Science City Jena ist eine deutsche Basketballmannschaft aus dem thüringischen Jena. Nach dem Mitteldeutschen Basketball Club war Jena 2007 erst die zweite Mannschaft aus den ostdeutschen Bundesländern, die in die Basketball-Bundesliga aufgestiegen ist. Mit Platz 44 in der ewigen Tabelle der Bundesliga ist Jena außerdem der dritterfolgreichste Verein der ostdeutschen Bundesländer der Bundesligahistorie.

Die Gründung des Vereins Science City Jena e. V. erfolgte 2011 als Reaktion auf die Insolvenz des vorherigen Stammvereins TuS Jena. Der Verein ist mit über 400 aktiven Sportlern einer der 100 größten Basketballvereine Deutschlands sowie der größte in Mitteldeutschland und zählt zu den größten Sportvereinen Thüringens.

Geschichte Anfänge des Basketballs in Jena (1912–1993) Bereits 1912 beim „1. Vaterländischen Turn- und Spielfest“ wurde in Jena mit Korbball eine dem Basketball ähnliche Sportart ausgeübt. Tatsächlicher Basketball wurde in Jena spätestens seit 1938 gespielt, als eine Jenaer Auswahl der Hochschule für Lehrerbildung am Deutschen Turn- und Sportfest teilnahm. 1939 benannte Karl Feige, Direktor des Instituts für Leibesübungen der Friedrich-Schiller-Universität Jena, explizit Basketballsportstätten, die in Jena aufgebaut seien. 1940 trat eine Jenaer Basketballauswahl bei den Hochschulmeisterschaften an und wurde Sechster.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Basketball Teil des Lehrkonzeptes an der Universität und auch eine „Basketballgarnitur“ war noch an der Universität vorhanden. Basketball wurde dementsprechend in der Sportlehrerausbildung vermittelt. Aber erst Wolfgang Hercher, einer der ersten Sportstudenten der Universität Jena und 1952 Trainer der Damen-Basketballnationalmannschaft, gründete 1951 mit mehreren ehemaligen Mitgliedern der Handball- und Volleyballabteilungen die Basketballabteilung der Universität. Die HSG Uni Jena war 1953 Gründungsmitglied der Oberliga, der höchsten Spielklasse der DDR, und man konnte direkt den dritten Platz bei der Meisterschaft erreichen. Zwar gelangen den Saalestädtern noch drei Viertplatzierungen, zuletzt 1981, jedoch konnte man, nachdem die SED-Führung 1969 die Einstellung der finanziellen Förderung des Basketballs im Leistungssportbeschluss beschlossen hatte, nicht mehr mit den Standorten Leipzig, Halle oder Berlin konkurrieren. Erst gegen Ende der DDR konnte zumindest die Damenmannschaft der Universität wieder mit guten Platzierungen bei den Deutschen Meisterschaften Erfolge verbuchen. Jena war 1990 Gründungsort des Thüringer Basketball Verbands.

Gründung im TuS Jena (1993–2007) Saisonergebnisse 2001–2007 Saison Liga Platz Punkte Körbe2001/022. BBL 12. 24:362544:26922002/032. BBL4. 48:16 2685:24892003/042. BBL8. 32:28 2425:23602004/052. BBL5.38:222595:24562005/062. BBL2.50:102605:21192006/072. BBL1.48:122337:2049

Im Jahr 1993 wurde beim TuS Jena die Sportart Basketball neu aufgenommen und eine eigene Abteilung gegründet. Die Spieler kamen von Carl Zeiss Süd und im Jugendbereich vom USV Jena. 1995 spielte der Verein in der Regionalliga Südost, der damals dritthöchste deutsche Spielklasse, stieg jedoch nach einer Saison wieder ab. Bereits 1997 gelang der erneute Aufstieg. Nach der Saison 1999/2000, während der man erstmals einen Namenssponsor (Obi) im Mannschaftsnamen trug, kooperierte man mit dem Mitteldeutschen BC und erlaubte so Jugendspielern, beim Bundesligisten mitzutrainieren.

