet sind. Darüber hinaus wurden jedoch kaum andere Gebiete mit eingerechnet wie auch die Auslands-Filipinos in dieser Zahl keine Berücksichtigung fanden.

Sprecher von Chavacano finden sich zudem in Semporna im Bundesstaat Sabah in Malaysia, dessen nördliche Regionen sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Sulu-Inseln und der Zamboanga-Halbinsel befinden, die bis spät ins 19. Jahrhundert ein Teil der von Spanien kolonisierten Philippinen waren. Einige Menschen der muslimisch geprägten Volksgruppen von Zamboanga, wie die Tausūg, die Samal und auch die Yakan auf Basilan, beherrschen gleichfalls diese Sprachform. Daneben finden sich in den Nachbarprovinzen von Sulu und Tawi-Tawi gleichfalls muslimische Sprecher des Chabacano de Zamboanga.

Es existieren dabei zahlreiche Variationen dieser Kreolsprache. Ihre Klassifizierung basiert daher auf dem linguistischen Substrat und der Region, in der sich gemeinschaftliche Arten finden lassen. Die drei bekannten Sprachvariationen von Chavacano/Chabacano, die Tagalog als Sprachsubstrat besitzen, sind Caviteño (verwendet in Cavite), Ternateño (verwendet in Ternate und Cavite), sowie Ermitaño, das ursprünglich in Ermita, einem Distrikt von Manila gesprochen wurde, nun jedoch nicht mehr existent ist. Die anderen Variationen, die sich auf Cebuano als Substrat beziehen, sind Zamboangueño (verbreitet in Zamboanga City), Davaoeño (verwendet in Gebieten von Davao), sowie Cotabateño, das in Cotabato City gesprochen wird. Hierbei ist Zamboangueño die am weitesten verbreitete Sprachform und die Hauptsprache im Stadtgebiet von Zamboanga City.

Chavacano ist primär und im eigentlichen Sinn mehr eine gesprochene denn eine geschriebene Sprache. Ihr Vokabular leitet sich überwiegend von der spanischen Sprache ab, während sich die Grammatik vorwiegend auf andere philippinischen Sprachen, hauptsächlich Tagalog und Cebuano stützt. Sie wird heute noch aktiv im Bildungswesen, in den Druckmedien, dem Fernsehen und im Radio angewandt.

Im Unterschied zu den Kreolsprachen aus Luzon haben die Variationen der Zamboangueño die meisten Lehnwörter anderer philippinischer Sprachen übernommen, wie beispielsweise von Hiligaynon, Subanon, Sama-Banguingui, Tausug, Tagalog und Ilocano. Daneben sind Wörter auch aus dem mexikanischen Spanisch, dem Portugiesischen und einige Wörter mit Ursprung aus den Sprachformen Nahuatl, Quechua und Taíno im Zamboangueño anzutreffen.

Korrekte Aussprache Zamboangueños sprechen normalerweise (aber nicht ausschließlich) von Chavacano, wenn sie sich auf ihre Sprache beziehen oder wenn sie diesen Ausdruck in Bezug auf sich selbst verwenden, indem sie sich als Chavacanos bezeichnen. Im Gegensatz dazu verwenden sie das Wort Chabacano in seiner originalen spanischen Bedeutung oder beziehen sich mit Chabacano auf den Überbegriff der Sprache selbst. Die Zamboangueños verwenden üblicherweise also zwei verschiedene Aussprachen für dieses Wort. Caviteños, Ternateños und Ermitaños drücken das Wort dagegen auf die ursprüngliche spanische Art – als chabacano – aus. Davaoeños, Cotabateños und vor allem die Menschen aus der Provinz Basilan tendieren mehr zur Aussprache der Zamboangueños. Es ist hierbei wichtig zu beachten, dass die Varianten dieser Sprache entsprechend ihrer geographischen Zugehörigkeit zu unterscheiden sind. Die Ermitaño, Caviteño und Ternateño ähneln allesamt denjenigen, die Tagalog als Substratsprache hatten, während Zamboangueño, Davaoeño und Cotabateño jenen zuzuordnen sind, die Visayan-Sprachen (hauptsächlich Cebuano) als Substrat besitzen.

