mini|Godzilla-Statue in Tokio

Godzilla (japanisch , Gojira; ausgesprochen englisch [], japanisch []) ist ein japanisches Filmmonster. Das 50–118,5 Meter hohe echsenartige Monster ist bisher in 33 japanischen und fünf amerikanischen Filmen aufgetreten und hat andere Monsterfilmreihen wie Mothra und Gamera inspiriert, die sich bei Fans des Genres ebenfalls großer Beliebtheit erfreuen, die ihn auch als König der Monster bezeichnen. Das Godzilla-Franchise ist das am längsten laufende Film-Franchise; es ist seit 1954 in Produktion, wobei es seitdem mehrere Pausen unterschiedlicher Länge gab.

Geschichte der Filmreihe In Japan Die Grundidee zum Film stammt vom Produzenten Tomoyuki Tanaka. Als Inspiration gilt hierbei der Vorfall des japanischen Fischerbootes Glücklicher Drache V (, Dai-go Fukuryū-maru). Dieses Boot geriet am 1. März 1954 in den Einflussbereich von Castle Bravo, einem amerikanischen Nuklearwaffentest, bei dem die US Army am Tag zuvor ihre stärkste nukleare Waffe auf dem Bikini-Atoll gezündet hatte. Durch die unerwartete Stärke der Bombe und die ungünstigen Witterungsbedingungen wurden Boot und Mannschaft schwer verstrahlt. Der Funker Aikichi Kuboyama verstarb am 23. September 1954 daran. Die anderen Besatzungsmitglieder überlebten zunächst. Sechs von ihnen erkrankten später an Leberkrebs. Während der Vorfall in den Vereinigten Staaten kaum wahrgenommen wurde, sorgte er für enorme Empörung in der japanischen Bevölkerung und zerstörte beinahe die Versöhnungsanstrengungen beider Staaten, die sich im Zweiten Weltkrieg gegenüber gestanden hatten. mini|Filmplakat zu Gojira Der erste Godzilla-Film von 1954 (Gojira) ist in der japanischen Originalversion ein nicht nur tricktechnisch beeindruckendes, sondern auch hinsichtlich der Handlung und Dramatik durchdachtes Werk, das sich als eine Allegorie auf das japanische Trauma der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki oder aber als direkte Reaktion auf das Atomunglück der Dai-go Fukuryū-maruFlorian Coulmas: Die Geburt Godzillas aus dem Geiste eines Nuklearunfalls. Das Monster aus dem Meer, in: Neue Zürcher Zeitung vom 21. Februar 2014. deuten lässt. Es existiert neben der japanischen Originalversion von Regisseur Ishirō Honda eine umgeschnittene internationale Fassung, für die Terry O. Morse einige zusätzliche Szenen mit Raymond Burr als Reporter drehte. Honda ließ sich bei diesem ersten Film von dem erfolgreichen amerikanischen Monsterfilm Panik in New York (The Beast From 20000 Fathoms, 1953), mit Trickaufnahmen von Ray Harryhausen, inspirieren.

Der erste Godzilla-Film kann als Verarbeitung des von Japan verlorenen Zweiten Weltkrieges, der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki und der zahlreichen Atomtests der Amerikaner im Pazifik während des Kalten Krieges interpretiert werden. Ist in diesem Film Godzilla als Symbol der Bombe ein böses Monster, änderte sich das im Laufe der Reihe. Vor allem versuchte man, Elemente aus ausländischen Produktionen oder dem Weltgeschehen einzubinden. In Filmen wie Befehl aus dem Dunkel (1965) wird Godzilla zum Beschützer Japans (bzw. der ganzen Erde, wie in Final Wars) vor außerirdischen Invasoren. Er wird – so Georg Seeßlen – „vom großen Zerstörer zum großen Freund“. Mit dem Erfolg von TV-Serien wie Raumschiff Enterprise und dem breiteren Interesse für den Wettlauf ins All sowie der Mondlandung der Apollo 11 wurden Science-Fiction-Elemente bis 1975 verstärkt eingesetzt. Der Erfolg der Zurück-in-die-Zukunft-Trilogie inspirierte die Macher des 1991 erschienenen Godzilla – Duell der Megasaurier zur Einbindung des Themas „Zeitreisen“. In den Serien der 1980er/90er und 2000er Jahre wurde Godzilla wieder zu einem bösen Monster, konnte sich aber nie von der Rolle des Anti-Helden distanzieren. Anfang der 1970er Jahre wurde mit Godzilla auch auf die anhaltende Umweltverschmutzung aufmerksam gemacht. Hierbei kämpfte er beispielsweise gegen ein Monster, welches aus der Umweltverschmutzung seine Energie bezieht. Dieses Thema wurde in späteren Filmen der Reihe erneut aufgefasst und zum zentralen Punkt einzelner Geschichten. Ähnliche Anspielungen gibt es auch auf die Gentechnologie.