Am Ende der Saison 2000/01 folgte unter Trainer Carl Woodard der Aufstieg in die Südstaffel der 2. Basketball-Bundesliga mit 19 Siegen aus 22 Spielen. Im ersten Jahr erreichte der Verein unter dem neuen Coach Dan Palmer den 12. Tabellenplatz. In der Saison 2002/2003 nahm der Verein den Namen eines Sponsors in den Namen auf und trat als TuS Jena erdgas baskets an. Als neuer Trainer konnte der ehemalige Coach des Mitteldeutschen BC, Frank Menz, verpflichtet werden und man erreichte einen unerwarteten 4. Platz. In der Folgespielzeit (nun als erdgas baskets Jena) landete die Mannschaft in der Schlussabrechnung auf dem achten Platz, ein Jahr später auf dem fünften Platz. Zum 1. Januar 2005 nahm die Baskets Jena GmbH ihre Geschäftstätigkeit auf. Erster Geschäftsführer war Steffen Hausdörfer. In der Sommerpause 2006 konnte mit dem Fitness-Unternehmen Planet of Motion (POM) ein neuer Namenssponsor gefunden werden. Das bis zu diesem Zeitpunkt beste Saisonergebnis erzielte man mit einem zweiten Platz in der Saison 2005/06. Am 21. April 2007 wurden die POM baskets Jena mit dem damals 24-jährigen Trainer Björn Harmsen überraschend Meister der 2. Bundesliga Süd und stiegen in die Basketball-Bundesliga (BBL) auf. mini|Aufstiegsfeier 2007 in Kaiserslautern

Etablierung als Science City Jena (2007–2016) Saisonergebnisse 2007–2016 Saison Liga Platz Punkte Körbe Play-offs2007/08BBL 18. 10:582379:2705 —2008/09ProA6. 32:24 2368:2305 —2009/10ProA 10. 26:34 2335:2407 —2010/11ProA14.16:402080:2250—2011/12ProA8.28:282330:2336VF2012/13ProA7.30:302597:2578HF2013/14ProA5.36:242858:2670VF2014/15ProA4.36:242508:2365VF2015/16ProA2.54:62316:1961Meister

Seit dem 7. September 2007 tritt die Profimannschaft als Science City Jena an, nachdem in der Stadt Jena ein Namenssponsor gefunden wurde. Der Name spielt auf den Titel der „Stadt der Wissenschaft“ an, für den Jena sich beworben hatte und der der Stadt 2008 verliehen wurde. Dadurch konnte Jena die wirtschaftlichen Bedingungen für eine Bundesligalizenz erfüllen und mit einem Etat von knapp 1,2 Millionen Euro in die erste Bundesligasaison starten. Die Saison begann wenig vielversprechend: bereits nach drei Saisonspielen musste man sich von Adrian Moss und Al Elliott aufgrund von „vereinsschädigendem Verhalten“ trennen, nachdem beide Spieler nach einer Feier einen Verkehrsunfall verursachten. Nach nur zwei Siegen aus 19 Spielen wurde Björn Harmsen, der bis dahin der jüngste Bundesligatrainer aller Zeiten war, entlassen und von Sean McCaw ersetzt, der noch unmittelbar zuvor als Spieler aktiv war. Nach einjähriger Zugehörigkeit zur BBL stieg der Verein letztlich mit lediglich fünf Siegen als Tabellenletzter wieder ab. Eine Teilnahme am Verfahren zur Erteilung einer Wildcard der BBL für die Saison 2008/09 war ausgeschlossen, da dem Verein keine Lizenz erteilt wurde. Gründe dafür waren die fehlende sportliche Qualifikation und die mangelnde wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Nachdem zunächst auch die Lizenz für die ProA nicht erteilt wurde, konnte im zweiten Anlauf die Teilnahme gesichert werden.

Die Jahre nach dem Abstieg waren geprägt von einer finanziellen sowie sportlichen Konsolidierung des Vereins. Nach Ende der Saison 2008/09 wurde Lars Eberlein neuer kaufmännischer Geschäftsführer der Baskets Jena GmbH. In der nachfolgenden Saison kooperierte man erneut mit dem Bundesligisten Mitteldeutscher BC, die es einigen Spielern mittels einer Doppellizenz erlaubte, sowohl in der ProA als auch der Bundesliga anzutreten. 2011 erfolgte die Gründung des reinen Basketballvereins Science City Jena e. V., der nach der Insolvenz des bisherigen Stammvereins TuS Jena fortan für die Organisation der Jugendmannschaften und des Breitensports verantwortlich ist. Kurz darauf wurde zwischen dem neugegründeten Einspartenverein und der Baskets Jena GmbH auch offiziell ein Kooperationsvertrag unterzeichnet. Obwohl man 2011 noch gegen den Abstieg in die ProB spielte, konnte sich Science City seit Einführung der Play-off-Regelung in der Saison 2011/12 vier Jahre in Folge für die Play-offs der ProA qualifizieren, verpasste jedoch immer den Aufstieg. In der Saison 2015/16 gewann Jena schließlich unter der Leitung von Cheftrainer Björn Harmsen, der die Mannschaft erneut seit 2013 trainierte, den Meistertitel in der 2. Bundesliga ProA und kehrte in die Bundesliga zurück. Harmsen wurde am Ende der Saison zum Coach des Jahres gekürt.