Ein Zamboangueño würde seine Sprachform selbst als Zamboangueño oder Chavacano de Zamboanga bezeichnen, während ein Caviteño bei seiner Sprachvariante von Caviteño oder Chabacano de Cavite spricht usw. Hierbei stellt jeder durch eine geographische Referenz die ihm eigenen Wesensmerkmale heraus, um sie von den jeweils anderen Varianten des Chavacano zu unterschieden und sich von ihnen abzuheben.

Ferner existieren weitere alternative Bezeichnungen und Schreibweise für diese Sprache, die von der Sprachart und dem Zusammenhang (ob spanisch oder einheimisch) abhängig sind. Zamboangueños bezeichnen ihre Sprachvariation manchmal auch als Chabakano. Caviteño ist auch als Caviten oder Linguaje di Niso bekannt oder wird zeitweise als Tsabakano bezeichnet. Ermitaño ist ebenso als Ermiteñ bekannt und Ternateño als Ternateño Chabacano, Bahra oder Linguaje di Bahra. Davaoeño nennt man zudem Davaweño, Davawenyo, Davawenyo Zamboangenyo, Abakay Spanish oder Davao Chabacano/Chavacano, wie man bei Cotabateño auch von Cotabato Chabacano/Chavacano spricht. Die Sprecher aus Basilan betrachten ihr Chavacano wiederum als Zamboangueño oder Chavacano de Zamboanga.

Geschichtliche Entwicklung Zamboangueño Am 23. Juni 1635 wurde mit der Errichtung von Fort Pilar die Ortschaft Zamboanga zu einem dauerhaften Standort der spanischen Kolonialmacht. Aufgrund anhaltender Beschüsse bzw. Angriffe von Piraten und Überfälle der Sultane von Mindanao und Jolo blieb die Lage im Südwesten des philippinischen Archipels über viele Jahre sehr angespannt. Aufgrund der gleichzeitigen Entschlossenheit der christlichen Missionare, die Verbreitung des Christentums im Süden der Philippinen voranzubringen und Zamboanga hierfür eine entscheidende strategische Lage besaß, waren die spanischen Gottesdiener schon bald gezwungen Truppenverstärkungen von der Kolonialregierung anzufordern.

Die militärische Führung entschied daraufhin, Arbeiter aus Luzon und den Visayas nach Zamboanga zu senden. Unter den Arbeitskräften befanden sich somit spanische und mexikanische Soldaten, Maurer aus Cavite (die den Hauptteil der Arbeiter bildeten), Sacadas (Zuckerrohrschneider) aus Cebu und Iloilo, sowie Mitglieder der einheimischen Volksgruppen, wie den Samal und den Subanon, die aus dem Gebiet um Zamboanga stammten.

Die Differenzen zwischen den einzelnen Dialekten und Kulturen führten alsbald zu Schwierigkeiten bei der Kommunikation der Arbeiter untereinander. Zudem wurden die Instruktionen in Spanisch gegeben. Die Mehrheit der Arbeitskräfte war ungebildet und beherrschte kaum die spanische Sprache was dazu führte, dass sie sich weder untereinander noch mit den Spaniern verständigen konnten. So bildete sich eine Pidgin-Sprache als Lingua franca aus und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer vollständigen Kreolsprache, die bis heute, vor allem in Zamboanga City, gebräuchlich ist.

Diese spanische Kreolsprache wurde von da an mittels spanischer Nachschubtruppen wie auch durch die erhöhte Präsenz von spanischen Religions- und Lehranstalten nachhaltig gestützt.