In Deutschland kamen die Godzilla-Filme in den 1970er Jahren mit teilweise sinnentstellender Synchronisation ins Kino, die die marktschreierischen Verleihtitel in die Handlung zu integrieren suchten. Dabei wurden oftmals Frankenstein und King Kong in die Verleihtitel integriert, obwohl die entsprechenden Monster in der Regel nicht in den Filmen mitspielten. Während King Kong schlicht das zu dieser Zeit wohl bekannteste Synonym für amoklaufende Riesenmonster war – jedenfalls bekannter als Godzilla –, bezieht sich Frankenstein nur indirekt auf Mary Shelleys Romanfigur. Frankenstein – Der Schrecken mit dem Affengesicht, in dem ein 50 Meter hohes, atomar verstrahltes Frankenstein-Monster gegen ein weiteres Urzeitungeheuer kämpfen durfte, war im Sommer 1967 so erfolgreich an den deutschen Kinokassen, dass nahezu alle folgenden Filme, die die japanischen Riesenmonster zum Thema hatten, entsprechend eingedeutscht wurden, um an diesen Erfolg anzuknüpfen; sogar unter Verwendung des gleichen „Frankenstein“-Schriftzugs. Doch auch mit Godzilla selbst wurden Filme mit irreführenden Titeln belegt. So ist der koreanische Film Yongary in Deutschland unter dem Titel Godzillas Todespranke erhältlich. Auch der zweite Film der Gamera-Reihe, der in Deutschland Dragon Wars heißt, wurde mit Godzilla auf dem Cover beworben, obwohl dieser gar nicht auftaucht. Nur das gegnerische Monster wird Godzilla genannt, während Gamera den leicht abgewandelten Namen seines Gegners (Barugon) erhielt.

Tricktechnisch wurde in den Godzilla-Filmen mit Suitmation gearbeitet, was bedeutet, dass ein Schauspieler die Rolle des Monsters in einem oft zentnerschweren Gummikostüm spielt. Die für die Filme charakteristischen Zerstörungsszenen von Städten wurden in detailliert ausgestatteten Modellen gedreht. Da mit der Suitmation eine eigene Ästhetik erreicht wird, die allerdings von westlichen, an amerikanische Tricktechnik gewohnten Zuschauern oft als „billig“ verstanden wird, findet diese auch in den neueren japanischen Godzilla-Produktionen der 1990er Jahre immer noch Anwendung, zusätzlich ergänzt durch zahlreiche Computereffekte. Ursprünglich wollte man wie in einigen amerikanischen Produktionen die Stop-Motion-Technik von Ray Harryhausen nutzen, doch der Aufwand und die Kosten waren für Toho der Grund für die Suitmation-Entscheidung. Man experimentierte jedoch weiterhin mit Computereffekten. Ab 1984 wurde Godzillas charakteristischer Hitzestrahl, der vorher nur ins Filmmaterial eingemalt worden war, im Computer erstellt. 1999 und 2000, in den Filmen Godzilla 2000: Millennium und Godzilla vs. Megaguirus wurde das Monster in Unterwasserszenen ganz im Computer animiert, was die Fans jedoch nicht akzeptierten.

Der Godzilla aus der ersten amerikanischen Verfilmung wurde unter anderem 2004 im japanischen Godzilla-Film, Godzilla: Final Wars, parodiert. In einem Kampf zwischen dem echten und dem amerikanischen Godzilla, der in diesem Film Zilla genannt wird, schleudert der echte Godzilla Zilla mit dem Schwanz in das Opernhaus von Sydney und vernichtet ihn anschließend mit seinem radioaktiven Strahl. Das Ganze wird, wie auch schon der Anfang des Trailers, von We’re all to blame (dt. „Wir haben alle [daran] Schuld“) von der Band Sum 41 untermalt.