Rückkehr in die Bundesliga (2016–2019) Saisonergebnisse 2016–2019 Saison Liga Platz Punkte Körbe Play-offs2016/17BBL 13. 22:42 2415:2654 —2017/18BBL 13. 28:40 2677:2790 —2018/19BBL 18. 10:58 2640:3039 — links|mini|Die beiden Routiniers Immanuel McElroy (Nummer 25, links) und Julius Jenkins (11) standen von 2016 bis zum Abstieg 2019 im Aufgebot der Saalestädter. Die erste Erstligasaison seit fast zehn Jahren begann unglücklich und in den ersten acht Spielen konnten die Jenenser lediglich zwei Siege verbuchen. Danach stabilisierten sich die Leistungen der Mannschaft und kurzzeitig hielt man sogar Anschluss an die Play-off-Plätze. Zwar wurden die Play-offs letztlich verpasst, doch gelang bereits am 26. Spieltag frühzeitig der erste Klassenerhalt der Vereinsgeschichte In: Thüringer Allgemeine, 2017. und die Lizenz für die Folgesaison wurde ohne Auflagen erteilt.

Mit dem Neuzugang Derrick Allen sowie den gebliebenen Routiniers Julius Jenkins und Immanuel McElroy standen in der nachfolgenden Saison drei Spieler im Alter von über 36 Jahren im Kader, weswegen die Mannschaft teilweise als „Oldie-Truppe“ verballhornt wurde. Während der Saison gab der Verein bekannt, dass Björn Harmsen einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalte, was als ungewöhnlich im Profisport kommentiert wurde. Fünf Spieltage vor Ende der Hauptrunde gelang Jena erneut der frühzeitige Klassenerhalt. Besondere Dramatik erzeugte das letzte Spiel der Saison: Jena empfing im Thüringen-Derby die Rockets, die nur durch einen Sieg den Klassenerhalt sicher hätten schaffen können. Jena gewann das Spiel 85:81 und die Rockets stiegen ab. Am Ende der Saison belegte man wie bereits in der Vorsaison den 13. Platz, jedoch bedeuteten die 14 Siege das bisher beste Saisonergebnis der Thüringer in der Basketball-Bundesliga.

Auch in die dritte Erstligasaison in Folge ging man mit dem Ziel, den Klassenerhalt zu sichern. Aufgrund der Erhöhung des von der Liga geforderten Mindestetats ab der Folgesaison arbeitete man außerdem an der Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen. Zu Saisonbeginn stellten die Saalestädter mit einem durchschnittlichen Alter von 27,4 Jahren den ältesten Kader der Liga. Trotz einer Niederlage am ersten Spieltag gegen den Vizemeister Alba Berlin mit 112:55, die vierthöchste der Bundesligageschichte, gelang Science City mit drei Siegen aus den ersten sechs Ligaspielen der erfolgreichste Bundesligastart der bisherigen Vereinsgeschichte. Auch im reformierten BBL-Pokal gelang nach einer „Pokal-Sensation“, einem Sieg über die EWE Baskets Oldenburg, der Einzug ins Viertelfinale. Im Anschluss folgte jedoch mit wettbewerbsübergreifend elf Niederlagen am Stück die längste Niederlagenserie, die der Verein je in der BBL hingelegt hat. Als Gründe wurden andauernde Verletzungsprobleme, eine nicht tief genug besetzte Bank und nicht eingeschlagene Neuverpflichtungen genannt. Nachdem Geschäftsführer Lars Eberlein zunächst einen Trainerwechsel ausschloss, musste Trainer Harmsen nach einer andauernden Niederlagenserie sein Amt im April 2019 an seinen Assistenten Marius Linartas abgeben. Gleichwohl verpasste Jena, das in der Saisonschlussphase 15 Niederlagen in Folge einstecken musste, den Verbleib in der höchsten deutschen Spielklasse.

Neuaufstellung in der ProA (seit 2019) Saisonergebnisse seit 2019 Saison Liga Platz Punkte Körbe Play-offs2019/20ProA 3. 36:18 2248:2244 —2020/21ProA4.37:142169:19792. Platz Gruppe 12021/22ProA3.44:202902:2618HF2022/23ProA15.24:442717:2806—2023/24ProA5.46:222879:2676HF