Caviteño / Ternateño Die Merdicas waren eine malaiische Volksgruppe aus Ternate, einer indonesischen Insel der Molukken, die ehemals von den Spaniern kolonisiert wurde, nachdem sie zuvor eine portugiesische Kolonie gewesen war. Im Jahre 1574 meldeten sich Freiwillige der Merdicas nach Cavite, um dort die Spanier bei der Abwehr einer Invasion des chinesischen Piraten Lin Feng zu unterstützen.

Obwohl die Invasion nicht stattfand, siedelte sich die Merdicas-Gemeinschaft in einem Ort namens Barra de Maragondonan an einer Sandbank nahe der Mündung des Flusses bei der Ortschaft Maragondon an.

Heute nennt sich der Ort Ternate und die Nachkommen der Merdicas sprechen die spanische Kreole (mit portugiesischen Einflüssen), die man nun als Ternateño oder Ternateño Chavacano bezeichnet.

Schriftsystem Chavacano-Orthographie Die Wörter im Chavacano mit spanischer Herkunft verwenden das lateinische Alphabet mit den im spanischen Alphabet gebräuchlichen speziellen Zeichen: Die Vokale mit den Akuten (á, é, í, ó, ú), der Vokal u mit dem Trema (ü) und ñ.

Die Wörter des Chavacano mit einheimischer Abstammung werden ebenso unter Verwendung des lateinischen Alphabets geschrieben, jedoch gemäß der Art und Weise ihrer Herkunft ausgesprochen. Dabei wird der Buchstabe k vorwiegend in Wörtern verwendet, die dem Austronesischen entstammen oder er findet sich in Lehnwörtern der philippinischen Sprachen (wie bei kame, kita, kanamon, kaninyo, kilo oder karate).

Daneben existieren in der Schrift von Chavacano zusätzliche Zeichen wie das ñ (eñe repräsentiert das Phonem ), das sich von dem Buchstaben n unterscheidet, obwohl es typographisch aus einem n mit einer Tilde besteht. Daneben gibt es den Digraphen ch (, der das Phonem repräsentiert), das ll (, das für das Phonem steht) und der Digraph rr (, der mit einem starken r ausgestattet ist).

Das Chavacano-Alphabet besitzt einschließlich der oben beschriebenen speziellen Zeichen insgesamt 29 Buchstaben.

Als grundsätzliche Regel kann man sagen, dass Wörter spanischen Ursprungs entsprechend der spanischen Orthographie geschrieben und ausgesprochen werden, während lokale Wörter, die von philippinischen Sprachen abstammen, in der lokalen Orthographie geschrieben und gesprochen werden.

Alphabet Die 29 Buchstaben des Chavacano-Alphabets einschließlich der Zeichen /ch/, /ll/ & /ñ/ sind:

a, b, c, ch, d, e, f, g, h, i, j, k, l, ll, m, n, ñ, o, p, q, r, s, t, u, v, w, x, y, z

Buchstaben und Zeichen A a a J j jota R r erre ere B b be be alta be grande be larga K k ka S s ese C c ce L l ele T t te Ch ch che Ll ll doble eleelle U u u D d de M m eme E e e N n ene V v uve ve ve baja ve chica ve corta F f efe Ñ ñ eñe W w uve doble doble ve doble u ve doble G g ge O o o X x equis H h hache P p pe Y y ye i griega I i i i latina Q q cu Z z zeta zeda

Vokabular Formen und Stile Chavacano (speziell Zamboangueño) besitzt zwei Ebenen der Verwendungsform. Die gewöhnliche oder familiäre Form und die formale Form.

In der gewöhnlichen oder familiären Form herrschen einheimische Wörter oder ein Mix aus lokalen und spanischen Wörtern vor. Diese Form ist üblicherweise im Sprachgebrauch zwischen Menschen des gleichen oder einem geringeren Sozialstatus anzutreffen. Sie wird zudem innerhalb der Familie, unter Freunden oder in Gesprächen zwischen Bekanntschaften verwendet. Sie ist verbreitet und allgemein anerkannt.