Aufgrund des finanziellen Erfolges des zweiten amerikanischen Godzilla-Films entschied sich Toho, nach zwölf Jahren einen neuen Godzilla-Streifen zu drehen. Dieser kam unter dem Titel Shin Godzilla (‚neuer Godzilla‘, internationaler Titel: Godzilla: Resurgence) am 29. Juli 2016 in die japanischen Kinos. Für den deutschsprachigen Markt sicherte sich bereits Splendid Entertainment die Vertriebsrechte. Dieser entstand unter der Regie von Hideaki Anno und Shinji Higuchi, die beide durch die Anime-Serie Neon Genesis Evangelion bekannt geworden waren, wobei das Drehbuch ebenfalls von Anno stammt, die Spezialeffekte von Higuchi. Nach dem Erfolg von Shin Godzilla wurde erstmals eine Adaption als Anime-Filme in Auftrag gegeben, die als Trilogie beginnend mit Godzilla: Planet der Monster ab November 2017 in den japanischen Kinos anlief. Eine weitere Animeserie mit dem Titel Godzilla: Singular Point erschien erstmals am 25. März 2021 auf der japanischen Version von Netflix, wo beide Animes auch im deutschsprachigen Raum zu sehen sind.

Die insgesamt 33 japanischen Godzilla-Filme unterteilen sich in fünf lose zusammenhängende Serien mit jeweils weitgehend voneinander unabhängiger Chronologie: die Showa-Reihe von 1954 bis 1975 (15 Filme), die Heisei-Reihe von 1984 bis 1995 (7 Filme) und die Millennium-Reihe von 1999 bis 2004 (6 Filme). Die vierte Reihe wird Reiwa-Ära genannt, die mit dem 2016 erschienenen Shin Godzilla begann. Mit dem Anime-Film Godzilla: Planet der Monster erschien von 2017 bis 2018 eine Anime-Film-Reihe, die unabhängig von der vierten Film-Reihe ist. Im September 2023 erschien der Trailer zu einem neuen Film mit dem Titel Godzilla Minus One, der im November 2023 in Japan Premiere feierte und am 1. Dezember 2023 auch in den Vereinigten Staaten sowie Deutschland in die Kinos kam.

In den Vereinigten Staaten Bereits 1978 erschien in den Vereinigten Staaten unter dem Titel Godzilla – Der Retter der Erde eine Zeichentrickserie über Godzilla, die sich in ihrer Präsentation stark an ein sehr junges Publikum richtete. Godzilla sowie sein Sohn wurden als Beschützer der Menschen inszeniert. Die 26 Episoden starke Serie lief von 1978 bis 1979 und wurde anschließend nicht weitergeführt.Fernsehserien.de: Godzilla – Der Retter der Erde, abgerufen am 18. März 2017

1998 kam ein amerikanischer Godzilla-Film des deutschen Regisseurs Roland Emmerich mit visuellen Effekten von Volker Engel ins Kino, der eine völlig neue und andere Version der Riesenechse präsentierte. Die Handlung wurde von Tokio nach New York City verlegt. Der Film war zwar ein kommerzieller Erfolg, wird aber von Fans des japanischen Godzillas nicht als Teil der Reihe akzeptiert. So ist unter Fans für das Emmerich-Monster die Kurzform GINO gebräuchlich: “Godzilla In Name Only” (Godzilla nur dem Namen nach). Nach Veröffentlichung dieses Films ließ die verantwortliche Produktionsgesellschaft Tōhō verlautbaren, dass es für mindestens zehn Jahre keinen weiteren Godzilla-Film geben werde. Trotzdem erschien noch 1998 eine weitere amerikanische Zeichentrickserie unter dem Titel Godzilla – Die Serie, welche thematisch den Kinofilm von Emmerich fortsetzte. Diese Serie wurde nach zwei Jahren und 40 Episoden ebenfalls nicht mehr fortgeführt.Fernsehserien.de: Godzilla – Die Serie, abgerufen am 18. März 2017.

Im Mai 2014 wurde der zweite amerikanische Godzilla-Film in 2D und 3D veröffentlicht. Produziert und vertrieben wurde der Film neben der Toho Company von Warner Bros., Legendary Pictures und Disruption Entertainment.Moviejones.de: Godzilla gegen andere Monster Regie übernahm hier Gareth Edwards. Dieser Film wurde im Gegensatz zum Werk von Roland Emmerich deutlich wohlwollender aufgenommen.